EU vs. Deutschland
Die EU-Kommission will den Mutterschutz auf bis zu 18 Wochen ausdehnen.
U.v.d.Leyen mag nicht. 14 Wochen würden reichen.
Begründung:
18 Wochen würden die Arbeitsmarktchancen von Müttern minimieren (s.a. spiegel.de).
Es gibt mindestens zwei Punkte, die bei dieser Argumentation in’s Auge fallen:
1. Wieso sind dann 14 Wochen gerechtfertigt?
2. Sind Wirtschaft, Arbeitskraft und Geld wirklich Nummer 1 in unserer Gesellschaft?
14 oder 18 Wochen – nun, das sind Beliebigkeiten. In manchen Ländern gibt es gar keinen Mutterschutz.
Aber vermutlich liegt darin einer der Unterschiede zwischen Deutschland und einem quasi gesetzeslosen Staat, an dem wir uns nicht messen sollten.
Aber gerade weil es um Beliebigkeiten geht (warum nicht 19 Wochen oder 17 Wochen?), kann ein Argument dagegen bzw. dafür nicht viel sachliche Schlagkraft haben.
Es geht letztlich darum, einen Wert zu schaffen oder zu stärken.
Und der Wert in diesem Fall ist der Schutz der Mutter und des Kindes.
Warum U.v.d. Leyen etwas gegen die Stärkung dieses Wertes hat, erscheint mysteriös.
Deshalb holt sie einen gebräuchlichen Wert unserer Gesellschaft aus der Trickkiste:
den Mammon.
Sie spricht die Angst an, einen Arbeitsplatz zu verlieren oder erst gar keinen zu bekommen.
Und wir wissen: mit Hartz4 wird’s für eine Mutter, womöglich eine alleinerziehende, sehr eng.
Das kann doch keiner wollen, oder? Alleinerziehende Mütter in das wirtschaftliche Elend stoßen!?
U.v.d. Leyen demonstriert mit dieser Argumentation Folgendes:
Der wirtschaftliche Wert sei wichtiger als der familiäre Wert.
Sie befindet sich damit genau in diesem Zeitstrom, der so viele erfasst hat.
Man muss kein geldgeiler Börsianer sein, um den Mammon zu ehren.
Man kann auch Familienministerin sein, die diesem „Geld-Gott“ opfert.
Sicherlich können wir auf einem hohen Niveau meckern.
Doch wie geschrieben: unser Vergleichsmaßstab sollte nicht die „Diktatur XY“ sein, in der es keinen Mutterschutz gibt.
Gerade in der Frage, welcher Wert höher zu bewerten ist, hätte die Ministerin schon von Amts wegen auf den „Familien-Wert“ pochen müssen. Der Hinweis auf die drohende Arbeitslosigkeit einer Mutter wäre dann Aufgabe des Finanzministers gewesen.
Ehrlich:
Mich ekeln solche Episoden unserer Gesellschaft an.
Auf der einen Seite wird darüber – auch auf hoher politischer Ebene – darüber gejammert, dass Familien auseinanderbrechen, dass Kinder verarmen (was mitunter eine direkte Folge von Familienzusammenbrüchen ist), dass unsere Gesellschaft bessere Werte bräuchte …
und auf der anderen Seite will die Ministerin eine gesetzliche Regelung nicht zulassen, die einen kleinen Teil dazu beitragen könnte, dass Mütter und Kinder ein wenig länger zusammenbleiben könnten.
Stattdessen ist der ganze Stolz der U.v.d. Leyen der Ausbau von Krippenplätzen.
Damit alle arbeitslosen Mütter und alle Mütter, die einen 400-EURO-Job haben, endlich ihr Kind in die staatliche Obhut geben können…
Das ist doch eine Farce!
Wenn wir unser Land von Innen her stabilisieren wollen, brauchen wir eine Stärkung der Familie.
Das kann eine Regierung alleine nicht bewältigen. Aber sie kann Rahmenbedingungen schaffen.
Wenn wir weniger kaputte und mehr stabile Kinder wollen, dann brauchen wir Eltern, die auch Zeit für ihre Kinder haben. Es ist keine Lösung, dass der Staat alles dafür tut, damit Eltern möglichst viel Zeit in einem Beruf oder einem 3.-Job verbringen.
Ein Umdenken tut not.
Wer praktische Beispiele für den Zustand von etlichen Kindern bekommen möchte, möge mit Eltern einer Grundschule reden (Folgendes von mir so vernommen):
- Kinder einer dritten Klasse raufen miteinander. Eines der Kinder wird auf den Boden gedrückt. Ein anderer Drittklässler nutzt die Chance und tritt dem Liegenden gegen den Kopf.
- Grundschulkinder benutzen Wörter, die wirklich fern davon sind, hier genannt zu werden (und ich hätte keine Schwierigkeit, Wörter wie „Arsch“ oder „Scheiße“ niederzuschreiben).
Und das verwundert nicht, wenn man weiß, dass manche Eltern ihre Kinder um 07:30 Uhr in den Hort geben, das Kind dann bis 12:30 Uhr Unterricht hat und anschließend wieder im Hort verweilt, bis 16:30 Uhr. Dann holt die beruflich gestresste Mutter ihr Kind ab und verbringt mit ihrem Kind bewusst vielleicht noch eine Stunde (neben all dem Aufräumen, Essen machen, Telefonieren…).
Vorausgesetzt, dass die Mutter nicht alleinerziehend ist, bekommt das Kind den Vater noch für das Gute-Nacht-Küsschen mit oder wahlweise am Wochenende, wenn sich der Vater eigentlich von seiner Arbeitswoche erholen will.
Und wenn so ein Kind seine Eltern weitesgehend über eine Wochenendbeziehung erlebt und der Einfluss von Schulkameraden, fremden Menschen, PC und Fernseher prägender ist, dann ist es m.E. ein soziales Naturgesetz, dass solch ein Kind seelische Störungen bekommt – abgesehen davon, was es in den Folgejahrzehnten an seine Kinder weitergeben wird.
Das passiert, wenn das Motto ist:
„Alles für den Mammon!“
Tags: EU, Familien, Kinderverwahrlosung, Krippenplätze, Mammon, Mutterschutz, Ursula von der Leyen
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Oktober 6, 2008 at 5:59
Gut auf den Punkt gebracht!
LG, JNj.