Modern, postmodern oder …

By dikosss

Im Rahmen der Emerging Church-Bewegung (oder auch: Emerging Conversation) geht es letztlich um die Fragen:
” Wie können wir in dieser Gesellschaft hilfreich das Evangelium weitergeben und das Christsein leben?”

Dabei wird u.a. davon ausgegangen, dass wir in einer postmodernen Zeit leben. Das führt dann dazu, unsere Gesellschaft zu reflektieren: Wie postmodern sind wir wirklich? Oder wie modern?

Ich meine:

1. Es ist hilfreich, sich über den mentalen und geistlichen Zustand unserer Gesellschaft Gedanken zu machen und Fragen zu stellen.
Das gehört zum Handwerkszeug eines jeden Missionars.
Nur, wenn wir den Kontext unseres Daseins verstehen lernen, werden wir wirksamer zum Nächsten reden können – auch nonverbal.
Wenn ich z.B. nach Japan reise und nicht weiß, dass man sich vor dem Betreten eines Zimmers die Schuhe auszieht, dann kann ich es mir schnell mit meinen Zeitgenossen verscherzen (wobei ich als Ausländer sicherlich einen Lernbonus hätte).

2. Und doch:
Letztlich habe ich es immer mit dem einzelnen Menschen zu tun, der mir zur Seite gestellt ist.
Gerade hier in Berlin kann ich Menschen aus verschiedensten Kulturen, Altersgruppen und Religionen begegnen.
Ich befürchte, dass auch das größte Nachdenken über Modernismus bzw. Postmodernismus mir im Einzel-Kontakt nicht wirklich weiterhilft.
So sehe ich das zumindest für mich als Deutscher in Deutschland.

Es geht vielmehr darum:
Jeden Menschen für sich zu sehen.
Mit seiner Geschichte, seiner Kultur, seinem Denken …

Denn das, was mir in der Begegnung mit einem Türken hilft, muss mir nicht mit einem Türken helfen.
Soll heißen:
Mancher Türke ist “deutscher” als mancher Deutsche (was ist “Deutsch”?).
Ein anderer Türke mag streng islamisch geprägt sein.
Beiden Menschen muss ich auf einer völlig anderen Ebene begegnen.

3. Das führt mich dazu:
Die Kontextfrage (Modernismus, Postmodernismus…) ist abhängig von der sog. “Zielgruppe”.
Wen will ich mit Jesus konfrontieren?
Wem will ich von der Botschaft erzählen, dass es neue Hoffnung und wirklichen Sinn im Leben gibt?
Wenn ich z.B. deutsche Jugendliche erreichen will, dann kann die Klärung der postmodernen Frage relevant sein (wobei zu berücksichtigen ist, dass es wiederum einen Unterschied machen kann, ob ich in einer Stadt lebe oder in einem Dorf; ob ich es mit Gymniasten oder Hauptschülern zu tun habe; mit Jugendlichen aus Berlin-Kladow oder aus Berlin-Hakenfelde…).

So wird auch die Frage nach der Zielgruppe, die an und für sich die Frage nach der Postmoderne legitimieren kann, zur Frage nach dem Einzelnen bzw. einer einzelnen Gruppe.

Dieser Blick auf den Einzelnen ist m.E. der Jesus-Blick.

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3 Antworten zu “Modern, postmodern oder …”

  1. Deborah sagt:

    Wissen ohne Liebe ist kalt . Gratuliere dir zum Jesus-Blick. :-)

    Gesegnetes Neues Jahr dir und deiner Familie und allen Lesern hier

    lg
    Deborah

  2. Dragos sagt:

    Der sog. Jesus-Blick ist eine sehr gute Idee. Am besten sollen wir alle solche “Brille” made by jesus tragen. Danke für den Beitrag.

  3. M.ST. sagt:

    Ich denke Jesus sieht und begegnet uns gleichermaßen. Gerade, weil wir im Kontext unserer Herkunft, Bildung und dem Sozialstatus uns differenziert sehen.
    “Man sieht mit dem Herzen gut, das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar”
    Antoine de Saint-Exupe’ry

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