Holistisches Christsein

By dikosss

Wir leben in einer Gesellschaft, die es gelernt hat, Teile eines Ganzen isoliert zu betrachten.
Eine klassische Trennung im Bezug auf den Menschen ist die Differenzierung zwischen Körper, Seele und Geist. Gerade auf dem Gebiet der Schulmedizin wurde weitesgehend und hauptsächlich der Körper betrachtet, während das Wechselspiel zwischen Körper, Seele und Geist eher nebensächlich war.
Wir beobachten in den letzten Jahren eine leichte Trendwende, hin zur Alternativ-Medizin, die z.T. bewusst damit wirbt, den ganzen Menschen im Blick zu haben.

Die Reduktion einzelner Lebensbereiche ist sicherlich eine Frucht des antik-griechischen Denkens.
Durch die Aufklärung kam es zur verstärkten Vorrangstellung der Vernunft – und damit wurde ebenso ein begriffliches Element des Menschseins betont (wie in der Schulmedizin der Körper, so in der Aufklärung die Vernunft/der Verstand).
Das ist an sich und zunächst nicht schädlich. Schließlich haben wir die Fähigkeit, gedanklich zu isolieren, Teile eines Ganzen genauer in’s Visier zu nehmen.
Wenn nach einem solchen Prozess aber nicht die Rückführung in das Ganze vorgenommen wird, entsteht eine Kluft. Zuerst begrifflich, dann auch in der Verhaltensweise.
In unserer Gesellschaft hat diese Rückführung wohl eher selten stattgefunden.

Dies hat Folgen für den christlichen Glauben.
Auch die westeuropäischen Christen begannen, Körper, Seele und Geist differenziert zu betrachten.
So verfestigte sich in manchen christlichen Kreisen die Vorstellung, dass sich eine gute Versammlung u.a. dadurch auszeichnet, dass die Anwesenden in der körperlichen Starre verharren müssten.

Erst mit manchen Erweckungsbewegungen kam es zu “spontanen” Vereinheitlichungen:
Mehr und mehr Christen standen in den Versammlungen nun auf, klatschten vielleicht auch mal in die Hände … die geistlichen, seelischen Erfahrungen wollten sich körperlich ausdrücken. Raus aus der Starre.

In dieser Zeit (Anfang des 20.Jahrhunderts) kam es dann aber zu Spaltungen ( eventuell die fortgesetzte Reduktion, die schon im Denken verankert war), insbesondere in der deutschen Christenheit. Denn diese neuen Aufbrüche im christlichen Leben führten auch zu manchen theologischen Aufbrüchen, die nicht immer dem biblischen Sinn entsprachen – und manchmal gerade dem biblischen Sinn entsprachen.
Es fand wieder eine Reduktion statt:
Nun gab es DIE Charismatiker und DIE Pietisten.
Manche Grabengefechte verschärften die Differenzen.

Das möglicherweise größere Lager “der” Pietisten war im geistigen, seelischen Gefecht, was natürlicherweise zu Folge hatte, dass man sich umso mehr auf die eigene Position zurückzieht.
Körperliche Reaktionen auf geistlich-seelische Erfahrungen von Christen wurden in manchen Kreisen zunehmend als suspekt betrachtet.
So konnte (kann) es sein, dass man in manchen solcher Kreise als “charismatisch” gilt, wenn man beim (eventuell vorhandenen) musikalischen Lobpreis die Hände hebt.
Und “charismatisch” ist dann gleichgesetzt mit “Irrlehre und Ungeistlichkeit” (d.h.: der wahre geistliche Christ würde starr auf dem Stuhl hocken).

Zwar gab es in den letzten Jahren wieder einige Annäherungen zwischen den Lagern und sogar manche versöhnende Aussprachen. Zudem mag eine Generation heranwachsen, der eine solche Kluft völlig fremd ist.

Abgesehen von diesen trennenden Auswirkungen, ist ein solches reduziertes Christenleben nicht biblisch.
Schon ein Blick in die altestamentlichen Psalmen zeigt, dass Körper, Seele und Geist auf’s Engste zusammengehören.
Sogar im höchsten Gebot ist davon zu lesen, dass Gott mit unserem gesamten Menschsein zu lieben ist.
Diese orientalisch-hebräische Natürlichkeit ist sicherlich etlichen westeuropäischen Christen verloren gegangen.

Schon der Inhalt des höchsten Gebotes zeigt auf, dass es bei einem holistischen Christsein möglicherweise gar nicht um eine Beliebigkeit geht, sondern vielmehr um ein erstrebenswertes, sinnvolles und gottgemäßes Ziel. Da Gott uns ganzheitlich erschaffen hat, erscheint es am gesündesten, wenn dieser Ganzheitlichkeit im Leben Ausdruck gegeben wird.

D.h.: Wir hätten es nicht mehr einer Stil- oder Geschmacksfrage zu tun, sondern um ein gottgemäßes Heilwerden an Körper, Seele und Geist. Sozusagen eine Ganzheil-lichkeit.

Weiteres folgt.

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2 Antworten zu “Holistisches Christsein”

  1. Holistisches Christsein II « dikosss blog sagt:

    [...] Christsein II Hier habe ich angedacht, dass die Bibel von einem holistischen Glauben ausgeht. Denn: Gott hat uns mit [...]

  2. Christsein muss anders sein oder: Wie teile ich? « dikosss blog sagt:

    [...] verspüre. Ich versuche das mit dem Begriff “Holistisches Christsein” anzudenken ( I / II / III ). Dabei geht es weniger darum, etwas “Neues” zu erfinden, sondern das m.E. [...]

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