Servant Evangelism

Für eine Großstadt wie Berlin, die wohl zunehmend von der Postmoderne geprägt ist, könnte der Ansatz des „dienenden Evangelisierens“ für die Gemeindegründung und den Gemeindebau ein sehr hilfreicher sein.
Besser geschrieben: dieser Ansatz ist noch nicht mal zuerst für den Gemeindebau hilfreich, sondern in erster Linie für die Menschen in unserem Kiez!
Allein diese Betonung macht einen gewaltigen Unterschied aus!

Das klassische Muster ist das: „Wie bekommen wir mehr Menschen in unser Gemeindehaus, in unser Gemeindeprogramm, auf unsere Mitgliederliste…?“
Ganz falsch ist dieses Denken nicht, wenn denn angestrebt wird, das Gesamtbild von Matthäus 28,18 ff. zu sehen.
Aber es ist eben auch nicht ganz richtig.
Denn mit dem klassischen Muster drehen wir uns letztlich um uns selbst. Dieser ekklesiogene Egoismus führt m.E. auf Dauer zu Streit und Zähigkeit in den Gemeinden.

Richtig scheint mir die andere Betonung zu sein:
Es geht um die Menschen in unserer Nachbarschaft, in unserem Bezirk, in unserer Stadt.
Was soll Gemeinden diesen Menschen tun?
Antwort: Einfach nur Gutes im Namen Jesu!

Das beinhaltet eben das „dienende Evangelisieren“.
Auch, wenn ich einige emotionale Vorbehalte gegenüber dem Wort „Evangelisieren“ habe, da es nahelegt, dass wir mittels einer Methode Menschen automatisch, ob sie wollen oder nicht, zu Jesus Christus führen könnten,
so ist es bei diesem Ansatz gar nicht das erste Ziel, Menschen in „unsere“ Gemeinde zu bringen, um sie dann in lieblos-frommes Kanonenfutter zu verwandeln.
Nein – das Ziel ist nur das Tun von Gutem im Namen Jesu.

Ob Menschen dann zu unseren Gottesdienst-Feiern kommen oder nicht, ist irrelevant.
Wichtig ist, dass sie auf diese dienende Art einen Hauch von Gott erfahren haben.
Dass sie wissen, dass Gott sich nach ihnen sehnt.
Dass sie ein Stück Hilfe und Freundlichkeit erfahren haben – und dadurch neugierig auf Jesus Christus werden.

Der Einwand könnte sein: „Aber ist diese Art dann nicht völlig uneffektiv? Sollten wir Geld und Zeit nicht in effektivere Methoden investieren?“
Ich meine, dass dieser Einwand an sich schon offenbart, wie verschieden das dienende Evangelisieren im Vergleich zum klassischen Muster ist.
Das klassische Muster fragt nach Effektivität – nach „Wirtschaftlichkeit“.
Sicherlich mag dieser Effiziens-Prüfstein an manchen Punkten des Gemeindelebens relevant sein.

Aber Jesus fragt bei seinen Leuten nicht nach Effizienz.
Er fragt nach ihrem Markenzeichen.
Was ist dieses Markenzeichen?
Es ist die Liebe zu Gott, die Liebe untereinander und die Liebe zum Nächsten – und sei dieser mein Feind.

In dieser Liebe sollen wir wachsen – dabei mag es um eine Effizienz der „Liebesfrucht“ gehen (vgl. die Rebe am Weinstock).
Doch, wenn die Liebe der Gradmesser ist, dann dürfen wir beim „dienenden Evangelisieren“ das wissen:
Sobald wir jemanden im Namen Jesu etwas Gutes getan haben, haben wir (schon wieder) unseren Auftrag und unseren Daseins-Zweck erfüllt. Unabhängig davon, ob diese Person dann Mitglied unserer Gemeinde wird.

Zu diesem Thema folgend ein hilfreicher Link mit etlichen praktischen Ideen:

www.servantevangelism.com

Für den Gemeindebau in Berlin-Staaken versuche ich, das Bewusstsein dafür zu wecken und zu fördern.
Es gehört in unsere geistliche DNA.
Deswegen investieren wir immer wieder in kleine, überschaubare, einzelne gute Taten.
So haben wir schon Fürbitte auf der Straße angeboten, haben Wege gesäubert oder einen Spielplatz ein bisschen entmüllt, bieten nun Volleyball auf dem Spielplatz an …
demnächst wollen wir ein paar Dinge zum Schulanfang verschenken oder werden Frühaufstehern eine Tageszeitung gratis mitgeben. Ab September helfen wir dem Staakkato-Verein, zweimal im Monat Familiennachmittage durchzuführen. Eine „letzte“ gute Tat unserer jetzigen Praktikanten wird das Streichen eines Jugendcafes im Kiez sein.

Wohl sehr spannende Wochen erleben zur Zeit einige Christen in Berlin mit „Verliebt in Berlin“.
Auch das ist eine gute Art, zu dienen.

Das Tolle bei diesem Ansatz ist:
Du musst idR. kein guter Redner oder „geistlicher Profi“ sein. Jeder, der sich ein bisschen bewegen kann, kann helfen. Ideen gibt es zu Hauf! Und in der Gruppe kann es richtig Spaß machen. Vielleicht auch deswegen, weil dieser fromme Druck des „Wir müssen jetzt unbedingt jemanden bekehren“ weg ist.
Ich denke, dass das Beste, was wir beim Dienen machen können, ist das:
1. Jesus im Sinn haben.
2. Spaß beim Helfen haben.

Auf geht’s!

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3 Comments on “Servant Evangelism”


  1. [...] Thema hat dikosss heute vormittag angerissen. Faszinierend in der Kirchengeschichte finde ich, dass immer wieder [...]

  2. Peter Says:

    Das klassische Muster ist das: “Wie bekommen wir mehr Menschen in unser Gemeindehaus, in unser Gemeindeprogramm, auf unsere Mitgliederliste…?”
    Gut das Du Dich davon schon verabschiedet hast
    Bin gerade in Frankreich die Tastatur ist ganz anders
    Gruss
    Peter


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