Fragen zu 2.Mose 7 – der Pharao wird zur Schlange?

Nun bin ich seit ca. 15 Jahren Christ, lese oft in der Bibel, mal mit viel Aufmerksamkeit, mal mit viel Wischi-Waschi-Gedanken.
Heute nun: 2.Mose 7.

Leute – da kommen Fragen auf!


a) Wie kann es sein, dass der Pharao zur Schlange wird?
Verse 9-10 (Auszug):
“ Nimm deinen Stab und wirf ihn hin vor dem Pharao, dass er zur Schlange werde!…
Und Aaron warf seinen Stab hin vor dem Pharao … und er ward zur Schlange.“

Die Antwort:
Mangelhafte Auslegung.
Wichtig: beachte den Kontext!
Vers 12 und vor allem Vers 15:
nicht der Pharao wurde zur Schlange, sondern der Stab.
Puuhh, da muss man aber genau lesen!

b) Wieso redet Gott davon, den Pharao „verstocken“ zu wollen, aber tut dann so, als hätte sich der Pharao selbst verstockt?
Vers 3:
“ Aber ich will das Herz des Pharao verhärten…“
Vers 14:
“ Das Herz des Pharao ist hart; er weigert sich, das Volk ziehen zu lassen.“
Antwort:
Erstens ist es besser, von der Verhärtung des Pharaos zu sprechen und nicht von der Verstockung, da die Verwendung des Begriffes „Verstockung“ die mangelhafte Auslegung nähren könnte, dass der Pharao und der Stab ein Äquivalent darstellen könnten, was wiederum die Annahme ver… erhärten könnte, dass der Pharao tatsächlich zur Schlange wurde.
Zweitens – und damit ein wenig ernsthafter – erscheint die Beleuchtung des weiteren Kontexts als hilfreich:
Der erste Pharao, der in 2.Mose genannt wird, war schon schlecht drauf.
Nach 2.Mose 1,8 ff. wollte der Pharao das Volk Israel fertig machen! Zwangsarbeit, mit List niederhalten, Frondienst – ohne Erbarmen.
Sodann die Weisung des Pharaos, die neugeborenen Jungs der Israeliten zu töten (1.Mose 1,15 ff.).
Und diese Situation existierte wohl für viele Jahre.
Und wir meckern, wenn es nicht schnell genug an der Kasse geht. Mann, Mann…

Der erste Pharao verstarb (2.Mose 2,23 a).
Trotzdem seufzten die Israeliten weiterhin wegen ihrer Sklavenarbeit (2.Mose 2,23 b).
Scheinbar hatte sich das Konzept des „Geiz-ist-geil-Arbeitgebertums“ mit der dazugehörigen Komponente der Billig-Lohnarbeit unter brutalen Bedingungen als erfolgreich erwiesen und wurde vom neuen Pharao fortgeführt.
The same old story.

Hatte jemand den Pharao zu diesem Verhalten gezwungen?
Offensichtlich nicht.
Er wollte so sein.

Und nun – endlich – nachdem Mose 40 Jahre lang in Midian, diesem Kaff, Schafe gezählt hatte und sich wohl gefragt hatte, wieso er für diesen Job eine Ausbildung am Hofe des Pharaos machen musste, beruft Gott diesen Mose und kündigt ihm schon an:
Dieser Typ von Pharao wird euch nicht ziehen lassen wollen (2.Mose 3,19).
Den muss man hart anpacken.

Das bleibt festzuhalten:
Am Anfang war der Wille des Pharaos.
Eines Pharaos, dem es gefiel, andere Menschen zu knechten und zu foltern.
Jahrzehntelang.

Mancher klagt Gott wegen Seiner angeblichen Passivität an, sobald jemand nicht den Traumberuf ergreifen kann, den man sich wünscht: „Ach, von Gott bin ich entäuscht! Hätte er mir doch meinen Traumberuf gegeben. Hätte er die entsprechenden Verantwortlichen nicht beeinflussen können?“
Und endlich lesen wir Schwarz auf Weiß bei Mose, Israel & Pharao, dass Gott aktiv ist, und
- die Verantwortlichen beeinflusst,
- für Gerechtigkeit und Bestrafung sorgt.
Das sollte eigentlich Grund zur Hoffnung sein:
Gott kann einschreiten, Gott schreitet ein, Gott sorgt für Gerechtigkeit!
Super!

Oder hätte er diesen brutalen Fiesling von Pharao lieber vergeben sollen und ihn so weitermachen lassen?
Oder hätte Gott den Pharao zum „Lieb-Sein“ zwingen sollen – obwohl der Pharao gar nicht lieb sein wollte?

Gott respektiert unsere Entscheidungsfreiheit so sehr, dass Er den Pharao nicht zum Lieb-Sein zwingt.
Der Pharao hat sein „Brutal-Regime“ über Jahre eintrainiert – der will das!
Gottes Einstellung scheint zu sein:
„Nun bekommst du das Zertifikat deines Trainings:
Du willst hart sein – und ich mache dich so, dass auch nicht mehr anders kannst.
Das ist das, was du, Pharao, wolltest.“

So scheint es einen Punkt des „no return“ zu geben.
Das sollte uns ein Anreiz dazu sein, das „Lieb-Sein“ zu trainieren und nicht das „Brutal-Sein“.
Denn eines Tages kommt das Zertifikat!

c) Aber warum wird das ganze Volk Ägypten gestraft, wenn doch der Pharao so ein Fiesling war?
Ist das nicht unfair?

Beachte die Verse 2.Mose 7,14 ff. (alles Wasser in Ägypten wird zu Blut).
Antwort:
Die Art der Fragestellung setzt voraus, dass das Volk Ägyptens lieb gewesen sei und nur der Pharao sei böse gewesen.
Es scheint aber vielmehr so, dass auch das Volk Ägypten nicht unschuldig war.
Viele werden die Aktionen des Pharaos gut gefunden haben. Schließlich profitierten viele Ägypter davon.
Andere Ägypter waren möglicherweise zwiegespalten, aber sie taten nichts gegen die Bedrückung der Israeliten.
Möglicherweise war der Pharao die Spitze des Brutalo-Berges. Aber das Volk Ägypten war sein Handlanger. Ohne die Unterstützung und Duldung des Volkes, hätte der Pharao nie eine solche Macht gehabt.
Es besteht der Verdacht einer Kollektivschuld.
Und dafür gibt es dann nach vielen Jahrzehnten endlich eine „Kollektivstrafe“.
Das ist nicht unfair.
Das ist gerecht.

Natürlich denkt mancher an die Kinder und Babys der Ägypter.
Schließlich waren sie auch von den Plagen Gottes betroffen.
Aber was können sie für die Taten ihrer Vorfahren?
Die armen unschuldigen Kinder!

Wahrlich – es handelt sich um schreckliches Leid.
Ein fürchterliches Gemetzel.
So lesen wir auch an keiner Stelle, dass Gott Freude an diesen Plagen hatte („Boah, endlich mal reinschlagen. Dufte!“).
Ich habe diese Gedanken dazu:
- Kinder werden durch ihre Eltern geprägt.
Eltern, die die Unterdrückung und Folter anderer Menschen gutheißen oder dulden, werden das ihren Kindern beibringen. Die Chance, dass diese Kindern eines Tages „Robin Hood-Ägypter“ werden, war extrem gering. Es ist viel wahrscheinlicher, dass auch diese Kinder zu Befürwortern und Duldern eines Unrecht-Regimes geworden wären. Sie hätten das Werk ihrer Vorfahren am Leben erhalten.
Das Leid der Kinder bleibt Leid. Und Leid ist schrecklich.
Aber um das eigentliche Unrecht zu bekämpfen, musste etwas geschehen.
Das Leid der Kinder erscheint unumgänglich.

- Die Eltern und Herrschenden tragen Verantwortung für ihre Kinder.
Gottes Einschreiten hatte einen Grund (s.o.).
Tatsächlich erscheint es mir fast unmöglich, den Kindern Verantwortung dafür zu geben.
Aber die Kinder standen im Verantwortungsbereich ihrer Eltern.
Es ist nicht die Schuld Gottes, dass sich die Eltern so verhielten.
Sie wollten das, was sie taten und duldeten.
Wenn Gott diese Eltern und Herrschenden nun tatsächlich in Verantwortung zieht, dann sind eben auch die betroffen, die im Verantwortungsbereich dieser Personen stehen.
Das verdeutlicht das hohe Maß von Verantwortung, das Eltern haben. Es könnte sein, dass ihre Taten ihre eigenen Kinder betreffen!

- Gott hatte Chancen zur Umkehr gegeben.
Es hätte nicht so weit kommen müssen.
Jeder Tag ist ein Tag der neuen Chance.
Fraglich ist nur, ob wir diese Chance auch nutzen.
Die Ägypter entschieden sich jeden Tag neu dafür, andere Menschen zu quälen bzw. nichts dagegen zu tun. Sie bekamen das Leid der Israeliten doch mit!
Der Pharao wurde letztlich direkt durch Mose mit dem Unrecht konfrontiert.
Dennoch wollte der Pharao das Unrecht.
Er wollte das Unheil nicht vom Volk Ägypten abwenden.
Das ist die Verantwortung des Pharao und alle waren betroffen, die in seinem Verantwortungsbereich lebten. Er und das Volk hatten nicht die Chancen genutzt, die ihnen natürlicherweise zustanden bzw. die Gott ihnen direkt ermöglicht hatte.
Somit haben der Pharao und das Volk Ägypten das Leid ihrer Kinder zu verantworten.
Wir ernten, was wir säen.

Und es ist reine Gnade, wenn dieses Ernte-Prinzip durch Gottes Eingreifen unwirksam gemacht wird.
So etwas nennt man auch Segen.

d) Eine Frage bleibt für mich, auf die ich keine für mich zufriedenstellende Antwort habe:
Wenn durch Gottes Handeln mit Hilfe von Mose, Aaron und dem Stab scheinbar alles Wasser in Ägypten zu Blut wurde, wie war es dann den Zauberern des Pharao möglich, anschließend Gleiches zu tun? Es konnte doch kein reines Wasser mehr geben, das für Zauberkunststücke brauchbar gewesen wäre!
Lies die Verse 2.Mose 7,19 ff.!
Hier nur ein paar lose Gedanken dazu:
aa) Sehr spitzfindig:
In Vers 19 sollte alles Wasser zu Blut werden, dass
- in den Strömen,
- Kanälen,
- Sümpfen,
- Wasserstellen,
- hölzernen,
- steinernen Gefäßen war.
Könnte es sein, dass es Wasserstellen gab, die von dieser Aufzählung nicht betroffen waren?
Z.B. gläserne Gefäße? Der Swimming-Pool des Pharao?
Keine Ahnung.
Wahrscheinlicher ist, dass die Ägypter nach frischen Grundwasser buddelten (Vers 24). Die Zauberer hätten das für ihr Kunststück auch tun können.

bb) In biblischen Berichten kommt es vor, dass keine deutlichen Zeitangaben gemacht werden, so dass zwischen zwei Sätzen durchaus mehrere Stunden, Tage oder Jahre liegen können.
Diese Möglichkeit wäre auch für die Aktion in den Versen 19-21 und die Aktion im Vers 22 in Betracht zu ziehen. Denn die einzige Zeitangabe, die uns in diesem Zusammenhang begegnet, ist Vers 25: „Und das währte sieben Tage lang, nachdem der Herr den Strom geschlagen hatte.“
D.h.: Zwischen der Gott-Aktion in den Versen 19-21 und der Zauberer-Aktion in Vers 22 könnten durchaus mehrere Stunden und Tage liegen, so dass bis dahin wieder frisches Wasser verfügbar war, sei es durch das Ausbuddeln frischen Wassers oder die Regeneration des Stroms.

So – und weil ich jetzt so viel Zeit mit diesen Schreiben verbracht habe und diese Zeit nicht unnütz gewesen sein soll, werde ich 2.Mose 7 heute Abend in der Bibelstunde in Potsdam verwenden!
Das nennt man:
Synergieeffekt.


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3 Comments on “Fragen zu 2.Mose 7 – der Pharao wird zur Schlange?”

  1. xxee Says:

    hui – das war viel zu lesen. Aber sehr interessante Gedanken, die du da hattest. Und Synergieeffekte sind ja immer gut ;-)

    Segen! Anja

  2. Tonn Says:

    „Somit haben der Pharao und das Volk Ägypten das Leid ihrer Kinder zu verantworten.
    Wir ernten, was wir säen.“

    Alter, du bist krank… Du hast nicht das geringste moralische Empfinden und der Gott den du skizzierst auch nicht. Würdest du deine Kinder bestraffen in dennen du ihnen eine verpasst und dann ihre Katze ersäufst?? Ok wenn man es so simpel wie du mit dem „die werden eh auch böse“ Prinzip abtust (Herzlichen Glückwunsch zu deinem Diplom in Psychologie und Entwicklungs- und Verhaltensbiologie) Das ist ein Kohlbergdilema der damit die moralische Entwicklung von Probanten untersuchte, auf deinem Zeugniss steht „herzlichen Glückwunsch zur untersten Stufe“. Sowas hat auch der Papst mal moralische Unterentwicklung genannt. Denk nochmal gründlich über deine Menschen-Verachtenden Denkansätze nach, denn genau das sind sie.

  3. dikosss Says:

    Hi Tonn!

    Danke für die Ferndiagnose!
    Endlich habe ich eine seriöse Einschätzung meiner selbst! :-)

    Wenn Du meinen Text genauer gelesen hättest, dann wäre Dir aufgefallen, dass ich versucht habe, mir selbst dieses Geschehen zu erklären. Ich sage nicht, dass meine Erklärung stimmig ist und ich bin kein Verfechter von Greueltaten.

    Ich verstehe Gott in diesem Punkt kaum – garantiert hätte ich anders gehandelt.
    Also suche ich nach Erklärungen.

    Es wäre nett von Dir, wenn Du das ein wenig differenzierter betrachten könntest.

    Im Übrigen:
    Gesegnete Weihnachten!
    Dirk.


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