Wann ist Gemeinde eine Gemeinde?

By dikosss

Spannende Frage. Könntest Du sie spontan beantworten?

Meinungen gibt es einige dazu.
Ich stelle mal zwei Positionen dar (im Kontext der sog. “Ortsgemeinde”), ohne zu sehr in’s Detail zu gehen:

1.Position
Gemeinde existiert dann, wenn eine bestimmte Anzahl von Christen den Willen haben, dauerhaft zusammen vor Ort “Gemeinde” zu sein.
Zusätzliche Voraussetzungen sind mitunter:
- Es muss eine Ältestenschaft existieren.
- Es sollte eine Satzung vorhanden sein.
- Es sollte ein Gemeindename vorhanden sein.
- Es sollten eigene oder angemietete Räume da sein.
- Etc.

2.Position
Gemeinde existiert zusammen an einem Ort. Jede Gruppe von Christen, die regelmäßig zusammenkommen, um zu beten, das Wort Gottes kennenzulernen, Ihn anzubeten etc. stellt Gemeinde dar.

Die Unterschiede zwischen beiden Positionen sind beträchtlich.
Nach der 2.Position wäre das, was wir im Staakener Kiez machen, schon “Gemeinde”.
Denn es käme auf den Inhalt der Treffen an und auf die Regelmäßigkeit.
Egal, ob es eine Ältestenschaft gibt.
Egal, ob wir einen Gemeindenamen haben.
Egal, ob manche sich noch bei anderen christlichen Versammlungen weiteres “Futter” holen (das könnte man als “hier und da in den Häusern” definieren).

Nach der 1.Position wären wir noch keine Gemeinde, sondern eher ein evangelistisches Projekt.

Ich merke, dass ich zur 2.Position tendiere, wiewohl das auch Kennzeichen meiner Sehnsucht sein kann und ich mich durchaus kritisch prüfen will.

Die Position 2 als Ansatz zu nehmen, widerspricht der Definition einiger Pastoren, mit denen ich gesprochen habe.
Wobei die Position 2 nicht die Position 1 ausschließt, die Position 1 hingegen schließt die Position 2 aus.
Ausgehend von Position 2 wäre die Position 1 eine vorangeschrittene bzw. verfestigte Form von Gemeinde, während die Position 2 wesentlicher dynamischer, aber auch unsicherer ist.

Ach ja – in der Diskussion darüber, wann Gemeinde Gemeinde ist, spielen auch Zahlen eine Rolle.
Ich habe gelegentlich gehört, dass man eine Gruppe von 20 Christen (wahlweise 30) eher als Gemeinde anerkennen würde, als eine Gruppe von 5. Mmhh…

Nun – ich hatte zwar das Fach “Ekklesiologie” – aber irgendwie kam für mich rüber, dass der Inhalt entscheidend ist, der durch die Quelle (=Jesus) geprägt wird und weniger die Form bzw. strukturelle Fragen.

Bin ich auf dem Holzweg?
Oder auf dem richtigen Weg, womit “die anderen” auf dem Holzweg wären?

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11 Antworten zu “Wann ist Gemeinde eine Gemeinde?”

  1. Deborah sagt:

    Petrus: Jesus, lass uns hier drei Hütten bauen (nach der Verklärung).

    Jesus: lass den Quatsch, Petrus! Sei ein mobiler Stein!

    :-D

    Eine jüdische Gemeinde konnte gegründet werden mit 10 religionsmündigen Männern. ;-)
    http://www.judentum-projekt.de/religion/synagoge/index.html

  2. Matthias sagt:

    “Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen”

  3. Deborah sagt:

    Du sagst es, Mathias. Dazwischen kommt noch das deutsche Vereinsrecht, nachdem man ab 7 Personen einen Verein gründen kann. ;-)

    10-7-3-2 Jesus bringt es, wie immer, auf den Punkt. Wobei ich es so verschärfen könnte: Jesus und ich sind auch 2 und dort wo sonst keiner ist, sichtbare (Teil)Gemeinde Gottes auf Erden.

    Leider hat das Wort Gemeinde zwei Inhalte (siehe 1. und 2.) und bietet damit vorzügliches Potential treffsicher aneinander vorbeizureden.

    Im Kiez besteht also eine Gemeinde, die vor der Entscheidung steht, sich eine Rechtsform (e.V., KdöR Staatsgebilde Landeskirche,…..) zu geben oder nicht. :-)

  4. Martin DJ sagt:

    hallo … las hier eure gedanken und musste an das buch denken, dass ich vor zwei tagen von frost&hirsch las … in “die zukunft gestalten” stellen sie folgende interessante frage … ich bringe sie hier in die diskussion ein: wie würde gemeinde aussehen, wenn sie kein gemeindehaus mehr hätte, wenn sie sich nicht mehr am sonnatg treffen könnte und wenn es keinen pastor oder eine klare leitungsebene hätte?

    ich hab da auch so meine fragen und leider noch keine vollkommen befriedigenden antworten

    grüße herzlich
    martin

  5. dikosss sagt:

    @Martin DJ:
    Zu der Frage von Frost&Hirsch passt vielleicht das Buch “Der Schrei der Wildgänse”, in dem romanhaft erzählt wird, wie Gemeinde frei werden kann von hinderlichen Strukturen. Fiktiv, aber nicht unrealistisch.

    Ich denke:
    Wenn es kein Gemeindehaus mehr gäbe, wäre das Wohnzimmer das Gemeindehaus.
    Wenn man sich nicht mehr am Sonntag treffen könnte, wären es andere Tage.
    Wenn es keinen Pastor gäbe, gäbe es Christen mit der Gabe des Hirten, des Lehrens, der Prophetie etc. – die sich gegenseitig dienen und erst durch dieses Miteinander in ihre Berufung hineinfinden.

    Keine klare Leitungsebene …
    ich bin “infiziert” mit Büchern über Leiterschaft.
    Klar, sie haben ihren Sinn und helfen hier und da.
    Aber die Schwierigkeit ist vielleicht, dass wir dazu neigen, Dynamisches festnageln zu wollen.

    Das führt dann dazu, dass es “diese eine” Leitungsstruktur bei uns gibt, dass einer der Pastor ist, auf den man mehr hört als auf andere (Hierarchie-Denken), dass man erst Gemeinde ist, wenn man einen eigenen Raum hat und eine Homepage.

    Nix gegen klare Strukturen. Solange sie helfen, das Leben zu fördern, sind sie gut.
    Aber leider werden sie scheinbar schnell zum Selbstzweck und zum Hindernis für das Leben.

    Allerdings:
    Wenn wir eine mehr dynamische Sichtweise von Gemeinde verfolgen, dann wird’s unsicher! :-)
    Und das mögen wir nicht, weil wir gerne “kontrollieren”.

    Vielleicht ist das einer der Kernkonflikte:
    Wir wollen den Überblick haben, wir wollen kontrollieren, wir wollen den Ton angeben und verhüllen das manchmal in solche Sätze wie “Ich sorge mich nur um die Schäflein der Gemeinde” …
    aber ist nicht Jesus der Herr, der kontrolliert?
    Soll nicht Gott derjenige sein, der den Ton angibt?

    O Mann – das Thema fühlt sich gut an – aber schwammig! :-)

    Gby,
    Dirk.

  6. Martin DJ sagt:

    hallo dirk … vielen dank für die rückmeldung … oh, ja! fühlt sich supergut an das thema und wirklich richtig schwammig … ich bin ebenso infiziert mit leiterschaftsbüchern … gestern erst hab ich das neue von leo bigger aus dem icf bestellt … ich wünsche mir sehr, dass ich zu diesem thema noch viel lernen kann … ich will aber gleichzeitig auf keinen fall in einen dubistderleiterdurockstdiegemeindeallesitsmöglichunddiegemeindewächstwenndudiedieunddieprinzipienanwendest – haltung verfallen … und doch: sicher braucht es auch leiter … naja, bin da selber noch am fragen

    deine antworten zu den drei fragen stimmen alle … klar … aber: erlebst du das in deiner gemeinde? in was für eine gemeinde gehst du? mir sind diese fragen alle gerade so heiß und aktuell, weil ich sehr über gemeindegründung nachdenke … können und müssen nicht die frei antworten oben von vornherein in die dna einer gemeinde eingebaut werden? ich gehe jetzt bald in den osten, meine heimat und wünsche mir nix mehr, als das gemeinde entsteht, christen wachsen … jesus, hilf

    bist du eine berliner? icke komm vom rand: woltersdorf, erkner – you know?

    herzliche grüße
    wünsche konktakt
    martin

  7. Martin DJ sagt:

    und noch eins … daran denke ich gerad rum: http://gottistmituns.blogspot.com/2008/05/was-macht-eine-kirche-den-ganzen-tag.html

    grüße martinDj

  8. Dirk sagt:

    @Martin DJ:
    Hey, super – einer aus meiner Gegend!
    Toll!

    Du schriebst:
    “und doch: sicher braucht es auch leiter”
    Sehe ich auch so.
    Allerdings ist bei mir durch diverse Leiterschafts-Literatur (und entsprechende lebende “Vorbilder”) ein Leiter-Bild entstanden, das ich mehr und mehr in Frage stelle. Wer ist der beste Leiter?
    Der, der es geschafft hat, eine große Gemeinde zu bauen?
    Der besonders redegewandt ist?
    Der den Durchblick hat?
    Wahrscheinlich weniger.
    Sondern wahrscheinlich ist der der beste Leiter, der sich am kleinsten machen kann, um anderen im Namen Jesu zu helfen.

    “erlebst du das in deiner gemeinde? in was für eine gemeinde gehst du? ”

    Aktuell bin ich noch einer Landeskirchlichen Gemeinschaft vereinsrechtlich angeschlossen. Dort erlebe ich auch Gutes und sehe dort viel Potential. Aber ich erlebe nicht das, was ich oben beschrieben habe. Tatsächlich scheinen dort andere Werte den Ton anzugeben (kein Vorwurf, sondern meine persönliche Bestandsaufnahme, bisschen wie der Arzt, der vor der Krankheitsbehandung eine Diagnose stellt): wichtig ist der Gottesdienst am Sonntag-Morgen und die Bibelstunde. Wenn man sich da blicken lässt, kann aufgeatmet werden (sozusagen der Besuch einer Veranstaltung als Gradmesser der Geistlichkeit eines Menschen).
    Vieles ist sehr programmhaft – Motto: “Wir können organisieren und dann hat es zu laufen.” Unserer menschlichen Organisationskunst wird mehr Raum gegeben als dem Wirken Gottes. Zudem gibt es eine “zentrale” Leiterschaft, mit der man Vieles abstimmen sollte und mitunter eben auf ihr “Okay” warten sollte.
    Es ist halt die uns bekannte, klassische Gemeindestruktur mit allen Vor- und Nachteilen.

    Und vielleicht ist es auch gut, dass es hier und da solche Versammlungen gibt.

    Aber mein Eindruck bleibt:
    Da ist was krank. Da fehlt was.

    Meine aktuelle Tendenz ist die:
    Wenn Du wieder in den Osten gehst (Halleluja! :-) ), dann lebe gleich Gemeinde. Zu 2. oder 3.
    Geht nicht nach den mittlerweile üblichen Gemeindegründungsschemata vor, sondern habt den Mut, “einfach” als Christen zu leben. Natürlich betend, damit Gott viele Chancen schenkt, um Menschen kennenzulernen – ich wage es mal so zu sagen (habe aber selbst meine Ängste im Rücken!):
    wenn wir uns Gott zur Verfügung stellen, wird Er es immer in Segen verwandeln. Vielleicht läuft es dann anders, als wir es planten oder wollten (was sehr enttäuschend sein kann) – aber es läuft dann nach Gottes Plan. Und was anderes wollen wir nicht.

    Melde Dich mal, wenn Du wieder in der Region bist!
    Gby,
    Dirk.

  9. Martin DJ sagt:

    na … das wenige, was ich hier von dir bisher gelesen habe, gefällt mir gut … lass uns in kontakt bleiben … ich bin ab oktober in zerbst/magdeburg … dann gehörst zum berlin/brandenburgischen gemeinschaftswerk? kennst du frieder schäfer? und friedhelm geiß? und die Oase in woltersdorf? das wäre ja was

    soweit
    bleiben am ball und bei jesus
    marti grüßt

  10. dikosss sagt:

    @Martin DJ:
    Du kennst Dich aus! :-)
    Noch bin ich Mitglied im GWBB, kenne Frieder und Friedhelm und die Oase (kannte auch Traugott und jetzt den Jojo in Spandau).

    Bist Du etwa ein GWBB-Kind? :-)

    Gby,
    Dirk.

  11. Martin DJ sagt:

    bin aus woltersdorf

    seit 5 jahrem bibelschule adelshofen
    gerade anerkennungsjahr
    in den kreisen der gwbb unterwegs

    grüße
    martin

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