Das zuerst:
Ich bin kein direkt Betroffener, wiewohl ich Momente der Depression kenne.
Das Empfinden, dass nix mehr geht. Alles ist zuviel. Kurz vor dem Heulkrampf.
Weiterhin:
Ich bin kein Fachmann – nur mitleidender Mensch, manchmal seelsorgerlich und betend.
Aber das frage ich:
Was können wir gegen Depressionen tun?
Zu Beginn steht klassischerweise die Ursachenklärung an.
Das allzulange Stöbern in der Vergangenheit wirkt m.E. lähmend.
Und doch kann das Stöbern hier und da helfen.
Zu prüfen ist, ob die Depressionen womöglich körperliche Ursachen haben. Fehlen Botenstoffe? Spielen die Hormone verrückt?
Falls das der Fall sein sollte, könnten Medikamente helfen.
Allerdings habe ich noch nie gehört (wohlgemerkt: als Laie), dass ein Medikament geheilt hätte.
Manchmal sind es keine körperlichen Ursachen, sondern erfahrungsbedingte.
Sogenannte traumatische Erfahrungen können sich so tief in die Seele einbrennen, dass sie fortan die Psyche – das Leben – prägen.
Auch kann es das geben:
Das Kind kopiert die depressiven Verhaltensweisen der Eltern.
Es guckt sich ab, wie die Eltern Probleme lösen wollen – und sei es, dass sie sich nur “vergraben”.
Das Kind erlernt das depressive Leben.
Kann es auch Depressionen geben, die in der geistlichen Dimension verursacht wurden (biblisch gesprochen: durch Dämonen)?
Es soll Menschen geben, die sich vertieft auf okkulte Machenschaften eingelassen haben, fortan von Angst verfolgt wurden und sich immer mehr zurückziehen – bis hin zu Selbstmordgedanken und Depressionen …
Wozu kann die Ursachenklärung dienen?
Sie dient der Lösung.
Körperlich verursachte Depressionen können wohl nicht durch Psychotherapie geheilt werden. Medikamente lindern – aber heilen m.E. nicht. Aus christlicher Sicht bleibt das Gebet:
“Gott – Du bist der Schöpfer des Lebens – Du hast alle Macht – heile mich!”
Ein Gebet, das grundsätzlich gut ist – auch, wenn die sofortige Wirkung nicht immer garantiert ist.
Traumatische Erfahrungen sollten erkannt werden. Gott will idR., dass unsere Seele mitgenommen wird. Meistens will Er, dass wir verstehen, was passiert. Deswegen soll das Dunkle an’s Licht kommen – auch, wenn es schmerzt, aber es dient der Heilung.
Die Kopie der Eltern:
Natürlich können die Auswirkungen ebenso schmerzlich sein, wie sie sich bei den anderen Ursachen anfühlen. Und doch besteht hier m.E. die größte Hoffnung. Denn ein letztlich antrainiertes Verhalten kann auch umtrainiert werden. Das dauert! Aber es geht. Ich kenne jemanden, bei dem ich das beobachten kann: von Jahr zu Jahr wird diese Person stabiler.
Was nach meinem Dafürhalten für jeden gilt:
Nicht alleine kämpfen!
Habe mind. einen Gesprächspartner. Stelle Dich auch unangenehmen Fragen und suche Antworten.
Habe mind. einen Beter. Beziehe diese Person ein. Sie muss nicht alles mit Dir besprechen, aber sie soll für alles beten!
Mache die Identitätsbibelarbeit: Lerne die Bibelverse auswendig, die Deine Identität vor Gott verdeutlichen. Lese sie jeden Tag. Morgens, mittags, abends.
Und wenn mal gar nichts geht?
Dann erlaube Deiner Seele die Ruhe!
Mache Dir bewusst, dass Du jetzt einen “Schachmatt-Tag” haben darfst.
Du darfst k.o. sein.
Erst am nächsten Tag wirst Du wieder aufstehen!
Meine Hoffnung und mein Glaube ist, dass es Besserung und Heilung gibt.
Es mag ein Kampf und manchmal Krampf sein – aber der Weg lohnt sich.
Schlagworte: Depression, Depressionen, depressiv, depressive Christen
Juli 19, 2008 um 8:19
Moin’ Dirk,
nur ein kleiner Hinweis zu Deinem Artikel:
Es gibt (und es gab) tatsächlich Fälle, bei denen eine Depression durch ein Medikament geheilt werden kann.
Es ist leider eine weitverbreitete Fehlinformation, dass Antidepressiva nur Depressionen lindern können (Symptombehandlung).
Richtig ist, dass Andidepressiva in den Gehirnstoffwechsel eingreifen und damit Depressionen “ursächlich” heilen können (aber leider nicht müssen). Nach Absetzen des Antidepressivums können Depressionen vollständig verschwunden sein (wobei Rückfälle nicht ausschließbar sind).
Bei mir selbst haben Antidepressiva meine depressiven Phasen (bislang) lediglich gedämpft, aber nicht vollständig geheilt. Momentan probiere ich ein neues Präparat aus und hoffe, dass es mir – auch nach Absetzen des Medikaments – langfristig besser geht (noch sieht es nicht so schlecht aus). Leider macht das Medikament zusätzlich müde, so dass ich oft mit ‘ner Tasse Cappuccino entgegensteuern muss. Schießlich will ich ja bei der Arbeit nicht einschlafen…
Ich wil nicht behaupten, dass ich ein Experte in Sachen Depressionen bin, aber nach 12Jahre Krankheit habe ich da denke ich schon eine Menge lernen können (auch geistlich gesehen).
In richtig schlimmen depressiven Phasen hilft übrigens nicht viel. Meist habe ich gebetet (soweit möglich), bestimmte Psalme gelesen (in dem es um Trauer, Schmerz und Hoffnung geht; ich habe da eine spezielle Liste von Bibelstellen) und/oder Musik von Xavier Naidoo gehört. Ansonsten konnte man nur abwarten bis die Phase wieder vorbei ist.
Christen und Nichtchristen, die übrigens von dieser Krankheit betroffen sind (auch Angehörige) können sich übrigens gerne an mich wenden, wenn sie wollen.
Ich helfe gerne mit Tipps und Gebet soweit mir das möglich ist.
Stefan
Juli 19, 2008 um 8:41
Hier übrigens noch ein paar Buchvorschläge zum Thema “Depressionen/Heilung” auf meine Website:
http://www.projekt-kirche.de/html/studienmaterial.html#HeilungSeelsorge
Stefan
Juli 19, 2008 um 8:45
So, und jetzt müsste auch der Link zu meinem Blog stimmen…
Juli 19, 2008 um 9:05
Hi Stefan!
Danke für Deinen Erfahrungsbericht.
Was ich echt nicht wusste, ist, dass Medikamente hier und da wirklich heilen können. Gut zu wissen!
Finde ich toll, dass Du bereit bist, auch beratend zur Seite zu stehen!
Viel Segen!
Dirk.
Juli 19, 2008 um 9:26
Hi Dirk,
ja, manchen Leute, die eine Depression aus dem “Nichts” bekommen haben (also keine psychischen Probleme, keine Veranlagung, keine Schicksalsschläge o.ä.) wurden so (mithilfe eines Antidepressivums) aus einer jahrelang quälenden Depression befreit.
Man muss aber dazu sagen, dass es die Ursachen wohl bei den meisten Depressionen um eine Mischung aus psychischen Problemen, besonderen Lebensereignissen und einer Veranlagung (zu Depressionen, Perfektionismus, überdurchschnittlicher Sensibilität) ahndelt. Und da hilft oft nur die Kombination aus Psychotherapie, medikamentöser Behandlung und (vor allem bei Christen) Seelsorge (hierzu gehört auch Abklärung, ob eine okkulte Belastung vorliegt!).
Ich würde fast behaupten wollen, dass die krankheit Depression einer der am schwirigsten zu behandleten Krankheiten ist, da sie so komplex ist und auch medizinisch noch nicht voll erforscht.
Juli 19, 2008 um 9:32
Sorry, jetzt bin ich aus Versehen auf den “Kommentar senden”-Button gekommen!
Ich wollte eigentlich meinen Kommentar noch überarbeiten (ich hoffe er ist auch trotz vieler orthografischer Fehler verständlich) und folgende Links hinzufügen:
http://www.kompetenznetz-depression.de/ (fundierte Informationen zu Depressionen)
http://www.netdoktor.de/, http://www.gesundheitpro.de/, http://www.onmeda.de/, http://www.psychosoziale-gesundheit.net/ (allg. sehr gute Gesundheitsratgeber)
Stefan
Juli 19, 2008 um 5:52
Hi, Stefan,
a) hab mal in den link “sschweizer” hineingesehen, natürlich mit deinem post im Hinterkopf.
b) Mir hat ein Satz während eines Arztvortrages über Depression einen Kronleuchter aufgesteckt: Depression ist das Problem des ungeliebten Kindes. Viele Menschen werden geliebt und kranken doch an Depression !!! …… weil sie diese Liebe nicht empfangen können.!!!!!!!!!!!! ….weil Hilflosigkeit, Hoffnungslosigkeit, erlernte Wehrlosigkeit, Selbstablehnung und Annahme (Liebe) verdienen wollen Bausteine einer Depression sind.
Jetzt der verbindende Gedanke: es sind im Dienst der Versöhnung DREI Richtungen zu beachten: Versöhnung mit Gott, Versöhnung mit sich selbst, Versöhnung mit dem Nächsten. Auch auf deiner Seite finde ich auf den ersten Blick nur zwei Dienstbereiche: Gott lieben, den Nächsten lieben……… wo steht das: WIE sich selbst?
Fehlt das Dritte, vermute ich eine Spur zu Burnout-Gefährdung, die ab einem Stadium auch mit Depression einhergehen kann.
lg
Deborah
Juli 19, 2008 um 7:43
Hi Deborah,
da ist sicher was dran, was Du schreibst.
Aber es geht m.E. nicht nur um die Fähigkeit, Liebe empfangen zu können, sondern auch darum, die Liebe zu bekommen, die man sich wünscht bzw. benötigt.
Und es bleibt im Leben leider nicht aus – auch in meinem nicht -, dass man enttäuscht wird von Menschen. Irgendwann versucht man sich unabhängig von der Liebe anderer Menschen zu machen. In bestimmten Grenzen ist das sicher auch gut und gesund. Ungesund wird es, wenn man sich vollkommen von der Liebe anderer Menschen (wenn sie denn da ist) bzw. Gott abschottet.
Auf meiner Website findet sich nichts zum Thema “sich selbst lieben”. Da hast Du Recht. Dies ist für mich auch eher ein psychlogisches, denn ein direkt “biblisches” Thema (bis auf das Gebot “andere wie sich selbst zu lieben”). Ich denke, dass wenn man mehr herausfindet wie Gott einen selbst liebt, man auch eher zu dieser Liebe zu sich selbst findet.
Aber es stimmt sicherlich, dass besonders Menschen, die ernsthaft versuchen als Christ zu leben, Schwierigkeiten mit dem Thema Selbstliebe haben.
Vielleicht muss ich über dieses Thema auch nochmal tiefer nachdenken.
Danke auf jeden Fall für den Hinweis.
Liebe Grüße,
Stefan
Aber
Juli 19, 2008 um 9:00
Hi, Stefan,
für Menschen, die keine Liebe empfangen können, bleibt auch Gottes Liebe ein abstrakter Satz.
…den anderen lieben wie sich selbst: dreh dass mal um: wer sich nicht liebt, kann den anderen nicht lieben………. u.U. tut er dem anderen etwas Nettes, dass er selber dadurch sich ein bisschen gut fühlt…… d.h. er benutzt den anderen unbewusst, um seinen eigenen Liebesmangel ausgleichen zu wollen…. oder weil man das eben so macht……. oder weil gesunde Selbstannahme als Egoismus falsch ettiketiert worden ist ….. ^^
Ja, ein wichtiges Thema.
lg
Deborah
Juli 20, 2008 um 8:02
Liebe Deborah,
:
da ich immer das letzte Wort haben will
Klar, dass ein Mensch einen anderen Menschen oder auch Gott nur dann richtig lieben kann, wenn er weiß, was Liebe wirklich ist und sich selbst auch geliebt fühlt (man kann nur geben, was man hat).
Trotz allem verstehe ich “zu lieben” im biblischen Sinne dahingehend, dass man jemanden Gutes wünscht und ihm Gutes tut. Ihm irgendwie dient. Das ist erstmal das Wichtigste (ansonsten könnte man seine Feinde auch nicht lieben).
Genauso ist es ja auch in der Ehe. Auch wenn ich meine Ehefrau/-mann auch nicht voll verstehe, kann ich sie/ihn lieben. Auch wenn das, was ich “aus Liebe” tue, dann vielleicht nicht so ankommt wie ich das erhofft hätte.
Ich will damit sagen, dass es auch möglich ist jemanden “biblisch gesehen” zu lieben, ohne wirklich tief verstanden zu haben, was Liebe ist und Liebe selbst richtig erfahren zu haben. Es geht erstmal darum, jemanden etwas Gutes tun zu wollen bzw. ihm wohlwollend zugeneigt zu sein.
Das Gebot “Liebe deinen Nächsten wie dich selbst” verstehe ich dahingehend, dass man sich um seinen Mitmenschen so kümmern soll wie man sich um sich selbst kümmert (speisen, kleiden, aufrichten, mitfühlen etc.). D.h. der Maßstab ist erstmal so den anderen zu lieben wie man in der Lage ist, sich selbst zu lieben (und nicht weniger).
M.E. kann man den Satz nicht einfach umdrehen, da er ja nicht lehren sollte, sich selbst zu lieben, sondern ganz im Gegenteil eben nicht egoistisch zu sein.
Sich selbst lieben lernt man vermutlich am Besten durch eine echte Begegnung mit Gott. Wenn man erfährt, dass Gott einen ganz bewusst erschaffen hat, weil Er einen liebt. Und uns so liebt, dass Er bereit war alles für uns herzugeben. Auch das Kostbarste, nämlich Seinen geliebten Sohn.
Wenn man verstehen lernt wie Gott einen selbst liebt, lernt man wie wertvoll man selbst in Gottes Augen ist. Und was Gott liebt, müssen wir auch lieben (lernen).
Ich hoffe ich habe mich einigermaßen verständlich ausgedrückt.
Alles Liebe und Gotte Segen,
Stefan
Juli 20, 2008 um 5:35
hallo Stefan,
da sind wir genau bei der Umdeutung von Selbstliebe/-annahme als Egoismus.
//M.E. kann man den Satz nicht einfach umdrehen, da er ja nicht lehren sollte, sich selbst zu lieben, sondern ganz im Gegenteil eben nicht egoistisch zu sein. //
Egoismus ist etwas ganz anderes als Selbstannahme, sondern genau das Verhalten und Motiv, das einer an den Tag legt, der sich selbst nicht annehmen und lieben kann, um seinen Mangel mit Dingen, Taten und Menschen zu füllen, um sich ein bisschen geliebt zu fühlen und sich Liebe zu verdienen.
Wer sich selbst liebt und angenommen hat, braucht das nicht mehr. Es gibt eine Agape sich selbst gegenüber.
Vorhin auf jesus.de ist mir noch ein wichtiger Aspekt bzgl. Depressionsauslöser vorbeigekommen: Babydepression aus falschen Erziehungsratschlägen heraus: schreien lassen, bis es aufgibt und ein stilles Baby wird. ^^
Thread: http://fuenf.scm-digital.net/foren/readframe.html?f=13&i=45010&loc=0&t=45010&doflat=&prod=no
Artikel: http://www.eltern.de/kindergarten/erziehung/tyrannen.html
//da ich immer das letzte Wort haben will
// schau, schau 
Die Unterhaltung war für mich noch nicht zu Ende. So, jetzt aber kannst du dein Schlußplädoyer hintendran setzen. B-)
lg
Deborah
Juli 20, 2008 um 7:55
Liebe Deborah,
gerne bringe ich jetzt noch mein “Schlussplädoyer”
Zunächst einmal aber zu der Sache mit dem “Babys schreien lassen”: Das finde ich auch nicht gut. Deshalb haben wir das bei unseren beiden Kindern auch nicht gemacht. Es geht nämlich auch anders (Gott sei Dank)
Zum Thema “Selbstliebe”: ich denke (weiterhin), dass es in der besagten Bibelstelle gar nicht um den Gegensatz “Selbstliebe” oder “keine Selbstliebe” geht, sondern um den Gegensatz Nächstenliebe oder Egoismus. Selbstliebe ist ja keine Sünde, sondern für das menschliche Wohlergehen genauso wichtig wie Essen und Trinken. Egoismus ist jedoch Sünde, da man den Nächsten WENIGER liebt als sich selbst.
Ich bin ja auch Deiner Meinung bzgl. dem, was Du über die Notwendigkeit der Selbstliebe sagst und der Gefahr, dass man sich als Christ (oder auch sonst) die Liebe “verdienen” will. Nur geht es eben in der besagten Bibelstelle gar nicht um dieses Thema.
Darauf lege ich nur deshalb so viel Wert, da man sonst auch in ganz andere Bibelstellen Dinge “hineinlesen” kann, die dann in schädlicher Weise gelehrt werden könnten (so geschehen in meiner alten Gemeinde; hat nichts mit Dir zu tun). Verstehst Du was ich meine?
Woran ich mich also letztendlich gestört hatte betraf lediglich das Thema “Bibelauslegung”. Von der Sache her stimme ich ja Dir voll und ganz zu.
Da ich ja das Schlusswort hatte, kannst Du mir darauf nun leider nicht mehr antworten.
Schade eigentlich