Mein Taufverständnis und die argen Folgen …

By dikosss

Super: Zwei Leute, die mit unserem Gemeindegründungsprojekt in Berlin-Staaken verbändelt sind, wollen sich taufen lassen. Halleluja!

Ist aber nicht so einfach, wie es sich anhört.

Da wir von einer Landeskirchlichen Gemeinschaft teilweise finanziert werden (für die Saalmiete) und in einem Saal der Landeskirche sind, sind wir natürlich mit der Ordnung der Landeskirche konfrontiert.
Und die sieht vor:
Man wird in die Evangelische Landeskirche hineingetauft. Am besten als Säugling.

Das stößt bei mir und anderen Projektmitarbeitern an Erkenntnisgrenzen.

Ich kann Christen, die ihre Säuglingstaufe als vollwertig sehen, gut stehen lassen. Niemand sollte zu einer sog. “Wiedertaufe” genötigt werden.
Aber ich würde keine Säuglingstaufe durchführen.
Ich verstehe auch den theologischen Zusammenhang zwischen “Taufe in die Ev. Landeskirche” nicht.

Sehr knappe, theologische Begründung weiter unten.

Die sehr wahrscheinlichen Folgen für unser Projekt sind beachtlich:
1. Es dürfte kein Projekt mehr einer Landeskirchlichen Gemeinschaft sein. Der Verband, dem die LKG angehört, fährt da ein klares Profil.
2. Wir müssten wohl den Saal der Landeskirche verlassen.
3. Die finanzielle Unterstützung seitens der LKG würde flachfallen.
4. Beruflich hätte ich keine Zukunft im Verband, evtl. auch nicht in der Landeskirche (z.B. als Diakon oder Jugendmitarbeiter).
5. Eventuell sollte ich sogar meine Mitgliedschaft in der Landeskirche aufgeben.

Die letztliche Folge: Da uns die Landeskirche mit meinem/unseren Taufverständnis nicht haben wollen wird, müssten wir zur “Freikirche” werden.

Irgendwie hatte ich mir das alles ein bisschen anders vorgestellt.
Aber es läuft wohl darauf hinaus, dass klare “Linien” gezogen werden müssen.

Für mich stehen nun Gespräche mit verschiedenen Amtsträgern an.
Ich möchte Transparenz und bete dafür, dass wir trotz unterschiedlicher Erkenntnisse mit Wertschätzung und Frieden reden können.
Ein völlig unwichtiger Schritt für die Menschheit – ein großer Schritt für das Projekt.
Und einschneidend für mich.

—-

Anbei nun ein paar knappe Gründe für mein Taufverständnis:
Wo auch immer im NT von Taufe die Rede ist, werden gläubige Menschen angesprochen bzw. wird es mit dem Glauben des Getauften in Zusammenhang gebracht.
Der Glaube scheint der Taufe vorzugehen.

Manch Verfechter der Säuglingstaufe wendet ein, dass in der Apostelgeschichte aber des öfteren auch “ganze Häuser” (sprich: die Insassen, nicht das Haus als solches) getauft wurden.
D.h.: Da seien auch Säuglinge getauft!
Meine Gedanken dazu:
– Hermeneutisch: Die deutlichen Stellen der Bibel erhellen die undeutlichen Stellen!
Deutlich sind die Stellen, in denen eindeutig vom Glauben des Getauften ausgegangen wird. Ein Begriff wie “das ganze Haus” ist undeutlich. Von der deutlichen Stelle herkommend, ist eher anzunehmen, dass im Haus mündige Menschen waren, die den Glauben annehmen konnten. Das mögen z.T. auch Kinder gewesen sein. Nur: Kinder wären noch anders zu beurteilen als Säuglinge. Kinder wären in der Lage gewesen, den Glauben anzunehmen. Aber selbst Kinder werden nicht wirklich erwähnt. Also ist vom Normalen auszugehen: “Das Haus” bestand aus Menschen, die so klar denken konnten, dass sie bewusst zum Glauben an Jesus Christus kommen konnten. Und dann die Taufe.
- Der Kontext: Man könnte auch auf das patriarchale System verweisen. “Wenn der Vater sich taufen lässt, dann muss halt die ganze Säuglingshorde hinterher!”
Aber selbst wenn dem so wäre … unser deutsches Gesellschaftssystem hat keine eindeutigen patriarchalen Strukturen. Wer sich also darauf stützt, dem fehlt das passende Puzzlestück in unserer Gegenwart. Ein Vergleich wäre somit hinfällig, zumindest brüchig. Abgesehen davon fehlt schlichtweg ein positiver Beleg für die Säuglingstaufe.
- Die Bedeutung der Taufe: Es ist das Deutlichmachen vom Begrabenwerden und Auferstehen mit Jesus. Die Taufe an sich hat m.E. keine magische Wirkung, sondern sie ist ein Zeugnis von Gott an mir und von mir gegenüber der sichtbaren und unsichtbaren Welt. Um diesen Taufakt “wirksam” werden zu lassen, gehört der Glaube einfach dazu – ansonsten bleibt nur eine Zeremonie.
So viel ich weiß, dürfen Säuglinge in der Landeskirche nichts vom Abendmahlbrot abbekommen (ist gerade eine Vermutung). Aber wieso wird dann ein Unterschied zur Taufe gemacht? Wieso wird bei der Taufe kein Glauben des Getauften verlangt, jedoch beim Abendmahl?

Weiterhin:
Definitiv ist die Taufe kein “Hineingetaufwerden” in die Evangelische Landeskirche. Das erkenne ich aus der Bibel nicht. Höchstens ein “Hineingetauftwerden” in den universellen Leib Jesu Christi, was sich dann bestensfalls in einer Ortsgemeinde konkretisiert.
Das ist wünschenswert, dass sich ein Getaufter einer örtlichen Gemeinde anschließt.
Und natürlicherweise ist das auch die normale Entwicklung.
Doch das landeskirchliche Verständnis ist das:
Wenn jemand in einem deutschen Pfarrbezirk getauft wird, dann gehört er/sie automatisch zur Ev.Landeskirche!
Es sei denn, der Getaufte gehört einem anderen christlichen Verband/einer anderen christlichen Gemeinde an.
Das ist für meine Begriffe ein Machtdenken bzw. ein Territorialanspruch, den ich mit der Bibel nicht legitimieren kann.

Es gäbe noch Weiteres dazu zu schreiben, aber dies ist meine aktuelle Erkenntnis.

Vielleicht “bereue” ich ja in ein paar Jahren.

Aber ich will mich hier nicht verbiegen. Und ein paar andere “Unruhestifter” vom Projekt auch nicht.
Ich kann mir dennoch vorstellen, mit der Landeskirche zusammen zu arbeiten. Genauso wie mit vielen anderen christlichen Gemeinden.
Aber ich befürchte, dass die Landeskirche dann nicht mit uns will.
Zumindest nicht so eng.

Ist ja vielleicht auch richtig, denn ein schwammiges Profil hilft auch keinem.

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7 Antworten zu “Mein Taufverständnis und die argen Folgen …”

  1. Dave sagt:

    Respekt. Ich finde es immer gut, zu seinen Überzeugungen zu stehen und gerade in der Tauffrage muss sich die Landeskirche (ich bin selbst ein “Angestellter” derselben) hinterfragen lassen. Und dies geschieht am ehesten dort, wo Menschen sich theologisch profiliert und geistlich klar für eine bestimmte Tauftheologie entscheiden.

    Dass man durch die Säuglingstaufe per se “MItglied im Leib Christi” wird und dieser Akt durch eine fragwürdige Theologie umgedeutet wird, ist für mich weder profiliert noch klar. Deswegen habe ich da ja selbst meine Anfragen und hoffe, dass die Landeskirche sich da mal ein wenig bewegt.

    Auf meinem Blog gibt’s da übrigens auch ‘ne schöne Diskussion zu:
    http://www.brunner24.com/gedanken-aus-dem-predigerseminar-die-taufe-2

    Wünsche Dir und euch auf jeden Fall Gottes Segen im Gehen dieses mutigen Schrittes. Aber: wer nicht wagt, der nicht gewinnt. :-)
    Dave

  2. Onkel Toby sagt:

    Sehe das ganz ähnlich wie Du. Wenn das für Dich natürlich auch berufliche Kosequenzen hat, iat das natürlich besonders hart, aber ich kann Deine Argumentation völlig nachvollziehen. Und das Machtargument beschränkt aich in der Landeskirche auch lange nicht auf das Taufverständnis…

  3. dikosss sagt:

    @Dave:
    Meinst Du, ob sich die Landeskirche in der Hinsicht deutlich bewegen wird? Ich würd’s gut finden.
    Danke für den Link. Ist wirklich hilfreich. Allerdings verfestigt sich durch die Diskussion mein Taufverständnis.
    Warte irgendwie noch auf das Argument, das mir den Wind aus den Segeln nimmt. :-) Dann wäre manches einfacher.

    @Onkel Toby:
    Welche Machtansprüche der Landeskirche erkennst Du noch?
    Tja, und das mit den dann eingeschränkten beruflichen Möglichkeiten für mich, ist noch nicht ganz einfach zu verdauen. Prüfe mich gerade, ob ich nicht einen ganz pragmatischen Ansatz pflegen sollte … “Hauptsache, Kohle kommt rein!” :-)

  4. Dave sagt:

    Ich weiß nicht, wie deutlich sie sich bewegen wird, aber ich bin guter Dinge, dass zumindest die Segnung mehr Bedeutung bekommen darf.
    Hinter vorgehaltener Hand haben mir schon manche Kirchenmenschen (auch die aus kirchenleitender Ebene) gesagt, dass sie an der Kinertaufe auf Grund der Steuern festhalten müssen. Theologisch könne man diese Form der Taufe – v.a. auch deren Abrenzung zur Kindersegnung – nicht als einzig mögliche “verkaufen”.

  5. Mein Taufverständnis und Reaktionen « dikosss sagt:

    [...] überall auf Verständnis. Vor allem dann nicht, wenn sich mancher die höchstwahrscheinlichen Folgen bewusst [...]

  6. Achti sagt:

    “Taufe” und “Mitgliedschaftsmodus” gehört zu den großen Denktabus. Zumindest auf der offiziellen Leitungsebene.
    In der Gemeindebasis kann über vieles verhandeln. Je nach dem, mit wem Ihr die Gespräche führt, kann das so oder ausgehen. Aber auch in Gemeinden gibt Dogma-Fetischisten, die lutherischer sind als Luther.

  7. dikosss sagt:

    Hi Achti!

    Hatte schon ein Gespräch mit dem Häuptling “unseres” Verbandes. Er hat sich klar zu den kirchlichen Regelungen bekannt. Das zeigt mir: Vertragstreue – gut! Aber für mich auch dieser Beigeschmack von “Tabu”. Entweder wir unterstützen dieses kirchliche Taufverständnis oder wir passen nicht in den Verband.
    Mal sehen, wie die weiteren Gespräche laufen werden…

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