Berliner Armut

By dikosss

“Deutschlands vergessene Kinder” – so der Titel des Buches von Bernd Siggelkow und Wolfgang Büscher (GerthMedien, 2007).

Meine Frau hat es zu Ende gelesen. An einem Tag.
Da ich noch anderes lese, brauche ich etwas länger.

Aber es ist erschreckend:
(nicht mein Leseverhalten…)

In dem Buch berichtet Bernd Siggelkow von seinen Erfahrungen bei der Arbeit in der Arche, einem christlichen Werk, das sich in Marzahn-Hellersdorf/Berlin um Kinder und Jugendliche kümmert.
Und oft genug auch um Erwachsene.

Sicher:
Dieser Teil Berlins ist nicht nur arm.
Aber in seiner Arbeit ist Bernd Siggelkow mit zig anderen Mitarbeitern ständig mit der Armut der Menschen konfrontiert.

Er berichtet von etlichen Einzelschicksalen.
Von einem dreijährigen Kind, das alleine mit der Tram zur Arche fährt, um dort Essen zu bekommen.
Von Nazis (Pseudonazis), die durch Begegnungen mit Christen aus der rechten Szene aussteigen und sich dann verstecken, weil sie Racheakte fürchten.
Von einem kleinen Jungen, der für seine jüngeren Geschwister “Vater” sein muss: einkaufen, aufräumen… und dadurch keine Kindheit hat.
Von Kindern, deren Väter einfach weg sind.
Von einer Mutter, die ihr Kind in ein Kinderheim stecken ließ, weil sie sich nur noch ihrem neuen Freund widmen will.
Von Eltern, die sich schämen, arm zu sein und deshalb keine Anträge auf staatliche Unterstützung stellen.

Wäre mir nicht klar gewesen, dass die Schicksale aus Berlin stammen, hätte ich auf ein Ghetto im Ausland getippt.

Wowereits Spruch, dass Berlin arm, aber sexy sein, erscheint bei solchen Schicksalen eher abstoßend, es sei denn, man steht auf Sadomaso-Spielchen.

Wer wissen will, wie es armen Menschen in Berlin geht, möge das Buch von Siggelkow lesen.

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Da wir mit unserem Projekt in einem ähnlichen Problemkiez sind, stellt sich natürlich die Frage:
Was können wir von der Arche-Arbeit lernen?

Hier in Staaken, Heerstraße-Nord, gibt es schon die Berliner Tafel. Es ist die größte Ausgabestelle Berlins, mit bis zu 600 “Kunden” wöchentlich. Super Arbeit! Leider nur einmal wöchentlich.
Eher am Randgebiet Staakens existiert seit kurzer Zeit das Jonas Haus, eine Inititaive eines christlichen Ärztepaares. Hier gibt es nahezu jeden Tag Mittagessen für Kinder, Spielangebote usw. Leider ein bisschen ab vom Kernkiez, aber dennoch sehr wichtig. Obwohl das Jonas Haus etwas weiter weg ist, kommen wohl täglich ca. 40 Kinder vorbei. Ich schätze, wenn das Haus direkt im Kiez wäre, hätten sie jeden Tag 150 Kinder.

Es bräuchte hier also eine tägliche Mittagsspeisung, die direkt im Kiez ist.

Folgende Aspekte sehe ich für mich, meine Familie und unser Team als Anfrage:
– Wer ist bereit, direkt in diesen Kiez zu ziehen?
- Wer ist bereit, auf eigenen Luxus zu verzichten, um anderen zu helfen?
- Wer ist bereit, finanzielle Risiken auf sich zu nehmen?

Ich sehe die große seelische, geistliche und materielle Not etlicher Menschen im Kiez.
Ich bin nicht der Helfer. Das ist Jesus.
Aber Jesus will, dass wir sein Körper auf dieser Erde sind.

Um so ein Arche-Projekt hier zu starten, müsste ich mehr grünes Licht sehen.
Ich glaube, wenn mehr Zeichen auf grün stünden, wäre ich sofort dabei.

P.S. Gut, dass sich auch Wowereit mit der drohenden Verslumung Berlins auseinander setzt (morgenpost.de).

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8 Antworten zu “Berliner Armut”

  1. Elke sagt:

    kann ichirgendwo – möglichst in meiner Nähe – Britz Neukölln – Kleiderspenden abgeben.
    wär schön wenn ich damit ein wenig helfen kann
    bitte schreibt mir doch an wen ich mich wenden muß
    lg. elke

  2. dikosss sagt:

    Hi Elke!

    Ich hab’ mal gesucht, ob es was in Neukölln gibt.
    Bin dabei auf das hier gestoßen:
    - http://www.profutura-ev.de
    Auf dieser Seite sind Standorte in Neukölln angegeben. Es werden immer wieder Kleiderspenden für Bedürftige gesucht.

    - Eine Tee- und Wärmestube in Neukölln:
    Weisestraße 34, 12049 Berlin
    Tel: 622 28 80
    e-mail: teeundwaermestube@diakonisches-werk-berlin.de
    Einfach mal nachfragen, ob die auch Kleiderspenden brauchen.

    - Kleiderspende Deutsches Rotes Kreuz
    Gerlinger Str. 60
    12349 Berlin
    Das ist einfach ein Container der DRK.

    Finde ich toll, dass Du bereit bist, zu spenden!
    Hoffe, dass was in Deiner Nähe dabei ist.

    Sei gesegnet!

  3. andichrist sagt:

    ich kann diese fragen oben, die du stellst mit ja beantworten.
    wenn du mal ein paar idealisten brauchst, die auch noch eine passende ausbildung haben und fest in der realität stehen, schreib mir eine mail

    andi

  4. dikosss sagt:

    Hi andichrist!

    Wo wohnst Du?

    Gby,
    Dirk.

  5. andichrist sagt:

    im moment wohen ich in nordhessen, dass ist aber nicht bindent…

    grüsse

    andi

  6. dikosss sagt:

    na, wenn’s Dich mal nach Berlin verschlagen sollte, dann schau’ bei unserem Gemeindegründungsprojekt vorbei.
    Wir sind noch eine recht kleine Schar, aber mit großen Ideen!
    Ein paar wenige diakonische Aktionen haben wir schon hingelegt, aber die Not ist groß!
    Eventuell werden sich einige von uns demnächst bei der geplanten Kleiderbörse der hiesigen Landeskirche engagieren. Die können auch Mitarbeiter gebrauchen.

    Ein größerer Traum wäre es, nach einiger Zeit mit ein anderen Gemeinden flächendeckend was Gutes zu tun: Schulgebäude renovieren, Blut spenden, Straßenmüll beseitigen … damit JC gepriesen wird!

  7. Veronique Reduth sagt:

    guten Abend

    Ich habe eine Frage ich habe eine gute Freundin die hat 5 Kinder und Lebt von Harz4 und kann ihren Kindern keine Kleidung kaufen ich such eine Stelle wo man Kleidung gespendet bekommt ich Danke Ihnen schon im voraus.

    Mit freundlichen Grüßen Veronique Reduth

  8. dikosss sagt:

    Hallo Veronique!

    Die Evangelische Kirchengemeinde Spandau-Staaken hat eine Kleiderbörse:
    http://www.kirchengemeinde-staaken.de/
    Dort unter “Veranstaltungen” schauen.
    Dienstags und Donnerstags von 13:00 bis 18:00 Uhr gibt es dort eine Kleiderausgabe für Bedürftige.

    Ansonsten:
    Frag’ mal bei den Kirchengemeinden in Deinem Bezirk nach.
    Die können vielleicht konkret weiterhelfen.

    Viel Segen für Euch!
    Dirk.

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