Die Entwicklung des Teeniekreises bei unserer „Gemeinde in Gründung“ ist ein wahres Auf und Ab.
Ungefragt klopften einige Teens meiner früheren Gemeinde bei uns als „Gemeindegründung“ an. Sie würden gerne bei uns den Teeniekreis stattfinden lassen.
Eine zwiespältige Angelegenheit. Verwehrt man den Zutritt, um es sich nicht mit der früheren Gemeinde zu verscherzen? Oder öffnet man die Tür, um den Teens die Chance zu einem Neuanfang zu geben?
Letztlich dockten sie bei uns an.
Das freute diejenigen Teens, die bis dato zu unserer Gemeindegründung gehörten.
Doch mit der Zeit offenbarte sich, dass unterschiedliche Schwerpunkte verfolgt wurden. Zudem merkten wir, dass wir die Teens kaum hilfreich begleiten konnten.
So wurde dieser Sommer09 zur Zäsur:
Die Teens, die zum Stamm unserer Gemeindegründung gehören, sind nach wie vor dabei. Die Teens, die die Gemeinde gewechselt hatten, sind im Grunde weg.
Im Rückblick hätten wir den anklopfenden Teeniekreis nicht annehmen dürfen. Allein deswegen, weil wir sie kaum unterstützen konnten.
Abgesehen davon, hätten wir von vornherein unsere Vorstellungen von einer gemeindlichen Jugendarbeit deutlicher kommunizieren müssen. So wären manche Illusionen verhindert worden.
So dachte ich, dass der Teeniekreis im Grunde „beerdigt“ werden kann.
Doch da waren noch die Teens, die zu unserem „Stamm“ gehören.
Und plötzlich tauchte ein Teen auf, der schon monatelang nicht mehr dabei gewesen war. Ein Zeichen des Neuanfangs?
Und heute kamen zwei Mädels zum Teeniekreis, die ebenfalls monatelang „weg vom Fenster“ waren.
Der Eindruck des Neuanfangs wird verstärkt.
Der Hammer war dann die arabisch-deutsche Jugendgang, die beim heutigen Teeniekreis auftauchte.
Sie sahen, dass im KiK-Cafe was passiert. Sie sahen, dass wir Getränke und Knabbereien dabei haben. Ihre Schlussfolgerung: Das wollen wir auch haben!
Und so stürmten sie in unseren Teeniekreis.
Ich war echt unsicher. Es kommt ja nicht jeden Tag eine Gang in die Bude.
Zudem einige von ihnen islamisch geprägt sind.
Und doch war mir auch klar: Darin liegt JETZT die Chance!
Also erklärte ich ihnen, dass wir gastfreundlich sein wollen, dass wir aber auch Respekt von ihnen erwarten. Schließlich geht es um Jesus.
Sie setzten sich mit an den Tisch und begannen, die Salzstangen und Gummibärchen zu verschlingen (wobei die Moslems m.E. nicht bei den Gummibärchen zugriffen) und die Flaschen zu leeren.
Ich sang mit den stiller gewordenen „Kern-Teens“ ein Lied über Jesus Christus, betete laut, verwarf mein Konzept, legte die Arbeitszettel beiseite und begann per Geschichten-Erzählung und Gruppen-Fragen von der Liebe zu Gott und Menschen zu berichten.
Dabei kam ich auch auf die Geschichte vom barmherzigen Samariter.
Die Samariter waren für die Juden eher ein Feindbild.
Wer ist denn in unserer Gesellschaft ein Außenseiter, wollte ich von der Gang wissen.
„Nazis.“
„Okay, dann stellt Euch vor, ein Nazi würde dem Verletzten am Boden aufhelfen und ihn versorgen…“
Geht das?
Nach ca. 20-30 spannenden Minuten wollte die Gang wieder gehen.
Klar – die Flaschen waren leer und das meiste war aufgegessen.
Ich durfte noch für sie beten und um den Segen Gottes bitten.
Keine Ahnung, ob sie wiederkommen werden.
Ich spüre nur: Diesen heutigen Abend hat Gott geleitet. Ich war eigentlich überfordert.
Und ich sehe noch etwas:
Ich brauche dringend Mitarbeiter-Verstärkung!
Gott weiß darum.
Aber das wäre doch was…
wenn dieser neu gestartete Teeniekreis zu einem Segens-Faktor im Kiez werden könnte, der Jugendgangs erreicht und sie vor der üblicherweise fortschreitenden Kriminalität bewahrt.
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