Gemeinde gründen/aufbauen in Sachsen-Anhalt
Ich find's spannend, den Erfahrungen anderer Gemeindegründer zu lauschen. So z.B. hier beim Cuxland-Projekt. Nun ist Martin seit einiger Zeit in Sachen "Gemeindegründung/ Gemeindeaufbau" in Sachsen-Anhalt unterwegs. Hier sind einige seiner Erfahrungen zu erlesen: (1) Wie bist Du auf den Gedanken der Gemeindegründung gekommen? Und: Was motiviert Dich dazu? Da gab es mehrere Puzzleteile, die ich erst im Rückblick staunend erkenne. Für Mission hab ich mich seit ich Christ wurde immer interessiert. Ich betete dann an der Bibelschule, dass Jesus mir zeigt, wofür ich leben soll. Dann kam F, der mir die ICF-Freunde vorstellte und Bücher schenkte. A brachte mich auf die blog-Welt und so kam ich zum Thema emerging church. M war dann der erste Gemeindegründer mit einem blog. An der Bibelschule unterrichtete D Gemeindegründung. M gründete während der Bibelschule im Nachbarort mit Freunden eine Gemeinde ... ich stieß also immer wieder auf das Thema. Motivation? Ich bin in den letzten Jahren in meinem Glauben so reich beschenkt worden. Jesus ist das Leben. Besser geht's nicht. Das müssen noch viele in Deutschland erkennen. Außerdem will ich ein Abenteuer. Ich will was Großes mit Jesus erleben. Wie Menschen zu Jesus finden, will ich sehen ... (2) Welche Herausforderungen siehst Du dabei? Zwei Dinge fallen mir sofort ein, die ich mich ständig frage: (1): Was sind Schlüssel zu den Menschen?? Was sind Zugänge zu den Menschen? Wie können wir nahe bei den Menschen wohnen, dass sie uns ganz automatisch als Christen leben sehen und einladend finden? Ich sehe bisher, dass die Christen vielfach in ihrer Gemeinde verschanzt leben. Und (2): Was unterscheidet Christen von Nichtchristen? Wo sind Jesusjünger, die offensiv ihren Glauben leben, ohne gleich eine Gemeinde gründen zu wollen? Christen wirken oft so sprachlos, freudlos und ohne Retterliebe zu den jesuslosen Menschen. Auch der Heiligungsernst fehlt. Hööäää? Heiligung? Meine Frage: Wie können Christen Feuer fangen und ein Christenleben führen, dass automatisch die Mitmenschen Christen werden? Mit solchen Haudegen könnte man dann Gemeinden gründen. (3) Welche Chancen siehst Du (für Euren Ort/die Gesellschaft/ Christen & Gemeinden)? - zur Fortsetzung klicken - Bei uns am Ort: Gemeinsames Leben scheint einer der oben genannten Schlüssel zu sein. Einfach Zeit mit den Leuten verbringen. Sport, Gitarrenunterricht, bei Schulaufgaben helfen, soziale Arbeit, Familienarbeit, zusammen kochen und ein Wochenende zusammen verbringen ... Hier ist ein link, wie ich es bisher sehe: hier. (4) Wie begegnest Du dem Argument, dass Gemeindegründungen die schon bestehende "Gemeindelandschaft" nur noch mehr zerreissen würden? Vielfach stimmt es ja, dass eine neue Gemeinde unzufriedene Christen aus anderen Gemeinden an- und abzieht, die jetzt endlich ihren ersehnten Lobpreis bekommen könnten. Wir hier wollen aber niemanden abwerben. Pflicht: Immer Absprache mit den Pastoren vor Ort und klare Absage an neugierige Christen, die bei einer Gemeindegründung mal reinschnuppern: Wir wollen die Unerreichten erreichen! Will jmd auf jeden Fall zu uns wechseln und kann er reine Motive vorweisen, wird das gern geprüft. Bei uns gibt es keine Gemeindelandschaft, die zerrissen werden könnte. Es gibt 3 evangelische Landeskirche und eine freie Gemeinde, die alle keinen so großen Zulauf haben. Von 16 000 Einwohnern haben etwa 200 einen regelmäßigen Anschluss an eine Gemeinde. Meine Schätzung. WennŽs hoch kommt 250 Leute. Die restlichen 15 750 wollen wir erreichen. Wenn jede Gemeinde zu etwa 160 neuen Leuten stetigen Kontakt bekommt, dann haben wir zu 4% der Bevölkerung Zugang. Das wäre doch schon was. Statistiken zeigen es deutlich, dass Gemeinden, die jünger als 5 Jahre alt sind, vor allem die Menschen anziehen, die bisher zu keiner Kirche und zu keinen Christen Kontakt hatten. Älterer Gemeinden betreiben häufig Bestandspflege. Nichts gegen die lebendigen älteren Gemeinden. Von daher ist Gemeindegründung das Mittel, um Menschen zu erreichen und ihnen Jesus zu zeigen. Mein Wunsch wäre, dass bestehende Gemeinden und Neugründungen zusammen für ihre Region offensiv Christsein leben und sich unterstützen. Also: bestehende Gemeinden erneuern und neue Gemeinden gründen. Gemeindegründer sollten den Rückhalt bei bestehenden Gemeinde suchen und neue Impulse in die vorhandenen Ortsgemeinden bringen dürfen. (5) Welche andere Kritik musstet Du wegen Eurer Gründungsarbeit schon hören? Wir machen ja eigentlich keine Gemeindegründung im Sinne einer Neugründung. Im fresh expression-Kontext der Anglikaner würde ich eher von einem rePlant sprechen. D.h.: wir bauen unsere Gemeinde neu auf. Denn wenn sich in unserer Gemeinde nicht bald was tut, dann stehen wir in wenigen Jahren mit einem leeren Haus und wenigen treuen Alten da. Darum haben wir hier ein Team gebildet. 10Plus Leute, die unterschiedlicher nicht sein können und die über das zukünftige Profil unserer Kirche nachdenken und nach Gottes Plan für uns hier suchen. Es gibt eigentlich keine Kritik. Die Kontakt zu anderen Gemeinden sind mager. Die freie Gemeinde ist froh, dass sich was bei uns tut. Wir treffen uns 1x im Monat und beten zusammen. Sehr schöne Einheit. Kritische Rückfragen kommen eher aus der Gemeinde selbst. (6) Wie gehst Du mit solcher Kritik um? Wie gesagt: eigentlich keine Kritik. Und wenn einer was sagen sollte, bin ich für eine Gespräch da. (7) Wie bewertest Du Eure bisherigen Erfahrungen in Sachen "Gemeindegründung"? Gemeindegründung ist nicht Arbeit an einer Organisation, sondern ein Leben mit Menschen. Veränderung geht bei Menschen oft langsamer. Darum: Lass dir Zeit und nimm das Tempo raus. Geh Leuten nach und erkläre immer wieder, worum es geht. 10 Jahre sind eine gute Zeit, um eine Gemeinde zu erneuern. Außerde: Es ist schrecklich, wenn die eigenen Plänen und Konzepte zerbrochen werden. Ich kann's schwer beschreiben. Ich dachte, dass ich mit meinen nur gut gemeinten Gedanken hier sofort auf Gegenliebe und Hallelujahrufe treffen würde. Aber denkste!! Jesus gründet anders Gemeinde. Was ich bisher so als geistliche Lektionen notierte: die kleinen Anfänge nie verachten; es braucht viel mehr Zeit; vergiss die schnellen Erfolge!!; du musst ein Stehaufmännchen sein und lernen, Hindernisse jeder Art auszuhalten; Ehe und Familie sind wichtiger als Gemeinde!!!!! (8) Was steht als Nächstes bei Euch an? Lise und ich sind frisch verheiratet und müssen weiter ins Eheleben finden. Wir sollten Stetigkeit in den Gemeindealltag reinbringen: Bereich Kinder- und Jugendarbeit, Hauskreise, Predigtplan, Visionsteam ... Wichtig: den inneren Kreis der Gemeinde und der Mitarbeiter schulen und stärken. Mein großer Wunsch: Christen den Sinn wecken, dass sie einen missionarischen, nach außen orientierten und alle Menschen umarmenden Lebensstil einüben. Die meisten Christen in der Gemeinde sind ältere Leute. Sie wollen wir als Beter und Unterstützer gewinnen und beruhigen, dass wir nicht alles in der ihnen vertrauten Kirche umkrempeln wollen. (9) Welche Hilfe könntet Ihr gebrauchen? Wenn ich das wüsste. Möglicherweise Netzwerke bilden, Ressourcen austauschen, füreinander beten, Freunde werden mit euch, die ihr ähnliche Aufgaben habt, (10) Was wird Euch helfen, auch in den nächsten Jahren am Ball zu bleiben? Besinnung auf die Berufung Gottes, der uns hier haben will. Wen Gott beruft, den befähigt er auch. Gottes Berufungen können ihn nicht gereuen. Das ist gut, zu wissen ... Danke an Martin für die Offenheit!
Tags: church planting, Gemeinde gründen, Gemeindegründung
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Juni 9, 2009 at 6:48
hey, hallo dikosss
besten dank
jesu sei mit dir
dein bruder martin
Juni 9, 2009 at 9:33
moin ihr beiden.
na es bleibt wohl spannend. ich finde es gut, dass wir im cyperspace vernetzt sind und wünsche mir hier und darüber hinaus viel segen und zusammenarbeit… wie es ja schon geschieht !!!
Juni 9, 2009 at 11:07
hallo andichrist
das wäre auch mein großer wunsch
jesu sei mit dir
wir wollen doch mal sehen, was er noch alles tun wird
auch dein bruder martin