Die Schlauheit der Landeskirche

By dikosss

Der Titel ist dem Eintrag von Marlin entnommen (“Was die Landeskirche macht ist ganz schön schlau – die Plattform”hier klicken).

Es geht um eine teilweise Öffnung mancher Evangelischen Landeskirchen gegenüber anderen Gemeinden/Gemeinschaften.
Zum Teil ist dies schon längst Realität.
In anderen Teilen Deutschlands scheint es mehr wie ein Traum zu sein.

Es gibt auch freikirchliche Gemeinden, die ganz bewusst nichts mit der Landeskirche zu tun haben wollen (Ihr Motto: “Die Landeskirche ist nicht im Willen Gottes – aber WIR machen es gottgefällig!”).
Es gibt ebenso Gemeinschaften, die ganz bewusst die Nähe zur Landeskirche suchen (Gnadauer Verband, manche Vineyard-Gemeinschaften…).

Da wir bei unserem missionarischen Projekt mit der Landeskirche zu tun haben, stellen sich für uns manche Fragen:

Wie handhaben wir es mit dem Abendmahl?
Wie mit der Taufe?

Unser Wunsch ist, dass sich mehr und mehr jesusmäßiges Leben im Kiez entwickelt.
Ich gehe davon aus, dass sich mit der Zeit mehr und mehr Menschen mit uns als Gemeinde/Gemeinschaft verstehen werden.
Zu so einem Leben gehört auch das Abendmahl und das Taufen.
Selbst, wenn man zunächst nur mit 4-5 Menschen zu tun hat.

Doch:
Nach landeskirchlicher Ordnung dürfen wir nicht einfach so taufen.
Und wenn wir es täten, dürften wir nicht mehr ihren Raum mieten.
Wir würden – wie auch immer – vor die Tür gesetzt werden. So zumindest manche Andeutungen.

D.h.:
Wenn wir demonstrieren wollen, dass wir mit der Landeskirche zusammen im Kiez tätig sein wollen (und ihren Raum mieten wollen), müssen wir uns ihrer Ordnung und ihrer Sakramentspraxis beugen.
Die Alternative scheint eine zunehmende Distanz zu sein.
Aber auch das wollen wir nicht.

Aus manch liebevollen und sicher auch strategischen Gedanken heraus, können wir diesen aktuellen Weg ein Stück weit mitgehen – nämlich solange, wie sich das geistliche Leben bei uns noch nicht quantitativ entwickelt.

Eine eventuelle Lösung ist das in Berlin existierende und zwischen dem Gemeinschaftswerk und der Landeskirche ausgehandelte “3-Stufen-Modell”, wonach es vorgesehen ist, dass nach Absprache (und einigen Gremiensitzungen) manche Gemeinschaften “stellvertretend kirchliche Dienste” wahrnehmen dürfen.

Ich finde das viel zu bürokratisch und letztlich nicht jesus-gemäß.
Ich empfinde dies vielmehr als einen Ausdruck von Machtbewusstsein.

Deshalb würde ich diese Idee für die Landeskirche in Zukunft viel besser finden:
Ein Verbandsmodell mit Partnergemeinden.

Es würde kein Mitgliedszwang der einzelnen Gemeindemitglieder bestehen.
Die Partnergemeinden dürften stets selber die Sakramente verwalten.
Jede Gemeinde innerhalb der Landeskirche hätte ein Stück weit ihre eigene Ordnung.
Man würde sich mit der Landeskirche auf Augenhöhe begegnen.

Für die Landeskirche würde dies bedeuten:
- Ihre Sakramentsordnung würde sich jeweils nur auf die eigenen Gemeinden bzw. angestellten Pfarrer beziehen.
- Das Denken “in Pfarrbezirken” würde geschwächt werden.
- Neue Partnergemeinden würden nicht zwangsläufig zu mehr Kirchensteuereinnahmen führen.

Aber:
- Die Gemeinden in Deutschland könnten wesentlich besser zusammenrücken. Die von Gott gewollte Einheit der Christen wäre diesbezüglich einfacher zu praktizieren.
- Gegenseitige und gute Impulse könnten besser vermittelt werden (Netzwerkbildung).
- Vielleicht etwas weniger “Religion & Macht”, dafür etwas mehr “Leben mit Jesus”.
- Und möglicherweise würde sich so mancher Christ einer Partnergemeinde zu einer offiziellen Mitgliedschaft in der Landeskirche motiviert sehen.

Die Landeskirche würde also nicht unbedingt an Finanzen dazu gewinnen.
Auch würde ihre “Machtstellung” in Sachen “Sakramentsverwaltung” bröckeln.
Aber all das, um das Leben mit Jesus mehr zum Vorschein zu bringen.

Und beim Leben mit Jesus stehen der Mammon und die Macht eh hintenan! :-)

Dieser Gedanke “Verbandsmodell mit Partnergemeinden” ist vielleicht so ähnlich wie das Modell, das von Willow Creek gelebt wird, wonach Gemeinden aus aller Welt Partnergemeinden von Willow Creek werden können.
Oder es ist so ein bisschen wie die Netzwerkbildung in der Evangelischen Allianz – aber sicher weniger lose und mit noch bewussterer Vernetzung.
Oder es ist so, wie es manche freikirchlichen Verbände leben: man versucht, alle Vorteile aus einer Verbandszugehörigkeit zu ziehen und versucht dabei, die größtmögliche Eigenständigkeit der Ortsgemeinde zu wahren.

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6 Antworten zu “Die Schlauheit der Landeskirche”

  1. Deborah sagt:

    Ich hab da mal ne Frage: wie setzt sich die Bevölkerung im Kiez zusammen?

  2. dikosss sagt:

    Die Bevölkerung im Kiez (habe keine prozentualen Angaben; diese beruhen auf meiner Beobachtung):
    - noch einige wenige “gutbürgerliche” Arbeitnehmer, die aber tendentiell abwandern
    - mehr und mehr ALGII-Empfänger
    - mehr und mehr Ausländer (kunterbunt: Russen, Polen, Asiaten, Türken, Araber… – diese haben z.T. schon ihr eigenes Viertel)
    - etliche Kinder
    - einige Jugendliche, die sich z.T. zu Banden zusammenschließen (nicht immer gefährlich, aber Kriminalitöt spielt schon eine Rolle)
    - 2-3 große Seniorenwohnhäuser.

  3. Deborah sagt:

    Danke. Dann ist der Kurs klar. Wir sollen Jünger, Nachfolger Jesu hervorbringen und nicht Russiche DeutschLutheraner , türkische Deutschlutheraner, arabische Deutschlutheraner, ……

    Ich bin im Moment beeinflusst von dem Missionsbericht “Friedenskind” und lese mich durch die englischen Wildgänse.
    Jesus war das ultimative Friedenskind der Kopfjäger und Kannibalen Neuguineas; ist Jesus der utimative Märtyrer, der alle muslimischen Märtyrer entlastet, weil für sie auf seinen Tod hin, der Paradiesfriede im Herzen schon hier anfängt? ………………
    …verstehst du, was ich sagen will?

  4. dikosss sagt:

    Vielleicht verstehe ich, was Du meinst :-)
    Wenn ich Dich recht verstehe, meinst Du das:

    Es geht nicht um “Landeskirche vs. Freikirche”, sondern darum, dass Menschen das neue Leben von Jesus bekommen.
    Besonders die Moslems im Kiez können die befreiende Botschaft von Jesus gut gebrauchen…

    Richtig verstanden?

  5. Deborah sagt:

    Im Ansatz ja, es geht aber noch weiter. Ein Türke wird Jesus niemals “deutsch” nachfolgen, sondern Türkisch. Ein Araber wird Jesus arabisch nachfolgen, ein Jude wird Jesus jüdisch nachfolgen, wir dürfen nicht gegen die Kultur sondern müssen mit der Kultur gewinnen. Paulus sagt: ich bin allen alles geworden um sie zu gewinnen.
    Ein einfaches Beispiel: das kann bedeuten, dass in den Wohnzimmertreffen als Referenz an die Hausfrau und das Reinlichkeitsverständnis die Schuhe ausgezogen werden.
    Das kann bedeuten, dass ein Fehlverhalten nicht direkt konfrontiert wird, sondern eine Beispielgeschichte erzählt wird, damit derjenige sein Gesicht wahren kann und selbst vor Jesus umkehrt oder von sich aus ein vier-Augen-Gespräch wünscht.
    Das bedeutet, dass das Kaffeetrinken an den Schluß gelegt wird, nicht an den Anfang, denn Kaffee am Anfang könnte als Auforderung zum Kurzbesuch verstanden werden und es kommt nicht zum tieferen Austausch.
    Bei einer Ersteinladung könnte es wichtig sein zu betonen, dass es ein schweinefleischfreies Essen oder eine schweinefleischfreie Wohnung ist.
    Ist es jetzt deutlicher?

  6. Dirk sagt:

    Okay!

    Ich war mal auf einem Islam-Seminar vom MBS mit Christine Schirrmacher und anderen.
    Z.T. wurde Ähnliches berichtet.
    Auch durch den Kontakt zum Leiter der türkischen Christen in Berlin – Tom – haben wir ein paar Tipps bekommen.

    Das Ding ist nur:
    Ich finde es schwer zu behalten, wenn wir bislang keinen Draht zu Moslems haben.
    Bis dahin können wir wahrscheinlich nur “sensibilisiert” sein.
    Aber für den Notfall habe ich schon einen Samowar und türkische Teegläser. :-)

    Irgendwie muss es Gott lenken.
    Im “schlimmsten” Fall sind da ein Moslem, der mit uns schwarzen Tee trinken will und ein Russe, der mit uns Wodka trinken will :-)

    Sei gesegnet!
    Dirk.

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