Draußen

By dikosss

Bin zur Zeit viel zu Hause.
Habe nur kurz das Haus verlassen, um etwas im Kiez zu erledigen.

Dabei gab es für mich zwei Highlights:

1) Vor dem Einkaufszentrum begegnete ich einem Jungen.
14 Jahre alt und stark übergewichtig.
Ich kannte ihn schon vom Sehen und von Einsätzen mit dem Büchertisch.
Er fragte mich, ob ich einen EURO hätte, weil er Durst habe (hä, Geld kann man doch nicht trinken… gröhl!).

Naja – ich versuchte, kritisch zu sein. Ich wurde schon manchmal für doof verkauft und checke es nicht immer, wenn mich jemand (gut gekonnt) hinter’s Licht führt. Also fragte ich nach. Ich wollte spüren, ob mich der Knirps auf den Arm nimmt oder ob er es ernst meint.
Ich weiß es noch immer nicht.
Es lief darauf hinaus, dass ich ihm einen Fußball für ca. 5,-EURO gekauft habe und ihm ein bisschen Geld für Essen gegeben habe.

Seine Geschichte habe ich einfach geglaubt: Mutter ist weg, in Polen, einen Grabstein besorgen, weil Tante ist gestorben; sein Taschengeld beläuft sich auf 5,-EURO im Monat, wobei er das diesmal seiner Mutter gegeben hat, weil das Begräbnis so teuer ist; er hätte mehrere ältere Geschwister, alle schon ausgezogen, sein Vater sei tot, er selber gehe auf eine Art Sonderschule …und weil die Mutter heute nach Polen gefahren sei, könne sie heute kein Mittag machen und er wisse auch nicht, wann sie am Abend zurückkommt.
Habe ich ihm alles mit meinen Fragekünsten herausgelockt.
Und er hat jetzt einen Fußball.
Vielleicht war ich total dumm und der Junge erzählt seinen Kumpels, wie er letztens einen 33-Jährigen verarscht hat.
Vielleicht war ich total nett und der Junge ist dankbar, so etwas wie ein Weihnachtsgeschenk zu haben und seine Mutter bricht vor Rührung in Tränen aus.
Keine Ahnung.
Ich werde es merken, wenn ich ihn wiedersehe.

2) Dann bin ich noch schnell in den neuen Laden an der Heerstraße gegangen.
Dort werden gebrauchte, aber gut erhaltene Möbel verkauft.
Organisiert von Betel.
Freut mich sehr, dass die jetzt im Kiez sind.
Habe unser Projekt kurz vorgestellt und durfte Flyer von uns am Tresen lassen.
Bin gespannt, ob sich hier noch tiefere Beziehungen ergeben. Irgendeine Zusammenarbeit vielleicht.

Solche kleinen Geschehnisse führen bei mir dazu, dass ich denke:
“Nein – das Projekt sollten wir nicht aufgeben!”

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Eine Antwort zu “Draußen”

  1. Schon wieder der Junge « dikosss blog sagt:

    [...] Schon wieder der Junge War eben am Einkaufszentrum. Sehe schon wieder den Jungen. [...]

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