Welche Gemeinde?
Welche Gemeinde ist „meine“ Gemeinde?
o Es gibt die weltweite Gemeinde Gottes. Das ist meine, deine, unsere – letztlich und zuerst: Gottes Gemeinde.
o Es gibt die Gemeinden in einer Stadt, in einem Dorf, an einem Ort. Auch das ist meine, deine, unsere – letztlich und zuerst: Gottes Gemeinde.
So gehöre ich zur Landeskirche, zu den Baptisten, zu den Methodisten, zu den FeG’en …
o Ganz praktisch muss ich mich aber entscheiden, wenn ich verbindlich Lebens-Beziehungen haben will, um die Wertschätzung zu leben, von der Jesus redet. D.h.: Welcher Ortsgemeinde schließe ich mich an – in dem Bewusstsein, dass mich von anderen nur Organisatorisches, aber nichts Geistliches trennt?
Ehrlich:
Wir lassen uns zumeist von unseren Emotionen und sehr subjektiven Eindrücken leiten.
Ein Fan der klassischen Musik wird kaum Mitglied einer Jugendkirche werden wollen, in der die E-Gitarren noch das leisteste Instrument sind.
Eine Familie wird sich kaum einer Gemeinde anschließen wollen, die zu 90% aus Senioren besteht.
D.h.: die Zusammensetzung einer Gemeinde ist ein Entscheidungskriterium.
Dann spielt das Miteinander vor Ort eine große Rolle:
Werde ich wahrgenommen? Begrüßt? Oder werde ich anonym bleiben müssen?
Die Predigt ist wichtig:
Ist die Rede von Gott so, dass ich mich angesprochen weiß? Werde ich im Leben mit Jesus gefördert? Spricht der Prediger meine Sprache?
Auch die Räumlichkeiten stellen einen, eher untergeordneten, Faktor dar:
Die wenigsten werden eine Gottesdienst-Feier unter der Autobahn durchführen wollen.
Viele mögen einen gemütlichen, einladend-gestalteten Raum.,
Sehr wesentlich ist die Frage, ob mich ein Freund „mitschleift“. Die persönlichen Beziehungen sind sehr relevant!
Kurzum:
Die meisten – ohne das statistisch geprüft zu haben – suchen Wertschätzung und die Begegnung mit Gott.
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Faktisch ist es so, dass die Fragen nach der Wertschätzung und der Begegnung mit Gott für einen Neuling erst im Laufe der Zeit deutlicher werden.
So kann ich an der Tür zum Gemeindehaus zwar freundlich begrüßt werden – dennoch kann eine Gemeinde weitesgehend beziehungsarm sein. Das aber merke ich erst, wenn ich einige Wochen, vielleicht auch Monate dabei bin.
So kann ich die Art und Weise eines Musikteams und die des Predigers zunächst interessant finden und schätzen – aber mitunter merke ich erst nach einiger Zeit, ob mir das auf Dauer in der Beziehung zu Gott hilft.
Wenn aber einige Zeit vergehen muss, bevor ich merke, wie eine Gemeinde tickt, bin ich oft schon mitten drin. Ein Ausstieg ist dann schwieriger.
Warum?
Weil z.T. schon Identifikation von meiner Seite und der Seite der Restgemeinde stattgefunden hat.
Was aber, wenn diese Identifikation aufgrund einiger „Gemeinde-Mängel“ eher brüchig ist?
Oder, wenn von vornherein eine gewisse Skepsis bestand und das Positive etwas zu selten aufflackert?
Nach außen hin entsteht der Eindruck:
„XY ist in unserer Gemeinde. Das ist sein Platz! Der gehört dazu!“
Wenn wir jedoch in das Innere mancher Menschen schauen, dann wären wir zurückhaltender mit dieser Einschätzung.
Denn dann würde hier und da deutlich werden, dass sich nicht jeder mit der Ortsgemeinde in einem solche Maße identifiziert, dass man eindeutig sagen könnte: „Das ist sein Platz!“
Oder auch so geschrieben:
Nicht jeder sagt wirklich: „Das ist MEINE Gemeinde.“
Wenn solche Menschen eines Tages die Ortsgemeinde wechseln, dann kann der Eindruck entstehen, dass nun das fröhliche Gemeinde-Hopping beginnt. Dann tauchen Vorwürfe auf. Man würde sich nur von seinen Gefühlen leiten lassen. Man sei unreif. Man spalte die Gemeinde…
Wer aber in das Innere sieht, weiß:
Mancher Wechsler hatte gar nicht die nötige Identifikation, sondern ist weitesgehend nur mitgelaufen.
Tags: Gemeindeidentifikation, Gemeindetrennung, Gemeindewechsel, Ortsgemeinde
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September 15, 2008 at 10:08
Schwieriges Thema, dass Du da anschneidest, Dirk!
Ich bin da oft auch selbst ratlos.
Wo ist eigentlich „meine“ Gemeinde?
Wo sollte ich, wo muss ich mich einbringen?
Wo sollte ich BLEIBEN?
Momentan suche ich mehr einzelne Menschen statt ganze Gemeinden, mit denen ich mich im Glauben verbundenn und fühle (und das ist schon schwer genug). Zu welcher Ortsgemeinde da jemand gehört spielt für mich erstmal einer untergeordnetere Rolle. Auch aus dem Grund, weil ich es schlimm finde wie sehr sich die einzelnen Ortsgemeinden untereinander abkapseln (offiziell natürlich nicht, aber ganz praktisch im Leben).
Ich habe keine Lust mehr und sehe auch keinen Sinn darin, einfach nur „Gemeinde (mit-)zu spielen“, statt Gemeinde zu leben.
Die meisten Pastoren haben – wenn wir ehrlich sind – doch auch keine Ahnung wie Gemeinde nach Gottes Willen aussehen und funktionieren soll. Die leben das eben nach, was sie selbst (tlw. falsch) vorgelebt bekommen haben bzw. ihnen selbst entspricht. Oder sie passen sich den Wünschen dieser Welt an.
Schön, dass Du Dir da so tiefe Gedabken machst, Dirk
September 15, 2008 at 10:36
Welche Gemeinde „meine“ Gemeinde sein soll, würde ich an Gottes Ruf festmachen.
Für mich ist das klar:
Christen gehören zusammen.
Und wir haben einen Auftrag in dieser Welt: Gemeinde zu leben, d.h.: missional sein.
Alleine geht das eine zeitlang.
Auf Dauer brauche ich andere.
Warum?
Weil ich nicht alles kann.
Wenn 2-3 Christen zusammen sind, sind schon mehr Gaben abgedeckt, mit denen wir einander und anderen Menschen helfen können.
Auch deshalb kann man (etwas einfach formuliert) sagen:
Je mehr Christen zusammenkommen, desto besser.
Die Frage bleibt natürlich:
Aber mit welchen Christen?
Denen in der Baumstraße? Oder im Schnulze-Weg?
Hier spielt mein Gespräch mit Gott eine große Rolle.
Wo will Er mich haben?
Dabei sehe ich auch ein wesentliches Kriterium:
Ich darf nicht nur der Gebende sein, sondern brauche ebenso „Futter“.
So kann mich Gott in eine Gemeinde führen, in der klar ist:
Es ist ein langer Weg und vieles ist im Argen.
Aber wenn es der Ruf Gottes ist, bin ich zum Dienen aufgefordert.
Allerdings erscheint es mir wichtig, dass dennoch einiges Futter auch für mich abfällt.
Denn ansonsten gehe ich ein und meine Distanz zur Gemeinde wird größer, weil ich irgendwann ausgelaugt bin.
Die Frage ist also:
Will ich mich dem Rufen Gottes stellen und wie erkenne ich Sein Rufen?
Segen!
Dirk.
September 15, 2008 at 11:08
Gute Frage. Wie erkenne ich Gottes Ruf an mich?
Da wird Dir ein charismatisch orientierter Christ wahrscheinlich eine andere Antwort geben als ein „konservativer“ Christ.
Wäre wahrscheinlich ein neuer Post wert, dass mal ausführlicher zu diskutieren…
Dennoch ein paar kurze Gedanken von mir:
Ich habe da (mind.) vier Ansätze:
1. Meine Gaben (welche Gaben hat Gott mir geschenkt, die ich wo am Besten einsetzen kann?)
2. Eingebungen (was sagt mir Gott durch innerliche Impulse/Gedanken?)
3. Ratschläge (was raten mir andere Christen? Selbst der Rat von Nichtchristen kann von Gott kommen)
4. Offene Türen (wo geht etwas voran?; wo ergeben sich „von alleine“ Dinge? Wo werde ich angefragt?)
5. Gebetserhörungen/Zeichen (wo erhört Gott mein Gebet? wo gibt Er mir „Zeichen“)
6. Das Los (ich frage Gott im Glauben und werfe das Los; meist eine Münze)
Huch, jetzt ist es doch mehr geworden als ich anfänglich dachte…
September 15, 2008 at 11:10
PS: Und nicht zu vergessen:
7. Natürlich gibt es auch Hinweise und geistliche Prinzipien in der Bibel. Müsste wohl besser Punkt 1 sein.
Damit hätten wir dann auch wieder die 7 voll
September 15, 2008 at 11:43
Ok, vielleicht war Obiges von mir zu allgemein.
Meine Kriterien bzgl. „Gemeindewahl“ sind (z.Z. und u.a.) Folgende:
1. Geht es in der (Orts-)Gemeinde wirklich um Gott (Gott immer mehr erkennen und lieben lernen, Seine Gebote verstehen und halten) oder hat das Ganze eher Vereinscharakter (Gleichgesinnte treffen, gutes Gefühl haben irgendwas „sinnvolles“ zu machen, gemeinsam musizieren, gegenseitig bestätigen etc.)?
2. Ist die (Orts-) Gemeinde noch wandlungsfähig oder sehr statisch (Kirchesein darf nie etwas Statisches sein, da es um einen WEG zusammen mit Gott und Seinem Volk geht; wir sind noch nicht am Ziel, sondern müssen ständig versuchen auf dem Weg zu bleiben oder wieder zurückzufinden)
3. Geht es in der (Orts-)Gemeinde um ein Leben „nach Regeln“ oder um Beziehungen und um Liebe?
4. Will mich die (Orts-)Gemeinde überhaupt „aufnehmen“ (manche mögen Leute nicht so, die alles hinterfragen und viell. „Unruhe“ in die Gemeinde bringen)?
Daneben gibt es weitere praktische Fragen wie: Kann ich außer bei den Gottesdiensten auch bei anderen Treffen der Gemeinden (Hauskreise etc.) teilnehmen (örtlich(zeitlich)?
Das ist mit kleinen Kindern (späte Treffen!) oder aufgrund eigenen gesundheitlichen Problemen manchmal schwierig.
Man glaubt ja gar nicht wie unflexibel Christen mit ihren Treffen sien können
September 15, 2008 at 12:03
interessante Gedanken zur Gemeindewahl. Gut hat man es, wenn man weiß, wo man hingehört