1. Etliche Gemeinden erreichen nicht ihren Kiez.
2. Gemeinde ist Lebensgemeinschaft.
Hier mehr:
1. Etliche Gemeinden erreichen nicht ihren Kiez.
Ein erfahrener Pastor meinte heute (sinngemäß) das:
“Christen nehmen mitunter weite Wege auf sich, um zu ihrer Gemeinde zu gelangen.”
Einer der Anwesenden meinte, dass auch eine der großen Gemeinden im Märkischen Viertel in Berlin (eine Hochhausgegend mit Tausenden von Menschen) kaum ihren Kiez erreichen würde. Allerdings setze zur Zeit wohl ein Weiterdenken an.
Mich erinnerte das an eine Landeskirchliche Gemeinschaft östlich von Berlin, bei der ich mal als Gastprediger war. Jemand sagte, dass kaum eines der Mitglieder direkt im Ort wohne; viele kämen aus Berlin, eine Familie führe sogar ca. eine 3/4 Stunde, um zur Gemeinschaft zu kommen.
Wie kommt das?
Sind unsere Gemeinden tatsächlich so uneffektiv darin, ihren Kiez zu erreichen?
Oder sind wir Menschen in Deutschland-Berlin so individualistisch eingestellt, dass wir das exakt passende Gemeindeangebot für die Befriedigung unserer frommen Wünsche suchen und dann notfalls auch quer durch die Großstadt kurven?
2. Gemeinde ist Lebensgemeinschaft.
Was macht die einfache Gemeinde aus?
Hier wurde mir schon vieles klar. Theoretisch (z.B. 1, 2, 3).
An einem Punkt ahnte ich aber schon, dass da noch was kommen müsste.
Und das ist der Punkt der “Lebensgemeinschaft”.
Ja, Gemeinde ist auch die weltweite Gemeinde.
Gemeinde ist auch die Gemeinde einer Stadt.
Gemeinde ist auch die Kiezgemeinde.
Gemeinde ist auch das Treffen von 2 oder 3 Christen, die im Namen Jesu zusammenkommen.
Klar ist auch das:
Gemeinde sammelt sich zu Jesus hin.
Christen können zwar zusammen Pokern, Fußball gucken oder besser noch: selber Fußball spielen!
Aber ohne den deutlichen Bezug zu Jesus Christus ist das keine Gemeinde.
So wurde mir deutlich:
Neben dem deutlichen Bezug zu Jesus Christus benötigt es eine gewisse Regelmäßigkeit von Treffen.
Zuerst schwebten mir Begriffe wie “Verpflichtung” und “Verbindlichkeit” vor, die ich aber tendentiell negativ empfinde.
Der obige Pastor brachte dann den Begriff auf, den ich wesentlich positiver sehe:
“Lebensgemeinschaft”.
Gemeinde ist Lebensgemeinschaft.
Das nur gelegentliche Zusammentreffen von Christen – und sei es auch im Namen Jesu – ist noch nicht wirklich Gemeinde. Bestenfalls ein Aspekt von Gemeinde.
Es muss die tiefergehende Beziehung zu Jesus Christus und zum anderen hinzukommen.
Eine solche Lebensgemeinschaft ist nur mit Vertrauen möglich.
Vertrauen kann nur dort wachsen, wo man sich kennenlernt, öffnet und beim dem anderen stets das Gute sehen will, ohne jedoch kritiklos zu werden.
Lebensgemeinschaft heißt dann aber auch:
Ich teile das Gute, das Schlechte und das Schlute (Mix aus Schlechtem und Gutem) miteinander.
Das kostet Zeit.
Kraft.
Nerven.
Das gibt Zeit.
Kraft.
Nerven.
In unserer Großstadt Berlin scheint es allerdings so, dass der Alltag mit so vielen Dingen ausgefüllt ist, dass kaum wirklich Zeit bleibt, um eine Lebensgemeinschaft zu leben.
Es scheint ja schon schwer genug, dass Familien fest genug zusammenhalten:
Kinder werden früh in die KITA gegeben, die Partner ackern (sofern sie denn Arbeit haben) und sehen sich nur für wenige Stunden am Abend, der Fernseher ist zum modernen Lebenszentrum im Wohnzimmer geworden (manchmal auch: im Kinderzimmer), das Bloggen scheint mitunter attraktiver als ein Spieleabend mit Freunden …
Haben wir denn die Zeit zur Lebensgemeinschaft?
Und, um zu Punkt 1. zurückzukehren:
Könnte es sein, dass uns auch die geografischen Distanzen und Fahrtzeiten zu “unseren” Gemeinden manchmal von Lebensgemeinschaften abhalten?
Wäre eine Kiezgemeinde besser in der Lage, solche Lebensgemeinschaften zu fördern?
Schlagworte: einfache Gemeinde, Gemeinde, Gemeindebau, Kiezgemeinde, Lebensgemeinschaft, simple church
Juni 23, 2008 um 8:03
Matthias und ich kommen aus der besagten Gemeinde (denke mal das sie gemeint ist) und ich denke Du hast die Probleme auf den Punkt gebracht. An unserem Beispiel (Matthias und ich) merke ich es besonders, was es ausmacht in einem Kiez zu wohnen und Gemeinde zu leben.
Ich bin letzten Spätsommer (nach 30 Jahren) aus dem Kiez gezogen und es ist echt schwerer geworden unsere Beziehung, sowie letztes Jahr aufrecht zu erhalten (trotz nur 10 BVG-Minuten Trennung). Und wenn ich dann überlege weniger intensive Beziehung im Kiez zu führen … .
In Berlin ist es wirklich eine Unsitte aus Reinickendorf nach Treptow zum Gottesdienst zu fahren. Aber es ist wirklich weit verbreitet. Das kann ich aus meiner Zeit bei diversen Projekten (JesusHouse, CVJM-Kram, usw.) nur bestätigen.
Ein Problem dabei ist, das das Klientel dann meist auch nicht dem sozialen Umfeld des Kiezes entspricht und dann ein Zehlendorfer im Neuköllner Kiez doch etwas Schwierigkeiten hat und die Kiez-Arbeit nur schleppend vorangeht.
Juni 24, 2008 um 6:07
//Wäre eine Kiezgemeinde besser in der Lage, solche Lebensgemeinschaften zu fördern?//
Wie klingt es für dich, wenn du den Satz umstellst?
“Wären Lebensgemeinschaften besser in der Lage, eine Kiezgemeinde zu fördern?”
Jesus sagte: ich sende euch wie Schafe mitten unter Wölfe……
…in der Welt, nicht von der Welt….
Joh 17 ….wie Jesus gesandt….. Jesus hat sich nicht in einer Synagoge etabliert und gewartet, dass es sich herumspricht und die Leute dorthin kommen. Er ist zu ihnen gegangen, hat mit ihnen gelebt.
Juni 24, 2008 um 6:51
Wie weit wollen wir ausholen? – Das Thema ist ja so umfassend …
Das “Ideal” für mich ist eine Wohnortnahe, lebendige geisterfüllte Gemeinde, in der Christen den Willen haben Leben in welcher Form auch immer miteinander zu teilen. Das finde ich in besagter Gemeinde und damit habe ich auch Motivation in einem “schrägen” Kiez zu wohnen. Lebensgemeinschaft könnte das Argument und der Weg sein um für die Nachbarschaft wieder relevant zu werden.
Gemeinde ohne Menschen vor Ort hat wenig Chancen den Ort zu erreichen. Lebensgemeinschaft hat für mich auch immer die Motivation Leben auch mit den Menschen meines Umfeldes zu teilen.
Kiezgemeinden haben sicher gute Chancen das zu fördern, aber Beziehungen werden heute und nicht nur unter Christen “über-”regional gelebt. Deswegen kann man nicht den Schluss ziehen Kiezgemeinden sind die “bessere” Lösung
Gemeinden sollten beides schaffen. Vor Ort und in der Region präsent zu sein. Räumlich bedingte und Milieu bedingte Netzwerke nutzen usw.
Was soll ich sagen. Das wesentlich hast du schon auf den Punkt gebracht.
@Bergemensch: Das müssten wir mal diskutieren!
Juni 24, 2008 um 4:38
@Deborah:
Ja, an der Satzumstellung ist auch was dran.
Hört sich letztlich wie eine Wechselwirkung an (im besten Fall):
Eine Lebensgemeinschaft fördert die Kiezgemeinde und die Kiezgemeinde fördert die Lebensgemeinschaft.
Ich leide zur Zeit (und immer wieder) dran, dass ich nicht direkt im Kiez wohne. Bin zwar per Fahrrad auch nur ca. 5-7 min. entfernt, also durchaus sehr nah – aber eben nicht mitten drin.
Das ist in absehbarer Zeit auch nicht zu ändern.
So kann ich nur versuchen, möglichst oft im Kiez zu sein: Einkaufen, auf dem Spielplatz, bei den Ärzten …
Aber selbst das mache ich m.E. noch zu wenig (bedingt durch mein Studium & Co).
@Matthias/Bergemensch:
Wow – Du gehörst sogar zur besagten Gemeinde! Super!
Das mag wirklich sein, dass Kiezgemeinden nicht die bessere Lösung sind, eben weil wir in einer Großstadt und heutzutage wesentlich flexibler sind.
Andererseits denke ich an einige Hartz4-Empfänger, die nicht immer das Geld haben, um per BVG, geschweige denn Auto unterwegs zu sein. Manchen müsste eine Kiezgemeinde sehr entgegenkommen. Theoretisch.
Gby,
Dirk.
Juni 30, 2008 um 12:20
Sehr interessant =) Das hab ich direkt mal verlinkt.
Juni 30, 2008 um 1:45
http://www.ekd.de/swi/58969.html
Juni 30, 2008 um 2:49
[...] habe das heute bei Dirk gelesen und aus vielerlei Gründen interessant [...]