Die freakigen Vineyards aus Cuxhaven

Ein paar Fragen von mir an Andi zum Thema „Gemeindegründung“ (Cuxland) und seine unzensierten Antworten:

1) Wie bist Du auf den Gedanken der Gemeindegründung gekommen? Und: Was motiviert Dich dazu?

Naja, es war ja nicht meine Idee. Es war die Idee von meiner Frau und mir. Oder besser gesagt : Eine Sehnsucht. Wir sind viele Jahre bei den Jesus Freaks Remscheid gewessen, dann bei den Jesus Freaks Kassel. Besonders Remscheid hat uns geprägt. Wir haben immer was gemacht, Lobi, Kinderdienst, Hauskreis… in einer wachsenden stabilen alternativen Gemeinde. Das bekommst du nicht mehr heraus und das willst du auch nicht. Nachher merkten wir noch stärker, was eigentlich alles möglich ist, gerade durch und mit den JFs. Hinzu kommt, dass wir gelernt haben, dass Gott einen Träume aufs Herz legt, die bekommst du nicht mehr weg. Bei uns der Traum von alternativer Gemeinde.

Wir wohnten gerade zwei Jahre in Nordhessen, als wir uns die Frage stellten : Zurück nach Remscheid oder woanders hin. Daraus wurde dann Cuxhaven. Die nächste JF Gemeinde befindet sich in Bremen, die nächsten Vineyards in Hamburg. Wir sahen uns um in unseren neuen Zuhause und lernten einige Leute kennen….

Es ist die alte Motivation : Eine Gemeinde von Menschen, die Jesus nachfolgen ohne ihre Identität zu verlieren. Wir stellen irgendwie fest : Wir sind Andi und Yvonne und leben so und so unseren Glauben, da wird es Leute geben die Klaus Bärbel heissen und so und so ihren Glauben leben oder leben wollen und sich wunderbar mit uns ergänzen. Neben den bestehenden Gemeinden.

2) Welche Herausforderungen siehst Du dabei?

Unsere größte Herausforderung und auch größte Chance ist es, dass wir momentan dabei sind, einen Freundeskreis aus größtenteil Nichtchristen aufzubauen. Das war nicht immer so. Das ist aber wirklich eine Chance, Glauben fernab von Konventionen zu leben. Die Menschen fragen, wie sich deine Religion ausdrückt und du fragst zurück : Hey, wie würdest du es tun ? Daraus erschliessen sich spannende Möglichkeiten…

Eine große Herausforderung ist natürlich immer die „Sektengeschichte “ und die damit verbundene Frage : Kommt ihr aus einer Sekte, seit ihr Fundamentalisten, wollt ihr uns zwangebekehren usw.

Und natürlich ist Cuxhaven eigentlich ein klassisches Wegzugsgebiet. Es gibt neben dem Tourismus und wenig Fischerrei wenig Arbeit hier oben. Da besteht die Herausforderung halt darin, nicht die nächste “ Wir machen einen Touristengottesdienst am Strand “ Gemeinde zu werden, sondern sich umzusehen, welche Menschen hier verreicht werden können.

3) Welche Chancen siehst Du (für Euren Ort/die Gesellschaft/Christen & Gemeinden)?

Mir wurde gesagt, dass wir mit unserer Art von „Kirche“ nur wenig Leute erreichen würden. Das glaube ich nicht. Die große Chance liegt darin, den Menschen die hier sind ( 12 Prozent Arbeitslose, 2000 Kinder unter der Armutsgrenze ) das Evangelium zu bringen. Dies auf eine Art, die vielleicht anders ist, als sie es gewohnt sind. Cuxhaven unterliegt einem bösen Dualismus : Vorne die atraktive Touristenstadt, hinten viel Not und Elend. Daneben die Chance, dass Leute, denen die Art der klassischen Kirchen und Freikirchen nicht zusagt, eine Heimat finden. Und natürlich einen Ort an den jeder auch Nichtchrist sein kann, wo Regionalbands spielen, Lesungen sind und der Mensch ein zu Hause hat….

4) Wie begegnest Du dem Argument, dass Gemeindegründungen die schon bestehende „Gemeindelandschaft“ nur noch mehr zerreissen würden?

Wir werben nicht ab. Cuxhaven hat eine grpße und drei oder vier kleine Freikirchen neben den Landeskirche. Alles in allem vielleicht 400 Gläubige Christen. Da ist eine Menge Potential, dass die Menschen „Ihre “ Gemeinde finden. Letztendlich entscheidet jeder selber. Wir sind weder eine Sondergruppe noch stellen wir uns über andere Gemeinden. In der Ergänzung liegt die Kraft. Ich denke jeder Freikirchler sollte damit zurecht kommen, wenn ihm ein Mensch sagt : “ Für mich ist es in der Landeskirche einfacher /schöner/intensiver… mit Gott zu leben als hbei euch “ und umgekehrt.

5) Welche andere Kritik musstet Du wegen Eurer Gründungsarbeit schon hören?

Wir sind schon mal “ Der Gemeinde des einzig wahren Evangeliums begegnet “ und uns wurde Spaltung vorgeworfen. Da wir aber nirgendwo Mitglied waren konnten wir auch nichts spalten. Kritik kommt meist aus theologischen Fragen : Heilung, Taufe im Heiligen Geist usw. eigentlich nichts, was nicht auch da wäre, wenn wir schon 50 Jahre Gemeinde vor Ort wären.

Zwei Kritiken stachen bis jetzt heraus : Einmal, dass wir zu unheilig sind und die andere, dass wir zur sogenannten Glaubensbewegung gehören.

6) Wie gehst Du mit solcher Kritik um?

Steine schmeissen, Autos anzünden, Leserbriefe schreiben. Nein quatsch. Einer, mit dem ich gerne noch diskutiert hätte, hat schlicht den Kontakt abgebrochen. Generell bin ich immer zu Gesprächen bereit. Leider habe ich das Gefühl, dass hier oben die Menschen viel in „absoluten “ denken, also „ich habe recht Punkt. Ich freue mich auf einen spannenden theologischen Ausstausch…

7) Wie bewertest Du Eure bisherigen Erfahrungen in Sachen „Gemeindegründung“?

Zu Remscheider Zeiten haben uns einige für Mitgründer gehalten, obwohl das nicht stimmte. Ich habe viel Theorie mitbekommen, gute Theorie und auch praktisch viel Gemeindearbeit gelernt, eine Gemeinde haben wir noch nie gegründet…

8) Was steht als Nächstes bei Euch an?

Eltern werden…. und Leute kennenlernen. Ich freue mich darauf, einige Leute, die ich bis jetzt nur per Blog kenne mal Live und in Farbe zu sehen.

Momentan beten wir viel und hören augf Gott. Shane Mock von den Vineyards aus Oklahoma City hat einige Prophetien und Sachen in unser Leben gesprochen, an den wir jetzt arbeiten : Beten, Kochen, das Abendmahl neu entdecken…

Vineyard Cuxland wird eine Gemeinde mit viel Kaffee, Essen, Gemeinschaft und Lobpreis… Dazu kommt der Kontakt nach Hamburg und zu anderen Vineyards. Wir möchten auch noch andere Gemeindegründungen und Projekte kennenlernen über die eigenen Grenzen hinaus. Letztendlich träume ich auch noch, von einer Begegnungsstätte hier oben am Meer mit vielen bunten Leuten aus allen Richtungen die für eine gewisse Zeit zusammen beten, anbeten und auftanken…


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3 Comments on “Die freakigen Vineyards aus Cuxhaven”

  1. Martin Says:

    hey, andi

    hab vielen dank für diese schönen gedanken
    wie alte bistn du?

    dicke grüße
    und jesus sei mit euch
    martin

  2. andichrist Says:

    moin,

    ich antworte mal ein bissel verspätet, ich war den gestrigen tag nicht online. ich bin 32. und danke fürs kompliment ;-)


  3. [...] By dikosss Ich find's spannend, den Erfahrungen anderer Gemeindegründer zu lauschen. So z.B. hier beim Cuxland-Projekt. Nun ist Martin seit einiger Zeit in Sachen "Gemeindegründung/ Gemeindeaufbau" in Sachsen-Anhalt [...]


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