„Zufällige“ Begegnungen und Blut

Es lohnt sich, „draußen“ zu sein (s.a. Beten im Kiez).

Ein anderes Beispiel dazu:
„Unser“ Siggi war im Kiez unterwegs gewesen, um Anwohner zu befragen, was sie von ihrem Kiez halten. Unter anderem traf er den D.
D. bekannte sich als „strenggläubiger Atheist“.
Ein intelligenter Mann mit vielen Erfahrungen. Leider dem Alkohol zugeneigt.

Ein paar Tage später trafen wir ihn wieder. Und weil Siggi und ich als „Praktikant und Pastor“ vorgestellt wurden, gesellte sich ein weiterer Freund der flüssigen Hefenahrung dazu. Der P. – und irgendwie schaffte es die Frau des P. mich per Telefon zu überreden, ihnen etwas Brot, Butter und Käse für das Abendbrot zu kaufen, weil sie wohl blank seien.
Bin ich zu weich? Wer bin ich, dass ich Hilfe ablehnen soll? Naja… eine Dauerlösung war das nicht und ich fragte mich, ob ich verarscht wurde oder wie oder was.

Wieder ein paar Tage später. War in Alt-Töplitz zur „Bibelgesprächsstunde“ gewesen. Wollte noch um 21:30 Uhr, abseits vom Kiez, etwas einkaufen. Und wen sehe ich da?
Den D.
Wir haben nett gequatscht.

Was es nicht für „Zufälle“ gibt!

P.S. Der Alkoholismus ist eine große Herausforderung für unsere Gesellschaft. Ich trinke gerne Wein, eher selten ein Bier. Aber gestern kam ich wieder für einen Moment in’s Nachdenken, ob ich abstinent leben sollte:
Für unsere Abendmahlsfeier holte ich im Kiez ein Fladenbrot. Dafür ging ich an der „Säuferecke“ vorbei. Auf dem Boden lag ein Mann. Völlig besoffen. Regte sich kaum. Er war auf das steinige Pflaster gefallen. Blut floss aus seinem Kopf. Passanten hatten schon den Krankenwagen geholt, der nur wenige Minuten später eintraf. Einen Verkäufer hatte ich um Taschentücher gebeten, um die Wunde zu bedecken. Er meinte nur: „Der ist besoffen.“ Ich: „Ja, er blutet. Hätten Sie Taschentücher für ihn?“ Er: „Nein. Er ist besoffen.“
Mann, Mann – was für ein Elend.

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4 Comments on “„Zufällige“ Begegnungen und Blut”

  1. JNj. Says:

    Hi Dirk,

    bist Du zu weich? Sind die andern nicht zu hart?
    Wie dem auch sei, ich habe mal einige „Taschentücher“ an Euch abgeschickt ;-)
    Grüsse aus dem Süden,
    JNj.

  2. andichrist Says:

    teinahmslosigkeit ist ein übeles ding… umso mehr brauchen wir teilnehmende menschen die den anteilnehmenden jesus bringen…

  3. dikosss Says:

    @JNj.:
    Danke für die Grüße!
    Ich fühle mich bei diesem „Almosengeben“ nicht so gut. Deshalb: es ist keine Dauerhilfe. Und: ich kann nicht jedem so helfen, obwohl es sicherlich einige bräuchten.
    Ungefähr 600 Personen werden durch die Berliner Tafel im Kiez versorgt. Angeblich eine der größten Ausgabestellen Berlins. Keiner muss verhungern, aber es ist für manche echt hart. Auch die Berliner Tafel ist „nur“ ein Strohhalm.
    Es ist bei manchen so ein Geflecht zwischen Bildungslosigkeit, mangelnde Finanz-Kompetenz, Sucht, Einsamkeit und manchmal einfach auch die Härte bestimmter Lebensepisoden, an denen viele von uns verzweifeln könnten… wo fängt man da an?

    Segen für Dich!
    Dirk.

  4. dikosss Says:

    @andichrist:
    Du hast Recht. Letztlich lieber Anteil nehmen, auch wenn es von der eigenen Mangelhaftigkeit geprägt ist, als ohne Anteilnahme zu sein.
    Ermutigend. Danke!

    Segen!
    Dirk.


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