Der Arche geht’s an den Kragen

Naja, so ganz dramatisch scheint es nicht zu sein.
Dennoch:
Der Bezirk Marzahn-Hellersdorf in Berlin hat beschlossen, dass die staatlichen Hilfen für die Arche im Jahr 2008 gestrichen werden.

Die Arche ist ein christliches Werk, das sich vorrangig um die Speisung von Kindern kümmert.
Ich lese gerade das Buch dazu. Die Berichte über die Armut mancher Familien sind ernüchternd und erschreckend:

Hätte ich bei diesen Berichten nicht gewusst, dass es um arme Familien in Deutschland geht, hätte ich eher auf ein Ghetto in den USA oder auf die russische Armut getippt.
Warum die Armut in Deutschland auf der Straße nicht so offenbar ist, wird im Buch damit erklärt, dass hierzulande halt fast jeder Jeans trägt. Soll heißen: Nur an der Kleidung kann nicht immer erkannt werden, ob jemand arm ist (als ich im Rahmen meiner juristischen Ausbildung bei der Staatsanwaltschaft war, hätte ich manchen Staatsanwalt eher für einen einfach-gestrickten Arbeitnehmer gehalten – natürlich nur am Äußerlichen gemessen… so ist das mit den Vorurteilen…).

Die Kürzungen für die Arche sind finanziell natürlich ein Verlust, wiewohl der Verlust nicht total einschneidend sein mag. Es geht um Kürzungen iHv. 18.000,- €.
Um das Verhältnis zu sehen:
Allein die Nahrungsmittel kosten der Arche jeden Tag ca. 1000,-€!

Natürlich könnten wohl auch die 18.000,-€ gut gebraucht werden.

Aber in der Kürzung steckt eine politische Botschaft.
Vielleicht ist das Werk mittlerweile zu populär (wiewohl sich manch andere Orte gerne mit so einem Projekt schmücken würden).
Vielleicht ist es auch zu christlich. Schließlich wird vor dem Essen gebetet.
Ich vermute, dass es um Letzteres geht.
Was natürlich völlig schräg wäre, wenn man bedenkt, dass rechtsradikale Parteien wesentlich mit Steuergeldern unterstützt werden (müssen – s.a. Gesetzeslage).
Was ist das für eine Botschaft?

Und es gibt Neider:
Andere soziale Einrichtungen, die nicht so berühmt sind wie die Arche.
Die deshalb nicht so viel Geld bekommen.
Auch hier gibt es Konkurrenzdenken.

Ob es nun um 18.000€ oder 8.000€ ginge:
Ich finde den Beschluss des Bezirkes falsch.
Gerade weil auch durch die Arche-Arbeit das Thema „Kinderarmut“ zunehmend publik wurde,
gerade weil hier auch Mitarbeiter dabei sind, die oft bis tief in den späten Abend – neben ihrer regulären Arbeit – für die Kinder und deren Familien da sind,
gerade weil die Arche staatliche Aufgaben mit wahrnimmt,
hätte der Bezirk durch die „Peanuts“ von 18.000,-€ ein Zeichen der Unterstützung senden können.

Der Initiator der Arche hatte wohl mit diesem Ergebnis gerechnet.
Schließlich gab es in den Jahren davor schon mehrere Anläufe, die Gelder für die Arche zu streichen.
Jetzt haben sie es geschafft!

Ein paar Links:
- Morgenpost (eher kurz und bündig)
- taz.de (eher kritisch zur Arche)
- Junge Welt (eher „pro“ Arche – besides: Im übrigen bin ich kein „Junge Welt“-Leser und habe hier und da durchaus andere politische Ansichten … achso, das Gleiche gilt für die taz und Morgenpost … ich lese netzeitung.de u.ä….d.h.: im Übrigen distanziere ich mich von politischen Aussagen in den genannten Zeitungen)

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