Senf und Senfbaum
Im Rahmen meiner Examensarbeiten fällt oft etwas Wissen ab.
So z.B. zum Text aus Matthäus 13,31-32.
Jesus spricht dort von Senfkorn – dem kleinsten Samen der Erde.
Eigentlich geht es um das Reich Gottes und natürlich besteht immer die Gefahr, ein Gleichnis zu überreizen.
Aber warum nicht auch in’s Detail gehen!?
Das Senfkorn – der kleinste Same?
Kritiker weisen daraufhin, dass der Same der Orchidee der kleinste Same sei und nicht das Senfkorn.
Folgerung:
Jesus muss sich geirrt haben.
Die „Bibel-Verteidiger“ beginnen dann in der Regel, sich aufzuweichen oder mit nicht immer glücklichen Argumenten dagegen zu halten ( s.a. Diskussion hier). Es ginge doch nur um die Metapher… das dürfe man nicht so wörtlich nehmen. Die Bibel wolle doch kein Botanik-Buch sein, das dem heutigen Standard gerecht werden müsse…
Am verständlichsten empfand ich das Argument, dass damals das Senfkorn als kleinster Same bekannt gewesen sein könnte – von dem Orchideen-Same wusste man womöglich nicht.
Wie immer sind die Kontext-Betrachtung und ein wenig Recherche hilfreich.
Hinsichtlich des Kontexts fällt auf, dass der Same laut Jesus auf dem Acker ausgesät wird. Ferner, dass der daraus wachsende Baum größer als andere Gartenkräuter werde.
Damit steckt Jesus einen Rahmen, der hilft, Seine Aussage zu deuten.
Es scheint daher um eine Nutzpflanze zu gehen (auf den Acker säen). Die Orchidee scheidet damit schon fast aus, da sie überwiegend als Zierpflanze verwendet wird. Der Senfbaum hingegen enthält Wirkstoffe, die der Zahnreinigung dienen und womöglich auch andere Heilstoffe birgt.
Unterstützt wird der Aspekt des Nutzens, da Jesus von „Gartenkräutern“ spricht. Zwar mag es auch damals bloße Ziergärten gegeben haben. Doch ist davon auszugehen, dass Jesus hier nicht zu sonderlich Vermögenden gesprochen hat, sondern zu Durchschnittsbürgern, die einen Garten wohl eher für den wirtschaftlichen Nutzen pflegten.
Das spricht dafür, dass Jesus nicht den kleinsten aller denkbaren Pflanzensamen meinte, sondern den kleinsten Samen aller damaligen Nutzpflanzen.
Noch etwas spricht dafür, dass der genannte Same im Bezug zu Nutzpflanzen gesehen werden muss und nicht im Bezug zu allen denkbaren Pflanzensamen:
Die kurze Internet-Recherche ergibt, dass das bloße Aussäen z.B. eines Orchideen-Samens ziemlich schief gehen kann. So sind die meisten Orchideen-Samen auf eine Symbiose mit Pilzen angewiesen, ansonsten kann ein Wachstum nicht stattfinden.
Das Aussäen eines Senfkorns hingegen kann genügen, damit tatsächlich der Senfbaum entsteht. Die Chance ist gut, dass der Same des Senfbaums auch auf kärglichem Boden gedeihen kann.
Nur deshalb macht das Aussäen durch den Menschen, von dem Jesus im Gleichnis sprach, Sinn. Das Aussäen eines Orchideen-Samens wäre wohl eher kläglich gescheitert, sofern man nicht mehr Aufwand betreibt.
Somit muss der heutige, vielleicht kritischere Leser von Matthäus 13,31 lesen:
„Es ist wie ein Senfkorn: wenn das gesät wird aufs Land, so ist’s das kleinste unter allen Samenkörnern (von Nutzpflanzen, die man auf einen Acker sät) auf Erden;“
–
Links:
o Vermehrung von Orchideen
o Das Senfkorn in Matthäus 13 ist nicht das Senfkorn!
o Denn das verlinkte Senfkorn hat damit zu tun!
o Das Jesuanische Senfkorn hat eher was mit Zahnbürsten zu tun.
Tags: kleinster Same, Matthäus 13, Reich Gottes, Senfbaum, Senfkorn, Zahnbürstenbaum
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Juni 24, 2009 at 7:11
Hmm – ich hab mir das immer so gedacht, dass Jesus den Menschen das gezeigt hat, was sie kennen. Kamen Orchideen (oder kommen diese Pflanzen) denn im natürlichen Lebensraum dort überhaupt vor?
Juni 24, 2009 at 8:13
Juni 24, 2009 at 10:37
@Quincy: Orchideen kommen fast überall auf der Welt vor. Es ist sehr wahrscheinlich, dass es sie auch im Nahen Osten gab und gibt. Ob die Orchidee als Pflanze damals aber groß im Bewusstsein war, kann ich nicht sagen. Ich vermute nein, weil sie idR. mehr eine Zierpflanze als eine Nutzpflanze ist. D.h.: mancher wird sie gekannt haben, aber sie war sicherlich nicht relevant.
Juni 24, 2009 at 1:42
Mir fällt grad ein, dass Jesus sagt das Salomo in all seiner Pracht nicht so schön gekleidet war wie eine Blume – weiß aber nicht mehr ob eine spezielle oder Blumen im allgemeine.