Wenn Bilder nicht das Wort ersetzen
Die EKD will zeitgemäß sein. Finde ich gut.
In den letzten Jahren hat ein verstärktes Nachdenken in den Reihen der Evangelischen Landeskirche eingesetzt. Schließlich treten Menschen aus der Landeskirche aus, andere treten nicht in gleicher Zahl ein, somit wird ein Minus verzeichnet, mit der Folge, dass manches Kirchenhaus verkauft werden muss, Pfarrbezirke fusionieren müssen …
ja, es geht mancherorts auch um den schnöden Mammon, wobei der größte Teil der Kirchensteuern wohl direkt in die Bezahlung von Mitarbeitern fließt. Arbeitsplätze sind ebenfalls in Gefahr.
Aber um nicht allzu böse zu klingen, müssen wir auch festhalten, dass es tapfere Pfarrer, Diakone und weitere Mitarbeiter gibt, die nicht zuerst auf das Geld schauen, sondern auf das Reich Gottes.
Um wieder etwas Oberwasser zu gewinnen („Herr Ober, bitte noch ein Wasser!“ Harhar – wie schlecht!), wurde u.a. dieser Clip der EKD produziert (via Danny und Peter).
Es geht um die Rechtfertigung.
Bildlich.
Aber nicht inhaltlich.
War die Kreuzesbotschaft* doch zu heikel?
Mein Fazit:
Der Clip ist ein wünschenswerter Versuch, vom Glauben an Jesus Christus zu reden.
Aber unter diesem Titel „Rechtfertigung“ und der dann geäußerten Botschaft muss ich im Sinne Paulus sagen: „Das soll die Rechtfertigung sein? Das sei ferne!“
* Die Kreuzesbotschaft beinhaltet zum Thema „Rechtfertigung“, dass kein Mensch vor Gott wegen der persönlichen Schuld bestehen kann und deswegen den Tod als Bestrafung verdient hat – ABER Jesus Christus Sein eigenes Leben opferte, damit nicht wir die Strafe tragen müssen. Der Todespreis ist durch das Opfer Jesu bezahlt. Durch Ihn sind wir gerechtfertigt…
und nicht, weil wir eine prinzipielle Würde haben.
Tags: Bischof Huber, EKD, Kreuzesbotschaft, Rechtfertigung, Rechtfertigungsbotschaft, Videoclip Rechtfertigung
You can comment below, or link to this permanent URL from your own site.
Oktober 28, 2008 at 4:22
Genau DAS ist Rechtfertigung – sagt der Clip am Ende. Auweia. Luther, kannste nicht mal dein Grab verlassen und auf den Tisch hauen, was die da verzapfen? Das ist fromm angestrichener Humanismus, mehr nicht. Kreuz ist komplett weg. Toll: Rechtfertigung ohne Kreuz. Passt aber in die aktuelle Diskussion über das Überholt-Sein der Sühnetheologie…
Oktober 28, 2008 at 7:04
Moment, immer eins nach dem anderen, bitteschön.
Erstens entspricht es nicht den Fakten, zu behaupten, der Mitgliederschwund in der EKD beruhe auf häufigeren Aus- als Eintritten. Regional sind schon seit ein paar Jahren die Eintrittszahlen höher als die der Austritte, der Trend setzt sich fort und betrifft mittlerweile den Großteil der EKD-Gliedkirchen. Der Mitgliederschwund ist vor allem demographisch bedingt.
Daß dieser Clip nicht explizit und offensiv vom Kreuz redet, mag man als Mangel empfinden. Diesen Mangel empfinde ich auch. Deshalb aber gleich wieder munteres Landeskirchen-Bashing zu betreiben, zeugt auch nicht gerade von geistlicher Besonnenheit, meine Herren.
Es ist durchaus richtig, zu sagen, die unverbrüchliche Menschenwürde sei (Ausdruck der) Rechtfertigung. Woraus sonst sollte eine solche unverbrüchliche Menschenwürde denn, bitteschön, abgeleitet sein?
Der Grund der Rechtfertigung, oder meinetwegen auch das „Zustandekommen“ wird mehrfach durch die bildliche Darstellung des Kreuzes zumindest angedeutet, und daß die Würde des Menschen allein in Gott begründet ist, wird deutlich ausgesprochen.
Hier von einer „Rechtfertigung ohne Kreuz“ zu reden, wird dem Clip nicht gerecht.
Wie gesagt, ich hätte mir ebenfalls gewünscht, daß das Kreuz explizite verbale Erwähnung findet – das hätte den Clip allemal pointierter gemacht. Aber die Reaktionen, die ich hier lese, sind in dieser Form m.E. eben ganz und gar nicht gerechtfertigt.
Darüber hinaus sollte auch einmal bedacht werden, daß es sich hier um einen Clip von geplanten insgesamt 26 handelt – wie wäre es, die Nachfolger abzuwarten, bevor man schon ein Urteil fällt? Womöglich gibt es noch einen separaten Clip zum Thema Kreuz!? Und: ein Clip kann mindestens genauso belanglos und irrelevant werden, wenn man versucht, ihn in 2 1/2 Minuten vollkommen biblisch-theologisch korrekt vollzupacken. Auch das gab es von evangelikal-pietistischer Seite schon hin und wieder – und hat dennoch nichts bewirkt. Schließlich: wer Bischof Huber kennt, sollte wissen, daß der mit der Sühnetheologie durchaus etwas anfangen kann und auch sehr eindeutig vom Kreuz zu sprechen vermag.
Von daher würde ich mir an dieser Stelle – bei aller berechtigten Kritik – wirklich ein bißchen mehr Wahrhaftigkeit wünschen.
Oktober 28, 2008 at 7:52
@Theolobias:
Erstmal „Danke“ für’s Mitdenken!
M.E. hat auch ein demografischer Wandel damit zu tun, dass Mitglieder „verschwinden“. Du hast Recht: Regional kann es durchaus anders aussehen. Aber m.E. ist das keine allgemeine Tendenz in der EKD.
Fakten: s.a. die Seite der EKD (http://www.ekd.de/statistik/zahlen_fakten.html). Demnach gab es in der EKD 2002 26211000 Mitglieder und im Jahr 2006 25100727 Mitglieder. Das sind über eine Million weniger Menschen. Wie die Zahlen für das Jahr 2007/2008 aussehen werden, muss wahrscheinlich noch errechnet werden.
Zumindest bis 2006 haben wir es mit einem Mitgliederschwund zu tun.
Verzeih’ bitte, wenn Du den Artikel als „Bashing“ wahrnimmst. Das war nicht meine Absicht. Ich hatte mehr die Absicht, diesen Clip kritisch zu betrachten.
Wie ich auch geschrieben habe:
Ich finde solche Versuche, den Glauben zu erklären, grundsätzlich gut. Das befürworte ich.
Aber wenn es um zentrale biblische Themen geht, wie eben die Rechtfertigung, dann ist der Verweis auf die Menschenwürde einfach zu dünn.
Da helfen m.E. auch Kreuzesbilder nicht – heutzutage haben auch viele Nichtchristen ein Kreuz am Hals zu hängen. Im Zweifel ist der Aussagegehalt eines Kreuz-Bildes für einen Nichtchristen gleich Null.
D.h.:
Wenn man schon mit dem Anspruch auftritt, zentrale christliche Themen darzustellen, dann muss man sich daran auch messen lassen.
Und zentraler Inhalt der Rechtfertigungslehre ist nicht die Menschenwürde!
Menschenwürde kann durchaus ein Teilaspekt sein, aber theologisch geht es bei der Rechtfertigung um was anderes.
Dabei hilft es auch nicht, dass noch weitere Clips folgen.
Im Zweifel schaut sich ein Nichtchrist oder ein noch „unbewanderter“ Christ nur sehr wenige Clips an. Und wenn dann bei ihm hängenbleibt, dass die Rechtfertigung bedeutet, dass der Mensch Würde hat, dann ist das schlichtweg zu wenig, m.E. sogar falsch.
Somit empfinde ich diesen Clip nicht als wahrhaftig und sehe die Kritik daran als äußerst wichtig an.
Aber nicht, um „Bashing“ zu betreiben, sondern vielleicht sogar in der Hoffnung, dass Kritik hilft, um es beim nächsten Mal besser zu machen.
Sei gesegnet!
Dirk.
Oktober 28, 2008 at 8:51
Wie gesagt: ich teile die Auffassung, daß der Clip durchaus deutlicher hätte sein können und sollen.
Nein, Menschenwürde ist nicht die zentrale Aussage der Rechtfertigungslehre, aber doch eine der wichtigsten Ausdrucksweisen von Rechtfertigung. Und der Hinweis darauf, daß diese Würde des Menschen nicht im Menschen selbst, sondern in Gott begründet ist, ist zusammen mit dem gezeigten Kreuz ein starker Hinweis auf den Grund der Rechtfertigung. Noch einmal: auch ich hätte mit gewünscht, daß dieser Hinweis deutlicher ausfällt. Aber:
Das genannte „Bashing“ bezog sich vor allem auf meinen Vorredner, der in diesem Clip eine „Rechtfertigung ohne Kreuz“ entdeckt haben will – und das ist schlichtweg eine Fehldarstellung, die nicht unwidersprochen bleiben darf. Darauf bezog sich auch meine Forderung nach mehr Wahrhaftigkeit! Sorry, wenn ich da zu pauschal eine Gegenrede gestartet habe.
Was die Mitgliederzahlen der EKD-Kirchen angeht: ich habe bewußt von einem *Trend* gesprochen, den man anhand der Zahlen der letzten Jahre mit gutem Recht feststellen kann. Auch dort, wo es immer noch mehr Kirchenaustritte als Kircheneintritte gibt, fangen die Fronten teils deutlich zu bröckeln an. Der bedeutende Großteil des Mitgliederschwunds entspricht tatsächlich dem allgemeinen demographischen Wandel.
Oktober 28, 2008 at 10:30
Ich hab mir den Clip angesehen, angehört und…. hatte etwas Schwierigkeiten mit meinen Gehirnwindungen, die sich in einem „hääääääää“???? spontan äusserten.
Mich deucht, dass da im Text eine Umdeutung hinter der taffen Bildablenkung versteckt wird. Mein Geschmack ist diese Art nicht.
Für welche Altergruppe ist der Clip gedacht?
Oktober 29, 2008 at 10:08
Also mich (und meine Frau) hat der Clip echt geschockt.
Die inhaltliche Aussage geht m.E. gegen Null. Von Menschenwürde kann jeder sprechen. Da muss man kein Christ sein. Das Wort oder der Begriff „Menschenwürde“ kommt m.W. noch nicht einmal in der Bibel vor.
Die EKD folgt einem unheilbringenden Trend, junge Leute für den Glauben gewinnen zu wollen, indem man die biblische Botschaft bis zur Unkenntlichkeit und Belanglosigkeit verflacht.
Der Begriff „Rechtfertigung“ ist ein theologischer Fachbegriff in der evangelischen Kirche geworden, den es so in der Bibel gar nicht gibt. Die Bibel spricht davon, dass Jesus für unsere Sünden am Kreuz gestorben ist und diese Tatsache uns zur Gerechtigkeit angerechnet wird.
Es stimmt zwar, dass wir unsere „Würde“ von Gott und von sonst niemand bekommen haben. Aber dies ist KEIN zentrales Thema der Bibel, sondern ein Ausdruck (Folge) der Liebe Gottes für uns.
Ich denke, dass es besser wäre einen „gescheiten“ Videoclip zu machen als solch einer. Dieser schadet m.E. nur. Der hat ein so ernstes Thema völlig lächerlich gemacht (mit „Scheiße“, Klo, Kuhfladen).
Und dass die Sache mit der Rechtfertigung Luthers IDEE war ist auch falsch. Es war seine ERKENNTNIS aus seinem Bibelstudium. Also keine neue (menschliche) Erfindung.
Übrigens war die Sache auch nicht wirklich neu. Lest mal den Kommentar des Kirchenvaters Johannes Chrysostomus zum Römerbrief (ca. 400n.Chr). Da wird die sog. „Rechtfertigungslehre“ bereits ganz sauber erklärt (und zudem ohne die Denkfehler, die Luther gemacht hat).
Die Aussagen des Bischofs haben mich übrigens sehr verwundert. Die klingen wirklich nicht danach, dass er das Thema selbst verstanden hat.
Es geht mir wirklich nicht darum, die EKD schlecht zu machen, sondern für eine saubere christliche Lehre einzutreten. Der Videoclip wirft m.E. ein schlechtes Bild auf alle Christen. Wenn das Christentum wäre, oh je…
Oktober 29, 2008 at 4:14
@Theolobias: sorry, aber ich weiss definitiv nicht, wo ich die Landeskirche pauschalisierend angegriffen haben soll, ich habe sie nicht mal erwähnt. Ich schätze solche Versuche genauso wie dikoss, ich finde ihn nur misslungen. Und nur weil ein Kruzifix (sic!) eingeblendet wird, muss ich nicht jubeln. Ich habe auch nirgendwo behauptet, dass pietistisch-evangelikale Versuche per se gelungener sind. Wer solche Aussagen in meinen kurzen Post hinein liest, der verrät mehr über sich und seine stereotypen Reaktionen als über den, der den Post geschrieben hat. Kann ich nicht nachvollziehen. Wer meinen Blog kennt, der weiß, wie kritisch ich mich mit meiner eigenen freikirchlichen Szene auseinandersetze.
Oktober 29, 2008 at 7:27
@wegbegleiter:
Ich habe mit meinem Kommentar konkret auf Deine Behauptung abgezielt, hier würde eine „Rechtfertigung ohne Kreuz“ vermittelt. Ich habe dargelegt, warum diese Darstellung dem Clip nicht gerecht wird – das habe ich mit Landeskirchen-Bashing gemeint. Daß ich damit die Tendenz nicht ganz falsch benannt habe, zeigt Stefs nachfolgender Kommentar.
Ich habe nirgendwo gefordert, man müsse angesichts des eingeblendeten Kreuzes jubeln. Im Gegenteil: ich habe selbst darauf hingewiesen, daß mir die Aussage des Clips ebenfalls zu flach ist und somit ein falscher oder wenigstens nur unzureichender Eindruck von dem entstehen kann, was auch in den EKD-Kirchen nach wie vor unter „Rechtfertigung“ verstanden wird. Das auch als Anmerkung zu Stef, der einen solchen unureichenden Sprachgebrauch hinsichtlich der Rechtfertigung in „der“ evangelischen (welcher?) Kirche zu entdecken glaubt – das nenne ich pauschalisierend und falsch obendrein: auch dazu einmal der Hinweis auf das viel beachtete Buch „Das Evangelium von der Rechtfertigung des Gottlosen als Zentrum des christlichen Glaubens“ von E. Jüngel, vergleichbares gibt es zuhauf.
Du kannst jetzt natürlich diese Kritik zu psychologisieren versuchen („stereotype Reaktionen“) – auf dieses Niveau möchte ich mich allerdings nicht herabbegeben. Ich bin damit auch raus aus dieser Diskussion.
Oktober 29, 2008 at 8:06
Ok, bevor ich die Stimmung hier mit meiner etwas harschen Erwiderung weiter anheize:
Es war in der Tat wohl zu pauschalisierend, hier ohne weitere Erläuterung und Benennung von Anhaltspunkten von „Landeskirchen-Bashing“ zu reden. Ich möchte Dir, wegbegleiter, und auch Dirk das nicht in dieser Form unterstellen und möchte mich in aller Form dafür entschuldigen, wenn dieser Eindruck entstanden sein sollte.
Als Hinweis: ich habe mich wohl dazu hinreißen lassen, weil ich auf diesem Blog in der Tat die Tendenz zu einer Geringschätzung der EKD-Gliedkirchen zu erkennen meine. Ich weise hiermit ausdrücklich darauf hin, daß das zunächst einmal einfach mein *Eindruck* ist. Nur als ein Anhaltspunkt neben anderen: ich lese hier immer wieder implizit oder vereinzelt auch explizit, wie Dinge anders gemacht werden sollen als etwa in der Kirche, in der ich nun einmal beheimatet bin. Das ist an sich legitim – hinterläßt aber einen seltsamen Beigeschmack, wenn ich umgekehrt so gut wie nichts explizit anerkennendes zu lesen bekomme. Damit meine ich den Eindruck, den dieses Blog insgesamt auf mich macht, also auch die Kommentare regelmäßiger Leser, die auf mich regelmäßig so wirken, als wüßten sie über die Zustände in den großen Kirchen nur vom Hörensagen oder aus den einschlägigen christlichen Medien – aber eben nicht aus eigener Erfahrung. Das finde ich persönlich enttäuschend, zumal ich umgekehrt mich immer wieder für die freikirchliche „Szene“ starkmache, auch auf meinem Blog.
Um die Diskussion also wieder zu versachlichen: meine nach wie vor bestehende Kritik besteht in der Ablehung der Unterstellung, hier werde eine „Rechtfertigung ohne Kreuz“ vermittelt. Ich habe die Gründe genannt, aus denen ich das für eine grobe Fehldarstellung halte und weise erneut darauf hin, daß ich mir den Clip gleichwohl deutlicher, pointierter, unerschrockener und weniger infantil gewünscht hätte.
@Stef: Wenn ich auf die „Idee“ komme, vor Gott sola gratia bestehen zu können, dann ist damit keineswegs zwingend ausgedrückt, daß ich auch der Urheber dieser Idee bin. Umgangssprachlich wird „Idee“ oftmals synonym für „sich an etwas erinnern“ gebraucht – so habe ich auch den Clip verstanden. Kein Grund also, den Clipmachern etwas anderes unterstellen zu wollen. Sie mögen zwar reichlich naiv an diese Sache herangegangen sein und sich vielleicht zu wenig Gedanken gemacht haben, aber daß die Rechtfertigung eine neue Konzeption Luthers gewesen sei, habe ich auch in der EKD wirklich noch niemals irgendjemanden behaupten gehört. Chrysostomos kann ich trotzdem keinen theologischen Vorrang vor Luther geben – ich sehe bei ihm auch keine überzeugende argumentative Grundlage dafür, bei Luthers Formulierung der Rechtfertigunglehre von „Denkfehlern“ zu sprechen. Ich bleibe bei dem, was ich schon in einer vorangegangenen Debatte zum Ausdruck gebracht habe: daß Luthers Denken hier durchaus vereinbar ist mit der paulinischen Rede von der Rechtfertigung des Gottlosen. Im übrigen: Luther hat die alten Kirchenväter sehr gut gekannt und sich ihrer rege bedient – das ist noch kein Beleg dafür, daß er mit seiner Argumentation richtig lag, soll aber dennoch einmal erwähnt werden.
Oktober 29, 2008 at 8:44
@theolobias: ach weisst du, ich wünsche mir nichts sehnlicher als starke, anziehende Landeskirchen und ich halte auch nicht viel von einem IDEA-spektrum mäßigen, apokalyptischen Herumgehacke auf den Landeskirchen. Leider erlebe ich in praxi immer wieder das Gegenteil, wenn Menschen aus den Landeskirchen bei uns in der Gemeinde stranden (und das erfüllt mich nicht mit Schadenfreude!!). Den einen hat man in der ersten Gemeinde gesagt, sie dürften die Wunder nur symbolisch und tiefenpsychologisch deuten, in einer weiteren Kirche haben sie gesagt bekommen, dass die Auferstehung nur eine im Herzen der Jünger sei, in der anderen hat man sie beim ersten Besuch gefragt, ob sie ihre Pflichtbesuche vor einer Hochzeit anreißen würden etcetc.
Dass es auch zahlreiche tolle und lebendige Landeskirchen gibt – auch regional sehr unterschiedlich – aber natürlich! Auch Organisationen wie EC und CVJM leisten tolle Arbeit! Ich habe einen echt guten Kontakt zu meinem Kollegen hier in der unierten Kirche, und er müht sich redlich und engagiert, gegen die Seilschaften anzukommen, die bei ihm im Presbyterium sitzen, bis auf zwei aber alle nicht regelmäßig zur Kirche gehen. Ich habe Hochachtung und Respekt vor allen, die gläubig in dieser Kirche unterwegs sind und gegen den mainstream schwimmen und einen echten Blick haben für ihre Gemeinde! Aber ich sag es mal ehrlich und ganz persönlich: sex appeal (bitte richtig verstehen…;-) hat diese Kirche für mich nicht mehr. Dann noch eher die katholische, obwohl ich da ungleich mehr theologische Bauschmerzen hätte. Ich würde mir deutlich pointierte und auch kantige theologische Aussagen wünschen, wenn ich Luther lese in seinen besten Zeiten, dann jubele ich innerlich und manchmal auch äußerlich. Aber: beide Volkskirchen sind längst Minderheitenkirchen (und in diesem Sinne keine „Volks“-kirchen mehr) und werden es wohl auf absehbare Zeit bleiben. Profilschärfung ist die Devise. Andere Religionen machen es uns ja vor. Meines Erachtens und ich hoffe, du kannst aus meinen Zeilen entnehmen, dass ich den Landeskirchen sehr viel Segen wünsche und nicht mit Herablassung auf sie schaue. Auch wenn manche Praxiserfahrung verzweifeln lässt.
Oktober 29, 2008 at 9:10
@Theolobias:
Deine Beobachtung bezüglich meines Blogs stimmt in gewisser Hinsicht, was meine Erfahrungen oder Beobachtungen der Landeskirche betrifft.
Du stellst allerdings auch fest, dass es sich nicht um ein „bashing“ handelt. Das finde ich gut von Dir. Denn ein „bashing“ ist auch nicht meine Absicht.
Aber in der Tat sehe ich für mich so viel Kritisches in manchen Voraussetzungen der Landeskirche, dass die Gemeindegründung in Spandau nun unter den „Fahnen einer FeG“ betrieben wird.
Was ich kritisch finde, hat dann mit der Differenz zwischen meinen theologischen Erkenntnissen und denen der Landeskirche zu tun (zumindest gemäß dem, was offiziell geschrieben steht). Da Du meinen Blog liest, weißt Du ja, welche Aspekte ich damit meine.
Es geht für mich nicht darum und soll auch nicht darum gehen, arrogant zu werden oder einen Keil zwischen „Landeskirchler“ und „Freikirchler“ zu treiben. Das wäre lieblos und gegen die Einheit, zu der Gott uns berufen hat.
So sehe ich auch gute Entwicklungen in der Landeskirche und es gibt gute landeskirchliche Gemeinden. Genauso gibt es Freikirchen, in denen es viel Elend gibt.
Um detailiiert zu kritisieren, muss der Einzelfall gesehen werden.
Pauschalisierende Kritik scheint mir von meiner Seite dann angebracht, wenn es auch um pauschale Regelungen der Landeskirche geht. Mal vereinfacht geschrieben.
Aber bedingt durch meine Biografie und den Entscheidungen, die für mich in letzter Zeit zu treffen waren, ist mein Fokus tatsächlich mehr auf das Kritische in der Landeskirche gerichtet.
Ich hoffe, dass Du verstehst, dass es mir dabei stets um das Sachliche geht und nicht darum, Menschen schlecht zu machen.
Falls Du dennoch diesen Eindruck haben solltest, bitte ich um Entschuldigung und wäre dankbar für eine ebenso kritische Begleitung.
Ein Anfang ist ja schon gemacht!
Gott segne Dich!
Dirk.
Oktober 29, 2008 at 9:39
@wegbegleiter: Nein, sex appeal hat meine Landeskirche für mich auch nicht mehr – aber gerade deshalb bleibe ich dort: ich bin so eitel und behaupte, ihr dabei helfen zu können …
Daß Dich manche Praxiserfahrung verzweifeln läßt, nehme ich Dir unbesehen ab – solche Erfahrungen habe ich auch en masse gemacht. Aber das sind Erlebnisse, die ich nicht nur in den EKD-Kirchen habe, sondern auch in einer ganzen Menge freikirchlicher und freier Gemeinden. Was habe ich nicht schon in der Pfingstbewegung etwa an abstoßenden Gottesdiensten erlebt, die m.E. auch nicht mehr viel mit dem Evangelium zu tun hatten. Was erlebe ich nicht immer wieder für einen geistlichen Hochmut bei Christen, die aus der Landeskirche ausgetreten sind und meinen, einem die wahre Erkenntnis absprechen zu dürfen, weil man diesen Schritt selbst nicht mitgehen möchte.
Das Problem ist: bei den evangelischen Landeskirchen fallen die Mißstände schneller auf, es gibt nun einmal einfach mehr landeskirchliche Gemeindeglieder, Diakone, Pfarrer etc. als freikirchliche. Anteilmäßig betrachtet schenken wir uns da wohl alle nicht viel, weshalb ich auch leidenschaftlich gegen eine Geringschätzung der freikirchlichen Szene anspreche und -schreibe, die ich oftmals in meiner Kirche antreffe. Ich bin selbst ursprünglich Freikirchler.
Was die „Volkskirche“ angeht – die wenigsten, die von „Volkskirche“ reden bzw. geredet haben, haben damit eigentlich eine Kirche zu beschreiben versucht, in der sich ein Großteil des „Volkes“ und das im überzeugtem persönlichen Christsein befindet. Von daher würde ich nicht sagen, daß es keine Volkskirche mehr gibt. Ich finde den Begriff in gewisser Hinsicht immer noch für legitim und glaube, daß es eine Volkskirche so, wie Du sie definierst, vermutlich noch nie gegeben hat.
@Dirk: Ich verstehe, daß Dein Blog biographisch bedingt eine gewisse Einseitigkeit hat und nehme Dir gerne ab, daß es Dir nicht um Schlechtmachen geht. Deshalb der Hinweis darauf, daß so eine Einseitigkeit auch schnell verletzend wirken *kann*. Ich kann auch mit so manchen theologischen Erkenntnissen, die ich hier lese, wenig bis nichts anfangen und denke dennoch, daß diese Tatsache zunächst einmal zurücktreten sollte zugunsten der Feststellung, daß wir alle – trotz aller Fehlentscheidungen, Fehlüberzeugungen, Fehlhandlungen etc. – aus der Gnade leben und deshalb auch im Kern mit unserem jeweiligen Modell von Kirche in der Regel gleich weit oder gleich kurz von Christus entfernt sind. Wenn das auf beiden Seiten klar ist, kann man auch Kritik üben, die nicht verletzend wirkt. Ich bemühe mich darum und weiß, daß ich da auch immer wieder Nachholbedarf habe. Ich versuche jedenfalls, nach meinen Möglichkeiten und in dem, was ich hinsichtlich der freikirchlichen Szene schreibe, ausgewogen auch auf das Nachahmenswerte und Bedenkenswerte dort hinzuweisen – und ich würde mich freuen, wenn ich das gleiche Bemühen künftig auch hier feststellen darf!
Gott mit Dir bzw. Euch und gute Nacht – das war’s nämlich für heute meinerseits.
Oktober 29, 2008 at 10:14
@Theolobias: Amen.
November 4, 2008 at 1:29
oh wie schön, Ihr habt Euch hier inhaltlich mit dem clip auseinandergesetzt.
ich hab für mich beschlossen, dass meckern die eine sache und bessermachen die andere ist
meine herausforderung an Euch und jeden der mitmachen möchte.
November 5, 2008 at 12:28
@march:
Coole Idee!
Segen!
Dirk.