Warum der Aufwand?

By dikosss

In diesem ersten “offiziellen” Jahr des Staaken-Projekts hatte ich schon einige Tiefpunkte – mehr als in meinen Jahren davor. Von Zweifeln, über “1-2-Tages-Depressionen” bis hin zu Sorgen. Hab’ mal über christliche “Pionierarbeiten” gelesen, dass solche Empfindungen normal seien. Ein erfahrener Gemeindegründer meinte, dass er noch immer Antidepressiva zu sich nehmen würde. Manche der anwesenden Zuhörer lachten – aber ich glaube, dass das kein Scherz war.

Eine Frage kommt bei mir immer wieder:
Warum eigentlich dieser Aufwand?
All diese Reibereien – ohne Bezahlung?
Bist Du jetzt völlig durchgeknallt?

Auch wenn ich mich relativ nüchtern sehe, so würden wohl einige Menschen (Nichtchristen wie Christen) sagen, dass ich bekloppt sei. Oder fanatisch. Wenn ich mal ähnliche Kommentare höre, dann tut das weh. Schließlich bin ich ein “Harmonie-Fan” und emotional gefärbte Kritik hat bei mir den Effekt, dass ich mich sofort in eine Höhle zurückziehen möchte. Nur ich und die Höhle. Na, gut: ein Fernseher und Rotwein dürfte auch dabei sein.

Also: Warum mache ich das?

Ich gebe mir selbst immer wieder die gleichen Antworten (ja – ich führe im Kopf Selbstgespräche! Bin halt ein Kloppi! :-) ).

Und meine Antworten sind:

* Gottes Liebe hat mich berührt.
Ich kann Gott nicht beweisen. Und die paar Indizien, die es für Gott gibt, die kann man immer wieder hinterfragen (so, wie man auch jede andere Weltsicht hinterfragen kann).
Aber in mir ist eine tiefe Gewissheit, nahezu vergleichbar mit einem “überzeugten Wissen”, dass der Weg mit Jesus tatsächlich der einzig Richtige ist.
Erziehungstechnisch und ausbildungstechnisch bedingt, bin ich ein Grübler und Skeptiker.
So eine Gewissheit kann ich mir nicht “machen”.
Meine einzige Erklärung ist die:
Es ist wirklich der Geist Gottes, der in mir (wie in jedem anderen Christen) lebt.
Er “macht” die Gewissheit.

Gottes Liebe hat mich auch durch einige wenige Momente meines Lebens berührt.
Es gab diese Handvoll von Momenten, in denen es absolut klar war: Gott ist gegenwärtig. Ein totaler Friede. Ein himmlisches Glücksempfinden.
Diese Erfahrungen hatte ich noch nie im Zusammenhang mit Sex, Jogging, Drogen oder Schokolade gehabt – nur im Zusammenhang mit Jesus Christus.

Ich will für Jesus leben.
Seine Liebe hat mich berührt.

* Gottes Liebe will auch andere Menschen berühren.
Ich wünsche jedem Menschen diese Gotteserfahrungen.
Sie sind befreiend, kraftvoll, friedlich, erfüllend – eben göttlich.
Diese Erfahrungen verändern.
Ich bin nicht unbedingt ein besserer Mensch geworden, aber ein heilerer Mensch.
Ich habe noch immer unzählige Macken und Fehler, aber ich weiß nun, worauf es im Leben ankommt:
Gott zu lieben, weil Er mich liebt – und andere Menschen zu lieben, weil Gottes Liebe mich zum Anderen führt. Es gibt nichts Höheres.
Deshalb wünsche ich auch den Menschen hier im Kiez solche heilenden Gotteserfahrungen.
Dafür soll Gemeinde da sein.

* Gott hat mir “Vision” gegeben.
Wie geschrieben: Ich bin tendentiell skeptisch. Hinterfrage mich selbst. Halte mich zurück, wenn vom “Reden Gottes” gesprochen wird. So ist ein Schnupfen für mich erstmal ein Schnupfen und kein Zeichen des göttlichen Gerichts über mich. So ist ein Kommentar eines anderen Christen zunächst eine persönliche Meinung und keine Prophetie (das muss eben im Einzelfall geprüft werden).
Aber vor etlichen Jahren betete ich für die kaputten Menschen in der Großstadt und musste dabei weinen. Hatte ich noch nie zuvor gehabt. Mein Herz war berührt.
Dann fuhr ich eines Tages am Kiez vorbei und es entwickelte sich der Gedanke: “Gott will sich hier eine geistlich gesinnte Gemeinde bauen, die Ihn lobpreist.”
Ich fühlte mich berufen. Ich war fasziniert, wiewohl ich mich nicht als die klassische “Front-Sau” sehe, sondern eher als den nach Innen arbeitenden Seelsorger und Prediger.

In den Folgejahren betete ich immer wieder für den Kiez: alleine oder mit 1-2 anderen.
Und immer wieder kamen Bibelverse in den Sinn. Z.B. Jesaja 44,8. Und ähnliche. Und sehr oft das gleiche Thema: Gott will Sein Volk befreien. Er wird es tun.
Ich wusste vorab nie, was sich hinter den Versangaben verbirgt. Kann die Bibel halt nicht auswendig.
Aber genau das überzeugte mich: Dass diese Vielzahl von Versen stets das gleiche Thema hatten.
Das hatte ich mir nicht ausgedacht. Das konnte kein Zufall mehr sein. Dafür waren es zu viele passenden “Eingebungen”.

Deshalb der Aufwand.
Auch ohne Geld.
Trotz mancher Kurz-Depression.
Trotz mancher Tränen und Ohnmacht.

Ich “kann” nicht anders.
Theoretisch schon – aber das würde mein Leben zerstören, denn ich käme mir dann wie jemand vor, der Gott in den Hintern tritt und sagt: “Hau’ ab!”
Bei manchem Frust – aber das krieg’ ich nicht hin.

Ich will auch nicht mehr anders.

Der einzige, der mir den Weg versperren kann, ist letztlich Gott.
Wenn Er mir einen anderen, neuen Weg weist, dann werde ich wohl mit Herzschmerz das Zelt abbrechen. Aber in der Hoffnung, dass Er was Besseres parat hat.

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