Workshop, Bein vs. Pflanze, Schutzbehauptung, u.a. Sex, Peanuts
o Stefan will mit einem Bibel- bzw. Bibleworkshop starten. Bin gespannt, was hinten rauskommt!
o Eigentlich wollte ich das kaputte Bein von Matthias sehen, bin dann aber auch auf die postmoderne Balkonpflanze von Bergemensch getroffen – was ich ziemlich relevant finde.
o Habe Folgendes entdeckt: Während die einen versuchen, das Christsein emergent, wahlweise auch relevant, zu gestalten, haben die anderen Schwierigkeiten, überhaupt den Kern des Evangeliums zu formulieren, geschweige denn, relevant zu formulieren, bis hin zu Schutzbehauptungen wie „Das will ja eh keiner hören“.
o Eigentlich eine Binsenweisheit, oder?
Eine sozial gesunde Familie bringt sozial gesunde Kinder hervor.
Bernd Siggelkow und Wolfgang Büscher schrieben über die sexuelle Verwahrlosung von Kindern und Teens. Andere Kinderthemen sind: Rauchen (Nikotin, Marhiu…Mahrih… Haschisch), materielle Armut, Saufen …
Das hört sich nicht gesund an.
Kent benennt zwei Studien, die zu folgenden Ergebnissen gekommen seien:
1. Teens, die regelmäßig in positive Familienaktivitäten eingebunden sind, haben u.a. weniger Sexpartner, was keine Schande ist, sondern eine Auszeichnung.
2. Teen-Mädchen, die regelmäßig Mahlzeiten mit der Familie einnehmen, rauchen weniger, saufen weniger und nehmen weniger Drogen.
Kent sieht deshalb für die Gemeinde die Aufgabe darin, positive Familienaktivitäten zu fördern und er fragt nach geeigneten Ideen und hilfreichen Erfahrungen, wobei zu beachten ist, dass laut der jeweiligen Studie, die regelmäßige Einnahme von Mahlzeiten im Familienverbund für Jungs keine Auswirkungen auf gesundheitsschädigende/-fördernde Verhaltensweisen hätten.
o Toll, dass unser Staat für die armen Banken und Bankmanager einspringt! Da sehen wir: unsere sozialen Sicherungssysteme funktionieren noch!
Dass es im Gegenzug keine Anpassung der Hartz4-Bezüge an die Lebenswirklichkeit gibt und stattdessen akribisch vorgerechnet wird, dass ein Sozialhilfeempfänger auch von Peanuts überleben kann, dürfte nun verständlich werden: Wir alle müssen den Gürtel enger schnallen, damit unsere Finanzwirtschaft über die Runden kommt!
Lassen wir den Zynismus mal beiseite:
Es ist gut, dass sich unsere Partei-Freunde verantwortlich sehen und nicht tatenlos zugucken, wie sich die Finankrise ausweitet. Mögen sie viel Weisheit haben!
Die Schieflage entsteht allerdings, weil es innerhalb weniger Tage möglich ist, gewaltige Finanzströme herbeizurufen, aber ehrliche Hartz4-Empfänger angeben müssen, wenn sie zum Geburtstag Geldgeschenke in nicht unwesentlicher Höhe erhalten haben, damit ihnen das von den Sozialleistungen abgezogen werden kann. Werden die Banken und Manager in gleicher Weise „abgezogen“ oder begegnet man ihnen in kapitalistischer Barmherzigkeit?
Die Schieflage entsteht, wenn lang und breit über Kinderarmut debattiert wird, aber vergleichweise wenig Aktionen folgen – sobald es aber auch dem Geld mancher Verantwortungsträger an den Kragen geht, dürfen plötzlich Milliarden Teuros auftauchen.
Das System ist schief.
Und ich will in solchen Zeiten nicht Politiker sein müssen.
Wahrscheinlich würde ich auch einiges vergurken.
Deshalb:
Politiker – seid mit Weisheit gesegnet, damit Ihr unser Land hilfreich leitet!
P.S. Ein Nachtrag:
Möglicherweise ein lesenswertes Buch zur „Agenda 2010″: „Arm durch Arbeit“ – s.a. netzeitung.de.
Tags: Bankenkrise, Bein, Bernd Siggelkow, Bibleworkshop, Evangelium, Finanzkrise, Kinder, Peanuts, Sex, Teens, Topfpflanze, Verwahrlosung, Wolfgang Büscher
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Oktober 14, 2008 at 10:01
Ps: Das kaputte Bein gehört zu Bergemensch. So große Füße würden bei mir auch ziemlich dämlich aussehen
Siggelkow habe ich am Samstag während der Zugfahrt nach Marburg gelesen und bin neben allem Schmerz über diese Not erneut echt dankbar über mein Elternhaus geworden .
Gruß
Matthias
Oktober 14, 2008 at 10:23
Was die Finanzkrise angeht, entdecke ich aber auch eine Schieflage in Deiner Argumentation: es werden nicht Milliarden locker gemacht, weil es dem Geld einiger Verantwortungsträger an den Kragen ginge, sondern weil es hier um Geld geht, das enorm wichtig ist für die gesamte Wirtschaft und Gesellschaft – und damit letztlich auch um Geld, das am Ende beim Hartz4-Empfänger fehlen könnte.
Das ändert nichts daran, daß man durchaus überlegen sollte, ob man Hartz4-Empfängern nicht mit etwas mehr Empathie begegnen muß, wenn es um die Berechnung von Grundbedürfnissen geht. Das ändert auch nichts daran, daß einzelne Entscheidungsträger, soweit man ihnen ein Fehlverhalten zweifelsfrei nachweisen kann, zur Verantwortung gezogen werden müssen.
Das alles ändert aber eben auch nichts daran, daß man nicht Äpfel mit Birnen vergleichen sollte – das klingt mir ein bißchen zu sehr nach BILD. Unser System, das wir jetzt gerade alle vollmundig und expertös als schief bezeichen (was ich mit dieser Argumentation nicht entkräften, aber doch ein bißchen unter Vorbehalt stellen möchte), besteht unter anderem auch darin, daß es nach wie vor gewaltige Sozialleistungen erbringen kann, was wiederum nach wie vor auf einer mehr oder weniger stabilen Wirtschaftspolitik beruht. Das können viele andere Staaten nicht von sich behaupten. Begegnen wir dem ausreichend mit Dankbarkeit?
Einstimmen kann ich in die Bitte um Weisheit für unsere Verantwortungsträger.
Oktober 14, 2008 at 11:08
@Theolobias:
Wie Du auch entdeckt hast, bin ich durchaus dafür, dass unser Staat in dieser Krise handelt. Ob das in allen Details ein hilfreiches Handeln ist, kann kaum einer zum jetzigen Zeitpunkt beurteilen.
Meine Kritik richtet sich somit nicht gegen das Handeln der Regierung zu diesem Zeitpunkt.
Und Dein Hinweis auf etwas mehr Dankbarkeit ist auf jeden Fall angebracht! Ich beäuge unsere gesellschaftlichen Entwicklungen vielleicht zu kritisch bzw. vergesse dabei das „Danken“.
Es geht mir um das Gesamtbild (weniger um die „Bild“
):
Seit über einem Jahr wird vereinzelt darüber diskutiert, ob die Hartz4-Beträge an die Inflation und manch gestiegene Lebenshaltungskosten angepasst werden sollten – aber mehr ist bislang auch nicht passiert.
Woran liegt das?
Und wieso kann es im Gegenzug so „leicht“ sein, Versprechen von bis zu 500 Milliarden Euro zu machen? („Leicht“ in Anführungszeichen, weil dieser Schritt für die Regierung sicherlich schmerzlich ist, aber notwendig erscheint)
Wieso wird viel über Kinderarmut geredet, aber der relativ simple Schritt, den Ärmeren vielleicht 20,-EURO mehr im Monat zu geben, wird nicht getan?
Und sicherlich mag es nur ein Nebenaspekt sein, aber immerhin ist er existent:
Tatsächlich sind auch die Gelder mancher Verantwortungsträger betroffen, was diese ungemein dazu motivieren dürfte, schnell zu handeln.
Das berührt dann die mitunter fehlende Empathie, von der Du geschrieben hast, für ärmere Menschen (man denke daran, dass sich die Abgeordneten des Bundestages letztes Jahr die Diäten erhöht haben – sollen sie tun – aber auch da war wieder zu sehen: eine Anpassung der Sozialleistungen an die Lebenswirklichkeit geht nicht gleichermaßen zügig).
Natürlich wollen und brauchen wir die Wirtschaft, die Finanzen … und ich wäre auch gerne noch reicher!
Nur: In dieser Krise werden auch Wertigkeiten deutlich.
S.o.: Wenn eine Bankenkrise droht, wird recht schnell gehandelt (es muss ja auch gehandelt werden, keine Frage!).
Wenn von höheren Hartz4-Leistungen geredet wird, wird darauf verwiesen, dass das Geld reichen würde (was mathematisch stimmen mag, aber nicht viel mit der Wirklichkeit zu tun hat) – darauf beschränkt sich dann das Handeln.
Wenn wir von Kinderarmut reden, dann gibt es Ausschüsse, Diskussionen etc. – und was geschieht?
Die Wertigkeiten werden deutlich:
Geld ist wichtig.
Das soziale Gefüge auch – aber Geld ist wichtiger.
Ich möchte den schwarzen Peter nicht der Regierung zuschieben.
„Staat“ sind wir alle.
Wir Christen sind gefordert, unsere Gemeinden sind gefordert etc.
Aber wir haben den Regierenden durch unsere Wahlen auch Verantwortung übertragen.
Ob sie ihrer Verantwortung und den Werten des Grundgesetzes angemessen nachkommen, muss hinterfragt werden können.
Da will ich auch lernen, dankbarer zu sein, wiewohl der Vergleich zu anderen Staaten nicht stets unsere Messlatte sein sollte.
Wir könnten uns mit einem „Schurkenstaat“ vergleichen – wäre Kritik dann nicht mehr angebracht, weil es uns soviel besser geht?
Ich denke, dass unser Maßstab zumindest das Grundgesetz sein sollte.
Und solange da was von „Sozialstaat“ steht, von „Menschenwürde“ und „Rechtsstaat“ , müssen wir auch prüfen, wie sozial und rechtmäßig unsere Regierung handelt.
Und da entdecke ich durchaus Schieflagen, was die Wertigkeiten betrifft.
@Matthias:
Hätte ich drauf kommen müssen, dass das die Beine von Bergemensch sind!
Gute Besserung an ihn!
Segen an alle!
Dirk.
Oktober 14, 2008 at 11:14
Danke.
Hab Bernd auch wieder in Talkshows gesehen. Diese Kinder – MannMann! Mal sehen was Potsdam so an Land spült.
Gruß Bergemensch
P.S.: Immer schön auf den Autor schauen
.
Oktober 14, 2008 at 11:36
Gleich vorneweg: Kritik ist immer angebracht, solange sie einen realen Bezugspunkt hat – von daher: natürlich, auch wenn es uns bereits sehr gut geht, dürfen wir selbstverständlich nach wie vor konstruktive Kritik üben.
Du hast ganz recht mit Deinem Hinweis darauf, daß sich die Politik sehr viel leichter tut, Milliarden locker zu machen, wenn es ums Finanzsystem geht, als dann, wenn Hartz4 aufgestockt werden soll. Aber gerade hier würde ich nicht gleich von unterschiedlichen Wertigkeiten reden – ganz einfach deshalb, weil Hartz4 schon gar nicht mehr bezahlt werden könnte, wenn sich unser Finanzsystem verabschiedet.
Es macht einen Unterschied, ob ich von Armut betroffenen Menschen 20 Euro mehr im Monat gebe (worüber ich durchaus sehr glücklich wäre) – was sich auf die Gesamtsumme gesehen auch schnell in Milliarden ausdrückt! -, oder ob ich den Banken Milliarden zur Unterstützung gebe. Hartz4 wirtschaftet nicht, die Banken wohl. Und eben das Wirtschaften ist Grundlage dafür, daß Hartz4 überhaupt finanziert werden kann.
Von daher bin ich etwas vorsichtiger, unserer Gesellschaft hier pauschal verschobene Wertigkeiten zu unterstellen: es mag aufgrund dieses Geldkreislaufes so aussehen, als hätte Geld bei uns Vorrang vor dem Menschen. Ich würde aber dennoch vielen Politikern gerne zugute halten, daß sie sich deshalb um ein stabiles Finanzsystem bemühen, damit auch künftig überhaupt noch Sozialleistungen in diesem Maße gestemmt werden können – was also die Wertigkeiten ganz schnell herumdrehen und das Geld eben doch wieder als zweckmäßiges Mittel zum Wohle des Menschen ausweisen würde!
Seitdem ich ein paar längere Gespräche mit Leuten aus der Wirtschaft hatte, auch mit Aber-und-aber-Millionenverdienern, bin ich mir nicht mehr so ganz sicher, ob der von Dir geäußerte Eindruck wirklich den Tatsachen entspricht – so sehr ich ihn aus der Perspektive gerade der Betroffenen gut verstehen kann und ihn oft genug auch selbst teile.
Das ändert nichts an der Richtigkeit Deiner Feststellung, daß im Einzelfall immer wieder hinterfragt und geprüft werden muß, ob unsere Regierung tatsächlich sozial und rechtmäßig handelt. Und es ändert auch nichts daran, daß es in der Tat auch in der Politik und der Wirtschaft viele schwarze Schafe gibt, die klar benannt werden müssen, wenn sie sich als solche identifizieren lassen.
Vielleicht liegst Du mit Deinem Eindruck sogar richtig – vielleicht ist es aber auch so, daß in der Perspektive der Verantwortungsträger manches, was uns schnell einfach und logisch erscheint, sehr viel komplizierter und vertrackter ist und manchmal fast zwangsläufig auch zu Fehlentscheidungen führen muß.
Gerade deshalb denke ich, daß Dankbarkeit einerseits und das von Dir angesprochene Bitten um Weisheit für die Politiker andererseits wesentlich wichtiger sind, als wir (meine Person eingeschlossen!) oft erkennen lassen.
Oktober 14, 2008 at 12:34
@Theolobias:
Du hast Recht, dass wir das Wirtschaftssystem und die Finanzen benötigen, wenn wir Sozialleistungen ermöglichen wollen.
Eben deshalb ist das staatliche Eingreifen auch mittelbar für unser Land – nicht nur für die Banken – äußerst sinnvoll.
Da sind wir einer Meinung.
Warum wird dennoch eine gewisse Wertigkeit deutlich?
Zum Beispiel deswegen:
Bis dato konnten etliche Börsianer, Manager, Bürger … relativ frei „zocken“.
Wieso konnten sich Banken gegenseitig Kredite zuschieben, ohne dass es allzuviel Absicherungen gab?
Wieso waren bis dato bestimmte Anlagemöglichkeiten möglich, die eher einem Glücksspiel gleichen als einer realen Wertschöpfung?
Bestimmte Regeln oder ein TÜV-ähnliches Verfahren für die Zulassung solcher Geschäfte hätten manch Negatives verhindert oder zumindest die Gefahr des Absturzes wesentlich reduziert (behaupte ich mal als Wirtschafts-Laie).
Aber im Vergleich dazu gibt etliche Regularien, die letztlich jeden Cent regeln, wenn es um Sozialleistungen geht. So kann ein Hartz4-Empfänger sogar dazu verpflichtet werden, sich bereits getätigte Spenden an gemeinnützige Organisationen „zurückzuholen“, damit der Staat nicht gleich für den potentiellen Leistungsempfänger einspringen muss (diese Regelung wird m.E. gar nicht bis kaum angewandt – aber sie existiert wohl).
An solchen Beispielen sehen wir die Wertigkeit:
Das Kapital soll relativ frei fließen können – platt geschrieben: „Alles für die Gewinnmaximierung – selbst, wenn es hohe Risiken beinhaltet“.
Aber bei den Bedürftigen wird im Namen des Steuerzahlers auf jeden Euro und Cent geachtet.
Jetzt merken wir, was diese Wertigkeit auch bedeuten kann:
Nun sollen die Steuerzahler im schlimmsten Fall für zig Milliarden Euro aufkommen, weil so mancher Bürger, Berater, Bankmanager… gezockt hat bzw. sehr unvorsichtig vorgegangen ist.
Deshalb lobe ich auch das Nachdenken von Regierungsseite darüber, welch staatliche Präventionen für die kommende Zeit angebracht sind.
Hätte ein Hartz4-Empfänger sich etwas „zuschulden“ kommen lassen, wäre der Staat „heiß“ darauf, sich zuviel gezahltes Geld zurückzuholen oder weitere Zahlungen zu reduzieren/einzustellen.
Ich vermute, dass mancher Bankmanager/Berater… nicht gleichermaßen in die Haftung genommen wird.
Und eben so etwas ist für mich Ausdruck einer bestimmten Wertigkeit.
–
Auch, wenn das jetzt wirklich ein bisschen wie der Äpfel-Birnen-Vergleich ist, aber es ist interessant, mal darüber nachzudenken:
Das Bankensystem ist nicht per se wertschöpfend.
Solange eine Bank kein Geld empfängt, kann sie auch kein „Mehr-Geld“ erwirtschaften.
Auch ein Hartz4-Empfänger ist nicht per se wertschöpfend.
Auch er nimmt das Geld der anderen.
Nur, indem er es ausgibt, kommt das Geld in den Wirtschaftskreislauf und u.U. kann er es sogar geringfügig vermehren.
Sicherlich hat der Vergleich hier und da einige Falschheiten – aber vielleicht relativiert er ein wenig die Sichtweise, als wären die Banken unser „Finanzmotor“ und die Hartz4-Empfänger wären im schlimmsten Fall sogar „Sozialschmarotzer“.
–
Meine Pauschalisierungen sind blöd.
Es gibt sicherlich eine Mehrzahl an seriösen und gutwilligen Managern, Politikern und Hartz4-Empfängern. Manchmal reicht ja eine Minderheit aus, um ein System zu zerstören.
Wenn dem so ist, dann liegt der Fehler nicht am Einzelnen (ich wäre auch gerne reicher), sondern am System.
Und vielleicht dient diese Krise dazu, dass Mängel beseitigt werden, damit das System hilfreicher für die Allgemeinheit wird.
Danke für Deine guten und sehr interessanten Gedanken!
Segen!
Dirk.
Oktober 14, 2008 at 5:58
@Dirk:
Was die Regularien angeht, bin ich ganz Deiner Meinung – ja, da ist diese Kreise eine echte Chance, sinnvoll einzugreifen!
Auch hier bin ich mir aber nicht wirklich sicher, ob man aus den unterschiedlichen „Gängelungen“ im Finanzsystem einerseits und im Sozialsystem andererseits bereits Wertungen ablesen kann. Ich denke z.B. einfach, daß die große Freiheit, die bislang an den Finanzmärkten geherrscht hat, auf einer riesigen Naivitätsblase beruht hat, die jetzt eben geplatzt ist. Die Rede von der Selbstregulierung des Marktes war ja sicherlich keine faule Ausrede, sondern wurde von den meisten Politikern und vielen Leuten aus der Wirtschaft als gegeben vorausgesetzt.
Gerade in der Politik hätte man sich etwas anderes auch gar nicht erlauben können – ein Staatsbankrott liegt zwar in Deutschland in relativ weiter Ferne, am Beispiel Islands aber sieht man ja, daß so etwas prinzipiell denkbar ist.
Während diese Selbstregulierung des Marktes also über Jahre hinweg als selbstverständlich vorausgesetzt wurde (was ja auch die Annahme beinhaltete, daß krumme Dinger hier entweder nicht möglich sind oder aber so rechtzeitig auffliegen, daß sie keinen allzu großen Schaden anrichten können), bedarf es im sozialen Sektor von Vornherein einer staatlichen Regulierung: was in der Welt der Finanzen durch Handelspartner, Aktionäre etc. unter Kontrolle gehalten werden sollte, muß auch hier durch ein Gegenüber gewährleistet sein. Die staatliche Kontrolle des Sozialsystems ist in der Regel relativ einfach zu handhaben (auch, wenn hier die Ausnahme des Mißbrauchs die Bestätigung dieser Regel ist), die Notwendigkeit einer Kontrolle des Finanzmarktes hat man leider erst jetzt entdeckt.
Vorwerfen würde ich manchem Verantwortlichen von daher zunächst einmal seine Naivität, manch anderem vielleicht sogar seine Ignoranz.
Viel bedenklicher als diese bisherige Schwachstelle im System (wie gesagt, von einer Schieflage der Wertigkeit traue ich mich hier – noch – nicht zu sprechen) finde ich die gesellschaftliche „Werteverschiebung“. Hier würde ich sofort unterschreiben, daß ein schleichender Materialismus (und damit meine ich nicht nur den Materialismus des Marktes, sondern auch den philosophischen) langsam aber sicher das auffrißt, was wir uns über Jahrzehnte hinweg aufgebaut haben, und den Menschen instrumentalisiert.
Große Systeme haben ja ein Gutes – sie reagieren in der Regel träger als etwa soziokulturelle Entwicklungen. Das heißt allerdings auch, daß jetzt der Zeitpunkt gekommen ist, sorgfältig und bedacht dafür zu sorgen, daß das Finanzsystem (genauso wie unser Sozialsystem) vor diesem nicht zu leugnenden Materialismus bewahrt und wieder neu herausgestellt wird, worauf unsere Gesellschaft bislang eigentlich fußte und daß und warum es gut ist, hier bewahrend zu agieren. Insofern kommen wir bei unterschiedlicher Bewertung des status quo dann doch auf ein sehr ähnliches Ergebnis.
Auch Dir ein Dankeschön für diese angeregte Diskussion!
Oktober 17, 2008 at 11:49
Unser Staat ist mehr und mehr mit seinen Aufgaben überfordert.
Ich sehe heutzutage eine zunehmende Verantwortung für uns Christen, dass wir den Armen zu ihrem Recht verhelfen.
Die Frage ist für mich also in erster Linie nicht, wie der Staat eingreifen soll, sondern wie wir selbst Hilfe organisieren können.