Interessant

By dikosss

Heute Abend:
Mischung aus geistlichem Input, Gespräch, Diskussion und Poker-Spiel.
Ein paar Teamer waren dabei.
Ich stellte die Idee der Hausgemeinde vor.


Der Brocken scheint schwerer zu verdauen zu sein, als ich dachte.

Es fielen Begrifflichkeiten wie (sinngemäß):
” Na, aber einen richtigen Gottesdienst brauche ich schon.”
Oder:
” Da hält man uns ja für eine Sekte!”
Oder:
” Wie soll denn da Evangelisation funktionieren?”

Berechtigte Fragen und Einwände.
Mir scheint’s, dass ich den Zahn noch nicht ziehen konnte.

Mir fällt nur auf, wie sehr wir vom klassischen “Tempelchristentum” geprägt sind.
Man ahnt zwar die Freiheit und Vorteile einer Hausgemeinde, aber hegt Befürchtungen wegen mancher Planlosigkeiten und einer gewissen permanenten Unsicherheit – was den menschlichen Machbarkeitsbereich betrifft.

Dass Gottesdienst jederzeit ist (mal schlecht, mal recht),
dass mancher weniger auf “Sekten” schimpft, sondern auf die etablierte Kirche,
sind Realitäten, denen wir uns erstmal stellen müssen.

Ich verstehe durchaus den Einwand, dass die Gefahr besteht, dass man sich als Hausgemeinde nur um sich selbst dreht.
M.E. ist der Dreh- und Angelpunkt die Einstellung der Beteiligten:
Wenn ich zumindest ansatzweise verstehe, dass auch eine “Hausgruppe” von Christen Gemeinde im vollkommenen Sinne ist, dann müssen diesem Verständnis auch entsprechende Folgen entspringen:
” Wenn wir Gemeinde sind, dann haben wir auch alle Rechte und Pflichten als Gemeinde.”
Falls jedoch mehr das Bewusstsein eines Hauskreises existiert, wird der Tanz um sich selbst das Normale sein.
D.h.: Die Qualität einer Hausgemeinde ist gleichzusetzen mit dem Bewusstsein als “Gemeinde” oder als “Hauskreis” (wobei der letztere totale Berechtigung hat und damit qualitativ sehr hochwertig sein kann; aber vor dem Hintergrund des Themas “Hausgemeinde”, wäre das “Hauskreis-Bewusstsein” zu wenig).

Wie Evangelisation zu geschehen hat, ist neben dem Identitätsbewusstsein ein anderes Thema.
Wie evangelisierten die ersten Christen?
Sie lebten als Gemeinde.
Andere wurden neugierig oder wurden in Beziehungen mit dem Evangelium konfrontiert.
Der “Weg” der Mission entspricht in dieser Hinsicht der Formel “Jeder kennt jeden über 6 Ecken” (pm-magazin.de). Die Verbreitung des Evangeliums läuft “automatisch” durch das Leben als Christ über die vorhandenen Beziehungen.
Ein anderer Weg sind solche Berufenen wie der Apostel Paulus, die manchmal alleine, aber in der Regel mit anderen umherziehen, um vom Evangelium zu erzählen. Es wird die öffentliche Konfrontation gesucht. Interessierten wird die Sache mit Jesus sodann näher erklärt und sobald einige zum Glauben kommen, entsteht Gemeinde.
Auch das ist von Hausgemeinden relativ simpel zu leisten:
Ein Grillfest mit Tofu-Burgern (oder richtigem Fleisch), ein Pokerabend, ein Videoabend, ein Brunch … man lädt die Leute aus der Hausgemeinde ein, man lädt ein paar Kumpels ein … und es können auf ganz normalen Weg Beziehungen entstehen.
Und wenn dann niemand über Jesus redet?
Na, dann halt nicht (vielleicht hat dann der Wein gefehlt?).
Und wenn man nur noch Christen kennt?
Dann ist entweder Erweckung ausgebrochen oder man muss sich aus seinem frommen Ghetto lösen.

Und wenn die Hausgemeinde entdeckt, dass da jemand ist, der eine besondere “Außenbefähigung” hat?
Dann wird sie diesen Menschen seelisch, geistig und materiell so unterstützen, damit dieser Mensch seiner Berufung als Evangelist, Apostel oder sonstwas nachkommen kann.

Und was ist mit den “Gottesdiensten”?
Gottesdienst ist jederzeit.
Falls aber jemand die Versammlung von Christen meint, die eine “Hausgemeinden-Größe” übersteigt, dann plädiere ich für das zweite Standbein:
Wir brauchen die cell (Hausgemeinde) und wir brauchen die congregation (öffentliche Feierversammlung).
Abgesehen davon, dass das das erste Modell der Jerusalemer Gemeinde ist (Treffen in den Häusern und im Tempel), und abgesehen davon, dass ich gerade 3x hintereinander “das” geschrieben habe, wobei ein “das” sogar ein zweites “s” beanspruchen konnte,
veranschaulichen die cell und die congregation das:
Die Nähe Gottes und die Größe Gottes – die Immanenz und die Transzendenz Gottes.
Ich plädiere dafür, diese zwei “Beine” in Aktion zu setzen und beide Elemente als gleichberechtigte, sich-ergänzende und nicht-konkurrierende Elemente zu sehen.

Eine Gemeinde, die nur eines der beiden Elemente verfolgt, könnte einseitig werden.

Die Hausgemeinde lebt letztlich von der geistlichen Ausrichtung der Beteiligten.
Hier ist nichts zu dirigieren und zu herrschen.
Die öffentliche Feierversammlung muss viel mehr organisiert werden. Das erfordert einige Ressourcen.
Aber es wird schließlich die Größe Gottes gefeiert.
Hier sind im besten Fall die Leiter-Begabten am Zug, die die Hausgemeinden vernetzen können.

Während in der Hausgemeinde das gegenseitige Geben und Nehmen betont wird,
stellt die öffentliche Feier die Aktion Weniger dar und den Konsum Vieler.
Letzteres positiver formuliert:
Die Begabten geben und viele werden beschenkt.

Ich meine, dass wir beides brauchen,
wobei immer klar sein sollte, dass die Hausgemeinde das Wesentliche dabei ist.

Wie dem auch sei:
Wir haben die Pokerrunde vorzeitig abgebrochen, weil das Baby einer “Teamerin” in’s Bett musste.

Schlagworte: , , , , , , ,

4 Antworten zu “Interessant”

  1. Liebe Hausgemeinde, « dikosss sagt:

    [...] ähnliches Argument hatte ich erst gestern [...]

  2. Don Ralfo sagt:

    Super Artikel, gefällt mit gut!
    Bin genau wie Du der Meinung, daß beide Formen von Gemeinde ihre Berechtigung, ihre Vor- und Nachteile haben. Manchmal gelingt es sogar, sie zu verbinden, was möglicherweise die Effizienz für das Evangelium noch erhöht.
    Gruß
    Ralf

  3. Deborah sagt:

    Zitat: dass das das erste Modell der Jerusalemer Gemeinde ist (Treffen in den Häusern und im Tempel),//

    Bitte schau da nochmal genau hin: das war die Übergangszeit, in der du dich gerade befindest. sie sind dann aus dem Tempel vertrieben worden und trafen sich nur in den Häusern,…….
    Ich habe so eine Ahnung, dass sie sich voll aus dem Tempel lösen mussten, um nicht eine gleiche Form abzukupfern, bevor sie später wieder grössere gemeinsame Versammlungsräume in Wohnhäusern, Höhlen (Antakya) und Schulen hatten. Die neuen “Tempel” kamen mit Konstantin.

    Haben deine Teamer auch “die Wildgänse” gelesen? Können sie dir in deinen inneren Veränderungen folgen?

    Deborah

  4. dikosss sagt:

    Ist natürlich sowieso immer die Frage, wie wir die Apg hermeneutisch betrachten dürfen und welche Schlussfolgerungen wir ziehen dürfen.
    Möglicherweise geht es gar nicht um die Botschaft: “Trefft Euch nur im Tempel, nur in den Häusern – oder beiderorts!”

    Möglicherweise geht es einfach darum, DASS sich die Christen im Namen Jesu treffen. Egal wo.

    Wenn wir Christus ähnlicher werden sollen, dann sehen wir auf das Ziel hin: auf JC => Er hatte überall Versammlungen, öffentliche Massenveranstaltungen und winzige Haustreffen.
    Vielleicht ging es Ihm gar nicht um den Ort, sondern um die Menschen.

    Leider sind wir Christen selten so flexibel und wesentlich wie Jesus.
    Wir ziehen nicht mit einem sichtbaren Messias mit.
    Viele gehören eher zu den Christen, zu denen Jesus sagt: “Geh’ zurück in Deinen Ort und lebe dort das Christsein.”

    Ob “Tempel” an sich eher abzulehnen sind, weiß ich noch nicht.
    In dem einen bin ich mir sicher: Nur “Tempelversammlungen” zu haben, ist einseitig und in letzter Konsequenz vielleicht sogar falsch.
    Da ist die Gemeinde im Wohnzimmer wichtiger und wesentlicher.

    “Meine” Teamer haben das Buch noch nicht gelesen.
    Sind auch die wenigsten Leseratten.
    Es scheint noch ein bisschen Weg zu sein, damit wir gemeinsam in eine ähnliche Richtung schauen.
    Am Ball bleiben! :-)

    Gby,
    Dirk.

Einen Kommentar schreiben