Kolosser 2,14

„Gott hat den Schuldschein, der gegen uns sprach, durchgestrichen und seine Forderungen, die uns anklagten, aufgehoben.“

Paulus, der Verfasser dieser Zeilen, schreibt einen kämpferischen Brief an die Gemeinde, die von Irrlehren bedroht ist.
Es scheint, als würde er rufen: „Zurück zu Jesus! Haltet Euch fest an Ihm! Lasst Euch nicht wegreißen!“
Dazu erinnert er die Briefempfänger an ihren Start mit Jesus Christus.
Wegen Jesus Christus ist uns alle Schuld vergeben (Vers 13).
Und eben weil wir in Jesus Christus diese Schuldfreiheit haben, müssen uns „kleinliche“ Glaubens-Gesetze nicht irre machen. Unsere Rechtfertigung kommt allein durch das Opfer Jesu und nicht durch das Einhalten kirchlicher Traditionen und selbstauferlegter Lasten.

Nur:
Wen interessiert’s?

Ein geringer Anteil der Deutschen ist am herkömmlichen christlichen Glauben interessiert. Religiöse Stimmungen haben viele – aber deswegen sucht man die religiöse Befriedigung nicht gleich bei Jesus oder gar im Rahmen der Kirche.
Vielleicht haben wir noch nicht einmal die religiöse Offenheit wie im antiken Athen, wo Paulus vom unbekannten Gott predigen konnte und damit ein raffiniertes Sprungbrett für das Evangelium hatte.

Also:
Wen interessiert’s, ob der Schuldschein zerrissen ist?

Zudem entstehen weitere Fragen, sofern man sich auf diesen Text einlässt:
- Wer hat diesen Schuldschein erstellt?
- Und wenn Gott diesen Schein erstellt hat, wieso sollte man sich freuen, dass dieser Schein zerrissen ist? Schließlich hat man sich vor Gott doch nichts zu Schulden kommen lassen!
- Und überhaupt: Ist die Kirche nicht genauso wie manche Marketing-Firma, die uns zuerst ein Bedürfnis einreden will, um uns dann das passende Produkt zu präsentieren?

Auf der anderen Seite:
Ab einem gewissen Alter kennen die meisten das sog. „schlechte Gewissen“ – und sei es, dass es darin besteht, dass man es nicht geschafft hat, den Diät-Plan einzuhalten.
Wohin mit dem schlechten Gewissen?
Wie kriegt man das weg?
Verdrängen?
Beim nächsten Mal „alles besser“ machen?
Die „Schuld“ auf andere schieben?

Zugestanden:
Ob man wegen eines nicht eingehaltenen Diät-Plans Schuld auf sich lädt, mag kritisch hinterfragt werden.

Wie dem auch sei:
Gott bietet die Befreiung von Schuld an.
Es geht nicht darum, ein schlechtes Gewissen einzureden.
Es geht darum, von Schuld – und vom schlechten Gewissen – zu befreien.

Geht es bei einer bad bank um Ähnliches?

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2 Comments on “Kolosser 2,14”

  1. windhauch Says:

    Gute Fragen zu diesem Text aus Kolosser! Ich seh das auch so, dass diese Schuldfrage (zumindest im gegenüber zu Gott) heute keinen mehr interessiert. Und wenn Schuldgefühle auftauchen, dann kann man sich ja schnell entlasten, indem man sich mit irgendwelchen Amokläufern, Inzest-Monstern oder geldgeilen Managern vergleicht. Da kann man sich dann beruhigt sagen: „Eigentlich bin ich doch ganz okay und anständig.“
    Und Kirche kommt einem dann schnell so vor, als ob einem da eine Schuld eingeredet wird, die man gar nicht so schlimm empfindet…


  2. [...] ist das? Das ist böse. Kolosser 2,14: Der Schuldbrief, den Gott gegen uns erstellt hat, wurde von Ihm zerrissen. Weil Jesus sich hat [...]


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