Der Mammon

By dikosss

Eine CD und mindestens eine Person rütteln viele Politiker, Juristen, Journalisten, Blogger, Manager und Durchschnittsbürger auf. Wenn eine Nation so berührt wird, dann kann es nur um ein Thema gehen: den Mammon.


Wichtige Personen in Deutschland sollen Steuern hinterzogen haben.
In beträchtlicher Höhe.
Otto und Zündi Durchschnittsbürger tun solches mitunter auch.
Prinzipiell das Gleiche.
Nur haben sie keine entsprechenden Oasen.

Die Manager Deutschlands geraten wieder unter Generalverdacht. Am besten man entwickelt ein Reichenregister unter DGB-Aufsicht. Vielleicht entsteht so eine neue Sportart: “Reichen-Bashing”.
Politiker können sich nun rhetorisch in neue Höhen (oder Tiefen?) schwingen. Oder in das Zeitalter der Raubritter. Auf jeden Fall hat die Koalition wieder einen Anlass, um sich selbst zu zerfleischen – für Deutschland!
Mancher hat was Neues zu schreiben. Oder schreibt halt ab. Oder will seinen Blog füllen…
Am Stammtisch kann man auf ein paar Bier (oder in der Fastenzeit: Wasser) wunderbar meckern. Während man sich selbst mühsam mit der Schwarzarbeit über Wasser hält (wer nicht fastet: “über Bier”), kriegen die oberen 10.000 den Schlund nicht voll! Prost!
Juristen – ob aus Prestigesucht oder edlen Motiven – können nun darstellen, wie kompliziert unser Rechtssystem sein kann. Je nach Auslegung ist der Informant böse, Liechtenstein, der BND, Zumwinkel oder die anderen Juristen. Nicht wundern, wenn man jede dieser Auslegungen von EINEM Juristen hört. Das ist normal bei denen.

So was schafft nur “der” Mammon:
Unser Streben nach Geld, Besitz und Eigentum.
Dafür werden sogar Kriege geführt.
Möge Liechtenstein bewahrt bleiben.

Aber der Mammon hat das Potential, ein Wertesystem zu schaffen:
Man ist sich recht schnell einig, was böse ist (es sei denn, man ist Jurist oder durch diese beeinflusst).
Steuerhinterzieher sind böse (zumindest die reicheren unter ihnen), Geheimdienste können auch mal böse sein, Liechtenstein ist manchmal böse, Manager sind per se böse …
Bei allem Relativismus unserer Gesellschaft – aber das wäre doch nun ein absoluter Wertemaßstab:
Jeder, der dem Staat Geld gibt, ist gut.
Jeder, der dem Staat kein Geld gibt, ist böse.

Ein bisschen wie der Tanz um das goldene Kalb – aber mit Kriegsbemalung und neidischen Blicken.

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4 Antworten zu “Der Mammon”

  1. Igor sagt:

    Also das was jetzt so passiert hätte ich mir schon vor 20 Jahren gewünscht. Das es Steueroasen in Liechtenstein, Schweiz und Österreich gibt ist ja nichts Neues.
    Die Banken leben davon und das muß sich ändern, unsere Steuerpolitik auch und das schnell.

    Igor

  2. Dirk sagt:

    Hallo Igor!
    Auf jeden Fall: Bei aller Ironie von mir – aber solche Krisen sind die Chance, nachzubessern! Möge Gutes draus werden.

  3. Don Ralfo sagt:

    Auch wenn es prinzipiell das Gleiche ist: Es gibt schon einen Unterschied, wenn ein armer Tramp (Charlie Chaplin) ein Brot klaut, um seinen Hunger zu stillen, oder ein dicker reicher Fabrikant eine Brotfabrik, um sich noch eine zweite Luxusyacht leisten zu können.
    Vor allem dann, wenn er seine Arbeiter zu einem Hungerlohn arbeiten lässt, während in den Fabrikhallen Poster von seinem letzten Luxusurlaub in der Karibik mit der neuen Yacht und zehn flotten Miezen an Bord hängen.

  4. dikosss sagt:

    Manchmal sind es sogar noch mehr Miezen! :-)

    Hast’e auch Recht: Jemanden, der ein Brot aus Hungergründen klaut, dem kann ich es nachsehen. Wenn es jemand in meiner direkten Umgebung wäre, dann würde ich ihm öfters mal ein Brot kaufen, damit er nicht klauen muss.
    Jemand, der Tausende von Miezen hat und Schiffe und Fabriken, dem würde ich kein Brot kaufen … es sei denn, ich bin mal gnädig drauf.

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