Gestern war die Teamsitzung im Rahmen unseres Projektes in Staaken.
Es war gut und (aber) gab mir einiges zum Nachdenken mit.
Gut ist es, dass sich doch einige klar zu diesem Projekt “bekennen”. Sie teilen die Vision. Sie wollen was voranbringen. Das Herz dafür ist da.
Allen ist deutlich: Sich nur im Kiez zu treffen … das alleine ist es nicht.
Der Wille, um auch auf der Straße was Gutes tun zu können, ist da.
Nachdenken und beten werde ich nun über dieses:
Das Kernteam ist noch immer recht klein.
Kaum einer hat den nötigen Freiraum, um mehr zu stemmen.
Mancher versteht sich mehr als Dienstpartner, nur wenige als Gründungsmitglieder.
Das heißt: Eine Vereinsgründung ist kein Thema der nächsten paar Monate.
Es stellen sich dann weitere Fragen:
Ab wann sind wir Gemeinde? Spannende Frage.
Wie gehen wir mit menschlichen Ordnungen um? Wo stehen sie im Kontrast zu Jesus? Wo gibt es hilfreiche Brücken?
Brauchen wir einen Gemeindenamen? Welchen?
Welche Werte und welchen Stil verfolgen wir?
Und ganz wichtig:
Sind wir mit der bisherigen Art überhaupt in der Spur von Jesus?
Immerhin haben wir einen Raum im Kiez. Dürfen wir einmal wöchentlich nutzen.
Immerhin gibt es im Hintergrund einige Beter.
Und im Vordergrund einige “Dienstpartner”.
Immerhin kamen schon Gäste aus dem Kiez.
Immerhin überlegen einzelne Christen, ob sie sich uns anschließen wollen/sollen.
Ich merke:
Potential ist da. Da entwickelt sich was.
Ein Teammitglied betet seit einiger Zeit für die eigene Familie. Nun sind sie ca. vor einem Jahr in den Kiez gezogen, ungefähr zu der Zeit, als wir offiziell mit den Treffen im Kiez begonnen haben. Jetzt könnte es einen Brückenschlag zwischen dieser Familie und uns geben. Da passt zeitlich was zusammen.
Nur ein Beispiel dafür, dass durchaus was “geht”.
Sperrig sind solche Überlegungen wie die zur Tauffrage (s.a. frühere Einträge).
Sie “zwingen” uns, uns zu positionieren. Aber eine “orientalische” Lösung ist schon in Sicht.
Und dann noch das:
Wollen wir wirklich zuerst Erwachsene ansprechen und einladen?
Eine meiner Thesen ist, dass man mit einer Gemeinde automatisch die anzieht, die ohnehin auf einer ähnlichen Wellenlänge sind. Das heißt: Weg vom “Zauber” des Zielgruppendenkens. Es läuft eh anders als man denkt.
Aber eine Zielgruppe geht mir immer wieder mal durch den Kopf:
Die Kinder im Kiez.
Vor allem am Wochenende scheint es eine “Marktlücke” im Kiez zu geben.
Es gibt dann kaum Freizeitangebote für Kids.
Die Folge: Sie hängen auf der Straße rum.
Und:
Angebote für Kinder ziehen fast immer.
Der “Erfolg” ist fast garantiert.
Zumal wir relativ viele Teammitglieder haben, die sehr gut mit Kindern umgehen können.
Und wenn wir den Kindern etwas Sinnvolles vermitteln und ihnen einen geschützten Raum bieten, dann werden wir auch früher oder später mit den Eltern in Kontakt kommen.
Kurzum:
Eine solche Arbeit für Kinder würde dem Kiez auf jeden Fall gut tun.
Würde den Kindern gut tun.
Könnte eine große Chance sein.
Wir als Team könnten es in Anbetracht unserer Fähigkeiten auch hinbekommen.
Aber:
Es wäre sehr viel anstrengender. Nicht nur für mich. Für alle Teammitglieder.
Eine Gemeindegründung würde dadurch wohl eher noch mehr in die Ferne rücken.
Diejenigen, die die Treffen bislang als wohltuend empfunden haben, müssten sich was Neues suchen oder bereit sein, sich auf eine Hauskreis-Ebene “zurückzuziehen”.
Und:
Diejenigen unter uns, die Gemeinde gründen wollen, bräuchten neben ihrem Einsatz für die Kinder selber eine “Auftankstation”. Eben vielleicht auf Hauskreis-Ebene.
Mmhh… der Reiz ist da, aber die Unsicherheit darüber, ob das wirklich der Weg ist, ist groß.
Irgendwie überlege ich, ob ich mir (und Gott) eine Frist setze.
Wenn bis Mitte Mai nichts Entscheidendes passiert ist, dann versuchen wir einfach mal einen “Kindermonat” im Juli und schauen, wie es sich entwickelt.
Voraussetzung ist, dass das Team mitzieht.
Und dass Gott “grünes Licht” gibt.
Schlagworte: Staaken-Projekt
April 15, 2008 um 12:32
Hi Dirk,
schau mal, hab ich gerade in einer sehr alten, weil 1989 erschienenen, Gemeindegründungszeitschrift gefunden:
“Die Bibelgemeinde Gernsheim ist jetzt 20 Monate alt. Am Sonntag treffen sich
durchschnittlich 60 Personen, 35 Erwachsene und 25 Kinder, wir waren auch schon
110 im Gottesdienst. In der Woche haben wir Bibel- und Gebetsstunde und für die
Kinder Kinderstunde und Jungschar Gitarrenkreis. Männerchor, Kinderchor und
Hauskreise können zur Zeit wegen der intensiven Bauphase nicht durchgeführt
werden.”
Also ich für meinen Teil kann nur sagen, dass ich jetzt schon wesentlich länger als 20Monate unterwegs bin und das oben zitierte unvorstellbar ist.
Ich hab die Hoffnung aber noch nicht aufgegeben eines Tages ähnliche Verhältnisse vorzufinden.
Was will ich sagen?
Halt die Ohren steif, alter Knabe.
Viele Grüße und Gottes Segen
Tom
April 15, 2008 um 12:37
Ach so, dass hier ist natürlich auch interessant…
“Wie kam es zur Gemeindegründung?
Im Dezember 1987 bekam ich einen Anruf aus Gernsheim. Vier Ehepaare erklärten:
“Wir können in den Strukturen der Gemeinschaft nicht mehr weitermachen. Wir
schlossen uns vor einiger Zeit der Landeskirchlichen Gemeinschaft in Biebesheim
an, weil uns versprochen wurde, dort eine Freikirche aufzubauen, nun aber sehen
wir die Einbindung in die Kirche seitens der Gemeinschaft und viele Kompromisse,
die sich daraus ergeben. Wir glauben nicht mehr, daß aus der Landeskirchlichen
Gemeinschaft eine Gemeinde im neutestamentlichen Sinne entstehen kann. Wir
werden ab Januar nicht mehr in die Gemeinschaft gehen.”
Ich hab das jetzt übrigends nur gepostet, weil es so in deine Situation passt und ich es lustig fand, dass ich heute drüber gestolpert bin.
Frag mich aber nicht, was aus der Gemeinde geworden ist … theoretisch müssten die ja heute 2 Millionen Mitglieder haben.
April 15, 2008 um 1:23
Vereine werden gegründet, Kirchen werden gegründet. Christen gründen sich nicht auf einen Verein, sondern auf die Beziehung mit Jesus Christus.
Ich habe vor kurzem eine interessante Sichtweise gelesen, die mich anspricht. Es geht um den Vers Hebr 10,25
25 indem wir unser Zusammenkommen nicht versäumen, wie es bei einigen Sitte ist, sondern ermuntern, und um so mehr, je mehr ihr den Tag herannahen seht!
Der Ausleger schrieb, dass dieser Vers oft verwendet wird, damit die Leuts schön brav in die Kirche kommen, das wäre da aber gar nicht vom Sinn her gemeint. Sondern: dass die Beziehungen unter Christen in den Häusern nicht vernachlässigt würden, das pure Alltags- und Feiertagschristenleben in den Familien.
Nunja, vor lauter Gemeindetreffen kommen Jesus, man selbst und die Familie und die Freunde heute oft zu kurz.
Montag: Pastorenfrei, wenn keine Einzelseelsorge nötig ist
Dienstag: Ältestentreffen
Mittwoch: Predigtvorbereitung
Donnerstag: Bibelstunde
Freitag: Fürbitteabend
Samstag: Lobpreisabend
Sonntag: Gottesdienst
……
DAS hat Jesus nicht so vorgesehen, denke ich und Paulus auch nicht.
April 15, 2008 um 3:16
@Tom:
Die http://www.bibelgemeinde.info ist auf jeden Fall im neuen Jahrtausend angekommen, wie ihre Webpräsenz zeigt.
Aber laut eigener Angaben, sind sie noch etwas unter 2 Millionen Mitgliedern.
Aber man fragt sich schon, warum manche Gemeinden innerhalb kürzester Zeit aus dem Boden schießen und andere nicht. Gründe gibt’s sicher viele. Aber in Gernsheim gab es immerhin 12 entschlossene Gründer! Ist schon anders, als wenn man “nur” zu 2. oder 3. ist.
Was mich letztlich über Wasser hält, sind die Zusagen Gottes, konkret für diesen Kiez. Sonst hätte ich wahrscheinlich schon aufgegeben.
@Deborah:

Mensch, Du siehst Geistliches manchmal so dynamisch, dass man kaum hinterher kommt!
Es ist schon interessant, wer wann von Gemeinde”gründung” spricht. Für manche ist es die Einsetzung von Ältesten. Für andere der eigene Raum. Für wieder andere die Vereinsgründung …
Bislang erkenne ich in der Bibel nur diese Faktoren:
1. Jesus Christus ist der gemeinsame Nenner als Herr und Erlöser.
2. Der Wille, gemeinsam das Leben zu gestalten.
Was meinst Du?
Gby,
Dirk.
April 15, 2008 um 4:28
Ich meine. Punkt.
Im Jüngerschaftskurs haben wir das Jüngerschaftskreuz gelernt als Beispiel:
der senkrechte Balken ist die Beziehung zu Gott
der waagerechte Balken ist die Beziehung zu Geschwistern und zum Umfeld
im Kreuzungspunkt ist Jesus.
Niemand, NIEMAND, soll jemals wieder den Vorhang im Tempel zunähen, auch nicht durch einen Pastor, der den Vorhang spielt.
P.S. kann ich in deinem Blog irgendwie die Fett-Schreibung wegen Betonung hinkriegen? Grosschreiben wirkt so wie Schreien, solls aber nicht sein.
lg
Deborah
April 15, 2008 um 4:39
Hi Deborah!
Ja, ich muss zugeben:
Du hast einfach Recht!
Wenn’s dann an die Praxis geht, wird’s zum geistlichen Kampf. Möge ich nicht zaudern, aber dennoch weise und geduldig vorgehen.
Wegen der Fettschreibung:
Keine Ahnung!
M.E. gibt es dazu Tools, die man wohl nur benutzen kann, wenn man nicht eine vorformatierte WordPress-Version wie ich sie habe, benutzt.
Daher: Schreibe ruhig groß – ich halte mir dabei die Ohren zu!
Gby,
Dirk.
April 15, 2008 um 6:35
Verein ist doch nur ein rechtlicher Anbau an eine Gemeinde. Wie, wann, wo eine Gemeinde sich trifft oder welche Qualität die Beziehung zu Jesus hat ist mMn völlig unabhängig davon.
Warum sollte man die Vorteile, die einem so ein Verein bietet nicht nutzen?
Tom
April 15, 2008 um 6:49
Merhaba, Tom,
nein, Verein ist mehr, denn da steckt der römische Imperialismus und auch etwas von Mammon dahinter. Das ist eine ganz einfache und doch komplizierte Geschichte.
Da ist etwas Neues am Werden. wie es fertig aussieht, kann ich dir noch nicht sagen.
Das ausführlich zu erklären, sprengt den Rahmen eines posts.
Isa Rabbimiz seninle olsun
Deborah
April 15, 2008 um 6:51
Hi Tom!
Finde ich grundsätzlich auch, dass Gemeinde unabhängig von Vereinsstrukturen existiert. Und manchmal vielleicht sogar besser!
Ich sehe hier und da aber auch Spannungen zwischen den Erfordernissen des Vereinsrechts und manch biblischen Weisungen für ein Gemeindeleben. Im besten Fall dient eine Satzung der Gemeinde. Ich kenne aber auch Fälle, wo die Satzung das Gemeindeleben einengt.
Gut, wenn man das bei einer Vereinsgründung bedenkt.
Gby,
Dirk.
April 15, 2008 um 10:52
@Deborah
tamam, bakalim ne olacak. Merak etim.
Tanri seni bereketlesin
@Dirk
Ja, verstehe. Bin mal gespannt, wo die Reise bei Euch hingeht.
Gott segne Euch
Tom