Gemeindezucht,

Gemeindekorrektur, Gemeindedisziplin, Gemeinde-Haue…
welchen Begriff man auch immer wählen mag:
es klingt abschreckend.

Gemeint ist, dass eine Gemeinde sündige Verhaltensweisen der Gemeindemitglieder züchtigt, korrigiert, diszipliniert… äh…

Entsprechend sensibel ist das Thema auch im Gemeindeleben.
Manche Gemeinden schrecken vor der „Zucht“ ganz zurück und leben eher nach einem „Wir sind unendlich frei“-Stil.
In anderen Gemeinden wird das Thema bewusster angegangen, aber man ziert sich. Das Resultat sind mancherlei Schräglagen, weil in einigen Fällen „Gemeindezucht“ geübt wird und in anderen Fällen lässt man scheinbar alles durchgehen.
Wahrscheinlich gelingt es nur sehr wenigen Gemeinden – und das sicherlich auch nicht durchgängig – das Thema auf eine hilfreiche Weise anzugehen.

Als „Gemeinde in Gründung“, wie wir es in Berlin sind, beschäftigt man sich mit vielen Gemeindethemen das „erste Mal“.
Das ist gut und wichtig. Man gibt sich schließlich eine DNA. Man stellt Weichen für die nächsten Monate und vielleicht Jahre.
So haben wir u.a. das entdeckt:

Gott ist es nicht egal, wie wir leben.
Warum nicht?
Weil Er uns liebt. Er will, dass unser Leben erfüllt ist.
Er will uns beschenken. Deshalb lässt Er die Sonne scheinen über Gute und Böse. Deshalb soll uns Seine Güte zur Buße leiten (und nicht Seine Strafaktionen).
Seine Liebe zeigte Er im höchsten Maße, als Er Seinen Sohn Jesus Christus für uns opferte, damit nicht wir die Strafe zahlen müssen, sondern volle Kanne das ewige Leben haben.

Um dieses Leben zu bekommen, brauchen wir die Beziehung zu Jesus Christus. Und innerhalb dieser Beziehung gibt uns Gott Weisungen mit, die aufzeigen, wie unser Leben sinnig und erfüllt werden kann.

Was aber passiert, wenn wir sündigen, sprich: wenn wir uns von Gott abwenden?
Dann drücken wir das aus:
o  Wir haben nicht kapiert, was Gott von uns will.
o  Oder: wir haben nicht kapiert, dass Gott Gutes für uns will.
o  Im Kern: Wir vertrauen Ihm nicht, sondern misstrauen Ihm.

Damit aber verfehlen wir das Gute, was Gott für uns erschaffen will.
Wir versäumen es auf Dauer,
- Seine Kraft für die Herausforderungen des Lebens zu bekommen,
- Seine Hoffnung auf das Künftige zu erlangen, die uns in der Gegenwart verändert,
- Seinen Trost und Frieden zu erfahren, die uns mit einem Empfinden der Sicherheit durch die Unsicherheiten des Lebens auf Kurs halten können,
- Seine Heilung zu empfangen,
- von Seiner Freude angesteckt zu werden,
- und im schlimmsten Fall versäumen wir es bei einem Festhalten an der Sünde sogar, in das Reich Gottes zu gelangen (1.Kor.6,9 ff.).

Die Schlussfolgerung:
Wenn uns der andere, der zur Zeit an der Sünde klebt, wichtig ist, dann darf es uns nicht egal sein, wohin sein Leben steuert.
Aus derselben Motivation kümmert man sich um seine Kinder, damit sie auch ihre Zähneputzen, zur Schule gehen… man wünscht sich und seinen Kindern, dass sie auf einen guten Weg kommen.

Das ist dann aber auch die Herausforderung an eine Gemeinde:
Genau diese Motivation – die Liebe zum Betroffenen – muss bei allen Gesprächen und Handlungen deutlich sein. Es muss offensichtlich sein, dass es nicht um „Gemeindepolitik“ geht, sondern um das Streben danach, dem anderen zu einem erfüllten Leben zu helfen.

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7 Comments on “Gemeindezucht,”

  1. curioustraveller Says:

    Es ist auch hilfreich, sich daran zu erinnern, dass Gemeindezucht eigentlich (!) ein Mittel der Seelsorge sein soll. Ein Mittel, um Menschen im besten Wortsinne „zurechtzuweisen“: Sie vom Holzweg auf den richtigen Weg zurückzubringen. Leider landen wir in der Gemeindepraxis allzu oft dann doch beim „Rausschmiss“. Und wir haben oft eine Schieflage in den Gründen für Gemeindekorrektur (ich mag das Wort eigentlich lieber): Die meisten Fälle, die ich kenne, bezogen sich auf Themen aus dem Bereich Sexualität und Beziehungen. Aber ich habe noch nie erlebt, wie jemand wegen Geiz oder Habgier in Gemeindekorrektur genommen wurde… Das ist ein Lernfeld für uns als Gemeinden, gar keine Frage. Vor allem in unserer individualisierten, unverbindlichen Zeit.

    In der Zeitschrift „Christsein Heute“ gab’s vor einigen Jahren mal eine Umfrage und Statistik zu dem Thema, mit einigen interessanten Ergebnissen. Ein Absolvent des Theologischen Seminars hatte das als Abschlussarbeit.

  2. dikosss Says:

    Gute Gedanken! Danke!
    Und das mit „Sex & Beziehungen“ als Fokus der Gemeindekorrektur ist tatsächlich auffällig. Vielleicht deswegen, weil entsprechendes Verhalten auffälliger als andere Verhaltensweisen ist?

  3. Barbara Says:

    Hallo, ich bin neu hier :)

    Das ist ein sehr interessantes Thema! Ich weiß nicht, ob sexuelle Verhaltensweisen wirklich offensichtlicher sind als „Geldsünden“ wie Geiz, Gier oder eine luxuriöse Lebensweise. Aber bei Ersteren geht es eben um offensichtlich zwischenmenschliche Dinge und die werden vermutlich einfach höher gewertet als anderes – ob zu Recht, sei dahin gestellt.

  4. Peter Says:

    Dein Artikel zu diesem Thema finde ich sehr gut.
    Er ist mutig und weitsichtig. Das dieses Thema sehr heikel ist kannst Du schon sehen wie viel Bücher es zu diesem Thema gibt.
    Gruß
    Peter

  5. Deborah Says:

    Soweit ich das gerade im Gedächtnis präsent habe, hat Paulus einmal diesen Ausschluß drastisch praktiziert, und zwar bei Unzucht innerhalb einer Familie (Vorgaben aus Leviticus). Wenn es denn ein vollständiger Ausschluß war.

    Nimmt man sich Mt 18,15 ff vor, dann ist da ein deutlicher Schwerpunkt der Gemeindeerziehung hin zu einem Lebensstil der Vergebung und Versöhnung über den Weg des Ansprechens und der Konfrontation.

    Und was nicht unbedingt bekannt ist: im Versöhnungsgespräch gibt es eine Bedingung: …und wenn…. !!! : Lk 17,3
    3 Habt acht auf euch selbst: Wenn dein Bruder sündigt, so weise ihn zurecht, und wenn er es bereut, so vergib ihm!

    Das scheint das Schwerste zu sein…wo es auch die wenigsten Predigten drüber gibt (wird nur noch getoppt vom Thema Hoffnung). Jedenfalls ist mir das in den Threads auf jesus.de aufgefallen, dass es sofort verbale Haue gibt, wenn man jemanden den Weg der Vergebung nahelegt. Es scheint eine grosse Verwirrung darüber zu bestehen, was die drei grossen VVV (Vergebung- Versöhnung-Vertrauen) beinhalten, bewirken …dass es zwei Vorgänge der Vergebung gibt und warum sie so notwendig …Not wendend …..sind.

    Das was heute vorwiegend unter dem Namen Gemeindezucht läuft…..bedarf mMn dringend der Reformation.

    Segen
    Deborah

  6. dikosss Says:

    @Barbara:
    Auf jeden Fall brauchen wir viel Sensibilität. Man kann hier so viel kaputtmachen und Leute eher abschrecken als sie gewinnen.
    Sicherlich hat das Thema „Partnerschaft/Sexualität“ für viele einen hohen Stellenwert, weil manche Vorgänge sehr weitreichende Folgen haben können: sehr schöne Folgen: Nachwuchs; aber auch sehr traurige Folgen: Ehebruch, der dazu führen kann, dass eine ganze Familie und der Freundeskreis auseinanderbricht und auch Beziehungen in der Gemeinde.
    Bei Themen wie „Geiz/Geldliebe“ (was uns wahrscheinlich alle mehr betrifft als wir sehen) ist es für mich schwerer erkennbar. Ab wann ist jemand geldliebend? Woran erkenne ich das? Wie gehe ich da vor, ohne Sündenspion zu werden?

    @Deborah: Das gefällt mir – der Kontext von Matthäus 18,15 ff. – Vergebung!

    Viel Segen!
    Dirk

  7. Bento Says:

    ..sehr schön Dirk, dass du wieder die heissen Eisen anfasst! :-)

    Dieses Thema hängt mit vielen Aspekten zusammen, u.a. mit dem „Deckmäntelchen der Liebe“, den ich kürzlich angeprangert habe, aber auch mit geistlicher Leiterschaft und und und…
    wenn man Tacheles redet, muss man halt befürchten, dass „zurückgeschossen“ wird und auch die eigene Tarnkappe wegfliegt
    (wieso empfinden wir das nur als unangenehm??)..

    daher scheint es hier mehrheitl. eine stillschweigende Übereinkunft zu geben: Ich nehm´s mal nicht so genau, dafür schaust du bei mir auch nicht so genau hin.

    ziemlich far away vom eigentl. Auftrag…

    Segen


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