Als Gemeinde im Kiez

Durch die Gründungsarbeit in Berlin-Spandau und die 60%-Stelle als Prediger in Potsdam/Werder stehe ich an zwei verschiedenen Orten vor der Frage: Wie können wir Christen hier ein Segen für den Kiez sein?

In Potsdam/Werder sind die Ausgangsbedingungen m.E. nicht die besten. Die LKG’en sind hinsichtlich der Mitglieder ziemlich alt. Ein Altersdurchschnitt von 70 Jahren könnte hinhauen.
Und aktuell sieht es so aus, als würde ich tatsächlich nur ein Jahr dort im Dienst sein. Es macht wenig Sinn, in diesem Jahr viel Staub aufzuwirbeln. Hier stehen wohl mehr die Fragen im Raum: „Was wollt Ihr? Wozu seid Ihr da? Was sind Eure Wünsche?“
Dieses eine Jahr wird Sinn machen, wenn ich die Christen dort ermutigen kann, über ihre Identität und ihre Vision nachzudenken und zu beten.
Abgesehen davon sehe ich, dass einige, wirklich gute Beziehungen zu ihren Nachbarn haben. Manche helfen in Krankheitsfällen und kümmern sich. Gelebte Nächstenliebe. Mal sehen, was daraus noch werden kann.

In Berlin-Spandau sieht es anders aus:
Dass es um eine FeG geht und nicht um eine LKG, ist für das Reich Gottes wohl eher egal. Unser Altersdurchschnitt liegt bei ca. Mitte/Ende 30. Nur ein Seniorenpaar, 3-4 Teens, zwei Paare um die 20 und dann geht’s ab Mitte 30 weiter. Unser „Ding“ ist, dass wir uns noch gegenseitig finden müssen und noch relativ wenig sind.
Dennoch ist es mir wichtig, auch mit Wenigen im Kiez präsent zu sein.
So haben wir im Winter Adventskalendar im Kiez verschenkt, ich habe unsere Gemeinde bei einzelnen Nachbarn vorgestellt und Hilfe in Notfällen angeboten, ein paar von uns helfen nach wie vor bei den eher schwach besuchten sonntäglichen Familiennachmittagen des Staakkato-Vereins mit (eigentlich eine tolle Sache, vielleicht müssen wir noch mehr die Werbetrommel rühren) und heute helfen einige von uns bei einem kleinen Kiezfest mit, stehen im KiK-Cafe und verschenken Kaffee, Waffeln und bauen mit Kindern Lebkuchenhäuschen.
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Das hat alles nix mit dem klassischen Evangelisieren zu tun.
Es ist einfach unser Anliegen, eine Hilfe für den Kiez zu sein.
Und wenn mancher merkt, dass wir das tun, weil Jesus unser Leben verändert hat – umso besser.


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7 Comments on “Als Gemeinde im Kiez”

  1. Simon Says:

    schön, was bei dir geht.

    be blessed
    simon

  2. andichrist Says:

    das hat alles nix mit dem klassischen Evangelisieren zu tun.
    Es ist einfach unser Anliegen, eine Hilfe für den Kiez zu sein.

    naja, weil ja auch klassisches evangelisieren nicht mehr so recht funktioniert und wenn ihr das reich gottes auf den kietz bringt tut ihr genau das richtige, auch wenn ihr schokolade und hilfe anstatt traktate verteilt ;-) .

    lasst euch mal nicht aufhalten oder entmutigen oder so, für mich liest sich das, als ob mir mit lustigen, spontanen, anderen ideen genau das richtige macht und neue wege findet und aus den alten das beste herausnimmt. das imponiert mir.
    in deinem blog von eurer arbeit und wie ihr sie macht zu lesen inspiriert mich und ich finde es gut wie ihr es macht… rock on

    vielleicht sieht man sich ja in berlin…


  3. [...] November endlich wieder online, weiss ich was die Welt verändert und wo die Hoffnung wächst : dirk, remscheid und vieles andere [...]

  4. Stephan Says:

    „Es macht wenig Sinn, in diesem Jahr viel Staub aufzuwirbeln.“

    Warum nicht? Alles so laufen lassen wie es ist, bis es sich von alleine erledigt, bis eine Gemeinde „ausstirbt“ ? Ist das Gottes Auftrag an uns, wenn es heißt, gehet hin und missioniert alle Welt? In und um und mit einer LKG nicht, sondern lieber zieht man engagierte Christen / Menschen aus anderen Gemeinden ab, um etwas Eigenes auf die Beine zu stellen? Was wird aus den Menschen, die zwar in Potsdam-Werder leben, aber (noch) keinen Gemeindebezug, keine Beziehung zu Jesus haben?
    Wenn ich gelegentlich durch Staaken fahre, sehe ich dort eine Reihe Gemeindehäuser / Kirchen usw., das Internet wirft genügend weitere (freie) Gemeinden in unmittelbarer Nähe aus. Und es ist nicht möglich, sich in diesen Gemeinden zu engagieren, Bibelstunden anzubieten, von dort aus missionarisch tätig zu sein, die dortigen Menschen aus der Trägheit zu reißen und zum mitziehen bei der Verbreitung von Gottes Wort zu bringen, Hauskreise (die sind wichtiger als eine formale Gemeindegründung) aufzubauen usw.?

    Bei einigen Blogeinträgen habe ich mich schon mehrfach verwundert, welche Internas aus Eurer (Zusammen-)Arbeit an die Öffentlichkeit getragen werden, das wäre schon ein Grund für mich, mich nicht bei Euch blicken zu lassen. Aber letztendlich habe ich sowieso eher den Eindruck, dass es bei dieser Gründungsarbeit eher um die Befriedigung des Egos geht als um die Fragestellung, wo man Gott am meisten dienen könnte.

  5. dikosss Says:

    Hallo Stephan!

    Danke für Dein kritisches Anmerken.

    „Alles so laufen lassen wie es ist, bis es sich von alleine erledigt, bis eine Gemeinde “ausstirbt” ?“

    Wenn Du meine Zeilen aufmerksam gelesen hättest, dann wäre Dir aufgefallen, dass ich davon schrieb, dass es Sinn macht, mit den LKG’en über ihre Identität und ihre Perspektiven nachzudenken und zu beten.
    Was wollen sie? Wie nehmen sie sich selbst wahr? Wohin könnte ihre Reise in den nächsten Jahren gehen?
    Etc.
    Das halte ich für besser, als „irgendwas“ anzugehen, was gar nicht zu den LKG’en passt.
    Ich selbst bin neu in dieser Arbeit und sehe mich zuerst in der Rolle des Fragenden und Zuhörenden. Wenn ich jetzt mit Projekt „XY“ käme, würde ich vielleicht Staub aufwirbeln – aber die Gefahr ist groß, dass es eine Aktion ohne Nachhaltigkeit wäre.
    Nachhaltige Aktionen von Gemeinden bedürfen der Zustimmung der Gemeinde. Ich halte es daher für ganz normal, eine Gemeinde erst einmal kennenzulernen und dann erst zu prüfen, wo sie stehen und was sie für gut halten.
    Alles andere bleibt im Zweifel ein „Staubaufwirbeln“ oder führt zu schwerwiegenden Konflikten. Es ist selten, dass ein „Draufloshauen“ wirklich hilfreich ist. Vor allem, wenn man Neuling ist.
    Anonsten bin ich total konform: Letztlich muss was geschehen. Die Frage ist dann nur: Was? Wie? Wann? Mit wem? Wo?
    Das sollte mit den Leuten geklärt sein.

    Zum Thema „Vorhandensein anderer Gemeinden vs. Gemeindegründung“:
    Es ist extrem aufschlussreich, sich mit der Literatur zum Thema „Mission, Gemeindegründung etc.“ auseinanderzusetzen. Mittlerweile gibt es viel gute Bücher dazu.
    Deine kritische Anfrage taucht dabei immer wieder auf – und ist manchmal auch berechtigt. Aber eben nicht immer. Und das kannst Du mir glauben:
    Wenn unsere Gemeindegründung nur ein Egotrip wäre – ich wäre schon längst wieder weg vom Fenster! Ich hätte nicht durchgehalten.
    Aber dieses Thema ist ansonsten so umfangreich, dass – wie geschrieben – Bücher darüber verfasst werden.
    Da Du anscheinend in Berlin, womöglich Spandau wohnst, könnten wir uns gerne mal treffen und uns darüber unterhalten. Schreibe mir, wenn Du offen dafür sein willst.

    „Bei einigen Blogeinträgen habe ich mich schon mehrfach verwundert, welche Internas aus Eurer (Zusammen-)Arbeit an die Öffentlichkeit getragen werden, das wäre schon ein Grund für mich, mich nicht bei Euch blicken zu lassen. Aber letztendlich habe ich sowieso eher den Eindruck, dass es bei dieser Gründungsarbeit eher um die Befriedigung des Egos geht als um die Fragestellung, wo man Gott am meisten dienen könnte.“

    Uups – ein hartes Urteil!
    Da Du in Sachen christliche Szene bewandert zu sein scheinst, wage ich die Hoffnung zu äußern, dass Du bereits in einer Gemeinde bist. Von daher solltest Du auch wenig Motivation haben, bei uns vorbeizuschauen.
    Ich wünsche Dir, dass Du Deinen Platz in Deiner Gemeinde gefunden hast.
    Wir wollen niemanden abwerben. Was wir nicht verhindern können, ist, dass jedes neue Projekt auch immer wieder „fertig“ Christen anzieht. Selbst gestandene Gemeinden ziehen solche Christen an und viele Gemeinden sind froh, wenn Mitarbeiter hinzukommen. Die Gemeinden, die ich kenne, überleben oft nur deswegen – und nicht deswegen, weil sie so viel evangelistische Frucht haben.
    Wir bauen nicht auf die „fertigen“ Christen anderer Gemeinden. Das ist nicht unser Auftrag. Aber dass manche Christen ihre Gemeinde wechseln wollen, ist eine Realität, der wir uns stellen müssen.
    Schön, wenn Du Deine Gemeinde hast und dort bleiben willst!

    Zu den Interna:
    Naja, weißt Du – wir sind kein Geheimclub. Wir haben nichts zu verstecken. Wovor sollten wir uns fürchten?
    Ich halte es für sehr gut, wenn Gemeinden transparent sind.
    Grenzen sind m.E. seelsorgerliche Angelegenheiten und ähnlich einzustufende Dinge. Das dürfte klar sein.
    Ist vielleicht auch Typsache – mancher gibt ja auch gerne eine nicht vorhandene e-mail-Adresse beim Kommentieren an, weil er Angst vor der Offenheit hat… :-)

    Zum Egotrip:
    S.o.: Das hätte bei mir nicht gereicht.
    Jetzt mal wieder ganz offen:
    Ich habe schon paar Mal geheult wegen dieser Gründungsgeschichte, war verzweifelt, hätte ein paar Mal am liebsten das Handtuch geworfen, hatte Gott sogar schonmal um ein Zeichen gebeten, mit diesem Projekt aufhören zu dürfen, bin berufliche und persönliche Risiken und Konflikte eingegangen, was überhaupt nicht meinem Charakter entspricht, ich war schon oft ziemlich fertig und erledigt deswegen und habe gebetet und gebetet und gebetet…
    lieber Kommentator – wenn das ein Egotrip sein soll, dann wäre es ein ziemlich selbstloser!
    Du kannst es sicher nicht besser wissen, kennst mich (vielleicht) nicht – aber solche Fernurteile ärgern mich echt.
    Was tust Du für „Mission“? Was riskierst Du dafür? Riskierst Du auch Berufsaussichten dafür? Verzweifelst Du auch manchmal an Deiner Berufung und musst weinen?

    Sicher – ich bin nicht frei von Egoismen. Wer ist das schon?
    Und auch bei solcher Gründungsarbeit gibt es einen Kampf zwischen Ego und Auftrag. Aber, wenn ich „meine“ Gemeinde bauen wollte, dann wäre diese zum Scheitern verurteilt. Ich habe keinen Bock, eine „Ego-Gemeinde“ aufzubauen. Das soll eine Gemeinde sein, die Gott ehrt. Es ist Sein Reich und nicht meins. Wer das nicht weiß oder lernt, der sollte wirklich die Hände davon lassen.

    Ich freue mich, wenn diese Arbeit weitergeht und wir mehr und mehr entdecken, wie wir eine gute Hilfe für den Bezirk und die Stadt sein können. Das braucht seine Zeit – und diese wird kommen. Einiges haben wir schon getan. Wenn Du diesen Blog öfters liest, dann weißt Du auch, was.
    Und dabei ist es völlig egal, zu welchem Verband so eine Gemeinde gehört, ob sie groß oder klein ist, ob sie schon seit 100 Jahren oder erst seit 5 Jahren existiert – Mann, es geht um das Reich Gottes, es geht um die Vielfalt … und nicht darum, welche Gemeinde die beste ist.
    Meinetwegen kann es an jeder Straßenecke eine Gemeinde geben.
    Würde ich toll finden.

    Viel Segen für Dich!
    Dirk.


  6. [...] Letztens wurde ich per Ferndiagnose kritisiert. Das hatte mich echt getroffen. U.a. wurde mir vorgeworfen, dass die Gemeindegründung ein Egotrip sei. Abgesehen davon, dass ich mein Ego wirklich nicht ausschalten kann (was aber noch nicht zu einem Egotrip führen muss), betete ich. Und was passierte? 1. Ich konnte loslassen. Schließlich geht es eben nicht um mein Reich, sondern um das Reich Gottes. 2. Meine Motivation wurde wieder gestärkt. Ich wurde motivierter, weniger an mich zu denken, sondern umso mehr die Ehre Gottes vor Augen zu haben. 3. Mein Blick “in den Kiez” wurde erneuert. Meine “Lust” wuchs, verstärkt Wege in den Kiez zu finden, damit wir als Christen eine Hilfe sein können. 4. Meine Berufung wurde festgemacht. Ich erinnerte mich daran, weshalb ich diesen Weg, der mittlerweile fast 4 Jahre dauert, begonnen hatte: Eben nicht, weil ich mich verwirklichen wollte, sondern weil ich bekennen muss: Gott hat mich gezogen. Denn das steht fest: Es gibt Begabtere als mich für diese Aufgabe. Es gibt Leute, in besser geeigneten Lebensumständen. Aber wenn Gott einen Auftrag gibt, dann geht es nicht um die eigene Stärke, sondern um Gehorsam. [...]


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