Führungsstil
Seit ca. neun Jahren habe ich verschiedene leitende Aufgaben in Gemeinden übernommen. Manche übe nicht mehr aus, andere übe ich noch aus. Im Vergleich zu manch anderen bin ich noch ein Frischling.
Seit Jahren lese ich immer mal wieder Bücher über „Führung, Leitung…“.
Und ich merke: Die Theorie, z.B. die aus der Praxis geborene, ist eine Hilfe, wenn auch nur eine kleine Hilfe. Denn die Praxis zeigt, was wirklich geht.
Aber ich merke vor allem das:
Mein Führungsstil ist anders.
Und der Führungsstil anderer ist auch anders.
Simple Erkenntnis – aber weitreichend.
Und wie es mit allen Fähigkeiten ist, hat auch jeder Führungsstil seine Vor- und Nachteile. Das Ideal besteht darin, den entsprechenden Führungsstil im passenden Moment zu haben. Ob das was mit dem „kairos“ zu tun hat („kairos“ = alt-griech., „Moment, Zeitpunkt“ iSv. „jetzt und nur jetzt ist der passende Moment“)?
Dieses Ideal dürfte wohl eher selten erreicht werden.
Ich bin der beziehungsorientierte „Leithammel“.
Das hat die Vorteile, dass auch manch Außenseiter gehört wird;
dass die Stimmung in einer Gruppe wahrgenommen wird;
dass versucht wird, die Menschen dort abzuholen, wo sie stehen;
dass sich viele Menschen akzeptiert wissen;
dass etliche bereit sind, sich wegen der Beziehung zum „Leithammel“ auch mal auf Experimente einzulassen…
Kurzum: Ich will, dass ein Team an Bord ist. Ich will, dass möglichst viele gehört werden. Ich will gelebte Einmütigkeit. Ich will, dass wir zusammen laufen. Die meisten danken es mir mit ihrem Vertrauen und ihrer Offenheit.
Dieser Stil hat aber auch Nachteile.
Entscheidungsprozesse können verlangsamt werden, im schlimmsten Fall sogar nahezu unmöglich gemacht werden.
Mancher kann sich überfordert fühlen, wenn er in bestimmte „Leitungsaufgaben“ hineingezogen wird.
Dieser Stil kann auch dazu führen, dass ich im Angesicht von vielen verschiedenen gehörten Meinungen selber keine Meinung mehr habe und meine Sicht für das Hilfreiche oder das Schädliche vernebelt ist.
Deshalb wird ebenso die „starke“ Führung benötigt.
Es gibt Momente, wo jemand eine Entscheidung treffen muss und bereit sein sollte, alle Folgen auszubaden.
Momente, in denen schnell entschieden werden muss.
Momente, in denen man ein Team überfordern würde, würde man alle entscheiden lassen wollen.
Momente, in denen klar ist: „Das ist Kernaufgabe von der Gemeindeleitung! Dafür haben sie schließlich die Gaben und den Auftrag!“
Auch diser Stil hat Vor- und Nachteile.
Deshalb ist das eines meiner Lernfelder:
Mehr Empfinden dafür zu bekommen, wann das beziehungsorientierte Führen sinnvoll ist und wann das „Wo ich bin, ist vorn“-Führen hilfreich ist. Beziehungsweise: In welchen Momenten muss ein Team umfassend involviert sein und in welchen Momenten ist es Aufgabe der Leitung, Entscheidungen zu treffen und diese zu verantworten?
Vermutlich ein lebenslanger Lernprozess.
Tags: Führen, Führung, Gemeinde leiten, Gemeindeleitung, Leiten
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Juni 19, 2009 at 10:22
Gute Gedanken! Und ich stimme Dir voll zu, dass es nötig ist, im passenden Moment – und gegenüber den passenden Leuten – den passenden Führungsstil zu haben. Fällt einem nur nicht immer leicht; Ich bin auch nicht der „alle-mir-nach“-Typ; eher ein Teamplayer.
Was Deine Schlussfrage anbelangt: Schwierig. Da ist wirklich viel Fingerspitzengefühl, eine Leitung, die idealerweise aus mehreren unterschiedlichen Persönlichkeiten besteht und viel Leitung des Heiligen Geistes gefragt…
Juni 19, 2009 at 10:30
Danke für Deine Gedanken, die mich diesen Gedanken formulieren lassen:
Eine „ideale“ Leitung besteht aus mehreren Personen, die sich im beziehungsorientierten und „starken“ Leiten ergänzen, d.h. gegenseitig korrigieren und ermutigen!?
Juni 19, 2009 at 11:57
Vielleicht ist mir der Begriff „ideal“ eine Nummer zu groß, aber ich finde eine Leitung mit unterschiedlichen Persönlichkeiten geistlich fruchtbarer als eine, die beispielsweise nur aus Managertypen besteht. Oder nur aus seelsorgerlich geprägten. Oder nur aus Lehrern. Die Leitung repräsentiert ja auch ein Stück die Vielfalt der Gemeinde…