Action, Stress … nie wieder Langeweile
Auch noch mit 10 Jahren kannte ich Langeweile. Keine Ahnung, ob Kinder von heute wissen, was das ist.
Spätestens seitdem ich Christ bin, weiß ich nur noch, wie man das Wort schreibt.
Jetzt die überleitende Zäsur:
Diese Woche war ich für zwei Tage im Schwarzwald am BibelSeminar Königsfeld. Das erste Beweisfoto:

Seit nun fast sechs Jahren bin ich dabei, berufsbegleitend theologische und z.T. pädagogische Qualifikationen zu erlangen. Parallel war ich ehrenamtlich im Gemeindeleben tätig, dann zwei Jahre als zweiter Prediger der LKG Radelandstraße, seit 2005 bete und arbeite ich für das Wachsen einer weiteren Gemeinde in Staaken (ja, das Foto auf der ersten Seite muss noch unserer Realität angeglichen werden) und seit fast einem Jahr bin ich Prediger für die LKG’en Potsdam und Werder, mit Außenstellen in der Stadt Brandenburg und dem Ort Alt-Töplitz (diese Anstellung wird nur bis Ende September gehen). Ach ja, Familie und Freunde habe ich auch.
Seit ein paar Monaten bin ich in der Examensphase. Deswegen auch meine Reise zum BibelSeminar Königsfeld. Dort konnte ich meine mündliche Prüfung absolvieren.
Es ist zur Zeit sehr viel. Ich gebe zu: Manchmal „ächze“ ich, weil die Vielbeschäftigung nach Wichtigkeit klingen kann. Aber es gibt Phasen im Leben, da kann Vielbeschäftigung auch für Blödheit stehen. Deshalb freue ich mich auf die kleine Sommerpause. Ich meine, es ist das erste Mal, dass ich mich auf einen Urlaub wirklich freue. Ich überlege sogar, unserer Kiezgemeinde eine kleine Sommerpause zu geben, zumindest in Form einer „Programm-Reduzierung“ … um dann mit frischem Schwung weiterzumachen.
Was mich im Süden unseres Landes erstaunt hat, war die Geschichte einer christlichen Familie. Bei denen konnte ich unterkommen. Das zweite Beweisfoto:

Sie haben vor kurzem ein Mehrgenerationen-Haus aufgebaut, haben Kinder mit einem Down-Syndrom aufgenommen, haben das Nachbarhaus erstanden und betreiben dort einen Second-Hand-Shop,der auch Transfair-Produkte anbietet und wollen demnächst eine leicht beeinträchtigte Frau als Verkäuferin anstellen. Zudem bieten sie eine WG für Frauen mit psychischen, seelischen oder körperlichen Beeinträchtigungen an. Nebenher arbeitet mein „Gastvater“ als Studienleiter und Ältester. Parallel müssen die Häuser z.T. umgebaut oder renoviert werden und die Gärten gepflegt werden.
Beeindruckend. Geht nur, wenn man
a) ein initiativer Typ ist (solche gigantischen Projekte muss nicht jede Familie in Angriff nehmen!)
)
b) und von Gott grünes Licht bekommt, wobei es nicht immer um den Zettel vom Himmel geht.
Christen kennen keine Langeweile.
Aber brauchen manchmal Ruhe.
So – jetzt an die Predigt für Sonntag und an der Abschlussarbeit zum Thema „Diakonie und Gemeindebau“ arbeiten.
Tags: Bibelseminar Königsfeld, Diakonie, Down-Syndrom, Gemeindegründung, Second-Hand-Shop
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Juli 10, 2009 at 1:21
„Christen kennen keine Langeweile.“ = Christen sollen Workoholiker sein?
Juli 10, 2009 at 2:22
Hi Charly!
Eine rhetorische Frage?!
Natürlich nicht.
Aber es mag sein, dass manche (natürlich nicht nur Christen) in dieser Gefahr stehen.
Ich denke, dass ein Christ nie „arbeitslos“ ist – höchstens unbezahlt.
Schließlich:
Mancher Einsatz ist typbedingt.
Initiative Typen wollen „voran“ – manchmal auch unreflektiert.
Abwartende Typen bleiben gerne, wo sie sind – manchmal zu lange.
Gut, wenn beide Typen aufeinandertreffen.
Viel Segen!
Dirk
Juli 11, 2009 at 12:27
Warum ist eigentlich der Begriff Langeweile so negativ belegt? Langeweile kann auch der Initiator für Kreativität oder die Eingangsphase zur wohltuenden Entspannung sein. Ein hoch aktiver Mensch wird zB in einer Zeit der Ruhe (Urlaub zB) zunächst schnell Langeweile empfinden. Dann erst, wenn er diese nicht wieder versucht mit neuen Aktivitäten zu füllen, schafft er den Schritt hin zur tieferen Entspannung.
Langeweile zeichnet oft nur das Unterschreiten des normalen Aktionspensums an. Und manchmal ist es gut, dem nicht entgegenzuwirken. Denn noch lange nicht jedes Aktivitätspensum (wie zB die eines Workoholikers) ist erstrebbar oder gut. Das wird in unserer Leistungsgesellschaft aber oft suggeriert. Daher meine Frage.
Gruß, Charly
Juli 12, 2009 at 8:37
Mmmhh … Langeweile…
also, als Kind fand ich Langeweile tatsächlich doof.
Je älter ich wurde, desto seltener wurde mir langweilig.
Eher überkommt mich dann in den wenigen Momenten der Langeweile ein Stress-Empfinden – denn jetzt hätte ich Freiraum, könnte „mal endlich“ das tun, wozu ich Lust habe… aber bei so viel denkbaren Möglichkeiten kommt dann Stress auf. Auch komisch.
Ich kann Deinen Gedanken gut verstehen. Langeweile kann durchaus einen positiven Effekt haben. Entspannung z.B.!
Ich will auf jeden Fall mehr darüber nachdenken, inwiefern ich mich von unserer Leistungsgesellschaft motivieren lasse – und was stattdessen das Tempo Gottes für mich ist.
Denn das habe ich schon gemerkt:
Wenn ich etwas aus meiner Kraft tue, dann bin ich bald platt.
Wenn es aus der Kraft Gottes geschieht, dann fühle ich mich „gesättigt“.
Segen an Dich!
Dirk