Heilung bei Bethesda
Das Geschehen im Johannes-Evangelium, Kapitel 5, Verse 2-9, berichtet davon, dass Jesus einen Mann heilt, der seit 38 Jahren krank ist.
Komischerweise wird dieses Geschehen von manchen Christen dahin gedeutet, dass Jesus nur EINEN Mann am Teich Bethesda heilte. Diese Auslegung begegnet mir hin und wieder in Predigten.
Das ist der Grund, weshalb ich das nicht glaube:
1. Der Wortlaut des Textes:
Es wird davon berichtet, dass Jesus diesen Mann heilte.
Es steht dort nicht, ob Jesus noch andere heilte.
Es steht dort ebenfalls nicht, dass Jesus niemanden mehr heilte.
2. Die Frage der Hermeneutik:
Wie legen wir die Bibel aus? Mit welcher „Brille“ gehen wir an die Bibel ran?
Zum Thema „Heilung“ gibt es im christlichen Sektor sehr unterschiedliche Ansichten.
Interessant finde ich das:
Es gibt Christen, die der Meinung sind, dass Heilungen heutzutage nicht mehr so zu erwarten wären, wie es noch zu Jesu Zeiten war. Solche Christen sind m.E. öfters im sog. „bibeltreuen“ Lager zu finden.
Die Stelle bei Johannes 5 wird dann als ein Beleg (neben angeblich einigen anderen) herangezogen, um deutlich zu machen, dass Jesus auch nicht immer alle geheilt habe.
Auf die Auslegung bezogen heißt das:
Aus dem Vorfall, dass Jesus den einen Mann am Teich Bethesda geheilt hat, wird ein Umkehrschluss gezogen, wonach Jesus NUR DIESEN EINEN Mann geheilt habe – und alle anderen, die am Teich auf Heilung warteten, nicht.
Doch diese Art der Bibelauslegung hat im Text und Kontext keinerlei Stütze.
Es wird vielmehr etwas hineingelesen, was dort gar nicht thematisiert wird.
Das ist dann keine „Bibeltreue“ (eigentlich mag ich das Wort nicht sonderlich; „Jesus-Treue“ finde ich viel besser), sondern eine Verzerrung, womöglich sogar eine Lüge.
3. Die Art und Weise Jesu:
Und wenn wir schon herausfinden wollen, was Jesus am Teich Bethesda sonst noch trieb, dann sollten wir darauf achten, wie der Dienst von Jesus im Groben und Ganzen beschrieben wird:
„Und Jesus durchzog ganz Galiläa, lehrte in ihren Synagogen und predigte das Evangelium von dem Reich und heilte alle Krankheiten und alle Gebrechen im Volk.“ (Mt.4,23)
Normalerweise heilte Jesus alle Gebrechen und alle Krankheiten.
Wenn wir also überhaupt eine Vermutung zum Geschehen am Teich Bethesda ausgehen wollen, dann doch vom Normalfall ausgehend: Jesus heilte alle.
Tags: Bethesda, Bibelauslegung, Heilen, Heilung, Hermeneutik, Jesus, Krankheit
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Januar 8, 2008 at 2:41
Super. Danke. Wieder ein Mosaikstein *freu*
Ich hab den RSS von Stroch über Heilung bei jesus.de abonniert, weil mir der Ist-Zustand mangelnder Heilungen nicht gefällt und ich auch der Ansicht bin, dass es anders muss.
Im Buch „…Wildgänse..“ werden auch religiöse Denkweisen gesprengt, die sich etabliert hatten, als ich noch Baby-Christ war.
Es riecht gewaltig nach „Frühjahrsputz“ inside