Ihr Armen – belastet unseren Staat nicht!

By dikosss

Es könnte sein, dass sich Einzahlungen für die Riester-Rente für Ärmere nicht lohnen.
Denn die möglicherweise zu erwartende Grundsicherung würde mit den Auszahlungsbeiträgen aus der Riester-Rente verrechnet werden.
So wohl die tatsächliche Gesetzeslage.

Erstaunlich ist das:

Das Bundesarbeitsministerium versucht zwar, gegen manche Empörung zu steuern – aber andere Fakten liefert es nicht wirklich.
Auf der Seite des Ministeriums ist eine Stellungnahme zu lesen (hier), die durch den Bericht der Sendung “Monitor” hervorgerufen wurde.
Dort wehrt man sich zwar gegen eine mögliche Panikmache.
Doch der beruhigende Impuls seitens des Ministeriums soll in dem Beispiel bestehen (ich zitiere):
“Leistet der Durchschnittsverdiener nicht nur Beiträge zur Gesetzlichen Rentenversicherung, sondern auch an eine Riester-Rente, übersteigt das Alterseinkommen aus beiden Quellen bereits nach 20 Jahren den durchschnittlichen Grundsicherungsbedarf.”

Das sind die Worte, die mir in’s Auge fallen:
- Durchschnittsverdiener,
- nach 20 Jahren.

Damit sind die Ärmeren unter uns noch immer außen vor (es sei denn, man würde ein Einkommen knapp über der Existenzsicherung nun als “durchschnittlich” bezeichnen wollen).

Was wird beim Bundesarbeitsministerium zum Thema “Arme und Riester-Rente” geschrieben?
Zitat: “Gerade für Geringverdiener ist die staatliche Förderung so hoch (die Förderquoten betragen bis zu 90 Prozent), dass bei seriöser Betrachtung gerade auch Geringverdiener bei der Riester-Rente mitmachen sollten.”

Schön, dass die staatliche Förderung besonders hoch sein kann.
Wenn diese aber bei zu erwartender Altersarmut mit einer Grundsicherung verrechnet wird, dann ändert das nichts daran, dass sich eine Riester-Rente für Ärmere kaum lohnt.
Denn die Förderung geschieht “jetzt” – die Auszahlung “später” – und diese wird halt mit einer Grundsicherung verrechnet.

Dann verweist das Ministerium darauf, dass es sich um eine zynisch-pessimistische Grundeinstellung handle, wenn man meine, dass sich das Alters-Sparen für Ärmere nicht lohne.
Warum?
Weil dann könne man ja sämtliche Sparvorgänge lassen und sich nur noch auf das Gemeinwesen stützen!

Mmhh, klingt ein bisschen beleidigt.
Hört sich nach einer wirklich ethischen Fragestellung an, mit der die Ärmeren hier konfrontiert werden.
Vielleicht sollten die Armen unter uns ja eine solche gehobene Ethik pflegen, auf dass sie ihr geringes Einkommen für die Altersvorsorge nutzen (die dann mit der Grundsicherung verrechnet wird), auf dass sie dem Gemeinwesen nicht so zur Last fallen.
Oder mal provokant geschrieben:
Ihr Armen – belastet unseren Staat nicht so!

Wie wär’s, wenn unsere Abgeordneten mal mit einer solchen Ethik anfangen?
Bevor sie sich ihre Diäten im “Schnelldurchgang” erhöhen (geschehen im September07), hätten sie das ALG II erhöhen können, damit die Armen wegen der gestiegenen Lebenshaltungskosten noch leben können.

Gott – erbarme Dich über unsere Kurzsichtigkeit und schenke uns einen Weitblick, der von Barmherzigkeit geprägt ist!
Erbarme Dich über unsere staatlichen Verantwortungsträger, damit sie bei allen Herausforderungen die Schwachen und Armen im Blick haben!

Hier ein paar Links zum Thema:
- netzeitung.de
- welt.de
- presseecho.de

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