Go on, Stammzellenforschung!

By dikosss

Unser deutscher Bundestag hat heute beschlossen:
Es dürfen frische Stammzellen importiert werden (netzeitung).

Manche Forscher freuen sich. Das Experimentieren geht weiter. Job gesichert. Und vielleicht springen ein paar “Heilungserfolge” raus. Vielleicht auch nicht – aber das soll ja erforscht werden.

Mancher Leser assoziiert: “frische Stammzellen”? “Frisch” ist immer gut.
Nur haben wir es hier nicht mit einem Einkauf in einem Supermarkt zu tun.


Der deutsche Bundestag bewegt sich auf einer fragwürdigen Linie:
Einerseits gibt es ethische Bedenken, sich an Embryonen zu vergreifen (schließlich werden Embryonen durch einen “Stammzellengewinneingreif” getötet – für alle Andersdenken: “wirklos” gemacht).
Andererseits ist unser deutsches Gut die Forschung, das Wissen, die Patente … wer will das Schlusslicht in der weltweiten Forschung sein? Und dann später teuer die Produkte bei anderen einkaufen? Nee, dann lieber selbst machen.

Der Abgleich von Ethik und Pragmatik endet dann in solchen Stichtags”lösungen”.
Das heißt: Andere dürfen die “Drecksarbeit” machen und wir kaufen nur ein.
Bisschen wie die Beziehung zwischen Fleischer und Kunden, der sein Filetsteak fein abgepackt bei Kaisers kaufen kann.

Ethisch mag man denken, wie man will – es ändert nichts daran:
Es wird das Risiko eingegangen, dass man tatsächlich zur Tötung von Menschen (Embryonen) beiträgt.
Sicher: Sicher ist das sicherlich nicht. Könnte ja sein, dass solche Embryonen keine Seele haben.
Könnte aber auch sein, dass sie eine haben.
Und darauf hat sich der Bundestag verständigt:
Dieses Risiko gehen wir ein.
Sei’s drum – es lebe die Forschung!

Eine Bitte:
Falls eines Tages solche “Gewinnmaximierungen” an Embryonen in Deutschland stattfinden dürfen, möge sich keiner beklagen, dass wir zu wenig Nachwuchs hätten, die die deutschen Abgeordneten bezahlen.

Ist vielleicht auch egal.
Bis dahin gibt’s dann die legale Sterbehilfe für Menschen ab 65.
Zwei Jahre bevor man offiziell in Rente geht.
Dann wäre das Rentenproblem auch gelöst.

Deutschland – endlich schuldenfrei und an der Spitze der Forschung.
Das wird eine Freude über die vielen Nobelpreise geben!

Und wenn sich die Embryonen hätten weiter entwickeln dürfen und hätten das Licht dieser Erde erblicken dürfen, hätten sie sich vielleicht mitgefreut.

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4 Antworten zu “Go on, Stammzellenforschung!”

  1. Dirk sagt:

    Ein Nachtrag:
    a) Noch’n Kommentar:
    http://www.brunner24.com/goodbye-menschenwurde

    b) Und was zum Abstimmen – passend zum Thema:
    http://intelligam.blogspot.com/2008/04/umfrage-zur-2-stichtagsverschiebung.html

  2. unterben sagt:

    Welche ethischen Implikationen hat denn bitte die Verschiebung eines Datums?

    Zu deinen generellen Einwänden: Es geht bei der sog. Stammzellen-Forschung auch nicht nur um “Gewinnmaximierung”, sondern darum, dass ganz konkret notleidenden Menschen geholfen wird. Deren Leben/Würde hängt von wissenschaftlichen Fortschritten ab, den man durch eine Einstelung der Stammzellen-Forschung absägen würde.

    Die Frage, was mit den gewonnenen Erkenntnissen gemacht werden soll, muss durch eine öffentliche Debatte um moralische (nicht ethische) beantwortet werden – die rein technischen Möglichkeiten haben damit erstmal nichts zu tun. Die gesetzlichen Regelungen sind ein Zeichen dafür, das ein gesellschaftlich Konsens über diese Frage herrscht. Die Abstimmung ist, soweit ich weiß, namentlich gewesen. D.h. du kannst dir angucken, ob du dein Kreuz das nächste Mal besser an einer anderen Stelle machen solltest oder ob du dich vielleicht selbst politisch beteiligst.

    Die heute beschlossene Regelung bedeutet übrigens eine Annäherung an einen europäischen Durchschnitt (soweit ich weiß haben wir nirgends sonst in der EU Stichtagsregelungen). Das heißt auch, dass internationale Kooperationen ab heute in einer besseren Form stattfinden können, als dies früher der Fall war. Du siehst vielleicht, dass es bei diesen Fragen nicht nur um das nationale Standortdünkel und wirtschaftliche Überlegungen geht.

  3. dikosss sagt:

    Hi unterben!

    Danke für Dein feedback!

    “Welche ethischen Implikationen hat denn bitte die Verschiebung eines Datums?”
    Das ist sicherlich abhängig davon, was mit einem Datum inhaltlich verknüpft ist. In diesem Fall: Eine fortgesetzte Bestätigung der bisherigen Verfahrensweise.

    “Es geht bei der sog. Stammzellen-Forschung auch nicht nur um “Gewinnmaximierung”, sondern darum, dass ganz konkret notleidenden Menschen geholfen wird.”
    Da hast Du Recht – insoweit wäre “Gewinnmaximierung” nicht nur rein wirtschaftlich zu verstehen (deswegen die Anführungszeichen im Text).
    Du weist zudem auf einen Punkt hin, den man zugespitzt auf diesen Vergleich beziehen könnte: Ist es legitim, einen Menschen zu opfern (vorausgesetzt, man definiert einen Embryo als werdenden Menschen), um eine Vielzahl anderer Menschen zu retten?
    Schwierige Frage (besides: Gott hat’s durch JC getan – dieser aber gab sich freiwillig hin).
    Allerdings hat die Forschung an embryonalen Stammzellen bislang wohl gezeigt, dass diese im fremden Gewebe verstärkt zur Tumorenbildung neigen (wohl im Gegensatz zu adulten Stammzellen)…. insoweit – wenn ich recht informiert bin – wäre der Beweis für den Nutzen dieser Forschung noch ausgeblieben.
    Deshalb wäre Dein Verweis auf die Heilchancen eher hypothetisch.
    Korrigiere mich bitte, denn ich bin absoluter Laie.

    “Die Frage, was mit den gewonnenen Erkenntnissen gemacht werden soll, muss durch eine öffentliche Debatte um moralische (nicht ethische) beantwortet werden”
    Dto.

    “Die heute beschlossene Regelung bedeutet übrigens eine Annäherung an einen europäischen Durchschnitt”
    Was nicht immer gut sein muss … :-)

    Alles Gute & bis dann,
    Dirk.

  4. francis sagt:

    irgendwo habe ich gelesen, dass es auch gute alternativmethoden zur stammzellenforschung gibt. ich weiß bloß nicht mehr, aber es klang gut. schwieriges thema, gerade aus christlicher sicht verständlicher beitrag von dir.

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