Hier habe ich angedacht, dass die Bibel von einem holistischen Glauben ausgeht.
Denn: Gott hat uns mit Verstand, Gefühl, Seele, Geist & Geistlichkeit … erschaffen.
Es gehört zusammen und erst im harmonischen Zusammenspiel erfahren wir ein vollumfängliches Heil.
Neben einer vielleicht mehr privat gelebten Frömmigkeit (Besuch von christlichen Versammlungen, Gebet, Bibellese etc.), existieren aber noch viele andere Lebensbereiche.
Wenn wir diese im einzelnen betrachten, fällt auf, dass wir, um das Ganze besser verstehen zu können, auf das Isolierte schauen müssen. Dann aber muss wieder die Rückführung zum Ganzen geschehen.
Ein holistisches Christsein beinhaltet also durchaus die Reduktion, darf aber nicht im Detail stecken bleiben.
D.h.:
Unser Glaube hat Auswirkungen auf unser Leben.
Egal, was wir glauben – es hat immer Folgen im Denken und Verhalten.
Um das aber besser verstehen zu können, ist es hilfreich, unser Leben in kleinere Happen zu schneiden.
Das ist Holistik und Reduktion (warum ich diese Begriffe verwende? Weil es sich schön griffig anhört, diese Begriffe m.E. gut passen und dem Ganzen damit irgendwie eine gewisse Relevanz verliehen wird, nach dem Motto: Man kann viel Stumpfsinn schreiben, aber wenn viele schwierige Wörter auftauchen, muss es einfach wichtig sein!
).
Wenn wir unsere Lebensbereiche anschauen, dann wissen wir als Christen:
Es gibt nicht nur das Gemeindeleben im Gemeindehaus!
Aha!
Wir haben Nachbarn, Freunde, sind vielleicht in einem Sportverein, leben in einer Stadt, einem Dorf, leben unter einer bestimmten Regierung … kurzum:
zig Faktoren und Beziehungen beeinflussen unser Leben und wir wiederum beeinflussen die Leben anderer mit unserem Leben.
Bei Jesus.de habe ich versucht, diesen Horizont mit einem Posting mal anzuvisieren.
Bislang hat sich einer gemeldet, wobei ich mit der Antwort nicht viel anfangen kann.
Möglicherweise war mein Posting voll daneben.
Möglicherweise hat es so in’s Schwarze getroffen, dass es mehr Betroffenheit auslöst als eine Schreibtüchtigkeit.
Oder etwas von beidem.
Ich entdecke nur (Dank an Shane Claiborne):
Wir Christen (oder wir Menschen?) haben die Tendenz, uns in uns selbst zurückzuziehen.
Es entstehen Parallelgesellschaften.
Auf dem christlichen Sektor fällt das besonders vor Weihnachten auf.
Ich bekomme massenweise Bücher- und Geschenkkataloge von christlichen Unternehmen zugesendet.
Da gibt es “alles”: von z.T. guten christlichen Büchern bis hin zu Tassen und Kerzen, die einen frommen Spruch drauf haben. Für Israel-Fans gibt’s natürlich Special-Kataloge mit Produkten nur aus Israel. Es gibt tonnenweise christliche Musik – viel Gutes, aber doch wirkt es in der Masse wie ein Appell, der christlichen Unterhaltungsindustrie zu frönen.
Christliche Parallelgesellschaft.
Aber ein holistisches Christsein sieht über den Tellerrand.
Ein Negativ-Beispiel:
Es gibt Gemeinden, die leben mit ihrem Gemeindehaus in einer sozial schwierigen Gegend.
Was ist ihr Hauptproblem?
Dass Jugendgangs ihre Graffitis an die Wand des Gemeindehauses schmieren.
Ein Positiv-Beispiel:
Es gibt Gemeinden, die leben mit ihrem Gemeindehaus in einer sozial schwierigen Gegend.
Was ist ihr Hauptproblem?
Dass sie nicht genügend Mitarbeiter haben, um allen Jugendlichen im Kiez zu helfen.
Ein praktisches Positiv-Beispiel aus der jüngsten Vergangenheit:
Jochen vom Vineyard-Netz Berlin und “seine” Leute hatten dazu aufgerufen, sich einer Demo gegen Nazis in Berlin anzuschließen.
Christen, die so etwas tun, brechen aus der Parallelgesellschaft auf bzw. verhindern von vornherein, dass eine solche entsteht.
Denn sie sehen sich als Menschen in ihrem Kiez, in ihrer Stadt – ob Christ oder nicht.
Wenn Nazis aufmarschieren, dann geht es nicht nur die “Linken” was an, sondern dann geht es jeden von uns was an.
Ein holistisches Christsein sieht das und agiert/reagiert.
Ein reduziertes – und m.E. erkranktes Christsein – würde diesen Nazi-Marsch womöglich nicht wahrnehmen und im besten Fall würde es einige, wenige Christen geben, die “dagegen” beten würden.
Ich meine:
1) Ein holistisches Christsein erfährt sich bewusst mit Körper, Seele und Geist.
Erst im harmonischen Zusammenspiel dieser Elemente erfahren wir das Heil Gottes (”erfahren” heißt nicht, dass wir das Heil Gottes nicht schon zugesprochen bekommen hätten, sondern bezieht sich auf die Sinnes- und Denkwelt des Einzelnen).
Konkret: Wer in der Versammlung Gott begegnet, kann eigentlich in den seltensten Fällen still sitzenbleiben. Wer Gott wirklich begegnet, dessen Seele und Geist wollen dem körperlich Ausdruck geben. Wo das verhindert wird, leben wir ein reduziertes Christsein. Wer sich aber als Einheit/als Ganzes erfährt, der wird gesunde Ausdrucksformen finden.
2) Ein holistisches Christsein erfährt sich bewusst im Verein, Freundeskreis, in der Stadt/im Dorf, im Kiez… und lebt ebenso bewusst darin. Als Christ in der Gesellschaft und nicht neben ihr.
Konkret: Ein holistisches Christsein kann bedeuten, sich einer Demo anzuschließen. Sich für seinen Kiez einzusetzen. Gute Nachbarschaft zu leben.
Weiteres folgt.
Schlagworte: Christ, Frömmigkeit, Gott, Holistisches Christsein, Jesus, Parallelgesellschaft, Reduktion, Vineyard
Februar 14, 2008 um 5:01
[...] wo der Schäfer lenkt und denkt für die Schafe, ach ja da gibt es dann noch den Hütehund, der dafür sorgt, daß wenn ein Schäfchen aus der Reihe tanzt, es sehr schnell in den Schoß der Herde [...]