Biblische Gemeindestrukturen

By dikosss

Eigentlich habe ich die Vermutung, dass ich den Novo-Virus habe.
Immerhin etwas. Mal schauen, wie es sich entwickelt.
Könnte eine übersprudelnde Sache werden – inhaltlich gesehen.

Habe aber gerade die Muße, um weiter über Gemeindestrukturen nachzudenken.

Ich frage mich immer wieder, welcher Rahmen und welche Voraussetzungen der Bibel für den Gemeindebau nötig sind.

Als erstes stelle ich fest:
Der Inhalt ist immer das Wichtigste (s.o. :-) ).
Bloße Strukturen werden nie Herzen verändern.

Aber:
Strukturen können das geistliche Leben fördern bzw. hindern.

D.h.:
Welche Strukturen fördern das Leben?

Eine wichtige Frage ist für mich:
Wie sollen Entscheidungsprozesse in einer Gemeinde gehandhabt werden?

In einer eher kleinen Gemeinde (wo zwei oder drei…) ist es naheliegend, mit jedem darüber zu reden, bis man einen Konsens hat.

Schwierig wird es damit, wenn eine Gemeinde eine Größe erreicht, die eine “Einzelbefragung” eher als Jahrhundertprojekt erscheinen lässt.

Wie kann hier vermieden werden, dass eine Leitungshierarchie entsteht, die m.E. keinen jesusmäßigen Befund hat?
Wie kann vermieden werden, dass das pure Chaos ausbricht, mit der Folge, dass “jeder seins macht”?

Oder positiv gefragt:
Wie können Entscheidungen getroffen werden, so dass dem Willen Gottes entsprochen wird und möglichst viele Gemeindemitglieder das allg. Priestertum aller Gläubigen leben können?

Interessant ist Apg.6,1 ff. (Witwenversorgung in der ersten Gemeinde):
In der Gemeinde in Jerusalem wird ein Problem wahrgenommen, dass gelöst werden sollte.
Die ersten Apostel lassen sich nicht für alle Aufgaben einnehmen.
Aber sie geben einen entscheidenden Impuls:
Die Gemeinde soll sich sieben geeigneten Männern umschauen, die sich um die faire Witwenversorgung kümmern.
Die Gemeinde findet das gut.

Das scheint ein gutes Beispiel dafür zu sein, wie die Apostel ihr Hirtenamt wahrnehmen, indem sie wegweisende Impulse geben zum Wohle der Gemeinde – und im Namen der Liebe Gottes;
und wie die Gemeinde in den Entscheidungsprozess wesentlich hineingenommen werden.

Trotzdem:
1. Die Apostelgeschichte ist vom Verständnis weniger ein Strukturprogramm, sondern mehr eine Beschreibung davon, wie sich Gott durch Seinen Geist über Hindernisse hinweg Seine Gemeinde baut.
D.h.: Nicht alles, was in der Apg. zu lesen ist, soll für uns eine Anleitung zum Nachmachen sein.

2. In dem Beispiel von Apg.6,1 ff. bliebe die Frage, wie die Gemeinde dann die geeigneten Männer ausgesucht hat – wurde jedes Gemeindemitglied befragt (bei Tausenden von Christen dürfte das eher nicht der Weg gewesen sein)? Wer war dann entscheidungsbefugt? Oder gab es “Cliquen”, die “ihre” Leute in das Diakonenamt gebracht haben? Damit wären wir wieder bei der Ausgangsfrage!

Nun, denn:
Fragen über Fragen.

Erkennst Du bestimmte biblische Entscheidungsstrukturen?
Welche?

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8 Antworten zu “Biblische Gemeindestrukturen”

  1. Deborah sagt:

    hmmm, #denk…… erstmal gefällt mir das Wort “Amt” nicht. Jesus spricht von Dienern, also wäre Dienste schonmal eher ein Transportwort für nicht-hierarchisches Verständnis.
    Das Wort würde auch dem Diener gut tun und ihn prägen. ;-)
    Das meiste Gemeindeleben fand damals in den Familien statt. Das hat ja nicht den Geruch von Chaos, oder?
    Paulus regt in jeder Gemeinde das Einsetzen von Ältesten (Mehrzahl) an. Beim Apostelkonzil trafen sich auch nun Apostel und Älteste. Wobei mir nicht bekannt ist, welche Dienstbegabungen (Lehrer, Seelsorger, Prophet, ….) ein Ältester noch hatte. Reife war eine Voraussetzung.
    Und die Strukturen waren gewachsen, um den Mensch zu dienen. Die Gläubigen wurden nicht in Strukturen gesetzt, damit die Strukturen belebt werden. ;-)

    lg
    Deborah

  2. dikosss sagt:

    Ich vermute auch, dass sich das mit den Entscheidungsprozessen damals insoweit als viel demokratischer gestaltet hat, da das Gemeindeleben vor allem durch Hausgruppen geprägt war. Die Gruppen entschieden wohl “für sich” (s.a. die Familien, die Du nennst).

    Das wäre ein Argument gegen Mega-Gemeinden, die m.E. zwangsläufig eine gewisse Hierarchie aufbauen müssen, wenn sie zusammen funktionieren wollen.

    Was ich tatsächlich als problematisch sehe, ist, dass Älteste in etlichen Gemeinden wohl eher ein “Leitungsamt” als ein “Dieneramt” haben.
    Sicherlich mag es auch ein Dienen durch das Wahrnehmen einer Leitungsgabe geben.

    Aber wie kann es gelingen, dienend zu leiten oder sich nicht darin zu verfangen, Entscheidungen “von oben herab” zu treffen?
    Gibt es eine Struktur, die hie hilfreich ist?

  3. Frank sagt:

    Aus der Schrift erfahren wir relativ wenig über die Strukturen einer Gemeinde, deshalb finde ich es schwierig, sich in diesem Punkt nach der Bibel richten zu wollen. Wesentlich Aufschlussreicher zum Thema Gemeindebildung sind da schon die Briefe der Kirchenväter, da sie auch das Gemeindeleben aus den Anfängen des Christentums widerspiegeln.

  4. dikosss sagt:

    Hi Frank!

    Hast Du bzgl. der Kirchenväter konkrete Tipps zum Lesen?

  5. Deborah sagt:

    Dienendes Leiten ist zuallererst ein Frage des Herzens, dann ergeben sich lebendige Strukturen. Ich möchte an die “Jesusaugen” anknüpfen. und: die Familie ist auch da wieder Vorbild. Fördern, statt verwalten.
    Wir müssen gewaltig umdenken. Das bleibt uns nicht erspart. Es ist keine Lösung, Kirche im Kleinformat in den Häusern zu installieren. Erst wenn wir begriffen haben, dass wir lebendige Steine des Leibes Christi #sind#, dann müssen wir keine Kirche mehr über unser Sein #bauen#, dann leben wir das, was wir sind.
    Die Strassenarbeit von Günther ist interessant und bietet bestimmt ein paar Anregungen.
    lg
    Deborah

  6. dikosss sagt:

    Hi Deborah!

    Das ist wahrscheinlich einer der Knackpunkte:
    Jeder Christ ist ein lebendiger Stein des Baus von Jesus.
    Das allg. Priestertum aller Gläubigen.

    Dafür sind wir wohl noch zu pastorenzentriert.
    Wenn also jemand für eine Gemeindearbeit angestellt wird, dann höchstens deswegen, damit möglichst viele andere Christen gefördert werden.
    Das wäre dann aber noch was anderes als bloße “Konsumieren”.
    Das ist aber leider das, was wir doch in vielen Versammlungen haben:
    im schlechtesten Fall die one-man-show des Pastors, im besten Fall ergänzt durch ein Lobpreisteam und die Kollektenmänner (bisschen überspitzt).
    Vielleicht geht es in unseren Versammlungen manchmal zu ordentlich zu!?
    Es wird in den zentralen Versammlungen eher das Konsumieren als das “Teilen & Fördern” gelebt.

    Ich kann mir vorstellen, dass man als angestellter Pastor die Struktur einer Versammlung dahingehend verändert, dass möglichst viele teilhaben können.
    Er könnte Predigtseminare anbieten, damit auch andere ihre Predigtgabe einbringen können.
    Er würde vom Mentor zum Coach werden.
    Seine Schwächen müssten dringend durch die Gaben anderer ausgeglichen werden.
    Die Reife der Gläubigen muss eines der Ziele sein und nicht, dass möglichst viel beim Alten bleibt.

    Geht sowas?

  7. Deborah sagt:

    Es gibt ein grundsätzliches Problem seit dem Konzil in Iznik/Nicaea. Das war das Ende der Gemeinschaft und der Anfang der One-man-Show. Die Gemeinde war durch einen Mann an der Spitze, der linientreu ausgesucht wurde, unter Kontrolle gekommen und die Zentralversamlungen in den grossen Gebäuden zerstörten die Gemeinschaft der Gläubigen im Alltag Stück für Stück. Schau dir die Arbeit der Pastoren und Gemeindeleiter an: die wenigste Zeit haben sie für ihre Basisgemeinde, die Familie. Die Gemeinde ist unter den Verschluß grosser Gebäude gekommen, die eine Menge Geld und Zeit kosten. Ich mache mal einen provokanten Vorschlag: lebt Glauben in der Familie und in den Beziehungen. Feiert den Sonntag in der Familie und macht ein grosses Wochenendtreffen viermal im Jahr: mit Austausch der Ältesten, wie es so geht, mit Seminaren, die im Quartal vorher angedacht wurden, mit einem gemeinsamen Gottesdienstfest.
    lg
    Deborah

  8. Deborah sagt:

    http://www.oikejo.blogger.de/

    Da hab ich doch was über die frühe Gemeinde und Strukturen und Veränderungen gefunden, das interessant sein kann. Guck mal, ob das hilfreich sein kann, sonst lösch es raus.

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