Muss ich die vielen Verse Jesu über unseren Umgang mit dem Geld und dem Besitz wiederholen? Wer sie nicht kennen sollte, möge einfach irgendeines der vier Evangelien lesen und dürfte recht bald fündig werden.
Es fällt auf, dass Jesus fast nur Kritisches im Bezug auf den Materialismus zu sagen hat – und dass in einer Zeit, in der es keine Computer und DVD-Player gab!
Mir ist nur eine Stelle eingefallen, in der Jesus ein wenig positiver über Geld & Besitz spricht (“Mammon”):
“Macht euch Freunde mit dem ungerechten Mammon,…” (aus Lukas 16,9)
Naja, im Grunde spricht er noch immer nicht positiv über den Mammon, sondern scheint in dem eher ein Übel zu sehen, das nun mal da ist und wenn es denn schon da ist, man es wenigstens dafür verwenden kann, dass andere Menschen zu Freunden werden.
Eine der krassesten Geschichten über den Mammon finden wir in Markus 10,17 ff. Ein wohlhabender junger Mann ist fasziniert von Jesus. Der junge Mann meint es ernst mit Gott. Er will wirklich rechtschaffen sein.
Doch dann kommt Jesus auf einen wunden Punkt zu sprechen. Er sagt zu ihm:
“Eines fehlt dir. Geh hin, verkaufe alles, was du hast, und gib’s den Armen, so wirst du einen Schatz im Himmel haben, und komm und folge mir nach!”
Watt’n Schock!
ALLES VERKAUFEN…!!!
Darf ich wenigstens mein Ring behalten?
Oder die drei Paar Schuhe?
Aber Jesus… dann doch wenigstens mein kleines, bescheidenes Zweithaus!?
Das kannst Du doch nicht wirklich so meinen, Jesus… alles? Wirklich alles?
Nein – das tröstet mich auch nicht, dass ich meine Sandalen und den Umhang behalten darf!
Und dann den Armen geben?
Aber Jesus – Du siehst doch, dass man damit nicht auf Dauer hilft. Das ist doch nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Wäre es nicht besser, wenn wir eine Stiftung einrichten?
Aber wieso so radikal, Jesus?
Und übrigens: Viele Arme würden das Geld doch eh versaufen!
Wir sollten wenigstens Bedingungen an den Geldempfang stellen, damit es wirklich in guten Händen landet.
Wie? Das willst Du auch nicht?
Ich soll mein hart erarbeitetes Geld einfach wegwerfen?
All meinen Besitz?
Meine Erinnerungen?
Tja, und dann Dir nachfolgen…
Das kann ja heiter werden. Naja, so viel mehr kann ich wohl nicht mehr verlieren.
Was?
Ich soll mein Leben um Deinetwillen verlieren? Mein Kreuz auf mich nehmen?
Nee, Jesus – ich brauche doch Trost und Zuspruch für meine Seele und nicht solche Forderungen!
Jesus – Du bist mir zu hart. Ich gehe!
–
Ob der reiche Mann wirklich so gedacht hat, ist den Evangelien nicht zu entnehmen. Aber die Reaktion war letztlich die gleiche: Er ging. Und zwar nicht mit Jesus.
In den letzten Wochen taucht diese Geschichte immer wieder in meinem Inneren auf. Und immer wieder denke ich: Sind wir Christen in den wohlhabenden Ländern nicht oft wie dieser reiche Mann?
Wollen große, prachtvolle Gemeindehäuser?
Die neue Soundanlage?
Wenigstens ab und zu eine DVD kaufen oder eine CD … oder wenigstens ein christliches Buch?
Man gönnt sich ja sonst nix…
Ich finde es extrem schwer, in dieser Gesellschaft und in Anbetracht meines relativen Wohlstandes ein einfaches Leben zu führen. Und der größte Widerstand liegt gar nicht außerhalb, sondern in mir.
Ich mag meine Bücher und CD’s. Ich habe gerne eine Vielzahl von Klamotten, damit ich nicht immer dieselben 2-3 Hemden tragen muss. Ich leiste mir gerne mal was vom Bäcker.
Muss ich das alles aufgeben, Jesus?
Viele Ausleger relativieren die harte Forderung von Jesus manchmal zu schnell: Geld an sich sei nicht schlecht (Jesus: “der ungerechte Mammon”), es komme nur darauf an, wie wir mit Geld & Besitz umgehen würden. Natürlich dürften wir Schätze auf der Erde sammeln (Jesus: “Sammelt keine Schätze auf der Erde!”), wir müssten nur aufpassen, dass unser Herz nicht daran hänge.
Unser Herz möge nicht daran hängen?
Na, dann mach’ doch mal die “Jesus-reicher-Mann-Probe” und verkaufe alles, was Du hast!
Wie?
Das fällt Dir schwer?
Hängt etwa Dein Herz daran?
–
Sind wir nun wie der reiche Mann?
Können wir Jesus nachfolgen und trotzdem Schätze auf der Erde sammeln?
–
Es könnte sein, dass der Materialismus die meisten Christen in unserem Land längst erfasst hat – und zwar so leise, dass wir es gar nicht merken.
Es könnte sein, dass der Materialismus eines der größten Hindernisse für eine erweckte Christenheit hierzulande ist.
–
Und wie mache ich das in meinem Leben?
Klar, immer wieder abgeben. Teilen. Spenden.
Aber auch das kann zur frommen Routine werden.
Ich habe nun meinen Bücherbesitz durchforstet und ebenso meine CD-Sammlung.
Ob ich alles verkaufen werde?
Ehrlich gesagt: Nein.
Aber viel davon.
Vielleicht auch verschenken.
Obwohl ich einen Verkauf besser finden würde.
Dann könnte ich den Ertrag spenden…
P.S. Auch Hermes denkt nach.
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