Depressive Christen

By dikosss

Mann, ich kenne etliche depressive Christen, die entweder hammerhart daran leiden oder zumindest phasenweise unter Beschuss sind.
Und ich bin hin- und hergerissen zwischen den Erkenntnissen der Neurobiologie, der “normalen” Psychologie, der einfühlsamen Seelsorge und dem Denken, dass es auch um geistliche Kämpfe geht.

Aber was es auch immer sein mag:

Manchmal habe ich die Schnauze voll!
Was ist denn da los, dass Christen, die berufen sind, die frohe Botschaft zu repräsentieren, nicht in der Lage dazu sind, weil sie selber am Boden liegen!?
Und zwar nicht einmal auf dem Boden liegen, sondern regelrecht eingebunkert auf dem Boden kauern.

Manches mag unsere schnelllebige Zeit sein. Besonders hochsensible Personen leiden darunter, weil ihre Seele Zeit braucht, um Eindrücke zu verarbeiten. Wenn ihre Seele keine Zeit mehr hat, fängt die Seele an, zu streiken.

Manches mögen die fehlenden Botenstoffe im Gehirn sein. Her mit dem Medikamenten!
Besser noch: Jesus, heile!

Manches mögen kopierte Verhaltensweisen der Vorfahren sein.
Schon die Mutter war depressiv, dann ist es der Sohnemann auch, weil er gelernt hat, wie man mit Konflikten umgeht: auf depressive Weise.

Manchmal können es sogar Gemeindestrukturen sein, die uns kaputt machen!
Ekklesiogene Neurosen, oder so….

Manches mögen geistliche Kämpfe sein: Der Teufel, der uns runterziehen will, kaputt machen will, uns untauglich für unsere Berufung machen will.

Ick weeß nich’!

Aber manchmal könnte ich das Kotzen kriegen, dass es so viele Christen sind, die so schachmatt wirken.

Und dann kommen auch Fragen und Zweifel:
Wie ist es denn mit der Kraft Gottes?
Wo ist sie denn bei den Depressiven?
Wo ist denn der Durchbruch zur Heilung?

Mann!!!
Ich will mal einen Durchbruch sehen!
Nicht nur einen.
Hunderte und Tausende!

Aber ist das möglich?
Hat das schon jemand erfahren?
Gibt es Hoffnung?

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12 Antworten zu “Depressive Christen”

  1. xxee sagt:

    Ja – das sind mal Fragen. Kein Ahnung. Ich wundere mich auch des öfteren. Vielleicht lassen wir Gott einfach zu selten Gott sein. Mir geht das manchmal so. Das kann ja nicht gut gehen. ^^ Vielleicht ist das auch n Grund, warum bei Charismatikern “mehr passiert” oder es zumindest oft so aussieht, vielleicht lassen die tendentiell Gott mehr Gott sein. Aber die ham dann andere Probleme. Komisch manchmal alles. =) LG

  2. Deborah sagt:

    Ja, Durchbruch erfahren :-D

    Die Hauptverursacher von Depression: Trauma, Angst, Sorge, Hoffnungslosigkeit, Hilflosigkeit, Unvergebenheit, Grenzenlosigkeit, Ich kann nicht-Denken, Gott kann nicht-Denken, Tragen der Gefühle anderer, falsches Identitätsbild als Christ und Mensch. Die Freude klemmt. Dass Schwert des Geistes (das Wort Gottes) wird nicht geschwungen, die Gedankenfestungen werden nicht in die Luft gesprengt, Stolz (ich lasse mir nicht helfen, niemand kann mir helfen-auch Gott nicht, ich muss alles selber machen, …), Rebellion (ich mache es auf meine Weise) …..

    Demütigt euch unter die mächtige Hand Gottes,…. indem ihr alle Sorge auf Ihn werft ….Sportstunde, Werfen üben ;-) 1.Petr. 5,6-9

    Gedankenfestungen schleifen 2. Kor 10,3-7

    gegen Stolz: Gnade nehmen und geben, Frieden schaffen mit Vergeben und Klärungen Hebr 12,13-15

    echt werden in den Gefühlen: Eph 4,26-27

    Helm der Hoffnung des Heils …1. Thess 5,8

    Es fehlt an Jüngerschaft und Gehorsam aus Liebe. Der Sendungsbefehl heisst nicht, gründet Gemeinden. Er heisst: Macht Jünger! Das ist der Aufbau nach der Evangelisation. Jünger macht man nicht in Tempelpredigten.

    Es fehlt an Selbstliebe, damit Christ gestärkt andere stärken kann. Aus dem Bibelvers haben viele das “wie dich selbst” entfernt, mit furchtbaren Burnout-Konsequenzen. Wer sich selbst nicht liebt, geht nicht zu Gott zum Liebe tanken. Lk 10,27
    In diesem Punkt bin ich der charismatischen Gemeinde sehr dankbar, dass sie mir das Tanken vermittelt haben.

    lg
    Deborah

  3. Bento sagt:

    Guter Artikel – das scheint echt ein grassierender Virus zu sein.
    Es ist durchaus legitim, nach den Ursachen zu fragen und energisch diesen Zustand anzuklagen, doch wenn wir wirklichen Durchbruch erleben wollen, dann gehört da kein Fragezeichen, sondern dringend ein zweifelsfreies Ausrufezeichen hinter:

    Es ist möglich!
    Es haben schon viele erfahren!
    Es gibt Hoffnung!

    LG + Segen

  4. Kochy sagt:

    Hallo Berlin und die janze Welt,

    depressive Christen gibt es tatsächlich. Hand aufs Herz. Man kann Medikamente nehmen und sollte ggf. ärztliche Unterstützung in Anspruch nehmen. Doch die Ursachen liegen in der unsichtbaren Welt. Wir wissen aus praktischen Erfahrungen, dass das Wort Gottes Heilung und Befreiung schenkt.

    Und wie?
    Proklametion!
    Proklamation!
    Proklamation!

    Das Wort Gottes hinein sprechen in den Raum! Dazu Gebet, frische Luft und Bewegung! Eigentlich ganz einfach. EIGENTLICH. Doch ein Mensch in dieser Phase muss das erst einmal umsetzen können. Dazu braucht er Hilfe. Von Christen. Ich meine – man muss den Mut haben und bekennen: Ich leide an seelischen Schwankungen.

    Bye und Gottes Segen

    Christian aka Kochy

  5. Deborah sagt:

    Ja, Christian: Proklamation des Wortes Gottes : das Schwert des Geistes schwingen :-)
    Die positive Wahrheit von Gottes Wort hat einen Einfluß auf die Wohlfühlhormone im Gehirn, steigert sie und damit die Laune.
    Gleichzeitig wirkt das Proklamieren auch, wie du schreibst, gegen feindliche Bedrückungen.

    Doch das Meiste machen Christen leider selber, indem sie Mißerfolg, Angst, Unglauben sprechen und sich damit herunterziehen.

    Mein momentaner Lieblingsvers gegen Gedankenangriffe durch Schwierigkeiten ist:

    “Gepriesen! rufe ich zum HErrn. So werde ich vor meinen Feinden gerettet.” Ps 18,4 :-)
    Der Druck geht dann sofort weg.

    Wichtig ist die Unterscheidung zwischen Niedergeschlagenheit und Depression.

    Als Faustregel gilt: der Niedergeschlagene weiss immer noch, was ihm gut täte, wenn er es macht und kann sich dazu aufraffen.
    Der Depressive sieht nur noch schwarz und muss eine Zeit getragen werden. (Beziehungen, Medikamente, Therapie).

    Hochsensible Personen sind gefährtet, durch die übernommenen Gefühle anderer, die sie bunkern und nicht verarbeiten können, in eine Depression zu schliddern. Ebenso können sie eine Depression/Niedergeschlagenheit eines anderen übernommen haben und keiner der beiden wird heil, solange die Aufgaben und Peroenengrenzen nicht klar definiert werden.

    Es gibt Hoffnung!

    Röm 15,13
    13 Der Gott der Hoffnung aber erfülle euch mit aller Freude und allem Frieden im Glauben, damit ihr überreich seiet in der Hoffnung durch die Kraft des Heiligen Geistes!

    lg
    Deborah

  6. Stefan sagt:

    Grundsätzlich möchte ich zu diesem Thema aus eigener Erfahrung (persönlich und von Freunden) folgendes sagen:

    Ganz wichtig ist zwischen der Krankheit “Depression” und einer normalen Verstimmung zu entscheiden. Eine Depression muss in aller Regel ärztlich (medikamentös) und therapeutisch behandelt werden.

    Es gibt so viele (mögliche) Ursachen einer Depression und so viele verschiedene Fälle, dass man die Sache nicht verallgemeinern kann.

    Gott hat sicher kein Gefallen daran, dass wir krank sind und hilft uns oft auch wieder gesund zu werden. Dennoch gibt es genügend Beispiele in der Bibel, wo Gott offensichtlich auch bzw. gerade durch Leid und Krankheit wirkt (Hiob, Josef, Paulus etc.). Gottes Wege sind nicht unsere Wege und wir wissen oft nicht was Gott letztendlich für Pläne für uns hat.

    Krank zu sein muss nicht bedeuten, dass Gott einen verlassen hat oder uns für etwas straft (wobei dies nicht ausgeschlossen ist). Auch eigene Sünde oder Unglaube muss nicht die Ursache hierfür sein (wobei auch dies nicht ausgeschlossen werden kann).

    Es geht in diesem (irdischen) Leben nicht in erster Linie darum immer und dauernd gesund zu sein. Wir leben in einer gefallenen Welt, die unter einem Fluch steht (seit der Vertreibung Adam und Evas aus dem Paradies). Zu dieser Welt gehört leider auch Leid und Krankheit.

    Es geht vielmehr darum, dass wir letztendlich in den Himmel kommen. In das Reich Gottes, um die Ewigkeit mit Gott verbringen zu können.

    Und hierzu kann auch eine Krankheit wie Depressionen hilfreich für uns sein. In der tiefsten Verzweiflung einer Depressionsphase können wir durchaus lernen, Gott dennoch zu vertrauen. Geduldig zu beten, zu hoffen, nicht aufzugeben. Eine Krankheit kann uns im Glauben erziehen und geistlich wachsen lassen.

    Das heißt nicht, dass wir nichts gegen eine Krankheit unternehmen sollten. Natürlich will niemand krank sein. Und zum Arzt gehen und versuchen mit eigenen Mitteln gesund zu werden ist sicher gut.

    Aber wenn es vielleicht überhaupt nicht Gottes Plan ist und für uns auch nicht am Besten wäre (sofort) gesund zu werden, dann sollten wir an unserer Krankheit nicht verzweifeln. Und auch gut gemeinte Ratschläge anderer Christen, dass man nur beten und glauben brauche oder über sich beten lassen solle, können in die Irre führen (siehe Hiob).

    Es geht um einen geistlichen Kampf. Und diesen lässt sich auch sehr gut kämpfen (oder vielleicht dann am Besten), wenn man krank ist, sich schwach fühlt und man sich besonders bewusst ist, dass man auf Gottes Hilfe und Gnade angewiesen ist.

  7. Deborah sagt:

    @Stefan:
    //Und hierzu kann auch eine Krankheit wie Depressionen hilfreich für uns sein. In der tiefsten Verzweiflung einer Depressionsphase können wir durchaus lernen, Gott dennoch zu vertrauen.//

    Muss ich dir leider widersprechen. Genau das kann jemand, der sich ganz unten in der Depression befindet, nicht. Die Stoffwechsellage ist so schlecht, dass kein Funken Hoffnung gedacht oder gefühlt werden kann. Als Therapeut muss man für so einen Menschen in diesem Stadium mitglauben. Und hier geht es auch nicht ohne Medikamente.

    Hoffen oder Glauben bewerkstelligen zu verlangen, kostet einen absolut am Tiefpunkt Befindlichen den letzten Rest Kraft. Der Lebensfunke glimmt nur noch.
    Jes 42,3
    3 Das geknickte Rohr wird er nicht zerbrechen, und den glimmenden Docht wird er nicht auslöschen. In Treue bringt er das Recht hinaus.
    Mt 12,20
    20 ein geknicktes Rohr wird er nicht zerbrechen, und einen glimmenden Docht wird er nicht auslöschen, bis er das Recht hinausführe zum Sieg;

    Das sind die Schafe, die Jesus sich auf die Schulter legt und trägt, dass sie sich erholen und gesund werden. Diesem Beispiel sollen wir folgen und diese Geschwister tragen und sie Jesus hinhalten.

    lg
    Deborah

  8. Stefan sagt:

    @Deborah:
    //Muss ich dir leider widersprechen. Genau das kann jemand, der sich ganz unten in der Depression befindet, nicht. Die Stoffwechsellage ist so schlecht, dass kein Funken Hoffnung gedacht oder gefühlt werden kann. Als Therapeut muss man für so einen Menschen in diesem Stadium mitglauben. Und hier geht es auch nicht ohne Medikamente.//

    Da habe ich mich vielleicht etwas missverständlich ausgedrückt.

    Ich sehe das ähnlich wie Du, dass man sich in einer (echten) tiefen depressiven Phase absolut hoffnungslos fühlt und zu (fast) nichts mehr in der Lage ist.

    Ich selbst hatte schon solche Phasen, in denen ich nur noch mich irgendwo hinsetzen und sterben wollte.
    Ich würde es (mittlerweile) nicht (mehr) wagen, zu diesem Thema etwas zu äußern, wenn ich sowas nicht bereits selbst durchgemacht hätte (und tlw. heute immer noch erlebe).

    Ich wollte lediglich diejenigen, die Depressionen haben, damit ermutigen, dass diese Zeit – so sinnlos wie sie auch erscheint und so gräßlich wie sie auch ist – nicht sinnlos sein muss.

    Ich selbst konnte meine Depressionen nur dadurch durchstehen, dass ich wusste, dass es einen Gott gibt, der mich nicht aufgeben wird. Und der die Macht hat mich sofort von diesen schlimmen Qualen zu befreien (es jedoch nicht tun muss, wenn er etwas anderes, Besseres vorhat).

    Leider meinten einige meiner Glaubensgeschwister damals, dass Depressionen nur daran liegen könnten, dass man “in Sünde sei”. Ein “guter Christ” könne ja gar nicht depressiv sein. Der müsse “immer voll Freude sein”.

    Ich persönlich habe erlebt, dass man durchaus in bzw. durch schlimme Prüfungszeiten im Glauben wachsen kann. Zwar nicht unbedingt IN den depressiven Phasen, jedoch zumindest DANACH.

    Dass es mich noch gibt und mir mittlerweile besser geht, dass verdanke ich Gott.
    Denn er hat mir die Kraft und die Hoffnung gegeben durchzuhalten.
    Und Gott hat mich bereits hier in diesem Leben überaus mit einer wunderbaren Familie (ich habe zwei Kinder) und mit hervorragenden Lehrern (die sog. Kirchenväter) beschenkt, die mir Mut im Glauben machen. Und Er hat mir eine Vision für die Zukunft gegeben.

    Also, was ich ausdrücken wollte ist, man KANN auch DURCH depressive Phasen letztendlich beschenkt werden. Eine Krankheit KANN einen letztendlich im Glauben wachsen lassen. Sie muss es aber nicht. Das ist klar.
    Und die Hilfe von Glaubensgeschwistern bei Depressionen ist natürlich sehr wichtig und nötig.

  9. Deborah sagt:

    Danke, Stefan, für deine nähere Erläuterung und neue Formulierung.

    Das kann ich voll unterstreichen. :-)

    lg
    Deborah

  10. matthias vs. bergemensch » Blog Archive » … and the fever went higher sagt:

    [...] Ich schaffe es nicht mal als Fachkrankenpflegekraft für Psychiatrie Antworten zum Thema “depressive Christen” zu [...]

  11. donralfo sagt:

    Zitat von Christian Hautmann, Psychologiestudent.
    “Die Anerkennung der eigenen Krankheit stellt überhaupt erst die Arbeitsgrundlage dar, zusammen mit dem Wunsch und dem Willen etwas für die Genesung zu tun.”
    Ich fand diesen Kommentar zu meinem Artikel über “Christ und psychische Krankheit” außerordentlich wichtig! http://theolounge.wordpress.com/2008/07/02/christ-und-psychische-krankheit/
    Das war der entscheidende Wendepunkt in meiner lebenslangen depressiven Karriere! Ich wollte nie anerkennen, daß ich psychisch krank war und Hilfe von außen brauchte. Immer habe ich gesagt: Gott kümmert sich schon um meine Seele, wenn ich ihm treu und fleissig diene. Er hat mich ja längst am Kreuz geheilt u.s.w. Ich habe auch jahrelang fleissig das Wort Gottes proklamiert, so lange bis absolut NICHTS mehr ging! Aber ich hatte nie anerkannt, daß ich eine behandlungsbedürftige Krankheit habe und das ich fachmännische Hilfe brauchte.
    Es gab keine “Arbeitsgrundlage” für meine Genesung. Nicht mal für Gott! Natürlich kann Gott Wunder tun und übernatürlich heilen – keine Frage. Aber auch für Wunder gibt es Vorraussetzungen bei uns. Auch hier braucht es eine “Arbeitsgrundlage”. Ich sage nur mal: Glaube, Liebe, Hoffnung, Gebet, Beziehung, Vertrauen, Kommunukation. Zuhören können, sowohl Menschen als auch Gott!

  12. Dirk sagt:

    Hi donralfo!

    Hast ‘nen guten Hinweis gebracht: Wir müssen empfangsbereit werden, wenn wir Heilung wollen. Meistens (Ausn: Totenauferweckung :-) ).
    Passt zum Prinzip: Gott will keine Marionetten, sondern unsere Seele “mitnehmen”. Wir sollen kapieren, was passiert. Und dazu gehört zu Beginn wohl das Eingeständnis der Erkrankung.

    Gby,
    Dirk.

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