Der europäische Antichrist

By dikosss

Ich bin nicht schuld.
Es liegt an dem Fach, das ich zur Zeit studiere: “Die Offenbarung des Johannes”.
Und diese Offenbarung hat wiederum mit dem Buch Daniel zu tun.
Und die Prophetien des Daniel haben wiederum mit Europa zu tun.
Oder auch nicht. Je nachdem.

Auf jeden Fall gibt es diese interessanten Beobachtungen:


Zuerst das: Nein – der Antichrist hat keine zwei Hörner, keine Ziegenfüße und wohl auch keinen Dreizack! Zumindest nicht, dass ich wüsste …

Faszinierend sind hingegen die Parallelen, die auf dieser Seite (Englisch) gezogen werden. Ein paar Beispiele:
– Der Antichrist (AC) wird dem Gott “des Militärs” huldigen (Daniel 11,38).
Das haben viele Regenten schon getan.
Aber dies passe auch zum Generalsekretär der WEU (militärischer Arm der EU).
Dieses Amt gehört zur Zeit Javier Solana, der vorher Generalsekretär der NATO war.
Javier ist zudem Chef der EDA (European Defence Agency), ebenfalls mit militärischen Kompetenzen versehen.
In seinen zahlreichen Positionen ist Javier auch Chef bezüglich der Koordinierung von Anti-Terrorismus-Maßnahmen.
Und als faktischer, aber noch nicht offizieller Außenminister der EU ist Javier für die gemeinsame Sicherheitspolitik zuständig. In bestimmten SItuationen hätte er sogar ein Initiativrecht, um zügig handeln zu können.
Eine Machtfülle, die sich gewaschen hat!

- Der AC wird nicht dem Gott seiner Väter huldigen (Daniel 11,37).
Damit scheint der jüdische Gott gemeint zu sein.
Über die religiöse Vergangenheit von Javier ist wenig bekannt. Sein Großvater verfasste wohl ein Buch, das sich auch mit dem Thema “Juden” beschäftigte. Aber daraus einen jüdischen Glauben zu konstruieren, erscheint zu schwammig.
Deutlicher ist es aber hinsichtlich des möglichen Nachfolgers von Solana, dem Briten David Miliband, der Ende/Mitte 2009 dessen Funktionen übernehmen könnte:
Dieser hatte jüdische Vorfahren und zählt sich selber zu den Atheisten.
Vielleicht kann David ja dazu beitragen, dass die Iren künftig europafreundlicher sind. :-)

- Der AC wird mit vielen Nationen einen Bund schließen – für sieben Jahre – aber diesen nach 3,5 Jahren brechen (Daniel 9,27).
Fraglich ist, worin dieser Bund bestehen könnte. Nach Aussage der Autors der obigen Seite könnte das Bündnis darin bestehen, im Nahen Osten für Frieden zu sorgen. Javier und andere zeigen zumindest ein starkes Engagement in dieser Hinsicht.
Am Libanon stehen schon einige europäische Truppen. Und etwas östlich von Israel auch – Afghanistan. Und z.T. im Irak. Vielleicht ließe sich im Notfall militärisch etwas machen? :-(
Auf jeden Fall gibt es über die Euro-mediterrane Partnerschaft direkte Bestrebungen, im Mittelmeerraum für Frieden und Wohlstand zu sorgen.
Ein Plan laute (gemäß eines Zitates auf der obigen Seite), dass die EU für sieben Jahre kräftige Finanzspritzen in die Mittelmeerländer fließen lassen könnte…

- Der AC ist der Chef eines 10-Nationen-Bündnisses (Daniel 7,24).
Das passt super zur WEU!
Die haben 10 offizielle Mitglieder und wollen das auch nicht so schnell ändern.
Und Chef der WEU ist …?

- Der AC wird in Richtung Süden und Osten expandieren (Daniel 8,9).
Die Osterweiterung der NATO und der EU ist allgemein bekannt.
Und gerade eben konntest etwas von den südlichen Mittelmeerländern lesen. Passt.

- Der AC hat die Nummer “666″ (Offenbarung 13,18).
Tatsächlich gibt es einen europäischen “Artikel” und ein europäisches Dokument mit der Nummer “666″, das Javier wohl mitentworfen habe.
Demnach soll der Hohe Repräsentant der EU (quasi: der Außenminister der EU, aktuell: Javier) ein starkes politisches Profil bekommen und im Notfall den Europäischen Rat einberufen können. Mit diesen Papieren wurde die Machtfülle des Hohen Repräsentanten gefestigt.

Ob das alles so stimmig ist?
Es bleiben einige unerfüllte Prophetien.
Zudem schließe ich mich der Eingangsbehauptung des Autors an:
Ob Javier derjenige welcher sein soll?
Das soll so nicht ausdrücklich gemeint sein.
Könnte es dann David Miliband werden?

Für mich bleibt das:
Natürlich sind manche Parallelen zu den biblischen Prophetien faszinierend.
Es lohnt sich, weiter ein Auge darauf zu werfen.
Und doch müssen wir der Versuchung widerstehen, die biblischen Prophetien zu sehr in unsere aktuelle Zeitgeschichte pressen zu wollen.
Und wir sollten nicht vorschnell einem Menschen den Titel des AC zuschustern.
Also: Javier – verzeih’, dass man Dich in den Kreis der Verdächtigen gezogen hat! Bleibe artig, dann sind wir auch froh!

Für Atheisten muss diese ganze Prophetie-Sache eh abstoßend sein.
Wir Christen müssen aufpassen, bei solchen Deutungsversuchen nicht “vom Pferd zu fallen”, was bei einer Mischung von Depressionen und Endzeit-Feeling leicht passieren kann.

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6 Antworten zu “Der europäische Antichrist”

  1. Weltregierung, G10 und Javier « dikosss sagt:

    [...] schon. Vielleicht, weil es diesen Beigeschmack von “Grusel” hat. Aber in Fortsetzung zu eben und zu damals hier ein fundierter Vorgeschmack darauf, wie Javier Solana für eine Weltregierung [...]

  2. Gerhard sagt:

    Ich habs nicht so mit der Bibelinterpretation, gleichwohl ich denke denkend auf die Bibel zu bauen. Ich befürchte jedoch, solange ich nur Buch-stabiere, ohne mir über das “Wesen” des Ur-Christentum (u.A. auch bei Philo, der Gnosis…) Gedanken zu machen, werde ich nur meine Vorstellugen vom Antikchristen in die Bibel hineinlesen. Und dort geht es, so lerne ich ständig, um das lebendige Wort/den Logos als offenbare Vergenwärtigung der selbst unsagbaren Schöpfermacht. Und das kann weder ein von alter Lehre vorgesetzter Gott bzw. ein Dogma, noch ein menschlicher Guru gewesen sein, sondern – ich folge dabei Papst Benedikt XVI. – genau das, was die gottesfürchtigen Griechen als Logos alles Werdens bezeichnen, heute als kreative=schöpferische Vernünftigkeit zu hinterfragen ist.

    Da dieser Logos/bzw. die kreative Vernünftigkeit heute in der Logik aller natürlichen Evolutionslehre, Ökologie oder der kosmischen Ordnung als Schöpfung zu verstehen wäre, die Naturalisten diesen Gegenstand ihres Weltbildes jedoch in den Gegensatz zum christlichen Glauben stellen müssen bzw. rein materialistisch betrachten, weil die Welt des Glaubens den entleerten Buchstaben dient, bekommt der Antichrist plötzlich eine ganz konkrete Gestalt.

  3. Deborah sagt:

    Johannes wählte das Wort Logos, weil es am nächsten dem hebräischen Verständnis dessen kam, was er ausdrücken wollte: das Memra oder in heutiger Kirchensprache: Theophanie.
    http://www.bibleword.org/memra.shtml

    In die Tiefe und in Deutsch erklärt Arnold G. Fruchtenbaum was alles unter Memra im hebräischen Verständnis fällt in seinem Buch: Das Leben des Messias.
    Memra ist offenbarte Gegenwart Gottes, sei es als Wolken- oder Feuersäule, Feuer im brennenden Busch, der Fürst des Heeres des Herrn bei Josua, der Engel-Herr, die Schechina, ….und letztendlich in Jesus und als Heiliger Geist.

    Wenn wir versuchen Logos vom griechischen Standpunkt aus zu verstehen, greift das zu kurz und in der Fortführung des glaubenslosen Logos-Verständnisses treffe ich dich am Ende deines Posts. :-)

  4. Gerhard sagt:

    Vielen Dank,

    schon wieder was gelernt, das mich bestärkt, dass der europäische Antikchrist das mythologische, un-logische Gefasel von einem Gott ist, den man sich total menschliche vorstellt und dann alle natürlichen Theologieüberlegungen als “unchrisltlich” oder “unbiblisch” abtut.

    Sicherlich greift der griechische Logosbegriff für “Christus” ebenso kurz, wie heute die wissenschaftlich beschriebene Logik, die beispielsweise in der Evolutionslehre oder Kosmologie dargestellt wird, allein noch keine Offenbarung bzw. zeitgemäße Vergegenwärtigung des schöpferischen Wille sein kann.

    Doch solange wir nicht begreifen wollen, dass Johannes keinen Guru als Logos hochlobte bzw. diesen als Christengott mystifizeirte, sondern es im Neuen Testament insgesamt um die zeitgemäße Vergegenwärtigung des Schöpfergottes in seinem personifizierten Wort, einer im logischen Werden in Erscheinung tretenden Vernünftigkeit der kollektiven Naturkräfte ging, die wir heute in wissenschaftlichen Kosmologien oder der Evolutionslehre nur etwas empirischer beschreiben, bleiben wir im Mysterium gefangen.

    Die zeitgemäßen Vegegenwärtigung, wie sie damals möglicherweise auch von den aramäischen Synagogen, dem dortigen Neuverstand des alten Schöpferwortes ausging – auch wenn Paulus bzw. das vom Mythos zum Logos in der bekannten Personifikation (Jesus Christus) gewechselte Paradigma sagte, dass es immer wieder aus der Synagoge rausflog – wird so verhindert.

    Der europäische Antichrist verhindert, dass in der vernünftig-kausalen Erklärung des aufgeklärten europäischen (inzwischen universalen) Weltbildes das gegenwärtige Wort Gottes wahrgenommen werden kann. Selbst die Brights bzw. Naturalisten, stochern dann heute nur nach den vom aufgeklärten Denken abzustreitenden Un/Übernatürlichkeiten, diskutierten über Gottesbeweise, statt im kausaler Welterklärung das “Wort” hören zu wollen.

  5. dikosss sagt:

    @Gerhard:
    Das Schwierigste und Spannendste ist die Frage nach der Methode der Bibelauslegung (naja, nicht immer wirklich spannend … aber wichtig :-) ).
    Wir wollen herausfinden, was die Intention, der Kontext etc. des Verfassers waren.
    Dabei besteht eine Spannung zwischen dem Wortsinn und der Allegorie.
    Wie finden wir heraus, ob der Verfasser etwas allegorisch oder wörtlich gemeint hat?
    Bildersprache deutet zunächst oft auf eine Allegorisierung -
    wenn es nicht anderweitige Hinweise gibt, die für den Wortsinn sprechen.

    Für die Offenbarung:
    Es gibt für die Gestalt des Antichristen einige Hinweise, dass dieses Wesen durchaus personal gemeint ist (entsprechende Bibelverse könnte ich nachlegen).
    Wenn das der Fall ist, dann würde es uns m.E. nicht freistehen, den Antichristen nur als Symbol oder dergleichen zu sehen (vorausgesetzt, dass wir den Verfassergedanken kein anderes (/unseres) Konzept überstülpen wollen).

    Parallelen, die zwischen unserem Zeitgeschehen (und durch unsere Brille der Sicht der Dinge gesehen) und den Prophetien in der Offenbarung gezogen werden, sind sicherlich von vornherein skeptisch zu betrachten. Erst recht, wenn Bibelverse in unser Zeitgeschehen förmlich hineingepresst werden sollen.
    Insoweit möchte ich alle Deutungsversuche als das sehen, was sie sind:
    Es sind Versuche.
    Meine Vermutung ist, dass es eine Zeitphase geben wird, in der wir ziemlich eindeutig wissen werden, dass sich die Worte aus der Offenbarung gerade erfüllen.

    Viel Segen,
    Dirk.

  6. Gerhard sagt:

    Hallo Dirk,

    seit Jahren bin ich davon überzeugt, dass genau das, was zur Zeitenwende in Jesus personifiziert wurde: die Vergegenwärtigkung, Vermittlung von vernünftiger Kreativität als Schöpfung lebt. Im kausalen Geschehen kosmologischer oder evolutionsbiologischer Welterklärung bzw. im Dialekt der Geschichte wäre das “Wort” wahrnehmbar, das am Anfang des Monotheismus gehört und in immer weitergehendem Verstand jeweils erneut Person (menschliche Aufgabe, Rolle) wurde.

    Da ich davon ausgehe, dass nicht die Logoslehre bzw. allegorische Lesweise des AT u. a. durch Philo bzw. die platonisch geprägte Theologie Alexandriens, sondern erst die menschliche Gestalt der neuen Offenbarung im Kanon messiansiche wirkung entfaltete, denke ich, dass auch heute erst wieder eine Anknüfung an die bekannte Gestalt die erkannte Vernünftigkeit allen Werdens zur messianischen Wirkung bringt.

    Und nun frage ich mich, was steht einem zeitgemäßen Verstand schöpferischer Vernünftigkeit (jüdisch Wort Gottes), durch den sich die Überwindung der Aufspaltung der Weltbilder bzw. eine echt messianische Wirkung nachvollziehen lässt, im Wege.

    (Warum es im NT nicht um einen Gruru oder Ersatzgott ging, sondern das damals lebendige Wort, den Logos in Person, Vermittlung von Schöpfung im antiken Weltbild griechischer Logik: http://www.theologie-der-vernunft.de)

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