Sehr verallgemeinernd beruht der postmoderne Atheismus m.E. auf zwei Hauptthesen:
1. Es gibt keinen Gott.
2. Alles ist relativ, sprich: Es gibt keine absolute Wahrheit.
Und das sind meine Gedanken dazu:
Zu 1.:
Da sich Gott naturwissenschaftlich nicht beweisen lässt, sich der Atheismus aber begrifflich von der (Nicht-)Existenz eines Gottes abhängig macht, hat er eine Tendenz, diesbezüglich ähnlich instabil zu sein, wie der Gottesglaube.
Ein Konsens zwischen Atheisten und Gottgläubigen könnte darin bestehen, dass die Einsicht besteht: Wir Menschen sind zu begrenzt, um ein göttliches Wesen erfassen zu können.
Meine Anmerkung: Dies schließt aber nicht aus, dass sich das göttliche Wesen von sich aus offenbart.
Zu 2.:
Hier sehe ich zwei Bedenken:
a) Die Logik
Der Satz “Alles ist relativ, sprich: Es gibt keine absolute Wahrheit” beansprucht für sich einen absoluten Wahrheitsanspruch, der logisch ähnlich rüberkommt wie der Satz des Kreters: “Alle Kreter lügen!”
b) Die Praxis:
Wenn es keinen absoluten Wertemaßstab gäbe (weil es ja auch keine absolut gültige Wahrheit gäbe), dann wären “Wertsetzungen” stets rein menschlich und somit völlig relativ. Schließlich wäre der Sinn des Einen nicht der Sinn des Anderen – und theoretisch könnte keiner sagen, wer im Recht sei, da das Recht eine rein menschliche Erfindung wäre. Dieses rein menschliche Recht würde durch die geformt, die die entsprechende Macht dazu hätten, sei es durch Geld, Militär oder Menschenmassen. Ihre Rechtsetzung würde durch die folgenden Mächtigeren abgelöst.
In der letzten Konsequenz würde dies zum “Recht des Stärkeren” führen: Fressen oder gefressen werden.
Ein total gelebter Atheismus ist u.a. unter Lenin, z.T. im heutigen China oder z.T. in Nordkorea zu finden.
So halte ich es schon deswegen nicht gerne mit dem Atheismus als Lebensform (wiewohl ich nette Atheisten kenne, die sich praktisch von den Greueltaten von atheistischen Regimen distanzieren würden).
Aber warum der christliche Glaube?
Dies sind einige meiner Kerngedanken dazu:
1. Das NT ist das am besten überlieferte Dokument der Antike.
Auch, wenn es hier und da Abschreibefehler gegeben hat, aber letztlich bleiben die grundlegenden christlichen Lehren unberührt davon. Zudem können aufgrund der Vielzahl von Fragmenten und Abschriften etliche Fehler weitesgehend erkannt und getilgt werden.
2. Die Verfasser des NT sind im höchsten Maße glaubwürdig, da sie bereit waren, mit ihrem Leben für ihre Zeugenaussagen zu sterben.
Solche Zeugen sind entweder plemplem oder tatsächlich absolut zuverlässig.
3. Somit halte ich die Berichte über Jesus Christus für zuverlässig.
Und dieser Jesus stellt folgenden Anspruch:
“Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben.” (Joh.14,6)
Ein Absolutheitsanspruch, der entweder von einem Irren, einem Manipulator oder tatsächlich vom Messias selbst statuiert wurde.
Das Letztere erscheint mir am wahrscheinlichsten.
4. Und doch:
Bei allem historischen Bemühen und aller intellektueller Leistung, meine ich, dass die obigen 3 Punkte nicht genügen, um von Gott überzeugt zu werden.
Letztlich brauchen wir die Begegnung Gottes.
Wenn Er uns begegnet und uns Seine Gegenwart klar macht, dann verfliegen Zweifel und es tritt die völlige Gewissheit ein: Jesus lebt tatsächlich.
Jesus lädt ein, diese Gotteserfahrung zu machen:
“Bittet, so wird euch gegeben!”
Schlagworte: Absolutheitsanspruch, Atheismus, Gottesbegegnung, Gottesbeweis, Jesus Christus
April 8, 2008 um 5:08
Ha, ein Thema, so irgendwie an das, was ich jetzt kommentiere bei mir…
Du schreibst:
So halte ich es schon deswegen nicht gerne mit dem Atheismus als Lebensform (wiewohl ich nette Atheisten kenne, die sich praktisch von den Greueltaten von atheistischen Regimen distanzieren würden).
Und (einige) meine Leser würden schreiben:
So halte ich es schon deswegen nicht gerne mit dem Christentum als Lebensform (wiewohl ich nette Christen kenne, die sich praktisch von den Greueltaten von christlichen Regierungen distanzieren würden).
Irgendwie verrückt, oder…?
April 8, 2008 um 5:25
Hi anitz!
Auf jeden Fall verrückt!
Das ist ja der Klassiker unter den Einwänden gegen das Christentum (Hexenverfolgungem, Kreuzzüge etc.).
Gerade deshalb finde ich es interessant, mal den Spieß umzudrehen.
Aber es gibt für mich auch einen inhaltlichen Unterschied:
Wenn ich den Atheismus konsequent zu Ende denke, dann lande ich beim “Recht des Stärkeren” – mit allen entsprechenden Folgen.
Wenn ich das Christentum zu Ende denke, dann lande ich mit Jesus am Kreuz – “Liebt Gott und den Nächsten und sogar die Feinde!”
Bisschen anders als die Kreuzzüge …
Viel Segen für Dich!
Dirk.
April 8, 2008 um 6:38
kleine ergänzung zu
“2. Alles ist relativ, sprich: Es gibt keine absolute Wahrheit.”
oder es zählt nur die wahrheit die ich persönlich erkannt habe
April 10, 2008 um 9:07
Hallo Peter!
Ja, die von Dir benannte Ansicht hat sicherlich auch was mit der Postmoderne zu tun, wobei dabei immerhin ein Hoffnungsschimmer durchleuchtet: Wer solche Sätze äußert, geht immerhin davon aus, dass es so etwas wie Wahrheit gibt!
Die Abgrenzung erscheint mir dann wie ein Gratwanderung:
Ich meine auch, dass ich nicht alle Wahrheit erfassen und verstehen kann. Eine bescheidene Haltung in manchen Erkenntnisfragen ist dann angebracht.
Allerdings ist der Schritt zu dem, was Du auch beobachtest, nicht weit: “Es zählt nur das, was ich als wahr erkenne”.
Viel Segen,
Dirk.
April 19, 2008 um 5:49
@Hauptthesen:
1. Es gibt keinen Gott.
Nö, bitte mal Atheismus nachlesen. Es gibt alle möglichen Arten von Atheisten. Manche sagen tatsächlich “es gibt keinen Gott”, manche sagen “ziemlich unwahrscheinlich”, ganze viele “die Götter die es angeblich geben soll sind entweder widersprüchlich oder irrelevant” und sehr viele sagen einfach “interessiert mich nicht” oder “weiß nicht”
2. Alles ist relativ
Was hat das mit Atheismus zu tun?
April 19, 2008 um 8:51
Hi sehwolf!
1. Sicherlich gibt es unterschiedliche Gewichtungen in der atheistischen Sichtweise.
Allerdings würde ich begrifflich dort eine Grenze ziehen, wo jemand meint, “weiß ich nicht” o.ä. Das wäre für mich ein Agnostiker.
2. Der Relativismus hat m.E. indirekt was mit dem Atheismus zu tun. Aber in erster Linie was mit der Postmoderne.
Indirekt deswegen:
Der Atheismus hat keinen absoluten Bezugspunkt, wie z.B. eine Gottheit. Deshalb muss er zwangsläufig relativ sein,w as Wertefragen etc. betrifft.
Gby,
Dirk.