Thesen zu „Zeichen und Wundern“
Bei jesus.de habe ich mich wieder „fangen“ lassen.
Es ist ein wahrer Zeitraub. Und doch gewinnbringend.
Es geht um das Thema „Jesu Taten heute vollbringen“.
Hier die Diskussion.
Folgend auszugsweise ein paar meiner Thesen/Erkenntnisse:
° In Markus 16 lesen wir davon, dass den Glaubenden bestimmte Zeichen nachfolgen werden.
Es wird nicht zwischen den zuhörenden Aposteln und anderen Gläubigen differenziert. Vom Kontext und Wortlaut her ist anzunehmen, dass die Zeichen den „stinknormalen“ Gläubigen nachfolgen werden.
° In Markus 16 ist nicht zu lesen, wie oft, in welcher Abfolge oder unter welchen konkreten Umständen diese Zeichen folgen werden (abgesehen vom Kontext des „Hinausgehens“). D.h.: Wir dürfen Zeichen und Wunder erwarten, aber was im Einzelfall zu geschehen hat, liegt an Gott.
° In 1.Kor.12 lesen wir davon, dass es die Gaben der Heilung und des Wunderwirkens gibt.
Das Thema in 1.Kor.12 ist zwar die Ordnung und das Zusammenleben der Gemeinde und nicht explizit „Zeichen und Wunder“. Doch werden diese Gaben genannt und sie werden der gesamten Gemeinde in Korinth gegenüber genannt. Es ist somit davon auszugehen, dass auch „Otto Normalchrist“ solche Gaben haben kann, so sie denn der Geist austeilt.
° In der Bibel steht nicht, dass zu unserer Erdenzeit Zeichen und Wunder aufhören würden.
Wer annimmt, dass aus biblischen Gründen etwas aufgehört habe, müsste gleichermaßen den biblischen Beleg bringen. Dieser Beleg kann aber nicht im eindeutigen Sinne gegeben werden, da es ihn so nicht gibt. Es gibt lediglich Konstruktionen, die aber letztlich daran schwächeln, dass es in der Bibel kein ausdrückliches „Stopp für die Zeichen und Wunder“ gibt. Wenn aber das Ausdrückliche fehlt, bleibt es zumindest eine Erkenntnisfrage oder gehört im schlimmsten Fall in den Bereich der Spekulation.
° In der Bibel wird nicht ausdrücklich geschrieben, dass nur Apostel Zeichen und Wunder wirken können.
Zwar werden in der Apostelgeschichte Zeichen und Wunder durch die Apostel oder apostolisch Beauftragte beschrieben und nicht von „Otto Normalchrist“. Doch das hängt mit dem Fokus des Verfassers zusammen. Der Verfasser der Apostelgeschichte hatte nicht die Intention, über „Otto Normalchrist“ zu schreiben, sondern über den Bau der Gemeinde sowie über die Taten der Apostel durch den Heiligen Geist. Wenn er aber nicht über die möglichen Zeichen und Wunder von „Otto Normalchrist“ schreiben wollte, ist eine Schlussfolgerung aus dem Schweigen des Berichterstatters keine legitime Beweisführung.
° Es gibt einen wesentlichen Unterschied zwischen AT und NT: im AT war der Heilige Geist nur punktuell wirksam, seit Pfingsten ist der Heilige Geist in jedem Gläubigen wirksam. Die Kraft, die den Tod überwunden hat, ist in uns. Zeichen und Wunder im AT waren punktuell nötig, waren aber kein „Allgemeingut“. Zeichen und Wunder im NT sind u.a. immer dann nötig, wenn Christen hinausgehen, um das Evangelium weiterzugeben.
° Zeichen und Wunder sind an sich positiv, aber unsere Fixierung darauf kann negativ sein, wenn es denn nicht zur Glaubensentstehung und Glaubensförderung führt.
Jesus und Paulus kritisieren die „Zeichengeilheit“ mancher Menschen. Aber sie kritisieren nicht die Zeichen und Wunder an sich. Das heißt: Nicht auf der einen Seite des Pferdes herunterfallen! Wir benutzen trotzdem Löffel, auch wenn man Uri Geller damit auf den Kopf hauen kann.
° Zeichen und Wunder haben wir heute ebenso nötig wie es die Christen und andere Menschen vor 2000 Jahren nötig hatten.
Mit der Notwendigkeit von Zeichen und Wundern zu argumentieren, erscheint mir als eine höchst subjektive Angelegenheit. Wer beurteilt, was wann wie nötig ist? Wir Menschen mögen dazu eine unterschiedliche Meinung haben. Gott hat von Zeichen und Wundern gesprochen und nicht davon, dass sie aufhören würden. Zeichen und Wunder können heute genauso nötig sein wie vor 2000 Jahren.
° Zeichen und Wunder sind m.E. kein reiner Selbstzweck.
Sie zeigen auf die Macht Gottes hin.
Sie helfen punktuell einzelnen Menschen.
Sie sollen glaubensfördernd wirken.
° Warum erleben wir solche Zeichen und Wunder hier und heute kaum oder gar nicht?
Weil solche Zeichen und Wunder inhaltlich mit dem „Hinausgehen“ verbunden sind – Markus 16.
Wer zu den Menschen geht, ihnen vom Evangelium erzählt, der darf mit Zeichen und Wundern rechnen.
Wer passiv hockenbleibt, der wird keine oder kaum Zeichen und Wunder erfahren.
Tags: Gotteszeichen, Heilung, Heilungsgabe, Wunder, Wundergabe, Zeichen und Wunder
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März 8, 2008 at 1:00
das thema beschäftigt mich auch schon sehr lange
habe einen artikel auf meine seite gestellt
einige gut gedanken dazu
http://bibelkreis-muenchen.de/index.php/archives/251
März 8, 2008 at 11:10
Ja, guter Artikel. Danke!
Zeigt gut die Spannung auf, in der wir uns als Christen befinden.