Die zweite Frage

Nachdem ich die zweite Frage hier angekündigt hatte, soll sie nun offenbar werden:
Wie ist das mit der „Gemeindezucht“?

Schon das Wort klingt schrecklich.
„Gemeindekorrektur“?
Zurechtweisung?
Erziehung?
Gemeindepolitik?

Wie dem auch sei.
Der Sachverhalt ist in der Regel und in der Gemeindepraxis dieser:
Es geht um ein sexuelles Verhalten, das im Lichte der Bibel als Sünde betitelt werden muss.
Nach und nach sickert es bis zur Gemeindeleitung durch.
Man zögert, ob überhaupt zu handeln ist.
Irgendwann – vielleicht sogar nach Gebet – schickt man einen, der von der Gemeindeleitung delegiert worden ist.
Der führt ein Gespräch mit dem/den Betroffenen.
Ziel: man möge von der Sünde lassen und wieder nach Gottes Weisungen leben.
Aber:
Der Betroffene lässt von seinem Verhalten nicht ab.
Es gibt ein erneutes Gespräch. Ernsthafteres Gebet.
Bis irgendwann der Punkt erreicht ist, an dem die Frage auftaucht:
„Sollen wir den jetzt aus der Gemeinde ausschließen?“

Auf der einen Seite locken Bibelverse wie 1.Korinther 5,1 ff.:
Paulus weist an, einen „Unzüchtigen“ aus der Gemeinde auszuschließen.
Heißt das, dass der nicht mehr zur Gottesdienstfeier kommen darf?
Oder nicht mehr zum Hauskreis?
Wie zeigt sich der Ausschluss?
Zu diesen Versen kommen diverse Lehren darüber, dass Sünder das Reich Gottes nicht erhalten werden, sie werden Gott nicht sehen, Gott ist heilig und er kann „Halbwahrheitler“ wie Saphira und Hananias (Apostelgeschichte 5,1 ff.) mal eben töten.

Auf der anderen Seite steht die Weisung Jesu aus Matthäus 18, 15 ff.:
Wenn jemand sündigt, dann steht ein Vier-Augen-Gespräch an.
Wenn das nicht hilft, möge man einen möglicherweise Unparteierischen involvieren. Vielleicht kann der klären.
Irgendwann – wenn alle Stricke reißen – soll der Sünder von der Gemeinde wie ein Zöllner und Sünder behandelt werden.
Aber was heißt das praktisch?
Heißt das, dass wir mit ihm auf Parties gehen sollen, weil Jesus auch ein Partygänger war, der sich mit „Zöllnern und Sündern“ abgab?

Das sind typische Fragen, die in einem solchen Prozess aufkommen.
Das ist ein typischer Ablauf in Gemeinden, die das Wort Gottes ernst nehmen wollen.

Für mich gibt es einige Rahmenbedingungen zu beachten:
- Liebe.
Was via Peter hier geschildert wird, ist ein krasses Beispiel dafür, wie extrem lieblos Christen sein können. Abschreckend. Fürchterlich.
Paulus schreibt, dass „Glaube, Liebe, Hoffnung“ das Höchste sind. Jesus verweist darauf, dass wir Gott und unseren Mitmenschen von Herzen lieben sollen. D.h.: Es muss immer der Einzelfall gesehen werden. Mein Motto: Lieber zu lieb als zu strikt. Lieber zu viel Geduld als zu voreilig.
- Jesus.
Beten. Mit Gottt reden. Um Weisheit bitten. Denn das Ziel soll ja nicht sein, dem anderen eins auszuwischen, sondern dem anderen zu helfen, ein Leben mit Gott zu führen.
Und immer wieder die Frage stellen: „Was meinst Du, Jesus? Wäre das in Deinem Sinne?“
Und immer wieder die Frage stellen: „Was ehrt Gott? Womit wird Gott gepriesen?“
- Und noch ein paar mehr Rahmenbedingungen.

Ich entdecke: Es gibt keine Pauschalantworten.
Es geht immer um die Spannung zwischen Barmherzigkeit und Sich-nicht-verarschen-lassen.
Wenn der andere um Vergebung bittet: vergeben ohne Zögern.
Wenn der andere bereit ist, nachzudenken: Geduld haben.

Nur:
Was ist zu tun, wenn sich der andere nach etlichen Bemühungen nicht bewegt? Wenn sich der andere nicht verändern will?
Und warum geht es in der Gemeinde-Praxis so oft um sexuelle Themen (zugegebenermaßen könnte hier die mögliche Symbiose zwischen „Sex“ und „Zucht“ auffallen…)?
Warum wird der „Gemeindezucht-Automatismus“ in der Regel nicht bei  Themen wie „Geiz, Neid, Lüge, Fresssucht…“ angestoßen?

Das sind mehr als eine „zweite Frage“.

Egal – Deine Gedanken interessieren mich.

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16 Comments on “Die zweite Frage”

  1. Andrea Says:

    *verbrannt*

    Heisse Kartofflen, aber auch…

    Gegenfragen:

    Paulus weist an, einen “Unzüchtigen” aus der Gemeinde auszuschließen.

    Was heißt „ausschließen“… haben die Gemeinde keine Verantwortung für diesen Menschen (mehr, überhaupt gehabt)? (Diese Frage zielt auf den „Hirtendienst“ ab und die Geschichte von den 99 Schafen bzw. das verlorene Schaf.) ((Also heißt „ausschließen“ Mitgliedschaft kündigen? Verbannen?))

    Wenn jemand sündigt, dann steht ein Vier-Augen-Gespräch an.

    Wer soll diesen Vier-Augen-Gespräch einleiten? Der „Beschädigte“? Jemand aus der Leitung?

    Was ist zu tun, wenn sich der andere nach etlichen Bemühungen nicht bewegt? Wenn sich der andere nicht verändern will?

    Wer soll hier was bewegen? Muss die Gemeinde sich „bemühen“? Woher will man erkennen, dass jemand sich verändern will oder nicht?

  2. Hufi Says:

    Dein Motto „Lieber zu lieb als zu strikt. Lieber zu viel Geduld als zu voreilig.“ gefällt mir.

    Habe am Sonntag u.a. über Mt 18 gepredigt (mit anderer Fragestellung): Gedanken/Präsentation zur Predigt & Predigt als MP3

  3. dikosss Says:

    @Hufi:
    Ich hatte diese „zweite Frage“ schon im Hinterkopf und da habe ich dann Deine Predigt gehört. Hat mir gut gefallen und mich gerade wegen des Aspekts „Was tut Jesus mit Heiden und Sündern?“ noch einmal in’s Nachdenken gebracht. Danke!

    @Andrea:
    Lecker! Heiße Kartoffeln! :-)

    Zu Deinen sehr guten Gegenfragen:
    1. „Was heißt „ausschließen“ vor dem Hintergrund des Hirten und dem verlorenen Schaf?“
    Keine Ahnung. :-)
    Ehrlich: ich tue mich echt schwer damit, hier eine rote Linie zu entwickeln.

    Eine These:
    Hängt das Verfahren letztlich davon ab, ob der andere „verhandlungsbereit“ ist?
    Was, wenn das Schaf immer wieder ausreißt?
    Suchen, Finden, Vergeben, nach Hause bringen!

    Aber was ist, wenn es andere Schafe mitziehen sollte?
    Wenn nicht nur eines abhaut, sondern mit der Zeit mehr und mehr Schafe verschwinden?
    Ist dann die Zeit der Schlachtung gekommen? ;-)

    Bei Paulus klingt es im 1.Kor.5 so, dass keine Gemeinschaft mit dem Unzüchtigen gepflegt werden soll. Nicht gemeinsam essen (=gemeinsames Essen als Ausdruck von Vertrauen und Akzeptanz).
    Allerdings ist dies der m.E. einzige Fall, in dem Paulus eine solch deutliche Anweisung gibt!
    Was könnte das heißen?
    Das könnte heißen, dass es sich um einen besonders drastischen Fall ging, der zudem von den Korinthern benutzt wurde, um sich zu rühmen.
    Da musste deutlich eingeschreiten werden, weil die Korinther letztlich damit in Gefahr standen, Sünde gutzuheißen.

    Andererseits wird in den Briefen des Paulus deutlich, dass es in den Gemeinden durchaus „schräg“ zuging und alle verbesserungswürdig waren. D.h.: es muss immer wieder Sünde im Spiel gewesen sein.
    Dennoch empfiehlt Paulus nicht immer den „Gemeindeausschluss“, sondern appelliert daran, sich Jesus zuzuwenden.
    D.h.: es ist zu bezweifeln, dass 1.Kor.5 dazu tauglich ist, als Muster für den Umgang mit Sünde zu dienen.

    Zur Frage:
    „Auschluss“ heißt m.E.: keine Gemeinschaft mit den anderen pflegen.
    Das kann soweit führen, dass man keinen Kontakt mehr sucht. Dass die Mitgliedschaft gekündigt wird.
    Das kann dazu führen, ein Verbot des Gottesdienstbesuches auszusprechen.
    Aber solche Schritte erfordern eine wirklich krasse Sünde, die geeignet ist, eine Gemeinde auf einen falschen Weg zu bringen. Das darf nicht dasn normale Vorgehen gegenüber Sünde sein.
    Der Normalfall sollte der Hirte sein, der das verlorene Schaf sucht.

    2. Wer sollte das Vier-Augen-Gespräch führen?
    Antwort: Je nach Übersetzung! :-)
    Einige Übersetzungen gehen davon aus, dass der Geschädigte das Gespräch sucht. D.h., wenn sich der Geschädigte nicht meldet, dann besteht kein Anlass das Verfahren nach Mat.18,15 ff. anzustoßen.
    Andere Übersetzungen gehen davon aus, dass es um jeden „Sündenfall“ geht. D.h.: jeder aus der Gemeinde kann das Gespräch suchen und ist berechtigt, andere hinzuzuziehen.
    Wie dem auch sei:
    Es ist fraglich, ob Jesus eine 1:1-Anweisung geben wollte oder ob Er nicht eher ein Beispiel geben wollte – ein sehr sinnvolles und gutes Beispiel, das für viele Fälle passend ist. Aber worauf kommt es Jesus wirklich an? Dazu kann der Kontext von Mat.18 betrachtet werden. Die Predigt von Hufi passt gut dazu. Darum geht es Jesus! Anhören!

    3. Die Bewegung: wer bewegt was? Woran erkennt man das?
    M.E. sollte sich der bewegen, der an der Sünde festhält.
    Worin sollte diese Bewegung bestehen?
    a) Dass er zu einem Gespräch bereit ist bzw. zu mehreren.
    b) Dass er sich mit den Gedanken des anderen auseinandersetzt und nicht einfach abblockt.
    Das würde mir zunächst als „Bewegung“ reichen. Solange eine Betroffenheit des anderen zu erkennen ist, würde ich idR. keinen Ausschluss anstreben.
    Ich kann mir aber auch vorstellen, dass nach vielen Gesprächen und einiger Zeit zu merken ist: „Der andere hört zwar zu – aber seit Monaten ändert er dennoch nichts!“
    In diesem Fall würde ich überlegen, ob anderweitig Grenzen aufgezeigt werden müssen (z.B. keine Teilnahme mehr am Abendmahl).
    Aber wie geschrieben:
    das ist sehr einzelfallabhängig!

    Beispiel:
    Einen Kinderschänder würde ich sofort rausschmeißen, bei der Psychatrie und der Polizei melden, für diesen beten, beten, beten … auch mal das Gespräch suchen. Aber zum Schutz der Kinder dürfte dieser nicht bei uns auftauchen. Hier wäre mir der Schutz der Gemeinde wichtiger als die „barmherzige Aufnahme“ des anderen.
    Beispiel:
    Einen Alkoholiker (Sünde der Maßlosigkeit, des Rausches…) würde ich nicht rausschmeißen. Beten, reden, professionelle Hilfe suchen, eine Selbsthilfegruppe suchen, begleiten, bei einem Rückfall beten und reden und vergeben…
    Beispiel:
    Ein junges Paar, das vorehelichen Sex hat und das gut findet (was ich sehr gut verstehen könnte), aber dies als Willen Gottes proklamiert (was m.E. eben nicht der Fall ist), würde ich nicht erlauben, eine leitende Funktion inne zu haben. Ich würde reden, beten… versuchen, den Willen Gottes zu verdeutlichen… immer wieder, entweder, bis sie offener werden und ihr Verhalten ändern oder bis sie denken: „Dieser Pastor nervt!“ und von alleine die Gemeinde verlassen (nicht, weil ich sie raushaben will, aber in der Realität kann das passieren).

    Segen!
    Dirk.

  4. Andrea Says:

    Christus spricht: Ich bin der gute Hirte. Meine Schafe hören meine Stimme, und ich kenne sie, und sie folgen mir; und ich gebe ihnen das ewige Leben. (Jh. 10,11a.27-28)

    Noch so eine „Hirtenschaftstext“…

    Und noch mehr Fragen.

    Du nennst drei Beispiele — Kinderschänder, Alkoholiker, junges Paar.

    Alle Dreien weist Du unterschiedliche Sünden zu.

    Warum?

    Welche Tugenden fehlen bei diese Beispiele? Oder welche Sünden sind es genau?

    (Sind wir uns einig, dass es –außer man trübt den Heiligen Geist– keine Stufenregulierung der Sünden gibt: alle Sünden sind gleich und egal welche Sünde, es trennt von Gott?)

    Welche Sünden sind dann in deine Beispiele vorhanden?

    Selbstsucht? Gier? Stolz?

    Auf einmal haben wir alle deine Beispiele doch auf die gleiche Ebene… kannst Du jetzt einen Unterschied unter denen ausmachen?

    Dirk, was mir an Dir so gefällt, ist das Du „out of the box“ denkst… anders. Oder doch nicht?

    (Ich bin keine Theologin und habe eigentlich recht wenig Ahnung, was ich hier schreibe… und lasse mich gerne korrigieren… also bitte nichts „böse“ nehmen.)

    Noch eine Frage:

    Wie kommt es, dass wir „Mitglieder“ und „Mitgliedschaften“ in unsere Gemeinden haben? (Ist Jesus mit Scheinen, Stempel, Siegeln rumgelaufen? Schublade auf. Schublade zu.)

    Also in der Gemeinde, wo ich hingehe (ein EFG), gibt es Mitgliederschaften in der Gemeinde und im Bund der EFG, aber das hat (soweit ich informiert bin) historische Gründen (zur Zeit des 3. Reiches, als Schutz für die Versammlungsrecht der Gläubigen)… also eine Formalität, die die Freiheit der Gemeinschaft gegenüber der politischen Macht dienen sollte und nicht zwingend dazu da, um die wahren Nachfolger (im geistlichen Sinne) von den Abtrünigen zu unterscheiden.

    Das soll nichts von der Frage der „Ausschluss“ schmälern, sondern unsere Augenmerk evt. woanders hinlenken.

    Also, letzt Frage:

    Was bedeutet Mitgliedschaft?

    Und zurück zum beginnende Zitat dieses Kommentar:

    Könnte ein „Mitglied“ jemand sein, „der die Stimme des Hirtens hört und sie befolgt“? (Ich meine, wir gehen davon aus, dass wenn ein Schaf tatsächlich „mal verloren geht“, dass der Hirte sie aufspürt…, also manchmal irren wir doch etwas vom Herd ab… aber unser Herz ist noch am rechten Fleck…)?

  5. dikosss Says:

    @Andrea:
    1) Welche Sünden „ich“ ihnen vorwerfe?
    Letztlich geht es um die Sünde, Gott nicht ernst genommen zu haben.
    Ihm nicht geglaubt zu haben.
    Das ist letztlich eine Sünde, die wir wohl täglich fabrizieren – oft auch unbewusst.
    Jesus hat uns davon frei gesprochen!
    Aus Seiner Gnade leben wir.
    Nur, was ist, wenn eine Sünde bewusst wird?
    Dann sollte man sie lassen (bzw. das Gute tun).
    Und wenn man dennoch an ihr festhält?
    Dann wird man sich weiter von Gott weg bewegen.
    Er ist geduldig. Er sendet Hilfe. Durch den Heiligen Geist, durch Sein Wort, durch andere Menschen, durch Umstände …
    und wenn all das nicht hilft, kann es passieren, dass man „weg vom Fenster“ (bzw. Gott) ist.

    So gibt es menschlich zwar einen Unterschied und ich nehme an, auch vor Gott: es gibt qualitativ unterschiedliche Sünden. Gott ist absolut gerecht. Er weiß zwischen einem einzelnen „Unfall“ und einem planmäßigen Vorgehen zu unterscheiden, genauso wie zwischen den Auswirkungen einer Sünde.
    Die Sünden sind allerdings in der Hinsicht gleich, dass sie von Gott trennen.

    2) Zur Mitgliedschaft:
    Jeder Christ ist m.E. Mitglied des Leibes Jesu. Auch ohne Schein.
    Aber: nicht jedem Christen ist das bewusst.
    Dem sollte durch entsprechende Lehre und das entsprechende Vorleben begegnet werden. Eine formelle Mitgliedschaft (also mit Schein) kann eine Hilfe sein, sich diese Mitgliedschaft bewusst zu machen.
    So sehe ich solche Scheine an: sie sollen eine Hilfe sein.
    Denn sie ersetzen nicht das Innere, die Absicht, können sie aber deutlich machen.
    Deswegen sehe ich für solche Art der Mitgliedschaften kein Muss, aber – wie geschrieben – eine Hilfe.
    D.h. beim Thema „Gemeindekorrektur“ kann auch der Entzug einer solchen formellen Mitgliedschaft etwas ausgedrückt werden.

    Viel Segen für Dich & danke für Dein Mitdenken!
    Dirk.

  6. Andrea Says:

    Er weiß zwischen einem einzelnen “Unfall” und einem planmäßigen Vorgehen zu unterscheiden, genauso wie zwischen den Auswirkungen einer Sünde.

    Heisst das, dass der Triebtäter (der von seinen Trieben und nicht seine prämedierte, bewusste Entscheidungskraft handelt) anders vor Gott steht, wie der, der bewusst sündigt?

    Das lässt dann der Kinderschänder evt. „besser“ da stehen, als das junge Päarchen…

    (oh, die Gedanken und Fragen die hier aufkommen… jetzt geht es ab zum Gottesdienst… danke für die Anregungen!)

    Gott befohlen,
    Andrea

  7. dikosss Says:

    @Andrea:
    Ich meine, dass ein Triebtäter genauso vor Gott steht wie jeder andere Sünder und doch auch unterschiedlich.
    Weil:
    1. Jede Sünde trennt von Gott.
    Vielleicht nicht immer gleich in dem Sinne, dass die Verbindung sofort und plötzlich abgerissen ist. Aber zumindest in dem Sinn, dass die Beziehung zu Gott getrübt ist, mit der Folge, dass wenn ich an der Sünde festhalte und sie nicht lasse, ich mich mehr und mehr von Gott entferne – mit dem Risiko, irgendwann gar keinen Kontakt mehr mit Gott zu haben.
    Darin gleicht sich jede Sünde.
    2. Aber Gott gewichtet unterschiedlich.
    Jesus erzählt u.a. in Lk 10,12, dass es Sodom erträglicher am Tag des Gerichts gehen wird als einer Stadt, die die Boten und die Botschaft Jesu ablehnt. D.h.: Es gibt am Tag des Gerichts eine Gewichtung der Sünden. Eventuell könnte es ein unterschiedliches „Strafsystem“ geben? Oder wird das Erkennen der Sünde am Tag des Gerichts unterschiedlich krass sein?

    Viel Segen!
    Dirk.

  8. Andrea Says:

    Lk 10,12 zeigt mir eigentlich, dass der Triebtäter, der sich zu Gott bekennt (aber evt. immer wieder seinem Trieb — welches auch immer — verfällt) als „Sodom“ besser dasteht, als derjenige, der sich von vorn herein sagt: Mit Gott (bzw. Gottes Botschaft) will ich nichts zu tun haben.

    Wenn ich das richtig verstehe, dann bedeutet dies keine Gewichtung der Sünde, sondern eine Feststellung der Herzensaussage.

    So hoffe ich, dass ich auf der Seite von Sodom bin. (Denn ich falle immer wieder in alte, sündhafte Muster zurück… obschon das vielleicht „weltlich“ gesehen nicht so „schändlich“ zu sein scheint, wie „Kinderschänder“… aber meine Selbstsucht äußerst sich anders und bestimmt in Gottes Augen nicht sehr schmeichelhaft…)

    Der einzige Gewichtung der Sünden, die mir bekannt ist, ist die Trübung des Heiligen Geistes. Das ist unverzeihlich (habe aber im Augenblick keine Ahnung, wo diese Stelle im NT ist…). Alle andere Sünden sind, soweit meine Bibelverständnis reicht, gleich. Das Einzige, was unsere Sünde reinwäscht ist der Blut Christi:

    Jeder hat gesündigt und kommt nicht an Gottes Herrlichkeit ran, aber denjenigen, die ihre Sünden bekennen, so ist Er treu und gerecht und bereinigt uns von unseren Sünden. (1. Johannes 1,8f. frei übersetzt)

    Darum geht es Sodom besser, als derjenige, der nicht bereit ist, seine Sünden zu bekennen…

    Oder habe ich etwas nicht richtig verstanden?

  9. dikosss Says:

    @Andrea:
    Finde Deine Gedanken nachvollziehbar und gut.
    Ich bin beim Thema „der letzten Dinge“ (Eschatologie) erst am Anfang mit meiner Erkenntnis.
    Ich sehe das im Bezug zu Lukas 10,12:
    Was war die Sünde Sodoms?
    Letztlich auch das:
    Auch sie lehnten Gott ab.
    Der Unterschied zu den Orten zur Zeit Jesu war, dass diese Orte ganz direkt mit Jesus Christus/Seiner Botschaft/Seinen Boten konfrontiert wurden. Diese Orte waren in einer Zeit, in der Gott so nah bei den Menschen war, wie noch nie zuvor.
    Diese Chance hatte Sodom nicht gehabt.
    Weil aber Sodom und manch anderer Ort Gott ablehnte, werden Sodom und diese Orte gerichtet werden. Aber: unterschiedlich stark.
    Darin würde ich sehen, dass Gott in der Schwere einer Schuld differenziert.

    Andere Bibelverse, die eine unterschiedliche Gewichtung von Schuld nahelegen, sind diese:
    Lukas 12,43 ff. und Hebräer 10,29.
    Diese Hinweise sind dünn, weshalb ich auch kein Dogma daraus machen würde. Aber immerhin sind es Hinweise dafür, dass Gott bei der Schwere der Schuld unterscheidet.

    Persönlich entdecke ich in mir auch immer wieder das „Sodom“.
    Aber durch das Blut Jesu sieht Gott mich nicht mehr als „Sodom“ an, sondern als Sein Kind. In diesem Kindschaftsverhältnis kann ich mich zwar wie „Sodom“ aufführen – dennoch bleibe ich Kind Gottes.

    Gott segne Dich!
    Dirk.

  10. Markus Says:

    Hallo ihr zwei, eine endlose Geschichte :D

    Ich möchte zur zu einem Punkt etwas sagen:

    „Wie kommt es, dass wir “Mitglieder” und “Mitgliedschaften” in unsere Gemeinden haben? (Ist Jesus mit Scheinen, Stempel, Siegeln rumgelaufen? Schublade auf. Schublade zu.)“

    Deine nachfolgende Erklärung vom 3. Reich klingt abendheuerlich, kann ich jetzt aber nicht nachprüfen.
    Bei Jesus findest du zwar in dem Sinne keine Mitgliedschaft mit Schein, aber trotz alle dem ein hohes Maß an Verbindlichkeit.
    Z.B. der reiche Jüngling, wollte so gerne Jesus nachfolgen, nachdem ihm Jesus aber die „Aufnahmebedingungen“ unterbreitet hat, kann er nicht mehr mit und Jesus lässt ihn einfach gehen… ins ewige Verderben!

    Es gibt ein ganz klares „drinnen“ und ein ganz klares „draußen“ es gibt ganz klare Bedingungen, das lässt uns Jesus wissen.

    Fazit

    #proVerbindlichkeit #proMitgliedschaft

    Markus

  11. Andrea Says:

    @ Dirk:

    ich sehe da nicht zwingend eine Gewichtung bei der „Schuld/Sünde“ Frage, sondern dass Gott genau auf der Seite der Beziehung/Verkündigung setzt:

    Hat ein Mensch (oder Ort) die klare Botschaft überbracht bekommen, und lehnt dies ab, dann wird härter ins Gericht gezogen. Hat ein Mensch sich gegen Gott gewandt (aber dafür keine Verkündigung „genossen“), dann ist Sünde immer noch Sünde, aber eben anders dem Menschen gegen zu halten…

    @ Markus

    Leider ist die Mitgliedschaft in manchen Gemeinden nicht so „verbindlich“…

  12. Andrea Says:

    Oder Markus, was ist Verbindlichkeit?

  13. Markus Says:

    Zwei Punkte, die ich zu Verbindlichkeit in dem Zusammenhang sagen will.

    - Verbindlichkeit kommt von Verbindung – ich bin eingebunden in eine Gemeinschaft, in die Gemeinschaft der Heiligen im Sinne der Ortsgemeinde, aber natürlich auch global in den Leib Christi

    - außerdem, was ich persönlich als sehr wertvoll und notwendig empfinde ist, dass ich innerhalb dieser Gemeinschaft unter Leiterschaft bin. Ich stelle mich ganz bewusst unter eine Authorität, die mich hinterfragen darf, die in mein Leben hineinsprechen darf, der ich mich anfvertraue. In meinem Fall ist das zum einen das Leitungsteam unserer Gemeinde (bzw mein Pastor) und zum anderen mein Hauskreisleiter, mit dem ich regelmäßig etwas unternehme sodass wir sehr vertraut miteinander sind.

    Solche Beziehungen, die vielleicht etwas an Mentoring oder geistig Vaterschaft erinnern sind für mich eine unbedingte Voraussetzung für Wachstum!
    Ich möchte behaupten, dass nur ich mit meiner Bibel alleine nicht weit kommen würde, und so ist es auch nicht gedacht.

    So würde ich Verbindlichkeit zusammenfassen, Andrea.

    Grüße, Markus.

  14. Andrea Says:

    So, wie es in Titus Kapitel 2 geschrieben steht?

    Das ist sehr schön.

    Als meine Gemeindeleitung mir sagte, ich dürfe als Schwangere nicht für andere Frauen (in diesem Beispiel: Gebärende Frauen) beten, da es sonst mein ungeborenes Kind schaden könnte, da hat es in mir Knack gemacht.

    Als ich dann höfflich nach eine Erklärung mit möglichen Bibelquellen nachgefragt hatte, tja, dann hatte ich einen Fass aufgemacht… oh, oh, oh.

    Vielleicht bin ich zu stolz? Muss daran arbeiten…

  15. dikosss Says:

    Welche Aufgabe hat Gemeindeleitung?
    Dienend zu leiten.
    Was heißt das?
    Sie soll helfen, dass die Gläubigen in der Liebe zu Gott und dem Nächsten wachsen können.
    Wie sollen sie das tun?
    In Liebe zu Gott und dem Nächsten, denn nur Liebe kann Liebe hervorbringen.
    Liebe aber ist frei von Zwang und Liebe „freut sich an der Wahrheit“.

    So viel zur Theorie.
    Konkret bei mir:
    Ich bin grds. distanziert zu Autoritäten.
    Mir fällt es schwer, mich anderen zu beugen.
    Das mag manchmal Stolz sein.
    Aber ich sehe den anderen als Menschen. Es gibt keinen perfekten Leiter. Ich sehe es ja bei mir selbst: ich diene als Pastor und ich weiß recht genau, was meine Fehler sind – abgesehen von denen, die ich noch nicht kenne.
    Ich kann und darf niemanden zu etwas „drängen“ in dem Sinne, dass es Manipulation ist. Ich kann nur etwas bewegen, wenn ich das Vertrauen der Leute habe. Und dieses Vertrauen kann nur gedeihen, wenn ich auch vertraue… weil nur Vertrauen Vertrauen hervorbringt.
    Wo das geschieht – wie bei Dir, Markus – ist das eine super Sache!

    Wo das missbraucht wird – und dann noch auf einem biblisch total falschen Weg – wie bei Dir, Andrea – da kann viel Schaden entstehen.
    Ich hoffe, dass Du Dich von dieser Gemeindeleitung distanziert hast!
    Da scheint was schief zu laufen…

    Viel Segen!
    Dirk.

  16. Andrea Says:

    Lieber Dirk,

    das ist die örtliche Gemeinde aus der wir ausgetreten sind (oh, da waren viele Gespräche und noch einiges, was sehr uneben war).

    Danke für deine Worte. Ja, viel Schaden ist entstanden, aber Gott verspricht uns: den glimmernden Docht wird er nicht auslöschen, das geknickte Rohr wird er nicht zerbrechen. Daran halte ich fest. Mein Glauben? Ob das überhaupt so groß wie ein Senfkorn ist? Das hat Narben und Beulen… und ist noch sehr empfindlich… aber der Mensch hofft noch… Sehnsucht, tiefer Sehnsucht. Und die Gewissheit: Gott ist da.

    Danke für deine zwei Fragen. Ich bin da nicht fertig, aber es hilft enorm zu wissen, es gibt andere die ähnlich ihr Glauben sehen, wie wir. Wir sind nicht alleine. Enorm ist diese Erkenntnis!

    Gott Befohlen,
    Andrea


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