Shane Claiborne – dem sein Buch

Hatte gerade ein Gespräch mit dem Pastor meiner Gemeinde.
Will gleich ein Nickerchen machen.
Nicht wegen des Gesprächs.
Sondern weil meine Nacht so besch…eiden war. Hatte Rückenschmerzen. Bin immerhin schon über 30!
Erst kurz vor 05:00 Uhr morgens ist mir eingefallen, dass ich vielleicht eine Aspirin nehmen könnte.
Da hat man Abi … und was bringt’s!? Erst um kurz vor 05:00 … o Mann!
Bin daher ziemlich down.

Da ich aber noch runterkommen will (vom Gespräch (war gut und offen, nichts Schlimmes) ), ein paar Facts aus dem Buch von Shane Claiborne „Ich muss verrückt sein, so zu leben“.
Ein geniales Buch!

Aber zuerst das Kritische:
Eine Sache fiel mir auf, die ich theologisch für nicht haltbar erachte:
Shane erweckt den Eindruck, als wären alle Menschen auf dieser Welt Gottes Kinder.
Das kann ich biblisch beim besten Willen nicht mitmachen.
Gottes Kinder werden wir erst, wenn wir eine Beziehung zu Jesus Christus entwickeln.
Aber nun gut. Das ist auch schon fast das Einzige.

Denn ansonsten fasziniert das Leben von Shane und „seinen“ Leuten.
Sie scheinen das zu verbinden, was gerade in Deutschland so auseinander dividiert wurde:
Theologie und Praxis.
In Deutschland haben wir die sog. liberale Landeskirche. Manche Organisationen wie z.B. die Konferenz für Gemeindegründung (die immer wieder gute Inputs bringt) empfehlen gar, aus der Landeskirche auszutreten, weil sie theologisch oft so wischi-waschi oder gar falsch ist.
Das hört sich manchmal sehr konsequent an.
Doch letztlich müsste ich mich dann von mir selbst trennen, denn ich bin theologisch auch nicht immer richtig. Man kann auch übergeistlich sein.
Auf jeden Fall hat die Landeskirche tendentiell eine eher kritische Haltung zu ihrer eigenen Quelle: der Bibel. Klar, es ist, als würde man sich den Ast abschneiden, auf dem man sitzt.
Aber: Sie tun viel Gutes. Kindergärten, Krankenhäuser, Essensversorgung … toll!

Die theologisch „Richtigen“ in Deutschland mögen zwar durch ihre Festigkeit in der Bibel glänzen, aber es fehlt dann doch oft in Sachen Diakonie. So beobachte ich das zumindest in Gemeinschaftskreisen.

Shane Claiborne bringt aber das jeweils Gute zusammen:
Das intensive Nachdenken über biblische Inhalte.
Dann aber nicht stehen bleiben, sondern das Erkannte muss zur Tat werden.

Also helfen er und andere Christen anderen Menschen.
Zum Beispiel, indem sie ein Kirchengebäude „besetzen“, das geräumt werden soll, weil dort Obdachlose wohnen. Eine Geschichte, die mir die Tränen in’s Gesicht getrieben hat.
Oder, indem Shane in den Irak fliegt, während dort der Krieg tobt. Er lernt die irakischen Kinder und Menschen kennen, ihre Trauer, ihren Schmerz, ihre Wut und wird so selbst fast Opfer von amerikanischen Bomben. Später wird er dann fast als Terrorist behandelt und der Geheimdienst hat sogar schon einen Aktenordner über ihn angelegt.
Oder, indem er und „seine“ Leute im Herzen eines amerikanischen Ghettos leben und beginnen, ihre Nachbarschaft mit Liebe und Teilen anzustecken.

Shane verwahrt sich dagegen, „Heiliger“ genannt zu werden, weil das eine Kluft aufbauen würde.
Er ist auch kein Heiliger. Aber er gehört zu den Leuten, die bereit sind, das Erkannte auch zu leben.
Dafür bin ich oft zu bequem. Mit seinem Buch fordert er dazu auf, seinen Glauben praktisch werden zu lassen und nicht nur auf die klassischen christlichen Gruppentreffen und ein bisschen Morgengebet zu reduzieren.

Dazu kann es dann auch gehören, sich manchen Demos anzuschließen.
Weil es um die Rechte von Schwachen und Ausgenutzten geht.

Christsein und Politik sind für ihn keine Gegensätze.
Aber es ist eben nicht das Bild von einem christlichen Politiker, das wir uns aus den Bush-Auftritten gezimmert haben. Seine christliche Politik ist total anders:
Für den Umweltschutz, für den fairen Handel, gegen Krieg und Ausbeutung…
Er wäre demgemäß eher zu den Grünen zu rechnen, was aber nicht wirklich passt, weil er dann doch eine christliche Ethik hat.

Anbei ein paar Zitate aus dem Buch, um auf den Geschmack zu kommen („Ich muss verrückt sein, so zu leben“, im Original „The Irresistible Revolution“, in Deutschland erschienen im Brunnen-Verlag, 2007, ISBN 978-3-7655-3935-0):

- „Zwei Typen unterhalten sich. Sagt der eine, er hätte eine Frage an Gott. Er würde gerne wissen, warum Gott es zulässt, dass es auf dieser Welt so viel Armut, Krieg und Leid gibt. Und sein Freund sagt: ‘Und warum fragst du ihn nicht?’ Der andere schüttelt den Kopf und sagt, dass er Angst hätte. Als sein Freund fragt, wieso, murmelt er: ‘Ich hab Angst, dass Gott mich dasselbe fragt.’ “ (S.63)

- „Er [Jesus] speiste die Zigtausend, aber am nächsten Tag hatten sie doch wieder Hunger. Doch was bleibt, ist die Erinnerung an seine Liebe. Wichtig war nicht, dass er einen Leprakranken heilte, sondern dass er ihn berührte – niemand sonst rührte Leprakranke an.“ (S.84)

- „Wahre Großzügigkeit wird nicht daran gemessen, wie viel wir weggegeben haben, sondern daran, wie viel uns bleibt, besonders, wenn wir sehen, wie viel unseren Mitmenschen fehlt.“ (S.155)

- Er unterhält sich mit einem Bischof im Irak. Dieser verweist darauf, dass das Land von Tigris und Euphrat das Land seiner Vorfahren gewesen sei. Shane:
„Ich war platt – wegen meiner Ahnungslosigkeit und wegen der uralten Wurzeln meines Glaubens. Das Land meiner Vorfahren. Der christliche Glaube ist nicht in Amerika erfunden worden … was sagst du nun?“ (S.202)

- Zu den Christen, die meinen, dass sie ihre Schwächen nicht zugeben dürften, sagt er:
„Wenn die Leute wirklich wüssten, was für Idioten wir sind, wie kaputt, wie verletzlich, dann wüssten sie, dass das auch was für sie sein könnte. Das Christentum ist für Kranke.“ (S.244)

- „Wenn Menschen über Ungerechtigkeit reden, hängt oft dräuend eine dunkle Wolke aus Schuld über ihnen. Freude und Feier sind für gewöhnlich kein Kennzeichen für progressive Gruppen. Für konservative christliche Kreise nebenbei bemerkt auch nicht. Die Jesus-Bewegung aber ist eine Revolution, die tanzt. Feier ist ein Kernstück unseres Reiches.“ (S.299)

- „In Zeiten von Gotteshäusern, die Millionensummen verschlingen, kann man sich nur mit Mühe vorstellen, dass Gott Zelten den Vorzug gibt. Doch Gott stand schon immer auf Camping.“ (S.310)

So – das muss reichen. Lies selbst und Du wirst eine neue Art des Christseins entdecken. Oder vielleicht einfach auch nur den Kern des Christseins.

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2 Comments on “Shane Claiborne – dem sein Buch”


  1. [...] entdecke nur (Dank an Shane Claiborne): Wir Christen (oder wir Menschen?) haben die Tendenz, uns in uns selbst zurückzuziehen. Es [...]


  2. [...] Einhergehend damit war ein neues hermeneutisches Bewusstsein: Wie lese ich eigentlich die Bibel? Welche Brille habe ich dabei auf? Berücksichtige ich den Kontext? Die Übersetzung? Andere Überzeugungen und Erkenntnisse? Die Absicht des Verfassers? Wenn ich die Worte der Bibel auslege, muss ich meine Auslegungsmethode immer wieder kritisch hinterfragen. Dabei merke ich mehr und mehr: Es gibt einige unabänderliche biblische Aussagen, die das Zentrum des Glaubens darstellen. Ein Rütteln an solchen Aussagen führt zur Aufgabe des christlichen Glaubens. Es gibt aber m.E. sehr viele biblische Aussagen, die z.T. recht unterschiedlich gedeutet werden können. Ein “Richtig” und “Falsch” erscheint mir nicht immer möglich, es sei denn: Gott selber spricht den Lesenden direkt im Herzen an. Aber insgesamt führt mich das zur intellektuellen Bescheidenheit. Ich will andere Auslegungen stehen lassen können, ohne deswegen die Einheit in Christus oder gar die Rechtgläubigkeit meines Gegenübers anzuzweifeln. Dies steht im Kontrast zur menschlichen Tendenz, Recht haben zu wollen und sich dann gegenüber anderen Menschen abzugrenzen, weil man meinen würde, die bessere Erkenntnis zu haben. Ich sage nur iSv. 1.Kor.13: Ohne Liebe kannst Du Dein Wissen in die Tonne treten! Zwei weitere Meilensteine auf diesem neuen Denkweg sind – die Emerging-Bewegung und – das Buch von Shane Claiborne. [...]


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