Schon wieder der Junge

By dikosss

War eben am Einkaufszentrum.
Sehe schon wieder den Jungen.

Es passiert, was zu erwarten war:
Er läuft mir hinterher – schließlich hatte ich ihm einen Fußball geschenkt.
Aber er läuft nicht nur hinterher, sondern er äußert sich auch:
“Mann, ich habe so einen Hunger!”
Das heißt an mich:
“Bitte, gib’ Geld für mich aus!”

Ich mache ihm klar, dass nicht immer Weihnachten ist.
Dass es hier eine Menge arme Leute gibt und ich nicht ständig Geld verschenken will.
Und: Ich will nicht angelogen werden.
Nicht ausgenutzt werden.
Denn meine Stärke ist auch meine Schwäche: Barmherzigkeit.

Ich lasse ihn zappeln (ich will nicht verarscht werden…).
Er erklärt sich:
Seine Mutter habe gestern gesagt, sie sei mal weg. Ein bisschen feiern.
Seitdem sei sie weg.
Er habe keinen Wohnungsschlüssel.
Das mit der Mutter kann ich mir vorstellen. Erst vor kurzem war hier in der Gegend eine Mutter feiern gewesen und hatte ihre drei Kinder für ca. 1,5 Tage einem Babysitter überlassen, der sich aber schon nach kurzer Zeit auf und davon gemacht haben soll (Verwahrlosung).
Aber das mit dem Wohnungsschlüssel glaube ich nicht.
Er zeigt mir seine Taschen – zumindest teilweise (eine will er nicht wirklich zeigen, da sei was Persönliches drin … es seien Zigaretten für seine Mutter drin…mmh…).

Ich biete ihm an, an der Imbissbude was für ihn zu kaufen.
Er will nicht. Er will das Geld so.
Wir verhandeln.
Ich: “Also, wenn Du wirklich Hunger und Durst hast, dann komme jetzt mit. Ich kaufe Dir was.”
Er dackelt mit und bekommt einen Döner und eine Fanta.

Ich bin 4,50 € los und frage mich wieder:
“Bin ich ausgenutzt worden?”
Spüre die Furcht, dass man mich für einen Softie hält, einen Clown, jemanden, den sogar ein 14-Jähriger manipulieren kann. Mein schönes Image!

Aber das lässt mich gewisser werden:
Der Junge hatte den Fußball dabei, den ich ihm vor paar Tagen geschenkt hatte.
Der bedeutet ihm was.
Und er hatte die gleichen Klamotten an: eine Billig-Jogginghose und eine eher dünne Jacke (bei ca. 0 Grad Celsius). Er ist arm.
Und er mag zwar ein dreister Schmarotzer sein – aber so ganz helle ist er nicht.

Sebastian heißt er.
Und bei all meinen Image-Sorgen bleibt das Empfinden:
Das hier ist sinnvoller als sich in einen Saal hinzustellen und eine Predigt zu halten.

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