Gemeindegründen in Deutschland

Seit einigen Jahren ist unter den Christen in Deutschland das Bewusstsein gewachsen:
„Wir brauchen mehr Gemeinden!“

Deutschland ist nicht unbedingt das Land der Mega-Gemeinden.
Aber kleinere Gemeinden können durchaus in absehbarer Zeit entstehen.

Dieses Bewusstsein ist auch bei größeren Gemeindeverbänden angekommen und z.T. sogar bei der Ev. Landeskirche.

Mittlerweile werden Lehrgänge für potentielle Gemeindegründer angeboten.
Manche Bibelschulen behandeln das Thema der Gemeindegründung.
Es gibt einige, wenige Materialien auf Deutsch für dieses Thema.

Komischerweise gibt es so etwas wie bezahlte „Planstellen“ nicht (ich muss deutlich machen, dass dies nur meiner bisherigen Erfahrung entspricht – Ausnahmen sind missionarische Projekte, die von Übersee finanziert werden sowie einzelne, wenige Verbände wie z.B. die Liebenzeller Mission, die mittlerweile auch in Deutschland gezielt Personen für Gemeindegründung anstellen, sofern diese bei der der verbandsnahen Bibelschule ihre Ausbildung gemacht haben).

Die Möglichkeiten für Gemeindegründer, finanzielle Unterstützung zu bekommen, sind also sehr eingeschränkt.
Ich sehe zur Zeit diese Möglichkeiten in Deutschland:
- Größere Verbände, wie die Liebenzeller Mission, senden Personen in die Gemeindegründung. Voraussetzung: Man muss bei der LM die Ausbildung absolviert haben und für die Gemeindegründung geeignet scheinen. Solch größeren Verbände, mit solchen Zielsetzungen, gibt es in Deutschland kaum.
- Ausländische Gemeinden/Verbände investieren (so nach meiner Erkenntnis z.T. auch das Berlin-Projekt). Die Vorausetzungen sind hier natürlich ganz unterschiedlich. Ich schätze, dass eine wesentliche Bedingung der vorangegangene persönliche Kontakt ist.
- Ein persönlicher Unterstützerkreis: Der Gemeindegründer muss andere Christen für das Projekt einer Gemeindegründung interessieren und um finanzielle Unterstützung bitten.
Diese Variante ist nicht jedem angenehm. Auch ist in Deutschland eine solche Spendenkultur längst nicht so ausgeprägt wie wohl in den USA. D.h.: Diese Variante kommt vor, entspricht m.E. aber nicht dem Normalen.
- Eine einzelne deutsche Gemeinde finanziert eine Stelle. Auch das kommt vor, wiewohl die meisten Gemeinden zuerst in den „eigenen“ Pastor und mitunter das eigene Gebäude investieren. IdR. bleibt nicht viel Geld übrig, so dass nur wenige Gemeinden die Bereitschaft zum Risiko tragen wollen.
- Die „Zeltmacher-Methode“: Paulus, der Apostel, arbeitete vor ca. 2000 Jahren als Gemeindegründer. Mitunter arbeitete er nebenher handwerklich, um sich das Nötige zu verdienen – allerdings hat er wohl auch hin und wieder Hunger leiden müssen. Diese Methode scheint für Gemeindegründer, die keine Gemeinde, keinen Verband und keinen Unterstützerkreis im Hintergrund haben, die einzig brauchbare zu sein. Voraussetzung hierfür ist natürlich, dass man überhaupt einen Job findet und dieser kompatibel mit einem Gemeindegründungsprojekt ist (ein Kassenjob wäre wohl kontraproduktiv, da z.T. Arbeitszeiten bis 20:00 Uhr oder auch Wochenendarbeit verlangt werden).
- Eine letzte Variante noch: Einen reichen Onkel beerben oder im Lotto gewinnen! :-)

Ich hatte verschiedene Verbände und Organisationen angeschrieben, ob sie wüssten, wer in Deutschland Gemeindegründungsprojekte unterstützt. Es gab jede Menge Absagen und lediglich eine (halb-) positive Antwort. Diese kam von der FeG-Deutschland. Finanziell unterstützt werden im Einzelfall (auch nicht immer!) Kandidaten, die vorab eine interne Schulung absolviert haben. Kandidaten von „außen“ werden nicht zwangsläufig abgelehnt. Eine Finanzierung scheint aber praktisch eher sehr selten zu sein.

Tja, so ist das.
Das Bewusstsein für Gemeindegründung in Deutschland ist hier und da gewachsen.
Mancher Verband und einzelne, wenige Gemeinden bewegen auch was.
Aber gemessen daran, wie die finanzielle Seite des Geschehens aussieht, scheint manches mehr ein frommer Wunsch zu sein als ein gezieltes und kräftebündelndes Vorgehen.

Anbei ein paar Links zum Thema (eher ungefiltert):
- Konferenz für Gemeindegründung
- Gemeindegründungswerk
- Mühlheimer Verband
- Freikirchliches Evangelisches Gemeindewerk
- Anskar-Kirche
- AMD
- FeG-Deutschland
- Liebenzeller Mission
- Berlin-Projekt
- Gemeinsam für Berlin

Aus dem Stehgreif hier ein paar Gemeindegründungsinitiativen in Berlin:
- The Rock in Spandau
- Vineyards
- Türkische Christen mit Tom
- Rudi & Olga in Spandau
- ein Hauskreis in Nauen
- Staaken-Projekt
- ???

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One Comment on “Gemeindegründen in Deutschland”


  1. Hi – von den Vineyard-Weinbären gibt es auch Ressourcen … siehe http://www.neue-gemeinden.de – Grüße vom Marcus


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