Party oder auch:

By dikosss

“Die Versammlung im Netzwerk”.

Beim Reflektieren des Tom-Gespräches ist mir dieser Aspekt besonders hängen geblieben:
Wie kann/soll eine Versammlung in einem Netzwerk einfacher Gemeinden aussehen?

Am meisten faszinierte mich die “Party-Variante“.
Die Christen und ihre Freunde kommen zusammen.
Jeder bringt was zum Futtern mit.
Jeder bringt etwas mit, mit dem man Spaß haben kann und eine gute Zeit mit anderen verbringen kann.
Und dann verbringt man miteinander die Zeit.
So funktionieren herkömmliche Parties.

Es ist fast nichts geregelt.
Natürlich haben sich ein paar um einen Raum gekümmert (oder darum, dass die Waldlichtung frei von Ameisenhaufen ist). Natürlich wurde ein Tag und eine Uhrzeit vereinbart.
Aber das war es schon an Organisation.

Was passiert dann?
Es wird das passieren, was in den Leuten ist!
Es wird das “an’s Licht” kommen, was die Menschen wirklich beschäftigt.
Es ist kein Verstecken auf einer Kirchenbank möglich. Nix mit dem Zuschauer-Dasein! Mitmachen ist angesagt.

Jemand wird vielleicht in viele, tiefgehende Gespräche verstrickt sein. Spontan entwickeln sich Lehrgespräche über Jesus und die Bibel.
Ein anderer spielt mit den Kindern.
Irgendwo greift jemand zur Gitarre und schmettert ein paar Lobpreislieder – und zwei, drei andere stimmen ein.
In einer Ecke wird gerade gebetet.
Und im Nebenzimmer haben sich einige dem Kartenspiel hingegeben.

Jeder hat den bewusst gewollten Freiraum, um sich mit seinen Gaben einzubringen.
Das Zuhören, das Helfen, das Beten, das Singen, das Lehren … alles geschieht auf natürlichste Weise, ohne dass angekündigt wird: “So – und jetzt singt uns Sabine Sahne ein Lied zur Ehre des Herrn!”
Und wer die Gabe haben sollte, 10 Würstchen auf einmal in den Mund zu stecken, der mag damit glänzen und findet in den Kindern bestimmt viele Bewunderer.

Vielleicht werden manche auch richtig kreativ und fangen an, etwas zu basteln. Wie wär’s z.B. mit einer gespaltenen Kanzel? Andere erfinden neue Lieder. Jemand springt plötzlich auf und ruft eine Prophetie in die Runde (und wird danach ungläubig angeguckt). Mancher fängt an, ein riesiges Bild von der Schöpfung zu malen, wobei einem anderen ein eigener Psalm einfällt, den wiederum ein anderer vertont.

Das ist organisch.
Das ist beziehungsorientiert.

Dabei wird das zu Tage treten, was die Menschen wollen und können.
So kann allgemeines Priestertum und einfaches Christsein aussehen.
Und falls nicht alle Anwesenden die Gabe haben sollten, 10 Würstchen gleichzeitig in den Mund zu stopfen, wäre dies sicherlich auch eine super Plattform, um viele Freunde einzuladen, die bisher nichts von Jesus mitbekommen haben.

Dennoch bleibt die Frage:
Und was ist mit dem herkömmlichen Gottesdienst am Sonntag?
Gegenfrage:
Was ist an dem besser als bei einer Party?

Brauchen wir das “Gottesdienst-Gefühl”, um uns sicher zu meinen?
Brauchen wir das geordnete “In-den-Reihen-sitzen”, um uns gläubig zu fühlen?
Brauchen wir das Programm, um uns Gott näher zu fühlen?
Brauchen wir den “Vortuner” im Anzug, der uns das Empfinden vermittelt, dass es halt nur wenige drauf haben, ganz vorne zu stehen?

Grundsätzlich darf auch die klassische Sonntags-Versammlung sein.
Kann auch gut sein. Kann sehr gut sein!
Wenn’s nicht zu oft ist.
Denn:
Sie ist kein Muss. Sie spiegelt oftmals mehr unsere Tradition wider als Gott selbst.
Und sie lässt oftmals nur einzelne Christen auf der Bühne glänzen, während die Mehrheit eher passiv in den Reihen sitzt.
Deshalb verführt die regelmäßige, klassische Gottesdienst-Variante zum bloßen Konsum, weg von den Beziehungen hin zum Programm, weg vom allgemeinen Priestertum hin zur Priesterkaste …

Weiteres folgt…

P.S. Ich spüre schon den Gedanken in mir:
“Aber wenn nicht das Wort verkündet wird, wie sollen die Christen dann im Glauben wachsen?”
Eben dafür gibt es die Treffen im privaten Raum mit 3, 10 oder 25 Christen. Bei diesen nicht-öffentlichen Treffen kann mehr Gewicht auf die klassischen frommen Aktionen gelegt werden: Gebet, Lobpreis, Bibelstudium …

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21 Antworten zu “Party oder auch:”

  1. Martin sagt:

    sehr gut … sehr gut

    in mir rumort es, wenn ich das lese … in diese richtung denke ich und will ich ab oktober in meiner neuen gemeinde auch arbeiten

    martin

  2. dikosss sagt:

    Hi Martin!

    Ja, wa!? Ditt löst watt aus! :-)
    Ich schätze mal, dass man viel kommunizieren muss, wenn man auch andere mit solchen Gedanken anstecken will.
    Vor allem ist es sicher wichtig, den biblischen Bezug herzustellen, damit erkannt wird: es geht nicht um eine neue Modewelle (nach Willow Creek und Saddleback kommt nun die “einfache Gemeinde”), sondern es geht darum, das zu leben, was wir aus der Bibel erkennen.
    Im pietistischen Jargon:
    Es geht um den Glaubensgehorsam!

    Oder ist das zu heftig?

    Gby,
    Dirk.

  3. Martin sagt:

    hallo dirk
    ja, also … eine frage ist für auch noch, ob wir einzueins umsetzen müssen, was die ersten christen damals lebten (tempel, haus usw) oder ob es prinzipien in der bibel gibt, die zwar heute kontextualisiert und anders verpackt trotzdem noch volle kanne unter gottes stehen … ich bin ja für das zweite

    noch eine frage: sind uns für die zukunft große erweckungen und zahlenmäßiges wachstum der christenheit verheißen oder werden wir als christen ein kleiner rest bleiben, der sich immer vor verführung schützen muss? je nach theologischem lager kannst du beide ansichten finden … was denkst du? ist so ein mcgavran ein dicker verführer der gemeinde, wie es manche bibelgemeinden sagen? oder beschreibt er die oben genannten bibl prinzipien des gemeindebaus?

    ick grüß dir in balin

    martin

  4. Martin sagt:

    unter gottes segen stehen – da fehlte ein wort

  5. Tom sagt:

    Hallo Martin,

    ja, das Zweite. Es geht schon um die Prinzipien, denke ich. Es ist nicht wichtig sich nun unbedingt in Häusern zu treffen. Wichtig ist, dass Beziehungen wachsen können und Erbauung stattfindet. Es ist nicht wichtig sich im Tempel zu treffen, aber wichtig ist, sichtbar für andere Menschen zu sein, damit sie das Licht sehen können. Aktion “Weg mit dem Scheffel – Freiheit für das Licht”

    McGavran kenne ich leider nicht.

    Liebe Grüße
    Tom

  6. Matthias sagt:

    Hallo Dirk und Tom.

    Also was mir noch nicht so ganz klar: Wo ist der Unterschied zwischen “einfacher Gemeinde” und funktionierenden Kleingruppen in “herkömlichen” Gemeinden. Eine wachsende Gemeinde wird doch nie ohne Beziehungsnetzwerk auskommen.

    und dazu: “deshalb verführt die regelmäßige, klassische Gottesdienst-Variante zum bloßen Konsum, weg von den Beziehungen hin zum Programm, weg vom allgemeinen Priestertum hin zur Priesterkaste” — Das ist ein Leiterschaftsproblem…

    LG Matthias

  7. Dirk sagt:

    @Martin:
    Ich bin auch für das Zweite! :-)
    Prinzipiell ist der Ort eines Treffens egal: Kneipe, Schwimmbad, Park, Wohnzimmer… gerade darin liegt eine große Dynamik – letztlich sind wir nicht abhängig von einem bestimmten Gebäude. Spannend wird es allerdings, wenn das auch so gelebt wird.

    Ob wir noch eine große Erweckung erleben werden oder eher die Verführung überhand nehmen wird … mmh, keine Ahnung! Erweckung wäre toll. Ich kann mir auch vorstellen, dass es regional immer wieder ein Aufwachen geben wird. Skeptisch bin ich gegenüber der Sehnsucht nach einer weltweiten Erweckung – toll wäre es trotzdem.

    Von McGavran habe ich nur sehr wenig gelesen/gehört. Ich glaube, dass solche Lehrer immer auch was Gutes weitergeben, aber nicht alles gut ist. Manchmal füllen sie vielleicht auch eine Lücke aus oder stoßen die Gemeinde Christi in eine bestimmte Richtung, wobei die Richtung gut sein kann, aber deswegen nicht alles 1:1 übernommen werden muss. Was meinst Du zu McGavran?

    @Tom:
    Amen.

    @Matthias:
    Ich für mich mache den Unterschied bisher daran fest:
    Dürfte die “Kleingruppe” einer Gemeinde selbständig das Abendmahl feiern und taufen? Wie frei sind sie in ihren Entscheidungen?
    Vielleicht gibt es solche Gemeindestrukturen, die ihren Kleingruppen jede erdenkliche Freiheit lassen. Das wäre toll.
    Ich kenne bislang eher das Gegenteil:
    Die Gemeindeleitung entwirft ein Visionsprogramm und versucht es dann auf den Rest der Gemeinde zu übertragen. Manchmal wird dann sogar Druck ausgeübt.
    Die Kleingruppen sind dem Vorstand/den Ältesten verantwortlich, obwohl persönlich kaum ein Bezug besteht.
    Mitunter wird eben auch vorgeschrieben, was Kleingruppen dürfen und was nicht.

    Die einfache Gemeinde besteht schon, sobald 2-3 Christen im Namen Jesu zusammenkommen – klar, möglichst regelmäßig (Grund: nur durch beständige Partnerschaft kann das Wachstum zu Gott hin am besten funktionieren).
    Diese 2-3 können das Abendmahl feiern und dürfen taufen, ohne “ihren” Pastor fragen zu müssen. Das ist allg. Priestertum aller Gläubigen.
    Diese 2-3 entdecken zusammen, was es heißt, Gemeinde zu leben und versuchen, das umzusetzen.

    Noch ein Unterschied ist m.E. der Schwerpunkt eines Gemeindelebens: viele der klassischen Gemeinden haben natürlich auch Beziehungen, sonst würde es nicht laufen. Aber ihr Schwerpunkt ist das Gemeindeprogramm.
    EInfache Gemeinden basieren auf den Beziehungen. Die Beziehungen sind das Programm. Vielleicht entwickelt sich aus Beziehungen auch mal ein Programm – denn wie gesagt: es geht ja um den Schwerpunkt und nicht das Entweder-Oder.

    Gby,
    Dirk.

  8. Matthias sagt:

    @Dirk:

    Soweit klar. Was du beschreibst sind Syntome “kranker” Gemeinden(z.B. Hierachisch, Machtmenschen in der Leitung, konzentration auf Programme und nicht auf die Menschen). Zum Glück kenne ich auch Gemeinden die sich positver entwickelt haben als deine Beschreibung.
    Aber jetzt kann ich “Einfache Gemeinde” besser einordnen. Es ist der Wunsch “einfach” Gemeinde zu leben, zu taufen, Abendmahl zu feiern, Lobpreis zu halten etc. Verständlich.

    Matthias

  9. Tom sagt:

    Hallo Matthias,

    vielleicht noch ergänzend: http://de.wikipedia.org/wiki/Hauskirchenbewegung

    Insbesondere vielleicht der Punkt “Merkmale einer Hauskirchenbewegung”

    Viele Grüße
    Tom

  10. Martin sagt:

    neben der party-variante gibt´s dann ja auch noch die themenabend-variante, wo man z.b. über thema xxx spricht. bei uns zuhause hamse angefangen, kleine seminare über erziehungsfragen für eltern anzubieten

    martin

  11. Martin sagt:

    “Vielleicht gibt es solche Gemeindestrukturen, die ihren Kleingruppen jede erdenkliche Freiheit lassen. Das wäre toll.”

    soweit ich weiß, haben die freunde aus der vineyardbewegung von der berlin/brandenburgischen kirche freiheit zugesprochen bekommen, abendmahl in ihrem kreisen zu feiern

    martin

  12. dikosss sagt:

    @Martin:
    Ich kenne die Hacksteins von der Vineyard-Berlin ein bisschen und Ihre Motivation, in der Landeskirche zu sein. Ich kann das sehr gut stehen lassen, würde für mich diesen Weg aber nicht mehr sehen (wiewohl ich ihre Werte super finde!). Die Vineyards hatten vor paar Jahren durchaus die Möglichkeit, Freikirche zu sein, bevorzugten aber den Beitritt zur Landeskirche. Nach meinem Dafürhalten begibt man sich damit automatisch in die vorprogrammierte Spannung zwischen einem menschlichen System und den Erkenntnissen aus der Bibel.

    @alle:
    Wir wissen, dass es “bessere” und “schlechtere” Gemeinden gibt. Die meisten dieser “besseren” und “schlechteren” Gemeinden kennen wir wahrscheinlich mit der klassischen Struktur: die sonntägliche Versammlung als zentrale Veranstaltung, die sog. Hauskreise oder Gemeindegruppen als Ergänzung; eine Gemeindeleitung, die den Kurs entwickelt und der Pastor, der einfach ein wichtiger Mann ist.
    Ich frage mich allerdings, ob das Modell der einfachen Gemeinde näher am biblischen Bild ist, wenn ich mir solche Schlagworte wie “allgemeines Priestertum aller Gläubigen”, “dienende Leiterschaft”, “nur Jesus als Herr”, wenn wir zusammenkommen, soll sich jeder einbringen … bewusst mache.

    Worauf ich hinaus will:
    Könnte es sein, dass es nicht nur darum geht, sich mit den verschiedensten Modellen zu achten, sondern dass es vielleicht auch darum geht, welches Modell den biblischen Aussagen am nächsten ist?

    Gby,
    Dirk.

  13. Deborah sagt:

    //Worauf ich hinaus will:
    Könnte es sein, dass es nicht nur darum geht, sich mit den verschiedensten Modellen zu achten, sondern dass es vielleicht auch darum geht, welches Modell den biblischen Aussagen am nächsten ist?//

    Es geht nicht um ein Modell. Es geht darum, dass Gemeinde natürlich wachsen kann. Erinnerst du dich an die Geschichte in der Jakestory: man kann keine Raupe in ein Schmetterlingsmodel(l) pressen und sagen, nun fliege. Dabei stirbt sie. :-( (

    Sie trafen sich hin und her in den Häusern…. normales Alltagsverhalten……”hey, kann ich mal eben reinkommen, ich muss dir was tolles erzählen, das ich mit dem HErrn erlebt habe. – Jep, passt gerade. ……erzähl, erzähl ….. Preis dem HErrn, das ermutigt mich auch. Möchtest du nicht heute Abend zum Abendessen dazukommen? Wir haben Gäste, die Jesus noch nicht kennen…..dann erzähle bitte nochmal. ……. Ja, gerne. Bis dahin weiss ich auch wie weit Dirk mit seiner Bibelarbeit zum Thema XY ist und wir uns mal wieder zum Bibelstudium treffen können……..

    Modell: … hey, kann ich mal eben reinkommen und….. ….nöö, keine Zeit, muss in die Gemeinde. Willst du mitkommen? Du kannst ja den Pastor fragen, ob er Zeit hat, deine Geschichte zu prüfen und dir für Sonntag Freiraum für ein Zeugnis gibt…….

    lg
    Deborah

  14. Dirk sagt:

    Hi Deborah!

    Vielleicht passt dann das Wort “Modell” nicht.
    Aber es geht um Prinzipien aus dem Wort Gottes: allg. Priestertum, keine Hierarchie (außer die zu Jesus hin) …
    Die Umsetzun kann in der jeweiligen Kultur ganz unterschiedlich aussehen.
    Und doch habe ich den Eindruck, dass es Wege gibt, die den Prinzipien mehr entsprechen als andere Wege.
    Z.B. die Anstellung eines “Profis” in der Gemeinde wird m.E. automatisch dazu führen, dass dieser Mensch mehr im Mittelpunkt sein wird. Ist logisch, denn er hat ja auch mehr Zeit zur Verfügung als manch andere.
    Und unsere Beobachtung zeigt, dass Aufgaben dann schnell auf diese Person abgewälzt werden bzw. diese Person sich auch als wichtig erachtet. Das wiederum fördert die Konsumhaltung der Gemeinde.
    Ähnlich dürfte es sein mit dem Kauf eines Gemeindehauses, mit der Gründung eines Vereins, mit der Einrichtung einer zentralen sonntäglichen Versammlung …
    wie geschrieben:
    es gibt sicherlich Zeitpunkte, in denen all das auch Sinn haben kann.
    Aber oft führt es in den Weg der klassischen Gemeindestruktur, die mehr darauf angelegt, menschliche Hierarchien zu fördern.

    Ich kann mir auch vorstellen, dass es bezahlte Pastoren gibt, die wirklich einen dienenden Weg gehen und andere zum Verkündigen ermuntern oder einfach dazu, ihre Gaben einzusetzen. Jemand, der nicht immer vorne steht, sondern hilft, andere freizusetzen.
    Ich kann mir auch vorstellen, dass eine Vereinssatzung hilfreich sein kann (spätestens dann, wenn eine Gemeinde vor dem Staat ihre Finanzen verantworten muss).
    Ich kann mir vorstellen, dass ein Gemeindehaus Sinn machen kann, wenn es wirklich offene Türen für die Nachbarschaft hat und eher ein Kiez-Zentrum ist als ein neuer Tempel für Christen.

    Aber weil diese Aspekte (Haus, Pastor, Verein…) sehr nach herkömmlicher Gemeindestruktur aussehen, ist die Gefahr m.E. größer, dass man dann auch entsprechend lebt.
    Alles andere (sozusagen: diese Aspekte ohne das herkömmliche Gemeindemodell) erfordern scheinbar eine große Reife und das konsequente Befolgen der eigenen Erkenntnis.

    Was meinst Du?

    Gby,
    Dirk.

  15. Matthias sagt:

    @Dirk:

    Irgendwie scheinen es dir die menschlichen Hierarchien angetan zu haben. Hast Du so schlechte Erfahrungen gemacht? – Wenn ich an die Pastoralbriefe denke, dort sind auch ganz klare Hierarchien zu entdecken. Strukturen die der Gemeinde dienen sollen. Es werden Älteste und Diakone eingesetzt. Wir finden in der Bibel die Ermahnung von Paulus, dass Pastoren, die im Dienst stehen, ausreichend von der Gemeinde versorgt werden. Und, um es mal weiter zu spannnen, man findet Ansätze von Gemeindeordnungen und begegnet auch dem Thema Gemeindezucht. Das ist ohne Hierarchie nicht möglich.

    Modell: Ich glaube, dass keins der Modelle irgendwo näher und weiter weg von einem biblischen Befund sind und ich glaube, dass jedes Modell Leiter braucht die in großer Reife und in Verantwortung vor Gott Menschen fördern, seelsorgerisch Handeln und Leitung wahrnehmen.

    Kultur: Unsere Gesellschaft besteht aus sovielen unterschiedlichen Kulturen und Milieus. Konsequenz daraus ist, wir brauchen ebensoviel Gemeindemodelle wir Kulturen und Milieus. Das gibt es kein besser oder schlechter, keine näher oder weiter weg von der Bibel.

    Matthias

  16. dikosss sagt:

    Hi Matthias!

    Ja, ich habe ein paar Erfahrungen gemacht und war selber in diesem hierarchischen System drin (und vielleicht immer noch?).

    Meine aktuelle Erkenntnis ist, dass es in der Bibel nur eine Hierarchie gibt: die zu Jesus Christus hin. Er ist der Herr des Leibes und nicht ein Mensch.

    Was sind die Befugnisse der Ältesten?
    Sie haben keine.
    Ich entdecke im NT nur Pflichten, die darauf hinauslaufen:
    Dienen.
    Und wie dient man?
    Indem man sich zum Kleinsten macht.
    Gleiches gilt m.E. für Diakone.

    Also, wenn es eine Hierarchie in der Gemeinde geben sollte, dann die, dass die Ältesten ganz unten stehen.
    Die Praxis etlicher Gemeinden sieht allerdings anders aus.

    Auch die Verse im NT zum Thema “Gemeindezucht” haben immer mit der ganzen Gemeinde zu tun. Es wird nie den Ältesten empfohlen, jemanden zu “züchtigen”, sondern wenn, dann ergeht diese Weisung an die gesamte Gemeinde.

    Das ist allgemeines Priestertum aller Gläubigen.

    Was die finanzielle Versorgung von Ältesten betrifft, sehe ich das Gleiche wie Du: Älteste, die besonders schuften, sollen von der Gemeinde versorgt werden.
    Auch Paulus, als Apostel, nahm manchmal Spenden entgegen.
    Jesus lebte durch die Spenden anderer.
    Ich sehe eine Gefahr, wenn der Fokus nur auf einen Pastor gelegt wird. Zum einen besteht die Gefahr, dass der Gedanke hochkommt: “Na, schließlich wird der dafür bezahlt!” und zum anderen bezieht sich die finanzielle Unterstützung m.E. eben nicht nur auf den Pastor, sondern letztlich auf jeden Christen, der sich besonders gut und intensiv im Reich Gottes einsetzt.
    Dennoch darf uns diese Gefahr nicht abhalten, aber wir sollten darum wissen, um Gemeinde nach Gottes Plan zu leben.

    Gby,
    Dirk.

  17. matthias vs. bergemensch » Blog Archive » Nachgelegt sagt:

    [...] durch diese Diskussion lege ich nochmal Moltmann nach. In dem Kapitel geht es um “die Christenheit in den [...]

  18. Matthias sagt:

    @Dirk:

    dito.

  19. Deborah sagt:

    @Dirk: es geht um die Haltung hinter dem Wort Modell (Rad). Es ist nicht einfach aus dem gewohnten Denken und der Prägung auszusteigen. Ich sage es mal plastisch-praktisch: solange du im Zentrum des Rades stehst, stehst du unter oder auf allen Denkmustern, die zum Rad gehören. Steigst du aus dem Rad aus und stellst daneben in die Leib-Gemeinde-Vorstellung, dann stehst du unter(auf) neuen Gedanken, die zu diesem Platz gehören und die sich dann offenbaren.

    Mit einem Bein hier und dem anderen da zu stehen, das wird nichts. Richter 5,16

    @matthias… Der Abschnitt von Moltmann gefällt mir. Das drückt es aus.

  20. Dirk sagt:

    @Deborah:
    Vielleicht musst es mir nochmal erklären. Bin nicht sicher, ob ich Dich gerade richtig verstehe.
    Ich versuch’s mal so:
    Meinst Du, dass es keinen Sinn hat, sich über das “beste” Gemeindemodell den Kopf zu machen, weil es eben nicht um DAS Modell geht, sondern um bestimmte Prinzipien, die bei Befolgung automatisch eine Gemeinde formen werden?

    Gby,
    Dirk.

  21. Deborah sagt:

    Ja, es geht in keinem Fall um ein Modell und nur um ein einziges Prinzip: das dreifache Liebesgebot (Gott lieben, sich lieben, den Nächsten lieben).

    Eine praktische Darstellung, die HSP entgegenkommt:
    Probiere doch mal eine Standortveränderung aus ähnlich wie in der systemischen Familientherapie. Stell dich wirklich real in einen anderen Platz. Mach dir einen symbolischen Platz Z.B. a) ein längliches Handtuch, weil eine Person ja lang ist (Leib Christi), wozu du gehörst. b) einen Kreis für die Radgeschichte auf dem Handtuch platzieren.
    Du stellst dich nun in den Kreis auf dem Handtuch (also deine bisherige Situation und Stellung dargestellt). Dann trittst du aus dem Kreis heraus (immer noch auf dem Handtuch=Leib Christi) und entfernst den Kreis. Dann erlebst du gefühlsmäßig, was ich versuchte mit Worten zu erklären in der praktischen Ausführung als Sicht- und erlebbare Darstellung , denn es ist ja ein “unsichtbarer” Ort, das im Leib Christi Sein.

    Kompliziert? ;-)

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