Mein Taufverständnis und Reaktionen

By dikosss

Mein Taufverständnis stößt nicht überall auf Verständnis. Vor allem dann nicht, wenn sich mancher die höchstwahrscheinlichen Folgen bewusst macht.

Aber prinzipiell bleibt es wie es ist:

Ganz eventuell, theoretisch, vielleicht könnte ich, sofern sich mir die Aufgabe stellen würde, in wenigen Einzelfällen eine Säuglingstaufe durchführen.
Warum?
- Eine einheitliche Tauflehre ist für mich in der Bibel nicht erkennbar.
- Eine Säuglingstaufe wird nicht als Sünde deklariert.
- Wer unbedingt will, kann sich ein theologisches Konstrukt einer Säuglingstaufe zurechtzimmern.

Deshalb bin ich durchaus um Überlegen, ob sich meine Toleranz soweit erstrecken sollte, dass ich in Einzelfällen auch eine Säuglingstaufe durchführe.
Schließlich geht es nicht um einen Verrat am Evangelium.
Bleiben würde für mich aber auch ein “mulmiges” Empfinden und ich würde nicht wirklich hinter der Säuglingstaufe stehen.

Aber ein “Stoppschild” tut sich für mich auf, wenn es um das “Hineintaufen” in die Evangelische Landeskirche geht.
Ja, wer zur Landeskirche gehören mag, den würde ich auch “in die” Evangelische Landeskirche “hineintaufen”.
Aber wer nicht zur Landeskirche gehören mag, den würde ich trotzdem taufen.
Denn der Taufbefehl Jesu wiegt für mich höher als eine kirchliche Idee.

Nun habe ich einige Stimmen gehört, die mir mehr oder weniger offensiv vorwerfen, ich sei intolerant.
Oder ich müsse halt einige Dinge mitmachen, wenn ich meine Jobchancen wahren will.
Oder dass es lieblos sei, wenn ich Eltern mit dem Wunsch der Säuglingstaufe letztlich abweisen würde.
Zudem sei es eine evangelistische Chance.
Etc.

Abgesehen davon, dass viele dieser Argumente rein pragmatische Überlegungen sind und für mich wenig geistlichen Gehalt haben, bleibt das hier für mich bestehen:
Wie sollte ich in der Evangelischen Landeskirche tätig sein, wenn ich ein z.T. entgegengesetztes Bewusstsein von einem Punkt habe, der der Landeskirche aber immens wichtig ist?

Vergleiche:
Meine Frau würde sagen:
“Schatz, Du würdest mir echt einen Gefallen tun, wenn Du immer treu sein könntest!”
Ich würde das hören. Ich würde auch brav nicken. Hätte aber das Bewusstsein:
“Sobald die nächste Chance zur Untreue da ist, werde ich sie ergreifen!”
Ist das nicht Heuchelei?
Lüge?
Vertragsbruch?

Wenn ich weiß, dass der Landeskirche das entsprechende Taufverständnis so wichtig ist, dass sie mich bei Kenntnis meiner Taufpraxis wahrscheinlich rauswerfen würden, ich aber vorher so getan hätte, als würde ich mich der landeskirchlichen Ordnung beugen, dann würde ich mein Verhalten für heuchlerisch und falsch halten.
Es wäre ein Vertragsbruch – ein vorprogrammierter.

Oder sehe ich das falsch?

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4 Antworten zu “Mein Taufverständnis und Reaktionen”

  1. Anja sagt:

    Blöde Situation. Aber mir fällt dazu irgendwie (wie so oft dieses Jahr) Mat. 6,33 ein. Und das würde für mich heißen, mein Taufverständnis nicht zu verleugnen und dafür schlechtere Jobchancen in Kauf zu nehmen. Ein mulmiges Gefühl deutet ja irgendwie auf ein schlechtes Gewissen und gegen sein Gewissen zu handeln ist ja nicht so ne gute Idee. Ausserdem bin ich ja immer eher für klare Linien und Authentizität!

    Liebe Grüße und viel Segen!

  2. dikosss sagt:

    Hi Anja!

    Ja, Mat.6,33 ist ein guter Punkt!
    Letztlich wird es wohl darum gehen, authentisch zu sein und versöhnlich rüberzukommen: Ein Streit mit der Landeskirche vor Ort oder “meiner” LKG wäre kontraproduktiv. Aber ein “Sich-Verbiegen” würde auf Dauer einen großen Zwiespalt auftun.
    Gby,
    Dirk.

  3. Deborah sagt:

    Wes Brot ich ess, dess Lied ich sing.

    In einem anderen Forum schrieb jemand: Wenn Gott gewollt hätte, dass ich mich verbiegen soll, dann wäre ich ein Draht geworden. ;-)

    Ja, Mt 6,33 finde ich eine gute Erinnerung…. und Josua: Sei mutig und stark und fürchte dich nicht…….

    …ein Kompromiss zieht den nächsten nach sich und so wird die klare Linie wie in Salamitaktik Scheibchen für Scheibchen abgeschnitten…… bis man in allem den Menschen mehr gehorcht als Gott…….zu Bedenken geb.

    lg
    Deborah

  4. dikosss sagt:

    Hi Deborah!

    Danke für die “drahtigen” Worte!

    Interessant: Den Josua-Vers habe ich an meinem PC zu kleben…

    Ich merke auch, wie sich der künftige Weg mehr und mehr herauskristallisieren wird … dafür muss aber noch einiges geklärt werden und einige Gespräche geführt werden.

    Gby,
    Dirk.

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