…oder: Wie teile ich?
Holistisches Christsein erkennt sich als ein Teil eines Ganzen, ohne sich nur auf das Teil-Sein zu fixieren.
Diese Erkenntnis führt zu Lebensäußerungen.
Dies hat Auswirkungen auf das wirtschaftliche Zusammenleben.
Ein Blick in die Tageszeitungen (oder das Internet) genügt, um immer wieder vor Augen geführt zu bekommen, dass die Kluft zwischen Arm und Reich größer wird. Dies wurde bei mir schon zu Schulzeiten erörtert (mind. 15 Jahre her) und erweist sich zunehmend als wahr (ein aktuelles Beispiel: die Manager-Gehälter).
Zur Zeit bin ich selber ALG I-Empfänger, kenne aber auch genügend ALG II-Empfänger sowie Gutverdienende. Alles Christen.
Was heißt „holistisches Christsein“ in diesem Kontext?
Das Parade-Beispiel ist das Zusammenleben der ersten Gemeinde in Jerusalem.
Die Christen waren ein Herz und eine Seele und infolgedessen teilten sie ihren Besitz, damit auch die Armen versorgt sind (u.a. Apg. 2).
Ein anderes Beispiel ist die Nahrungsvermehrung für die 5000 ( Mk 6; Mt 14; Joh 6; Lk 9).
Auch hier findet ein Teilen statt. Ganz ketzerisch habe ich schon überlegt, ob es sich überhaupt um ein Wunder handelt oder ob Jesus hier nicht vielmehr eine Anleitung zum Teilen gegeben hat (denn dieses Geschehen wird zwar als „Zeichen Jesu“ beschrieben, dies kann aber auch darin bestehen, dass Jesus gezeigt hat, dass es möglich ist, mind. 5000 Menschen zu sättigen, auch wenn nicht jeder was zum Essen dabei hat. Es war deswegen möglich, weil vielleicht jeder 3. oder 4. was dabei hatte und es nun mit den anderen geteilt hat – so wie Jesus es vorgelebt hat.).
In meiner Gemeinde findet manchmal ein ähnliches Teilen statt.
Öfters ist es das gemeinsame Essen:
Bei einem Glaubenskurs, nach manchen Gottesdiensten oder zu einigen Gruppentreffen wie dem Teenykreis (FRIENDS). Jeder bringt ein bisschen mit und damit reicht es für alle.
Es gab auch schon Fälle in der Gemeinde, wo Wohlhabendere den Ärmeren finanziell geholfen haben. Das läuft dann mehr unter der Hand und wird nicht öffentlich im Gottesdienst angekündigt.
Mit einer christlichen Ethik könnten auch die Manager Deutschlands das Teilen lernen.
Zwar halte ich es für gerechtfertigt, wenn sie aufgrund ihrer höheren Verantwortung auch mehr Geld kassieren als der Hausmeister; aber ein Manager, der das Teilen Jesu vor Augen hat, würde wohl von selbst merken, ab wann sein Gehalt unangemessen ist. Z.B. dann, wenn er Millionen einfährt, WEIL er drastische Spaßmaßnahmen durchgeführt hat und infolgedessen Angestellte gekündigt wurden.
Ein Teilen im Sinne von Jesus würde dazu führen, dass der Manager vorerst bei sich selbst die Sparschraube ansetzt, bevor er Leute entlässt.
Ähnliches gilt für unsere Bundestagsabgeordneten: Bevor sie sich eine Diätenerhöhung gönnen, würden sie zuerst mit Fleiß daran arbeiten, gegen die Kinderarmut Maßnahmen zu ergreifen.
Aber dafür muss das Herz von Jesus ergriffen sein.
Das Teilen im Sinne Jesu kann auch im privaten Bereich bestens funktionieren.
Wenn ich den Wocheneinkauf mache, könnte ich für 2-3 EURO ein bisschen mehr kaufen und diese Waren an Nachbarn oder Freunde verschenken. Ein Zeichen der Liebe und des Teilens.
Weitergedacht würde ein Teilen im holistischen Christsein dazu führen, dass Tauschgemeinschaften entstehen. In einer Gemeinde würden manch Reichere die Ärmeren mittragen. Die Ärmeren könnten im Austausch bei den Reicheren im Haushalt Reparatur-Arbeiten durchführen, bei Umzügen helfen oder andere Arbeiten übernehmen, um eben das zu teilen, was sie haben und können.
Eine Gemeinde würde dadurch enger zusammenrücken.
Die Motivation wäre die Liebe und Gnade Gottes, die weiterverschenkt werden will.
Und die Gemeinden wären wieder wie in Jerusalem damals ein Zeichen der Liebe Gottes!
Tags: Abgeordnete, Arm und Reich, Diäten, Gemeinde, Holistisches Christsein, Jesus, Managergehälter, Teilen
You can comment below, or link to this permanent URL from your own site.
Dezember 5, 2007 at 5:22
[...] – und es reicht nur knapp oder gar nicht. Umso mehr müssen sich unsere christlichen Gemeinden zu Tauschgemeinschaften [...]
Dezember 8, 2007 at 4:19
„Wenn ich den Wocheneinkauf mache, könnte ich für 2-3 EURO ein bisschen mehr kaufen und diese Waren an Nachbarn oder Freunde verschenken.“
Das wäre natürlich ein schönes Zeichen der Liebe und Aufmerksamkeit.
Aber ist es nicht dringender, den Bedürftigen zu geben? Auf meinen U- und S-Bahnfahrten durch Berlin begegnen mir täglich mindestens drei bedürftige Menschen, die mir ihre Armut und ihr Leid ans Herz legen mit der Bitte um Spende.
Ich weiß, dass ein Euro oder Essen, das ich spende, die Armut nicht beseitigt und vielleicht nur dazu da ist, um mein schlechtes Gewissen oberflächlich zu beruhigen. Jedenfalls ist es einfach, die 2-3€, die ich beim Einkauf mehr ausgebe, nicht meinen reichen Nachbarn zu widmen, sondern den Ausgestoßenen.
Das reicht allerdings nicht wirklich, ist nur ein Anfang…
Dezember 9, 2007 at 9:40
Das Beispiel mit den 2-3 € ist nur ein kleines, alltägliches Puzzlestück.
Das Ding ist doch:
Unser Leben besteht aus „dem“ Alltag.
Selten sind wir zu großen Heldentaten aufgefordert.
Unser Alltag besteht wiederum aus vielen kleinen Details.
Die 2-3€ sind so ein Detail.
Dabei darf es nicht stehen bleiben.
Es müssen andere Details dazu kommen.
Sich Zeit für jemanden nehmen, jemanden beim Umzug helfen, jemanden zwischendurch und einfach so eine Karte schreiben…
Letztlich geht es um ein Sich-Verschenken (was mir ziemlich schwer fällt, weil ich mich gerne bei mir habe!).
Einiges hängt auch vom Wohnort ab.
Manche begegnen tagtäglich der Armut.
Andere sehen das höchstens im Fernsehen.
Trotzdem glaube ich, dass es auch seelisch Arme gibt oder geistig Arme gibt.
Die mögen zwar materiell gesegnet sein, sind aber vom Konsum gefangen und brauchen eigentlich eine Horizonterweiterung.
Wer immer wieder der Armut begegnet, kann sich schnell ohnmächtig fühlen.
Man gibt den EURO nicht mehr, weil man meint, es würde nur das eigene Gewissen befriedigen.
Der Bettler hingegen würde es sehr toll finden, wenn wir unser Gewissen befriedigen.
Natürlich wird damit nicht das Problem der Armut gelöst.
Es gibt wahrscheinlich auch nicht DAS Patentrezept, sondern eben viele Puzzlestücke.
Eines der authentischsten ist für mich die „Christen-WG“ mit Shane Claiborne.
Bewusst in das Ghetto ziehen, bewusst das Leben mit Armen teilen – und das heißt nicht immer: Ich gebe Geld!
Sondern das heißt dann vielmehr: Nachhilfe zu geben, Reparaturarbeiten durchführen, in der Nachbarschaft anpacken…
Das bleibt für mich schon herausfordernd:
Wie kann ich das in meinem Umfeld leben?
Oder gar:
Sollte ich auch in ein Berliner „Problemkiez“ ziehen?
Dezember 10, 2007 at 6:32
Anbei noch ein link zu Beiträgen von Peter zum Thema „Glaube vs. Versicherungen“, was im weiteren Sinne auch mit Teilen zu tun hat:
http://www.elia-gemeinschaft.de/wordpress/2007/06/21/konsumgesellschaft/glaube-vs-versicherungen-4-beispiele-tragender-gemeinschaft